Arbeitsmarkt Berliner ZahlenspieleSeite 2/2

Sie alle lassen sich zwar in den Tiefen der Statistik irgendwo finden. Aber in die Berechnung der offiziellen Arbeitslosenzahl, die jeden Monat in Nürnberg verkündet wird, gehen sie nicht ein.

Durch die Neuregelung könnte die amtliche Zählung kurzfristig um weitere rund 150.000 Arbeitslose erleichtert werden. Und je nachdem, wie viele weitere Klienten die Arbeitsagenturen an Dritte weiterreichen, würde die Erhebung zusätzlich geschönt. Das sei nicht beabsichtigt, behauptet das Bundesarbeitsministerium. Es würde bloß bei den externen Vermittlern das Prinzip angewandt, das allgemein schon gelte: Arbeitslose, die an Maßnahmen teilnähmen, zählten nicht als arbeitslos.

Kritiker halten dem entgegen, künftig werde sich kaum unterscheiden lassen, wer nur bei einem externen Vermittler geparkt sei und wer wirklich in einem Kurs stecke. Das zugrundeliegende Prinzip ist ohnehin problematisch. Erst die rot-grüne Bundesregierung führte 2004 ein, dass Arbeitslose in Trainingskursen und "Maßnahmen zur Eignungsfeststellung" aus der Zählung gestrichen werden. Das entlastete die Statistik, obwohl sich die reale Lage nicht besserte. Andererseits holte Rot-Grün im folgenden Jahr mit der Hartz-IV-Reform fast alle Sozialhilfeempfänger in die Arbeitslosenstatistik – was zu einem öffentlichen Aufschrei führte, weil Nürnberg erstmals mehr als fünf Millionen Menschen ohne Job meldete.

"Eigentlich sollte die Statistik durch die Hartz-Reformen endlich transparent werden", sagt Ronnie Schöb, Arbeitsmarktexperte an der FU Berlin. "Aber wirklich durchschaubar ist sie immer noch nicht." Dadurch, meint der Professor, würden sogar echte Arbeitsmarkterfolge verdeckt.

Um ein verlässliches Bild vom Arbeitsmarkt zu bekommen, empfiehlt Bernd Fitzenberger, Ökonom an der Universität Freiburg, drei Statistiken zu betrachten: die der BA, die Erwerbslosenzahlen, die das Statistische Bundesamt nach internationaler Norm ermittelt, und die Erwerbstätigenzählung. Immerhin: "All das zusammen zeigt", so der Professor, "dass bei aller denkbaren Kosmetik die Arbeitslosigkeit in Deutschland in den vergangenen Jahren doch tatsächlich stark zurückgegangen ist."

 
Leser-Kommentare
  1. Die sind nämlich schlecht oder kaum vermittelbar und stehen dem Arbeitsmarkt damit ja auch nicht wirklich zur Verfügung.

    Und vieleicht noch Linkshänder, Raucher, Dunkelhäutigen und Andersgläubigen usw.

    Am Ende liegt die Arbeitslosenquote bei Null.

    Wie hoch wäre eigentlich unsere Arbeitslosenzahl ohne die Statistikspielereien der letzten 30 Jahre ? 6 Millionen ?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    In der Arbeitslosen-Statistik fehlen auch die Arbeitslosen, die keinerlei Leistungen
    beziehen, aber arbeitslos gemeldet sind. Die z.B. von ihren Familien finanziert
    werden oder denen die Leistung für einen bestimmten Zeitraum gesperrt worden ist.
    ...
    Man kann sich sicherlich darüber streiten, wie man Arbeitslosen-Statistiken erstellt,
    es ist aber offensichtlich, das die aktuellen Regeln erfunden wurden, um die
    Arbeitslosen-Zahlen zu schönen.
    ...
    Da kann man sich schon mal ausmalen, wann die Statistik-Regeln so weit entwickelt
    sind, das wir überhaupt keine Arbeitslosen mehr haben.
    George Orwell lässt grüßen...

    In der Arbeitslosen-Statistik fehlen auch die Arbeitslosen, die keinerlei Leistungen
    beziehen, aber arbeitslos gemeldet sind. Die z.B. von ihren Familien finanziert
    werden oder denen die Leistung für einen bestimmten Zeitraum gesperrt worden ist.
    ...
    Man kann sich sicherlich darüber streiten, wie man Arbeitslosen-Statistiken erstellt,
    es ist aber offensichtlich, das die aktuellen Regeln erfunden wurden, um die
    Arbeitslosen-Zahlen zu schönen.
    ...
    Da kann man sich schon mal ausmalen, wann die Statistik-Regeln so weit entwickelt
    sind, das wir überhaupt keine Arbeitslosen mehr haben.
    George Orwell lässt grüßen...

