Medizin Ein ganz, ganz übles ThemaSeite 3/3

Die Marine will ihren Soldaten künftig Vitamin-Pillen anbieten

Im Wellenbecken der Marine in Neustadt wollte Reinhart Jarisch die Skeptiker nun endgültig überzeugen. Insgesamt 70 Versuchspersonen schickte er bei einem künstlichen Orkan zweimal für 20 Minuten in die Rettungsinsel. Eine Stunde vor den Tests mussten sie jeweils eine weiße Pille einnehmen: ein Placebo oder aber reines Vitamin C. In Fragebögen sollten sie hinterher ankreuzen, welcher Durchlauf leichter zu ertragen war. Und vor und nach den Schaukelexperimenten wurden Blutproben genommen.

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Eine Frage hat die Studie wohl endgültig geklärt. Es besteht in der Tat ein Zusammenhang zwischen Seegang und Histaminspiegel. Bei fast allen Probanden stieg der Pegel im Blut während der Schaukelei deutlich an. Doch hilft Vitamin C dagegen? 15 Probanden stellten keinen Unterschied fest zum Placebo. 33 der verbleibenden 55 Probanden fühlten sich unter Vitamin C besser, hatten also weniger Übelkeit und Schwindelgefühle. Bei 22 Probanden siegte hingegen das Scheinmedikament. Ein Verhältnis von 36 zu 19 hätte aus statistischer Sicht genügt, um die Wirksamkeit von Vitamin C zu beweisen. »Es fühlt sich an wie ein vierter Platz bei den Olympischen Spielen«, seufzt Jarisch. »Ein gutes Resultat, aber für eine Medaille hat es nicht ganz gereicht.«

Eine kleine Ehrenrettung aber gab es dennoch. Von den 24 Testpersonen, die die Rettungsinsel bereits während des Experiments wegen akuter Übelkeit fluchtartig verließen, hatten 17 ein Placebo geschluckt und nur 7 Vitamin C. »Aus meiner Sicht ist auch das ein deutlicher Hinweis auf die Wirksamkeit«, sagt Jarisch. Und bei Männern unter 28 Jahren und Frauen schnitt Vitamin C ebenfalls signifikant besser ab als das Scheinmedikament.

Bei der Deutschen Marine glaubt man seit dieser Pionierstudie an das Potenzial der neuen Methode. In Zukunft sollen auf Marineschiffen Vitamin-C-Pillen angeboten werden. »Wir überlegen außerdem, eine Langzeitstudie auf See durchzuführen«, sagt Andreas Koch, Forschungsleiter am Schifffahrtsmedizinischen Institut der Marine in Kiel. Gut möglich, dass die den endgültigen Nachweis für die Wirksamkeit von Vitamin C und Schlaf gegen Seekrankheit erbringen wird.

Anderenfalls bleibt weiterhin die bewährte Faustregel alter Seebären in Kraft: »Am besten hilft Vorbeugen – und zwar über die Reling.«

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