Mein Steuerberater sagt, ich soll Fahrtenbuch führen. Sonst muss ich für das, was ich mit dem Auto tue, hohe Steuern bezahlen. Ich soll dieses Buch kaufen, und ich soll jedes Mal, wenn ich Auto fahre, das Datum, den Kilometerstand, den Zweck meines Tuns und alles mögliche andere, das ich schon wieder vergessen habe, in das Buch schreiben, sofort, nicht etwa irgendwann.

Von dem, was ich verdiene, zahle ich Steuern. Mit dem Geld, das übrig bleibt, kaufe ich Dinge, zum Beispiel ein Auto. Beim Kaufen wird erneut eine Steuer fällig. Das heißt, bevor ich ins Auto steige, ist mein Geld schon zwei Mal einer steuerlichen Verminderung unterzogen worden, das Benzin wird auch versteuert, die Reifen, der Verbandskasten und der ganze andere Scheiß, entschuldigen Sie, ich rege mich auf, aber, wenn ich endlich fahre, wenn ich endlich mit dem Rest, der mir bleibt, eine kleine Runde um die Häuser drehen will, wird das auch noch versteuert?

Ich will nicht mein ganzes Leben protokollieren, dann kann ich ja gleich ein verdammtes Tagebuch führen. Das ist wie im Überwachungsstaat, nur dass es keine Videokamera tut, ich selber soll es machen. Ich finde den Kugelschreiber nicht, damit fängt’s schon mal an. Ich bin manchmal spontan. Kapiert Ihr das, Ihr Finanzamtsbubis? Spontan, kennt Ihr das Wort?

Ich fahre manchmal spazieren. Ja, wundert Euch ruhig! Ich fahre spazieren, um auf Ideen zu kommen. Ist das privat oder geschäftlich? Ich habe eine Idee, dann halte ich an, steige aus und vergesse, das Fahrtenbuch auszufüllen, und bin auch noch stolz darauf, dass ich nicht diese Art Typ bin, die Ihr als Staatsbürger gerne hättet, eine Ameise, ein Mehlwurm, der ständig an sein Fahrtenbuch denkt.

Ich will auch vergessen. Es gibt Dinge, die ich vergessen will, oh ja. Soll ich alles eintragen? Man kann nicht leben, ohne zu vergessen! Ohne zu träumen! Lest Freud! Nie gehört, den Namen? Das dachte ich mir. Unser Geld könnt Ihr uns wegnehmen, unsere Freiheit, unsere Ehre, unsere Vorsteuerabzugsfähigkeit, aber nicht unsere Träume, das nie.