Lehramtsstudium Schön praktisch

NRW will die Lehrerbildung reformieren und könnte Vorbild für andere werden

Lehrer, das hat kürzlich erst wieder eine Umfrage im Auftrag der ZEIT gezeigt, haben einen guten Ruf. Auch wenn sie es selbst oft nicht glauben mögen: Die meisten Menschen schätzen die Arbeit, die sie für unsere Kinder tun, außerordentlich. Dass es dennoch immer wieder auch zu berechtigter Kritik an der Leistung der Pädagogen kommt, liegt an einzelnen, weniger inspirierten Vertretern ihres Berufsstandes und, viel bedenklicher, an einer Ausbildung, die den Erfordernissen des modernen Schulalltages schon lange nicht mehr gerecht wird.

Der in vielen Bundesländern geplante oder bereits umgesetzte Umbau der Studiengänge hin zu den international vergleichbaren Abschlüssen Bachelor und Master hätte eine einzigartige Gelegenheit sein können, einen wirklichen Neuanfang zu wagen. Ein Neuanfang, der endlich den Praxisanteil des Studiums erhöht, also dafür sorgt, dass die Studenten schon vor dem ersten Semester und danach regelmäßig eine Schule von innen sehen. So könnten viele Enttäuschungen am Ende des Studiums vermieden werden, wenn die Absolventen ins Referendariat wechseln und bei ihrem ersten längeren Aufenthalt in der Schule feststellen, dass sie eigentlich mit Kindern gar nicht klarkommen.

Ein richtiger Neuanfang sollte auch Schluss machen mit der seltsamen Abstufung zwischen Grundschul-, Hauptschul-, Realschul- und Gymnasiallehrern. Er sollte allen eine gleichwertige Ausbildung bieten, die sie am Ende auch in den Augen der Öffentlichkeit gleichwertig macht. Und er würde im Zweifel ein bisschen auf Tiefe bei den fachwissenschaftlichen Inhalten verzichten, um die eingesparte Zeit für zusätzliche Kurse in Pädagogik und Fachdidaktik sinnvoller einsetzen zu können.

Leider haben die meisten Bundesländer bislang diese vielleicht einmalige Chance auf einen frischen Start ungenutzt verstreichen lassen. Sie haben ihre Lehramtsstudiengänge umgebaut, ohne auf den Rat ausgewiesener Wissenschaftler und Pädagogen zu hören, die seit Jahren immer wieder die gleichen Reformen angemahnt haben. Die Zögerlichkeit der Länder ist doppelt ärgerlich, denn selbst wenn sie echte Reformen noch heute umsetzen würden, dauert es Jahre, bis sie in der Schule ankommen.

Immerhin, es gibt eine Ausnahme: Nordrhein-Westfalen will die Empfehlungen einer Expertengruppe verwirklichen, die unter der Leitung des bekanntesten deutschen Bildungsforschers, Jürgen Baumert vom Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, zustande gekommen sind. Der Plan: mehr Praxisanteile, gleichwertige Studiengänge, ein neu gestaltetes und gekürztes Referendariat. Und ein besonderer Akzent auf der Pädagogik. So hat es das Kabinett im größten deutschen Bundesland beschlossen. Schaut auf NRW!, will man den Kultusministern der anderen Länder zurufen. Hoffentlich tun sie es. Dann könnte er doch noch um sich greifen, der überfällige Neuanfang in der Lehrerausbildung.