  2. von den Politikern verars..t wird ist doch allgemein bekannt und nichts neues. Die muss man sich nur genau ansehen. Munte z.B. glaut sozial zu sein und gibt sich seit seiner Rückkehr so, dabei hat keiner den Sozilabbau so voran getrieben wie er selbst. Heuchler sind das in meinen Augen!

  3. Denn für den Leser glaubhaft nachvollziehbar, werden die bereits im Subheader propagierten "echten Arbeitsmarkterfolge" durch diesen Artikel nicht.
    _______________________________________________________
    "Ich glaube, dass die Bankinstitutionen für unsere Freiheiten gefährlicher sind als die Armeen."
    (Thomas Jefferson, Amerikanischer Präsident; 1743-1826)

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Dann lesen sie anstatt nationalen Statistiken, die immer motiviert sein werden, einfach die Statistiken internationaler Institutionen.

    Die besagen einen deutlichen Arbeitslosenrückgang in D über die letzten Jahren gemessen nach international vergleichbaren Zahlen. Wenn man also nicht dem BND vorwirft, diese Gremien mit vorgehaltener Waffe gezwungen zu haben falsche Werte zu vermitteln gibt es durchaus eine Verbesserung.

    Das Problem ist allerdings, dass durch die Reformen an sich und dann durch politische Hussarenstücke zu Sicherung des Wahlkampfes die deutschen Statistiken nunmal so durcheinander sind, dass man sowieso maximal bloss Trends ablesen kann. Als die Sozialhilfe und Arbeitslosenhilfe zusammengelegt wurde, hat irgendwie auch keiner (v.A. die Medien) gecheckt, dass der plötzliche Arbeitslosenanstieg eben auf dieser Zusammenlegung basiert und nicht auf einer plötzlichen Verschlechterung des Marktes. Dass bei soviel Unverständnis die Politiker zu solchen unsauberen Tricks greifen, wird dann irgendwie auch verständlich

    Bis dieses Jahr war der Trend der letzten paar Jahre allerdings, dass es durchaus zu Verbesserungen kam.

    Das wird sich 2009 wahrscheinlich schon wieder umkehren. Die Jubelkultur ist so oder so wenig angebracht. D hat ein massives Strukturproblem, was man daran erkennt, dass selbst Boomjahre die Verpflichtungen des Bundes keinen Haushaltsüberschuss erlauben und trotzdem die gesamte Bevölkerung (inkl. mir nach meinem letzten Gehaltscheck) über die schlechte Arbeitsmarktlage und hohe Steuerlast schimpft.

    Im Endeffekt ist jeder Staatshaushalt eine große Umverteilungsmaschine, bei der zwangsweise auch Reibungsverluste auftauchen. Wenn die Umverteilung nun so gestaltet ist, dass es keinem gut geht, der Staat dabei jedes Jahr zusätzlich belastet wird und sich die Grundsituation nicht ändert, sollte man mal einen Systemwechsel in Augenschein nehmen.

    Dabei geht es weniger um ideologische Änderungen, sondern schlich um eine Umstrukturierung unserer derzeitigen Verfahren. Wie viel soll der Staat wirklich eingreifen (er kann nur mit Steuergeldern eingreifen)? Wie kann man den Arbeitsmarkt so dynamisieren, dass für die Leute dies tatsächlich nur eine vorrübergehende Haltestelle wird? Usw...

    Dann lesen sie anstatt nationalen Statistiken, die immer motiviert sein werden, einfach die Statistiken internationaler Institutionen.

    Die besagen einen deutlichen Arbeitslosenrückgang in D über die letzten Jahren gemessen nach international vergleichbaren Zahlen. Wenn man also nicht dem BND vorwirft, diese Gremien mit vorgehaltener Waffe gezwungen zu haben falsche Werte zu vermitteln gibt es durchaus eine Verbesserung.

    Das Problem ist allerdings, dass durch die Reformen an sich und dann durch politische Hussarenstücke zu Sicherung des Wahlkampfes die deutschen Statistiken nunmal so durcheinander sind, dass man sowieso maximal bloss Trends ablesen kann. Als die Sozialhilfe und Arbeitslosenhilfe zusammengelegt wurde, hat irgendwie auch keiner (v.A. die Medien) gecheckt, dass der plötzliche Arbeitslosenanstieg eben auf dieser Zusammenlegung basiert und nicht auf einer plötzlichen Verschlechterung des Marktes. Dass bei soviel Unverständnis die Politiker zu solchen unsauberen Tricks greifen, wird dann irgendwie auch verständlich

    Bis dieses Jahr war der Trend der letzten paar Jahre allerdings, dass es durchaus zu Verbesserungen kam.

