Wer etwas betont, sagt damit auch, dass es nicht mehr selbstverständlich ist: Lebendige Demokratie braucht eine Debatte über die öffentlichen Angelegenheiten, und die Presse hat über die Jahrhunderte viel dazu beigetragen. Sie hat den Informationsfluss vertieft. Den Meinungsaustausch belebt. Und es war auch noch ein gutes Geschäft.

Ein gutes Geschäft ist es hier und da noch immer, aber eben nur noch hier und da. Die alte Welt ist aus den Fugen. Süddeutsche Zeitung und Financial Times Deutschland , Zeitschriften wie stern und Capital – überall wird gespart, gekürzt, gekündigt. Das Hochglanzblatt Park Avenue wird dichtgemacht. Die Verlagsgruppe Holtzbrinck, zu der auch die ZEIT gehört, will bei Handelsblatt und Wirtschaftswoche die Kosten senken.

Der Hamburger Verlag Gruner+Jahr rechnet im schlimmsten Fall mit einem Umsatzrückgang von 20 Prozent in den nächsten acht Jahren. »Wir sind unglaublich unter Druck geraten und bewegen uns bei Printprodukten insbesondere im Wirtschaftsbereich auf eine spitzere Zielgruppe zu«, sagt Zeitschriftenvorstand Bernd Buchholz. Anders gesagt: Die Auflagen sinken. Deshalb sollen nun Journalisten und Verlagsmitarbeiter in Köln und München ihre Schreibtische räumen – was auf die eine oder andere Weise bedeutet: Das Informationsangebot wird schrumpfen. Vielfalt geht verloren.

In einzelnen Fällen mag man streiten, ob es die Blätter nur belastet oder schon zerstört. Dass in jedem Falle Bitteres geschieht, ist unumstritten und die Geschwindigkeit enorm. Abschwung, eigene Fehler und struktureller Leserschwund verstärken sich mancherorts auf geradezu fatale Weise.

Auch dieser Donnerstag wird kein guter Donnerstag für die Zeitungsbranche. Die Betriebsräte des größten deutschen Regionalzeitungsverlags, der Essener WAZ-Gruppe, sollen erfahren, wer gehen muss, wer bleiben darf – und wie schlecht es um das Unternehmen wirklich steht. Bald danach werden es auch die Leser von Dortmund bis Mülheim zu spüren bekommen. Denn es wird ein großer Schnitt kommen, der vielleicht größte Verlust publizistischer Vielfalt, der seit dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland an einem einzigen Tag verkündet wurde.

Die WAZ legt Lokalredaktionen im Ruhrgebiet zusammen

Dass die Lage die Verlagsmanager zum Handeln zwingt, ist unumstritten. Nur noch eine von vier Zeitungen, die die WAZ-Gruppe im Ruhrgebiet herausgibt, macht Gewinn. Es ist die größte von ihnen, die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (rund 550.000 Auflage), doch auch sie verliert in beunruhigendem Tempo Leser und kann die Verluste der übrigen Zeitungen nicht mehr ausgleichen. Allein das Schwesterblatt aus Dortmund, die Westfälische Rundschau, verliert in diesem Jahr 20 Millionen Euro. Dort erreiche die Verzinsung auf das eingesetzte Kapital inzwischen minus 30 Prozent, heißt es im Verlag.