Vor Kurzem hat Patrick Tracht eine Ehe gestiftet. Er ist kein Priester und arbeitet auch nicht im Standesamt. Er hat zwei Menschen nach Jahren des Wartens sehr glücklich gemacht, indem er sich durch deren Papierkram und durch behördliche Vorschriften gekämpft hat: Ein Amerikaner, verliebt in eine Deutsche, beide geschieden, ein Kind aus erster Ehe – das bedeutet eine Menge Beglaubigungen und Genehmigungen. »Sie sind schon zwei Mal am Kreisverwaltungsreferat gescheitert – jetzt klappt’s«, freut sich Tracht.

Er hat sich um die Angelegenheit gekümmert, und genau das ist sein Job: Er kümmert sich, erledigt, besorgt. Der Kolumnist Axel Hacke hat sich in einer seiner Kolumnen einmal einen imaginären »Erlediger« herbeigewünscht, der ihn von den Lasten des Alltags befreit. Nun nimmt die Fantasie Gestalt an: Mehr und mehr sogenannte Personal Assistance Services bieten deutschlandweit ihre Dienste an. Sie nennen sich Solveith oder Zeitlieferant wie Patrick Tracht, Agent CS oder Agentur Mary Poppins und übernehmen all das, wozu der postmoderne Mensch keine Zeit hat – oder keine Lust: von Hausputz über die Beantragung des neuen Personalausweises bis zur Organisation des Kindergeburtstags.

Philipp Kuhn zum Beispiel, der BWL studiert hat und sich Anfang des Jahres als »Zeitvergolder« selbstständig gemacht hat, bekam vor Kurzem einen Auftrag von buchstäblich globalen Ausmaßen: Einer seiner Kunden wird 50 und möchte diesen Geburtstag mit alten Schulfreunden feiern, die allerdings – der Mann ist der Sohn eines Diplomaten – auf der ganzen Welt verstreut leben. Anstelle seines Kunden durchforstet nun Kuhn alte Zeugnisse und Fotoalben und telefoniert mit Schulen auf der anderen Seite des Globus.

Die Hauptarbeit von Personal Assistance Services besteht im Organisieren und Vermitteln. »Auf meiner Website steht eine lange Liste, aber der Großteil der Aufgaben findet sich dort nicht«, sagt Kuhn. »Mein Ziel als Zeitvergolder ist es, als verlängerter Arm des Kunden aufzutreten.« Ein Kunde wollte zum Beispiel seinen Vorgarten gemäß Feng Shui gestalten – »da käme ich mit meinen linken Händen nicht weit.« Also engagierte er einen Gärtner und stellte später dessen und die eigenen Dienste gemeinsam in Rechnung.

»Man braucht Profis – ich bin nur die Schnittstelle«, sagt auch Patrick Tracht. Er kommt aus dem Gastgewerbe, hat als Barkeeper in Hotels gearbeitet, bis er sich vor zwei Jahren selbstständig machte. »Angefangen habe ich mit einem Fahrrad, mit den Kleidersäcken unterm Arm habe ich Wäsche zu den Kunden gefahren«, sagt er. Später schaffte er sich einen kleinen Lieferwagen an, mit dem er seitdem durch München kurvt. Er fährt zum Beispiel zum Büro eines Kunden, holt den Schlüssel zu dessen Wohnung, wo er kurz darauf der Chefin der Putzfirma Anweisungen fürs Großreinemachen gibt.

Personal Assistance Services handeln mit einem Gut, das eigentlich jeder hat, das aber immer kostbarer wird: Sie verkaufen Zeit. Was bei Kuhns und Trachts Firmen bereits im Namen steckt, damit wirbt auch concierge & convenience: »Wenn Sie Zeit für sich buchen möchten, kontaktieren Sie uns einfach.« Daniel Müller und Ilja Pirogov, die die Agentur vor anderthalb Jahren in Köln gegründet haben, kommen beide aus der Hotellerie. »Wir haben uns gefragt: Warum gibt es diesen ausgeprägten Service wie im Hotel nicht auch außerhalb?«, sagt Müller. Heute hat concierge & convenience ein vierköpfiges Kernteam, mehrere Angestellte und Aushilfskräfte und ist auf Expansionskurs.

Das Schwarzbrot der Personal Assistants sind Alltäglichkeiten wie Wäsche- oder Reinigungsservices, Behördengänge oder Einkäufe. Und darüber hinaus erfüllen sie Sonderwünsche oder leisten Erste Hilfe: Müller und seine Partner fahren mit einem frischen Hemd zum Flughafen, wenn sich ein Kunde vor dem Flug zu einem Geschäftstermin bekleckert hat. Und wenn ein Bankier einem Freund einen exklusiven Junggesellenabschied schmeißen will, werden sie von Chauffeuren abgeholt und dürfen dann mit echten Baggern in einer Baugrube eine Schatzkiste ausbuddeln.