 
Leser-Kommentare
    • H_P
    • 07.12.2008 um 10:04 Uhr

    Abgesehen von der Frage, ob es heißen sollte Lehrerbildung oder Lehrerausbildung, zeigt der Artikel die völlige Unkenntnis und Ignoranz des Autors. Natürlich geht er von richtigen Prämissen aus, wie etwa der Forderung nach einem höheren und früheren Praxisbezug der Ausbildung. Die Konsequenz kann aber doch nicht sein, dass ausgerechnet die Universitäten, die bisher schon jeglichen Praxisbezug möglichst vermieden haben, damit zu beauftragen. Als Schulleiter an einem Gymnasium in NRW registriere ich mit Befremden, dass zwar ständig Studenten zu Praktika kommen, in meiner bisher 30 - jährigen Dienstzeit an der Schule habe ich aber bisher erst zweimal eine Hochschullehrer an der Schule zum Besuch der Praktikanten angetroffen. Dafür finden aber die Einführungsveranstaltungen für die Praktika häufig erst nach der Durchführung der Praktik statt, da ja der Student diese Pflichtveranstaltungen für die Meldung zum Examen braucht. Die kritische Aufarbeitung der Praktika an den Hochschulen beschränkt sich häufig auf ein Testat, damit der Form Genüge getan ist.
    Die Aussage, ' und er würde imZweifel ein bisschen auf Tiefe bei fachwissenschaftlichen Inhalten verzichten' zeigt die völlige Unkenntnis des Autors. Bereits jetzt gibt es zahlreiche Lehrer mit zweitem Staatsexamen,denen die Fakultas für das zweite Fach durch 'Handauflegen' erteilt wurde, die aber bar jeder Fachkenntnis sind. Da kann ich auf keine weiteren Fachkenntnisse verzichten, da eh schon keine da sind.
    Und ausgerechnet das Referendariat, einer der wenigen gut funktioniedenden Bausteine de jetzigen Lehrerausbildung, soll umstrukturiert und gekürzt werden. Gerad hier erfolgt doch bisher die Verknüfung von Praxis und Theorie.

    Die Gleichmacherei von Grundschul- Hauptschul-, Realschul-, und Gymnasiallehrern in Studium und Ausbildung wirde dazu führen, dass der Mangel in bestimmten Fächern weiter zunehmen wird, da ich es jungen Leuten nicht verdenken kann, angesichts dieser Aussichten nach Alternativen Ausschau zu halten.

    Der Hauptmangel der jetzt angedachten und notwendigen Reformen der Lehrerausbildung ist, dass ausgerechnet bei der Planung dieser Reformen die Praktiker, sprich Lehrer, Schulleiter und Seminarausbilder überhaupt nicht gefragt wurden, sondern die Reformen von Leuten am grünen Tisch geplant und den Politikern verkauft werden, die von der Praxis meilenweit entfernt sind.

    Soweit der Ärger am frühen Sonntagmorgen.

    Tschüß H_P

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    Examinator

    Widerspruch:
    Das Referendariat "funktioniert" nur als Instrument der Anpassung - und die ist kontraproduktiv.
    Und was hat, bitte sehr, die Verbesserung der Grundschullehrerausbildung mit "Gleichmacherei" zu tun? Besteht die Würde des Gymnasiallehrers in einem ständischen Abstand von dem schnöden Beruf des Volksschullehrers?
    Herr Kollege, dem folge ich nicht, wenngleich Sie an anderen Stellen zum Teil Recht haben.

    Examinator

    Widerspruch:
    Das Referendariat "funktioniert" nur als Instrument der Anpassung - und die ist kontraproduktiv.
    Und was hat, bitte sehr, die Verbesserung der Grundschullehrerausbildung mit "Gleichmacherei" zu tun? Besteht die Würde des Gymnasiallehrers in einem ständischen Abstand von dem schnöden Beruf des Volksschullehrers?
    Herr Kollege, dem folge ich nicht, wenngleich Sie an anderen Stellen zum Teil Recht haben.

