Die Frage: Frida und Marc sind schon lange zusammen. Sie haben viel miteinander unternommen und immer viel Spaß gehabt. Frida mag Marcs unkonventionelles Wesen – auch weil sie mit starken bürgerlichen Werten aufgewachsen ist und, bevor sie Marc kannte, stets das Gefühl hatte, einen etwas zu verkrampften Blick auf das Leben zu haben. Was Marc mit seinem Geld macht, hat sie nie interessiert. Dann ziehen sie zusammen. Marc kauft sich einen teuren Plattenspieler – er gibt freizügig Geld aus, das er eigentlich für die Steuererklärung zurücklegen sollte. Ständig verschlampt er wichtige Dokumente. Frida ist nun doch genervt. Marc verteidigt sich: "Das ist die Kehrseite von all den guten Eigenschaften, die du an mir schätzt. Wenn du mich liebst, musst du auch das lieben." "Nein", sagt Frida, "wenn du mich liebst, wirst du dich ändern."

Wolfgang Schmidbauer antwortet: Das ist eine klassische Pattsituation, Folge des Realitätsschocks, den Paare oft nach dem Zusammenziehen verarbeiten müssen. Wichtig ist es, solchen Konflikten die rechthaberische Seite zu nehmen und die dahinterstehenden Ängste zu erkennen. Dann werden sie eine Übung im liebevollen Umgang mit den Schwächen des Partners. Das fällt leichter, wenn ganz klar ist, dass jeder erwachsene Mensch für die Folgen seines Handelns verantwortlich ist. Sobald Frida sicher ist, dass sie Marc nie und nimmer mit ihren Ersparnissen aushelfen wird, muss auch Marc nicht mehr fürchten, von Frida in einen menschlichen Sparstrumpf verwandelt zu werden. An sich gefällt mir Marcs Argument, dass gute Eigenschaften auch eine Schattenseite haben. Aber er darf es so wenig übertreiben wie Frida ihre Ansprüche.

Wolfgang Schmidbauer, 67, ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten, von ihm erschien u.a. "Das Mobbing in der Liebe", Gütersloher Verlagshaus

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Welchen Problemen Wolfgang Schmidbauer in seiner täglichen Praxis begegnet, erzählt er im Interview mit ZEIT ONLINE.