    Das wird sich 2009 wahrscheinlich schon wieder umkehren. Die Jubelkultur ist so oder so wenig angebracht. D hat ein massives Strukturproblem, was man daran erkennt, dass selbst Boomjahre die Verpflichtungen des Bundes keinen Haushaltsüberschuss erlauben und trotzdem die gesamte Bevölkerung (inkl. mir nach meinem letzten Gehaltscheck) über die schlechte Arbeitsmarktlage und hohe Steuerlast schimpft.

    Im Endeffekt ist jeder Staatshaushalt eine große Umverteilungsmaschine, bei der zwangsweise auch Reibungsverluste auftauchen. Wenn die Umverteilung nun so gestaltet ist, dass es keinem gut geht, der Staat dabei jedes Jahr zusätzlich belastet wird und sich die Grundsituation nicht ändert, sollte man mal einen Systemwechsel in Augenschein nehmen.

    Dabei geht es weniger um ideologische Änderungen, sondern schlich um eine Umstrukturierung unserer derzeitigen Verfahren. Wie viel soll der Staat wirklich eingreifen (er kann nur mit Steuergeldern eingreifen)? Wie kann man den Arbeitsmarkt so dynamisieren, dass für die Leute dies tatsächlich nur eine vorrübergehende Haltestelle wird? Usw...

    • spacko
    • 06.12.2008 um 14:03 Uhr

    Ist doch egal - diese Aufhübschung um ein paar Promille ist sowieso Makulatur, noch vor der Wahl wird sich die Arbeitslosenzahl drastisch erhöhen, bei der Wirtschaftslage. Dann erweist es sich sicher als supertolle Konjunkturmaßnahme, die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung jetzt gesenkt zu haben. Der Wähler wird das sicher honorieren.

    Herr, lass Hirn regnen!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    1. glaube ich nicht, dass DER WAEHLER das honoriert, er wird weiter die waehlen, die er immer waehlt - leider
    2. hoffe ich immer, dass wir die unterschaetzen : so bloed kann man nicht sein!
    Es geht ihnen nur immer um etwas anderes, als wir erwarten.

    1. glaube ich nicht, dass DER WAEHLER das honoriert, er wird weiter die waehlen, die er immer waehlt - leider
    2. hoffe ich immer, dass wir die unterschaetzen : so bloed kann man nicht sein!
    Es geht ihnen nur immer um etwas anderes, als wir erwarten.

  4. In der Arbeitslosen-Statistik fehlen auch die Arbeitslosen, die keinerlei Leistungen
    beziehen, aber arbeitslos gemeldet sind. Die z.B. von ihren Familien finanziert
    werden oder denen die Leistung für einen bestimmten Zeitraum gesperrt worden ist.
    ...
    Man kann sich sicherlich darüber streiten, wie man Arbeitslosen-Statistiken erstellt,
    es ist aber offensichtlich, das die aktuellen Regeln erfunden wurden, um die
    Arbeitslosen-Zahlen zu schönen.
    ...
    Da kann man sich schon mal ausmalen, wann die Statistik-Regeln so weit entwickelt
    sind, das wir überhaupt keine Arbeitslosen mehr haben.
    George Orwell lässt grüßen...

  5. Dann lesen sie anstatt nationalen Statistiken, die immer motiviert sein werden, einfach die Statistiken internationaler Institutionen.

    Die besagen einen deutlichen Arbeitslosenrückgang in D über die letzten Jahren gemessen nach international vergleichbaren Zahlen. Wenn man also nicht dem BND vorwirft, diese Gremien mit vorgehaltener Waffe gezwungen zu haben falsche Werte zu vermitteln gibt es durchaus eine Verbesserung.

    Das Problem ist allerdings, dass durch die Reformen an sich und dann durch politische Hussarenstücke zu Sicherung des Wahlkampfes die deutschen Statistiken nunmal so durcheinander sind, dass man sowieso maximal bloss Trends ablesen kann. Als die Sozialhilfe und Arbeitslosenhilfe zusammengelegt wurde, hat irgendwie auch keiner (v.A. die Medien) gecheckt, dass der plötzliche Arbeitslosenanstieg eben auf dieser Zusammenlegung basiert und nicht auf einer plötzlichen Verschlechterung des Marktes. Dass bei soviel Unverständnis die Politiker zu solchen unsauberen Tricks greifen, wird dann irgendwie auch verständlich

    Bis dieses Jahr war der Trend der letzten paar Jahre allerdings, dass es durchaus zu Verbesserungen kam.