  1. Examinator

    Dieser Artikel zeigt die Misere der deutschen Diskussion. Wieder macht sich jemand von außen über dieses Thema her, ohne genau Bescheid zu wissen.
    Die Baumert-Kommission hat ausdrücklich gesagt, es komme nicht auf MEHR, sondern auf BESSERE Praxisanteile an - und dies ist auch seit langem Stand der wissenschaftlichen Diskussion.
    Es gibt ein sehr verbreitetes überaus naives und plattes Verständnis von Theorie und Praxis, ganz so, als sei die Theorie dazu da, Handlungsrezepte für eine gewünschte Praxis zu liefern, und Praxis, um Berufsroutinen schon früh einzuüben.
    Praxis im Bereich eines wissenschaftlichen Studiums (das bereits Immanuel Kant 1776 in seiner Vorlesung "Über die Pädagogik" forderte) ist aber dazu da, gerade mit wissenschaftlicher Distanz eine vorgefundene (und, das ist die hohe Schule, auch die eigene) Praxis zu betrachten und einer Kritik zu unterziehen. Eben dies macht die Wissenschaftlichkeit der Lehrerausbildung aus.
    Es ist deswegen glatter Unsinn, einfach "mehr Praxisanteile" in das Studium zu packen, wenn diese Praxisanteile nicht im System wissenschaftlichen Denkens und Handelns verortet sind. Das sogenannte "Assistenzpraktikum", das nach dem Willen des NRW-Gesetzentwurfs vorgeschaltet werden soll, ist daher besonders abwegig.
    Zu fordern ist: wesentlich mehr Aufwand im Bereich der Schulforschung, an dem Studierende aktiv teilhaben. Zur Zeit sind die entsprechenden Seminare viel zu überfüllt, als dass man ordentlich arbeiten könnte.

    Eine weiterer Einwand ist zu erheben: Der Motor der seit Jahren anhaltenden Diskussion über Lehrerausbildung ist vor allem PISA. Hat mal jemand darüber nachgedacht, wie lange es dauert, bis die neu ausgebildeten Lehrer die Schule erreichen? Zu glauben, das Heil des Schulwesens liege an einer anders ausgebildeten Lehrerschaft, ist nicht nur logischer Unfug, sondern tut auch den Lehrerinnen und Lehrern, die jetzt unterrichten, Unrecht; ihnen wird eine qualifizierte Fortbildung glatt vorenthalten - aber gerade sie wäre es, die das Schulwesen auf breiter Front fortentwickeln könnte.

    Ein Gutes soll nicht verschwiegen werden: Das gleich lange Studium für alle Lehrerinnen und Lehrer ist endlich realisiert - nach 150 Jahren! Insoweit ist der Gesetzentwurf sehr zu loben.

    Welche Konsequenzen daraus folgen, weiß man allerdings noch nicht; denn auch die Finanzminister werden später, wenn es an die Bezahlung geht, ihre Stimme erheben.

    Ich weiß, wovon ich rede - an der Lehrerausbildung war und bin ich von allen nur denkbaren Seiten aus beteiligt.

  2. Examinator

    Widerspruch:
    Das Referendariat "funktioniert" nur als Instrument der Anpassung - und die ist kontraproduktiv.
    Und was hat, bitte sehr, die Verbesserung der Grundschullehrerausbildung mit "Gleichmacherei" zu tun? Besteht die Würde des Gymnasiallehrers in einem ständischen Abstand von dem schnöden Beruf des Volksschullehrers?
    Herr Kollege, dem folge ich nicht, wenngleich Sie an anderen Stellen zum Teil Recht haben.

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    • H_P
    • 08.12.2008 um 19:43 Uhr

    Sehr geehrter Herr Kollege,
    ich kann nicht sagen, welche Erfahrungen Sie mit dem 'Referendariat' haben, aber an unserer Schule verlassen uns die Referendare - übrigens verlassen sie uns meist nur ungern- mit einer sehr positiven Einstellung und einem erheblichen Zuwachs an Erfahrung, Selbstsicherheit und Kenntnissen. Gleichzeitig profitiert die Schule erheblich vom engagierten Einsatz der Referendare mit neuen, kreativen Ideen.

    H_P

    • H_P
    • 08.12.2008 um 19:43 Uhr

    Sehr geehrter Herr Kollege,
    ich kann nicht sagen, welche Erfahrungen Sie mit dem 'Referendariat' haben, aber an unserer Schule verlassen uns die Referendare - übrigens verlassen sie uns meist nur ungern- mit einer sehr positiven Einstellung und einem erheblichen Zuwachs an Erfahrung, Selbstsicherheit und Kenntnissen. Gleichzeitig profitiert die Schule erheblich vom engagierten Einsatz der Referendare mit neuen, kreativen Ideen.

