Es könnte die Stunde der Konservativen und Christdemokraten sein, der »bürgerlichen Parteien«, wie sich Mitte-rechts-Politiker selbst gern nennen. Die europäische Sozialdemokratie ist orientierungslos, und gerade in Krisenzeiten steht Wirtschaftskompetenz, eine konservative Domäne, hoch im Kurs. Doch wissen Parteien rechts der Mitte diese Gunst der Stunde auch zu nutzen?

Es sieht nicht danach aus. Auf den soeben beendeten Parteitagen der beiden benachbarten Traditionsparteien ÖVP und CDU war davon jedenfalls wenig zu spüren. Kreativität, Entschlossenheit, Führungskraft? Eher das Gegenteil: Kleinmut, Vorsicht und Unzufriedenheit in Wels; Zaghaftigkeit, Abwarten und Unmut in Stuttgart.

Die Wahlergebnisse für die Vorsitzenden allerdings unterschieden sich. Die 89,6 Prozent in Wels für Josef Pröll als neuen ÖVP-Vorsitzenden, für unbefangene Zuschauer eigentlich ein ganz beachtliches Maß an Zustimmung, gelten, weil die 90 Prozentmarke verfehlt wurden, als eine Art Liebesentzug. Hingegen die 94,8 Prozent für Angela Merkel in Stuttgart, fast zwei Punkte mehr als vor zwei Jahren: Die wurden als tolles Ergebnis gewertet. Aber in Wahrheit war es kaum mehr als das Versprechen loyaler Gefolgschaft für das Superwahljahr 2009, das nach mehreren Landtagswahlen und der Wahl zum EU-Parlament Ende September in der Bundestagswahl gipfeln wird.

Konservative Parteichefs haben es derzeit freilich nicht wesentlich leichter als Sozialdemokraten. Der populistische Trend, auf kritische Distanz zu Globalisierung, Europäischer Union oder einer Reform des Sozialstaates zu gehen, setzt ihnen kaum weniger zu als den Mitte-links-Parteien. Und diese Strömungen tun es umso mehr, wenn sich dann auch noch die Sozialdemokraten auf die Seite der Populisten schlagen, wie es die SPÖ mit ihrer Anbiederung an die Kronen Zeitung getan hat.

Insofern ist die Ausgangslage für CDU und ÖVP nicht ganz vergleichbar. Eine Europa-Wende wie jene der SPÖ droht der Union seitens der SPD nicht. Frank-Walter Steinmeier, der Spitzenkandidat, ist weniger flexibel als Werner Faymann. Und er hat keinen Onkel Hans.

Der neue ÖVP-Obmann tritt nicht als krachender Parteireformer an

Die CDU hat sich auch ehrgeizigere Ziele gesetzt als ihre österreichischen Gesinnungsfreunde. Sie will die Bundestagswahl mit »40 plus x« Prozent gewinnen. Danach möchte sie mit der nicht mehr ganz so neoliberalen FDP eine neue Mitte-rechts-Regierung bilden, und als Erstes jene Steuerreform durchführen, die viele in Partei und Medien schon am liebsten jetzt realisiert sähen. Dieses Mehrheitsziel ist nicht völlig unrealistisch, allerdings nur unter der Voraussetzung, dass ein Teil von Angela Merkels persönlicher Popularität allmählich ein wenig auf die Union übergeht. Bis jetzt ist das nicht der Fall, die gegenwärtigen Umfragewerte reichen nicht zu mehr als zu einer Kanzlerschaft im Rahmen einer weiteren Großen Koalition.