Gedicht Nr. 50 Neue Fenster

Ein Gedicht von John Linthicum (1948 - 2008)

Ich wache auf
da sind sie ja
die hohen neuen Fenster
fünfte Etage in der fremden Stadt
vom Bett aus nur Himmel
die dunkle Wolkenwand die heller wird
der Rand aus Feuer
die klare Entfernung darüber
fast blau

So gemächlich langsam fliege ich
so hoch sind die Fenster
dies könnte ein Zeppelin sein
und das Jahrhundert noch nicht geschehen
noch könnte ich glauben
die menschliche Natur ließe sich ändern

Zur Erinnerung an John Linthicum, den amerikanischen Dichter, der in den achtziger und neunziger Jahren in Düsseldorf lebte, die Literaturszene des Rheinlands inspirierte und seine Gedichte schließlich auch auf Deutsch schrieb. Am 6. April dieses Jahres starb er in Tucson/Arizona; am 2. Dezember wäre er 60 Jahre alt geworden.

 
Leser-Kommentare
    • hagego
    • 17.12.2008 um 15:14 Uhr

    in der weite
    erkenne ich nicht was ich sehe
    nur was ich weiß

    weiß heben sich die wolken
    vom dunkelblauen himmel
    und schweben davon

    davon merkt man wenig
    wenn man mit den augen
    den wolken folgt

    hinter einer wolke
    habe ich kurz tucholsky
    gesehen

    er diskutierte
    mit morgenstern
    und ringelnatz darüber
    wie sie den jandl
    zum schweigen bringen
    könnten

    die diskussion
    wurde immer lebhafter

    währenddessen
    verstummte jandl

    ein wolkenbruch
    verdunkelte den tag

    • Kometa
    • 17.12.2008 um 19:05 Uhr

    Joan Landauskehr
    (1998 - 2038):
    Weylas Antwort
    Fenster von Orplid hinaus ins Weite

    Ein Nach-Gedicht

    Ich bette auf
    da sind sie ja
    die weiland hohen Fenster
    fünfte Etage in dem fremden Zeppelin
    von der Wache aus nur Hammel
    die dunkle Wolkenwand die heller wird
    der menschliche Rand ins Regenfeurige
    in klarer Entfernung darüber
    fast weyla-blau

    So gemächlich langsam flagge ich
    so hoch sind die Fenster
    ich könnte ein heimsche Stadt sein
    und Ludwig und Amandus lassen es geschehen
    dass sie der Tod mir raubt
    why könnte ich glauben
    die Freundschaftsbrust ließe sich
    stillen.

    Es gibt kein -plid ohne ein Or-.

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  • Quelle DIE ZEIT, 04.12.2008 Nr. 50
  • Kommentare 2
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