    H_P

    • H_P
    • 08.12.2008 um 19:43 Uhr

    Sehr geehrter Herr Kollege,
    ich kann nicht sagen, welche Erfahrungen Sie mit dem 'Referendariat' haben, aber an unserer Schule verlassen uns die Referendare - übrigens verlassen sie uns meist nur ungern- mit einer sehr positiven Einstellung und einem erheblichen Zuwachs an Erfahrung, Selbstsicherheit und Kenntnissen. Gleichzeitig profitiert die Schule erheblich vom engagierten Einsatz der Referendare mit neuen, kreativen Ideen.

    H_P

    Antwort auf "Referendariat"
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    Lieber Kollege H_P -

    ich sage Ihnen sehr gerne, welche Erfahrungen ich habe:

    1. als Referendar,
    2. als Fachleiter,
    3. als Schulleiter einer Schule mit vielen Referendaren,
    4. als zuständiger Dezernent,
    5. als Schulforscher,
    6. als Vater von ehemaligen Referendaren,
    7. als Sammler von Erfahrungsberichten (inzwischen vier dicke Aktenordner!).

    Das Elend des Referendariats liegt darin, dass es nicht von den Referendaren selbst bewertet wird, sondern von denen, die mal Referendare waren.
    Durchgängige Merkmale meiner vorhandenen Praxisberichte:
    1. Ich habe Glück gehabt, denn ich hatte einen (wahlweise zwei) gute Ausbildungslehrer/Fachleiter/Hauptseminarleiter - "Glück gehabt", das heißt, der Normalfall war ein anderer.
    2. Die schlimmste Zeit meines Lebens, ich gönne sie meinem ärgsten Feind nicht.
    3. Wenn man sich anpasst, geht es so.
    4. Ich möchte an die Zeit nicht mehr denken. (Und eben darum gibt es auch keine differenzierten und kritischen Berichte!) Es wird verdrängt.

    Begibt man sich an eine soziopsychologische Analyse, stellt man fest:
    1. Es ist die Zeit mit den meisten Partnerschaftsproblemen,
    2. es ist die Zeit der größten Rollenunsicherheit,
    3. es ist eine Zeit der Entfernung vom (berufs)wissenschaftlichen Diskurs, weil die täglichen Anforderungen die volle Aufmerksamkeit erfordern.

    Analysiert man das Referendariat unter historsich-kritischen Gesichtspunkten, so läßt sich zeigen, das seine Gründung zu Beginn des 19. Jahrhunderts genau in die Zeit der Restauration fiel - hiervon hat es sich bis heute nicht erholt. Und wird es auch nicht.

    Dass Sie, verehrter Herr Kollege H-P, ein so positives Bild vom Referendariat haben, leuchtet mir ein; fragt man Schulleiter/innen danach, so bekommt man nahezu stets die selbe Antwort. (Auch dies habe ich getan....) Erstaunlich nur, in welchem Gegensatz dazu die Äußerungen der erwachsenen, sich aber juvenilisiert fühlenden Referendare stehen!

    Lieber Kollege H_P -

    ich sage Ihnen sehr gerne, welche Erfahrungen ich habe:

    1. als Referendar,
    2. als Fachleiter,
    3. als Schulleiter einer Schule mit vielen Referendaren,
    4. als zuständiger Dezernent,
    5. als Schulforscher,
    6. als Vater von ehemaligen Referendaren,
    7. als Sammler von Erfahrungsberichten (inzwischen vier dicke Aktenordner!).

    Das Elend des Referendariats liegt darin, dass es nicht von den Referendaren selbst bewertet wird, sondern von denen, die mal Referendare waren.
    Durchgängige Merkmale meiner vorhandenen Praxisberichte:
    1. Ich habe Glück gehabt, denn ich hatte einen (wahlweise zwei) gute Ausbildungslehrer/Fachleiter/Hauptseminarleiter - "Glück gehabt", das heißt, der Normalfall war ein anderer.
    2. Die schlimmste Zeit meines Lebens, ich gönne sie meinem ärgsten Feind nicht.
    3. Wenn man sich anpasst, geht es so.
    4. Ich möchte an die Zeit nicht mehr denken. (Und eben darum gibt es auch keine differenzierten und kritischen Berichte!) Es wird verdrängt.