    Das wird sich 2009 wahrscheinlich schon wieder umkehren. Die Jubelkultur ist so oder so wenig angebracht. D hat ein massives Strukturproblem, was man daran erkennt, dass selbst Boomjahre die Verpflichtungen des Bundes keinen Haushaltsüberschuss erlauben und trotzdem die gesamte Bevölkerung (inkl. mir nach meinem letzten Gehaltscheck) über die schlechte Arbeitsmarktlage und hohe Steuerlast schimpft.

    Im Endeffekt ist jeder Staatshaushalt eine große Umverteilungsmaschine, bei der zwangsweise auch Reibungsverluste auftauchen. Wenn die Umverteilung nun so gestaltet ist, dass es keinem gut geht, der Staat dabei jedes Jahr zusätzlich belastet wird und sich die Grundsituation nicht ändert, sollte man mal einen Systemwechsel in Augenschein nehmen.

    Dabei geht es weniger um ideologische Änderungen, sondern schlich um eine Umstrukturierung unserer derzeitigen Verfahren. Wie viel soll der Staat wirklich eingreifen (er kann nur mit Steuergeldern eingreifen)? Wie kann man den Arbeitsmarkt so dynamisieren, dass für die Leute dies tatsächlich nur eine vorrübergehende Haltestelle wird? Usw...

  6. 1. glaube ich nicht, dass DER WAEHLER das honoriert, er wird weiter die waehlen, die er immer waehlt - leider
    2. hoffe ich immer, dass wir die unterschaetzen : so bloed kann man nicht sein!
    Es geht ihnen nur immer um etwas anderes, als wir erwarten.

    Antwort auf "ist doch egal..."
    • Anonym
    • 06.12.2008 um 15:03 Uhr

    Noch ärgerlicher ist dass damit gehegte Mythen aufrecht erhalten werden.
    So zB vom angeblich Ost-West-Gefälle was schon länger einem starken Nord-Süd-Gefälle gewichen ist.
    Was auch davon verdeckt wird dass die Anzahl von Fortbildungen, und anderen "Maßnahmen", im geographischen Norden der Republik (wenn man den Main als Mittellinie nimmt und davon Nord und Süd betrachtet) viel höher ist als im Süden. Ohne diese nun ja "Schönigungen" würde der Unterschied in Beschäftigung und auch Einkommen noch deutlicher (in Südbayern ist die Zahl der "Aufstocker" nicht bedenklich, während sich selbiges Instrument im Norden zu einem echten Massenproblem entwickelt).
    Aufschlußreicher ist in dem Zusammenhang die Zahl der Erwerbstätigen pro 1.000 Einwohner und das durchschnittliche Industrieeinkommen (also Minus Renten, Kapitaleinkommen, Sozialtransfers,..). Hier gibt es krasseste Unterschiede: die ärmste Region der Republik im nördlichen Mecklenburg-Vorpommern hat hier nur ein Durchschnittseinkommen welches 25% vom münchner Durchschnittseinkommen beträgt. Dies sind keine regionalen Unterschiede mehr, es handelt sich um verschiedene Lebenswelten.
    Dies ins öffentliche Bewusstsein zu rücken hielte ich auch für Heilsam. Vielleicht könnte man dann mit dieser "Einheitsrhetorik" aufhören, egal bei welchem Politikfeld immer wird über "deutsch" gesprochen (zB "deutsches Schulsystem") - obwohl was Zuständigkeiten (Föderalismus) aber auch Wohlstand angeht die Bundesrepublik höchst unterschiedlich gegliedert ist. Diese Unterschiede kann man auch positiv sehen, man könnte ohne falsche Eitelkeit fragen: "Was machen die Bayern im Großen und Ganzen denn besser als wir?"
    Aber Bayern als Vorbild... oh, das geht gegen jedes Ehrgefühl eines gestandenen Preußen. Da schaut man lieber in die Ferne, Finnland oder so. Ist zwar eine ganz andere Gesellschaft mit anderer Mentalität, ein anderes Politiksystem, aber das ficht nicht. Bleibt aber ein sehr kontraproduktiver Ansatz, der maximal zur Larmoyanz taugt (dieses übliche "Aufzählen" warum in Deutschland von A bis Z alles "immer" schlechter werde..).

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service