    Begibt man sich an eine soziopsychologische Analyse, stellt man fest:
    1. Es ist die Zeit mit den meisten Partnerschaftsproblemen,
    2. es ist die Zeit der größten Rollenunsicherheit,
    3. es ist eine Zeit der Entfernung vom (berufs)wissenschaftlichen Diskurs, weil die täglichen Anforderungen die volle Aufmerksamkeit erfordern.

    Analysiert man das Referendariat unter historsich-kritischen Gesichtspunkten, so läßt sich zeigen, das seine Gründung zu Beginn des 19. Jahrhunderts genau in die Zeit der Restauration fiel - hiervon hat es sich bis heute nicht erholt. Und wird es auch nicht.

    Dass Sie, verehrter Herr Kollege H-P, ein so positives Bild vom Referendariat haben, leuchtet mir ein; fragt man Schulleiter/innen danach, so bekommt man nahezu stets die selbe Antwort. (Auch dies habe ich getan....) Erstaunlich nur, in welchem Gegensatz dazu die Äußerungen der erwachsenen, sich aber juvenilisiert fühlenden Referendare stehen!

    • colca
    • 09.12.2008 um 10:42 Uhr

    Einst gab es ein Land, in dem die grundlegenden Forderungen des Autors bereits gelebte Praxis war.

    "Ein Neuanfang, der endlich den Praxisanteil des Studiums erhöht, also dafür sorgt, dass die Studenten schon vor dem ersten Semester und danach regelmäßig eine Schule von innen sehen."

    In diesem fernen Land begann bereits im ersten Semester, parallel zum Fachstudium , die Ausbildung in Methodik, Didaktik, Pädagogik und Psychologie. Ab dem zweiten Semester begann der praktische Teil, zunächst Hospitationen in den Schulen.
    Seine erste eigene Unterrichtsstunde hielt der angehende Lehrer, unter Anleitung und Betreuung durch die Methodiklehrkraft der Uni und eines erfahrenen Lehrers der Partnerschule, im dritten Semester. Zunächst eine Stunde in 2 Wochen mit ausführlicher Vor- und Nachbereitung - im Laufe der weiteren Semester mit sich steigernder Frequenz.
    So war jedem Studenten spätestens nach 3 Jahren klar, ob er als Lehrer geeignet ist oder lieber doch etwas anderes macht.

    "sollte auch Schluss machen mit der seltsamen Abstufung zwischen Grundschul-, Hauptschul-, Realschul- und Gymnasiallehrern. Er sollte allen eine gleichwertige Ausbildung bieten, die sie am Ende auch in den Augen der Öffentlichkeit gleichwertig macht."

    In diesem fernen Land gab es eine durchgehende gemeinsame Schule für alle von Klasse 1-8, später von 1-10. Dementsprechend war auch die Lehrerausbildung nicht in verschiedene Kasten unterteilt, mit einer Ausnahme. Sogenannte "Unterstufenlehrer" für die Klassen 1-4 absolvierten im Regelfall eine verkürzte Ausbildung - aus heutiger Sicht ein Fehler.
    Alle anderen aber, Lehrer für die Klassen 6-12, hatten eine gleichwertige Ausbildung genossen und waren, zumindest im Prinzip, flexibel einsetzbar.

    Wo dieses ferne Land lag? Im Osten Deutschlands, in der DDR.
    Hätte man, wie 1989/90 geschehen, die Ausbildung an Schulen und Hochschulen vom ideologischen Ballast befreit, wäre bei unvoreingenommener Sicht klar geworden, dass das organisatorische und inhaltliche Ausbildungskonzept dem der alten Bundesländer überlegen war.
    Leider hat das damals niemanden interessiert. Also machen wir uns erneut daran - streng nach Ländern getrennt - das Fahrrad zu erfinden.

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    • Anonym
    • 09.12.2008 um 14:50 Uhr

    Und da wurde natürlich auch viel Wert auf einen pluralen Wertekanon, demokratische Bildung und Ausbildung einer eigenen Meinung gelegt. Ein Land in dem es in jeder Schulklasse einen ehrenamtlichen "Agitator" gab ist ein indiskutables Vorbild, die Grundaussage dass "auch nicht alles schlecht war" hab ich von meinem Großvater schon gehört (allerdings bezüglich eines anderen deutschen Staates).
    So wie natürlich dieser Staat schon dem Namen nach eine Republik war (Demokratische Republik ist Unsinn, Republik implitziert bereits per Definition die Demokratie) und so weiter.
    Und die unbefleckte Empfängnis gabs natürlich auch, steht ja schließlich ebenfalls geschrieben.

    Meine Güte, dass es immer noch solche Leute gibt.

    • Anonym
    • 09.12.2008 um 14:50 Uhr

    Und da wurde natürlich auch viel Wert auf einen pluralen Wertekanon, demokratische Bildung und Ausbildung einer eigenen Meinung gelegt. Ein Land in dem es in jeder Schulklasse einen ehrenamtlichen "Agitator" gab ist ein indiskutables Vorbild, die Grundaussage dass "auch nicht alles schlecht war" hab ich von meinem Großvater schon gehört (allerdings bezüglich eines anderen deutschen Staates).
    So wie natürlich dieser Staat schon dem Namen nach eine Republik war (Demokratische Republik ist Unsinn, Republik implitziert bereits per Definition die Demokratie) und so weiter.
    Und die unbefleckte Empfängnis gabs natürlich auch, steht ja schließlich ebenfalls geschrieben.

    Meine Güte, dass es immer noch solche Leute gibt.

  3. 6. Reform

    Man kann es ja nicht oft genug sagen: Auch Lehrer- und Studierendenverbände fordern eine grundlegende Reform. Und das seit über 20 Jahren. Verhindert wurde die vor allem durch Desinteresse auf Seiten der Politik und durch Besitzstandswahrung seitens der Universitäten resp. Fakultäten. Nur nichts abgeben, was Stellen und Finanzierung kosten könnte. So ist es bis heute. Ansonsten stimme ich übrigens H_P zu: Woher haben eigentlich die Bildungsexperten ihre Erfahrungen? In Schulen werden sie jedenfalls fast nie gesichtet.

    • Ete2
    • 09.12.2008 um 14:40 Uhr

    Juhuu!

    Das ist die beste Nachricht, die ich seit langem gelesen habe. Mal unabhängig von der konkreten Ausgestaltung, halte ich den Ansatz, die Lehrerausbildung zu reformieren, für dringend notwendig. Schön, dass sich da mal jemand an die Arbeit macht, ich bin gespannt, was bei rauskommt...

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    Also dieser Jubelruf mutet mich doch seltsam an; ich weiß nicht, aus welchem Bundesland Sie kommen, aber hier in NRW ist die Lehrerausbildung seit 1990 x-mal reformeirt worden.
    Jedes Maöl wurde behauotet, dies sei der große Wurf, und es war wieder nix.
    Meine Prophezeiung:
    auch diese Reform wird das allseits mit fast religiösen Erlösungssehnsüchten verbundene Problem nicht lösen, weil es mehrerlei übersieht:
    1. Die beste Ausbildung nützt gar nichts, wenn die Umstände des Handelns nicht so sind, dass auch die Berufspraxis gut ist.
    2. Die Tätigkeit des Lehrers ist, mit Siegmund Freud zu sprechen, ein "unmöglicher Beruf" - weil Lehrer dazu verurteilt sind, ihr (Berufs)Leben lang in einer multipel dilemmatischen Situation zu arbeiten, weswegen sie eben eine sehr gediegene Ausbildung brauchen - mit Kant (1776) ist dies vor allem eine wissenschaftliche (!) Ausbildung, ein Studium, das es erlaubt, Praxis kritisch zu befragen, und eben nicht eine angeblich gute Praxis zu übernehmen; das wollen selbstverständlich diejenigen, die in diesem Beruf tätig sind und ihre Selbstsicherheit daher beziehen, dass sie zu wissen meinen, wie die Rolle des Lehrers gut auszuüben ist.
    3. Die gegenwärtige Debatte (seit etwa 2002, im Gefolge der Bologna-Erklärung 1999) ist nicht von den Interessen am Lehrerstudium bestimmt, sondern von den Hochschulinteressen. Und die sind traditionell nicht lehrerausbildungsfreundlich.
    4. Soweit diese Debatte von PISA etc. bestimmt ist, wird übersehen, dass eine veränderte Lehrerausbildung nach den vorliegenden Forschungen frühestens in etwa 20 Jahren ihre ersten Früchte in den Schulen zeitigt; bis dahin werden wir mit Sicherheit eine Reform der Reform der Reform der Reform erlebt haben.

    Also dieser Jubelruf mutet mich doch seltsam an; ich weiß nicht, aus welchem Bundesland Sie kommen, aber hier in NRW ist die Lehrerausbildung seit 1990 x-mal reformeirt worden.
    Jedes Maöl wurde behauotet, dies sei der große Wurf, und es war wieder nix.
    Meine Prophezeiung:
    auch diese Reform wird das allseits mit fast religiösen Erlösungssehnsüchten verbundene Problem nicht lösen, weil es mehrerlei übersieht:
    1. Die beste Ausbildung nützt gar nichts, wenn die Umstände des Handelns nicht so sind, dass auch die Berufspraxis gut ist.
    2. Die Tätigkeit des Lehrers ist, mit Siegmund Freud zu sprechen, ein "unmöglicher Beruf" - weil Lehrer dazu verurteilt sind, ihr (Berufs)Leben lang in einer multipel dilemmatischen Situation zu arbeiten, weswegen sie eben eine sehr gediegene Ausbildung brauchen - mit Kant (1776) ist dies vor allem eine wissenschaftliche (!) Ausbildung, ein Studium, das es erlaubt, Praxis kritisch zu befragen, und eben nicht eine angeblich gute Praxis zu übernehmen; das wollen selbstverständlich diejenigen, die in diesem Beruf tätig sind und ihre Selbstsicherheit daher beziehen, dass sie zu wissen meinen, wie die Rolle des Lehrers gut auszuüben ist.
    3. Die gegenwärtige Debatte (seit etwa 2002, im Gefolge der Bologna-Erklärung 1999) ist nicht von den Interessen am Lehrerstudium bestimmt, sondern von den Hochschulinteressen. Und die sind traditionell nicht lehrerausbildungsfreundlich.
    4. Soweit diese Debatte von PISA etc. bestimmt ist, wird übersehen, dass eine veränderte Lehrerausbildung nach den vorliegenden Forschungen frühestens in etwa 20 Jahren ihre ersten Früchte in den Schulen zeitigt; bis dahin werden wir mit Sicherheit eine Reform der Reform der Reform der Reform erlebt haben.

    • Anonym
    • 09.12.2008 um 14:50 Uhr

    Und da wurde natürlich auch viel Wert auf einen pluralen Wertekanon, demokratische Bildung und Ausbildung einer eigenen Meinung gelegt. Ein Land in dem es in jeder Schulklasse einen ehrenamtlichen "Agitator" gab ist ein indiskutables Vorbild, die Grundaussage dass "auch nicht alles schlecht war" hab ich von meinem Großvater schon gehört (allerdings bezüglich eines anderen deutschen Staates).
    So wie natürlich dieser Staat schon dem Namen nach eine Republik war (Demokratische Republik ist Unsinn, Republik implitziert bereits per Definition die Demokratie) und so weiter.
    Und die unbefleckte Empfängnis gabs natürlich auch, steht ja schließlich ebenfalls geschrieben.

    Meine Güte, dass es immer noch solche Leute gibt.

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    • colca
    • 09.12.2008 um 17:09 Uhr

    Ihr Kommentar ist ein wunderbares Beispiel für die Geisteshaltung, die eine Übernahme und Fortentwicklung sinnvoller Einrichtungen der DDR verhindert hat.

    Mein Beitrag bezog sich, falls Sie das kognitiv erfasst haben sollten, auf organisatorische Aspekte der Lehrerausbildung in der DDR. Also Fragen des Praxisbezuges, der Einsatzflexibilität und der Verknüpfung fachwissenschaftlicher und methodisch-didaktischer Kompetenz.
    Sie hingegen stellen auf die politische Ebene ab, die hier gar nicht zur Debatte stand. In dieser Hinsicht gibt es m.E. auch kaum Diskussionsbedarf, der ideologische Ballast und die politische Indoktrination war an den meisten Ost-Universitäten einfach unerträglich und schlichtweg eine Beleidigung intelligenter Menschen.
    Dementsprechend schnell wurde dieser ganze Mummenschanz 1989/90 auch abgeschafft - vor der Wiedervereinigung.
    Von daher ist es einfach schade und eine Verschleuderung sauer verdienter Erfahrungen, dass hier das Kind mit dem Bad ausgeschüttet wurde. Im Ergebnis haben wir jetzt das, nach der Schweiz, zweitteuerste Bildungssystem der Welt, welches aber nur bestenfalls mittelmäßige Ergebnisse hervorbringt. Ganz zu schweigen von der absurden Kleinstaaterei der einzelnen Bundesländer in der Bildungspolitik.
    Finnland übrigens, fast überall in der Spitzengruppe der PISA-Vergleiche anzutreffen, hat in den 70er Jahren viele Anregungen aus dem DDR-Bildungswesen übernommen, von ideologischem Müll gereinigt und sehr erfolgreich weiterentwickelt.
    Aber diesen Weg wollen Sie ja nicht gehen, da muss gleich der obligatorische Nazi-Opa zitiert werden...
    Auch eine Form ideologischer Verbohrtheit.

    • colca
    • 09.12.2008 um 17:09 Uhr

    Ihr Kommentar ist ein wunderbares Beispiel für die Geisteshaltung, die eine Übernahme und Fortentwicklung sinnvoller Einrichtungen der DDR verhindert hat.

    Mein Beitrag bezog sich, falls Sie das kognitiv erfasst haben sollten, auf organisatorische Aspekte der Lehrerausbildung in der DDR. Also Fragen des Praxisbezuges, der Einsatzflexibilität und der Verknüpfung fachwissenschaftlicher und methodisch-didaktischer Kompetenz.
    Sie hingegen stellen auf die politische Ebene ab, die hier gar nicht zur Debatte stand. In dieser Hinsicht gibt es m.E. auch kaum Diskussionsbedarf, der ideologische Ballast und die politische Indoktrination war an den meisten Ost-Universitäten einfach unerträglich und schlichtweg eine Beleidigung intelligenter Menschen.
    Dementsprechend schnell wurde dieser ganze Mummenschanz 1989/90 auch abgeschafft - vor der Wiedervereinigung.
    Von daher ist es einfach schade und eine Verschleuderung sauer verdienter Erfahrungen, dass hier das Kind mit dem Bad ausgeschüttet wurde. Im Ergebnis haben wir jetzt das, nach der Schweiz, zweitteuerste Bildungssystem der Welt, welches aber nur bestenfalls mittelmäßige Ergebnisse hervorbringt. Ganz zu schweigen von der absurden Kleinstaaterei der einzelnen Bundesländer in der Bildungspolitik.
    Finnland übrigens, fast überall in der Spitzengruppe der PISA-Vergleiche anzutreffen, hat in den 70er Jahren viele Anregungen aus dem DDR-Bildungswesen übernommen, von ideologischem Müll gereinigt und sehr erfolgreich weiterentwickelt.
    Aber diesen Weg wollen Sie ja nicht gehen, da muss gleich der obligatorische Nazi-Opa zitiert werden...
    Auch eine Form ideologischer Verbohrtheit.

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