Als Satan sich aus dem Feuermeer erhebt und das Heer der gefallenen Engel dem hitzewogenden Abgrund entsteigt, sieht es einen Moment lang aus, als wollten sie ihren verlorenen Kampf um den Himmel wiederaufnehmen. Doch die Revolution ist gescheitert, und Satan weiß es. Mit gramzerfurchtem Gesicht steht der Schwarzgeflügelte inmitten eines Infernos, dessen Flammen kein Licht ausstrahlen. Voll grimmiger Reue blickt der ins Dunkel Verdammte auf seine geschlagene Armee, und dreimal bricht er in Tränen aus, ehe er eine trotzige Kapitulationsrede zustande bringt: Dem Frieden Fluch! Und keine Unterwerfung! Besser der Hölle Herr sein als des Himmels Sklave!

Als der englische Dichter John Milton 1667 den weinenden Luzifer zur Hauptfigur seines monumentalen Sündenfallepos Paradise Lost (Das verlorene Paradies) machte, schuf er einen Prototyp des modernen Antihelden und ein literarisches Urbild des glücklosen Rebellen. Milton war zwar nicht der Erste, der den Gegenspieler Gottes mit individuellen Zügen ausstattete, aber der Letzte, der den Charakter des Erzempörers noch von Grund auf erklären musste. Seit Beginn der Reformation gab es Versuche, Satans Psychologie zu durchleuchten und statt des plumpen mittelalterlichen Verführers ein innerlich zerrissenes Individuum zu zeichnen. Warum nur wählte der schönste und klügste der Engel das Böse? Die Frage sollte zu einer der großen Fragen der Moderne werden.

Milton selbst lebte in einer zerrissenen Zeit. Wenige Jahre vor dem Erscheinen seines Hauptwerks hatte in England die erste bürgerliche Revolution triumphiert – und war doch gescheitert. Denn die glaubensstarken Republikaner hatten sich als unfähig erwiesen, eine dauerhafte Republik zu errichten; ihr Bürgerkriegsheld Oliver Cromwell regierte am Ende als Lordprotektor mit diktatorischen Mitteln. Schon kurze Zeit nach seinem Tod wurde die Monarchie restauriert.

»Es ist fast dasselbe, einen Menschen oder ein gutes Buch zu töten«

1649 hatte John Milton eine brillante Verteidigung des Tyrannenmords verfasst. Im selben Jahr schrieb er unter dem Titel Bilderstürmer eine Polemik gegen die Verklärung des enthaupteten Königs Karl I. zum Märtyrer. Wortgewaltig verteidigte er dessen Richter und wetterte in den Folgejahren unermüdlich gegen die Bevormundung der Bürger. Nach Cromwells Tod noch, während das Parlament zwischen Republik und Monarchie schwankte, veröffentlichte der mittlerweile erblindete Dichter ein Pamphlet gegen das Königtum. Das war im Februar 1660. Zwei Monate später, im April, verhaftete man seinen Drucker, woraufhin der unerschrockene Pamphletist anderswo eine Nachauflage bestellte. Als im Mai dann das Parlament Karls Sohn inthronisierte, Karl II., wurde der spitzzüngige Rebell für vogelfrei erklärt. Dass er den Rächern der Restauration entrann und nicht wie so viele Gefährten Cromwells aufs Schafott musste, verdankte er ausgerechnet der Fürsprache royalistischer Gönner.

Milton nahm die große Niederlage bitter, aber ohne Demut hin. Er war ein selbstbewusster, ein stolzer Mann. Seine Herkunft mag das Ihrige dazu beigetragen haben.

John Milton (1608 - 1674); Gravur ca. 1650 © Hulton Archive/Getty Images

Am 9. Dezember 1608 wird er in eine puritanisch fromme Londoner Familie hineingeboren, deren Kunstsinn und Bildungsbeflissenheit allerdings sehr unpuritanisch, fast schon maßlos erscheinen. Der Vater, ein erfolgreicher Notar, liebt die Musik, er komponiert Madrigale und sammelt Instrumente. John Milton senior ist ein Selfmademan mit gewissem Hang zur Unbotmäßigkeit: Wegen seines Austritts aus der katholischen Kirche wurde er enterbt. Er ist erfolgreich und fördert die Talente seiner Söhne ebenso wie ihren Eigensinn. Lesen, lesen, nochmals lesen. »Mein Hunger nach Wissen«, schreibt der Dichter rückblickend, »war so unersättlich, dass ich vom zwölften Jahr an kaum je meine Studien unterbrach oder vor Mitternacht zu Bett ging.«

Von 1619 an besucht das Kind eines der besten Gymnasien des Landes, Saint Paul’s, nur wenige Schritte von seinem Vaterhaus entfernt, wo heute Saint Paul’s Cathedral steht. Trubelig geht es zu im Osten der rasch wachsenden Handelsstadt. Die besseren Fassaden drängen sich dicht an dicht, die Themseschiffe segeln ganz nah vorbei, und vom jenseitigen Ufer winken die Banner der elisabethanischen Theater herüber. Noch haben die Puritaner nicht genug Macht, Bühnen und Bierstuben zu schließen, noch sind Pferderennen, Hahnenkämpfe, Sonntagsspaziergänge erlaubt.

Mehr als alles liebt der Schüler die Dichtkunst, erobert sich die Geheimnisse der Sprache. Ihre Macht und Magie sollten ihn zeitlebens herausfordern – Miltons Mut zu Sprachneuschöpfungen ist legendär. Über 600 von ihm erfundene Begriffe verzeichnet das Oxford English Dictionary, die englischen Wörter für satanisch, liturgisch, für ekstatisch und extravagant, aber auch für kritisieren.

1625 kommt er in die beschauliche Universitätsstadt Cambridge; es ist das Jahr, in dem Jakob I. stirbt und Karl I. den Thron besteigt. Milton wird Mitglied des Christ’s College. Doch so romantisch diese efeuumrankten Lehranstalten heute erscheinen, so eng war damals das Curriculum. Stupide Lektionen in Logik, Rhetorik, Latein wechseln ab mit dem Einüben von Mnemotechniken – von denen Milton indes nicht ahnt, wie sehr sie ihm noch nützen werden, später, als er, längst erblindet, die 10565 Blankverse des Verlorenen Paradieses diktiert.

Milton ist ein hübscher junger Mann; seine feinen Gesichtszüge und seine blasse Haut, seine großen blauen Augen und sein langes gewelltes Haar tragen ihm den Spitznamen The Lady of Christ’s ein. Warum der 18-Jährige im Sommer 1627 vorübergehend relegiert wird, darüber spekulieren die Biografen noch immer: War es wegen eines Streits mit seinem Tutor? Hatte dieser ihn geschlagen oder aber bei einer homosexuellen Liebelei ertappt? Dass Milton 1637 einem ertrunkenen Studienfreund ein empfindsames Hirtengedicht widmet, hat die Fantasie der Historiker beflügelt, zugleich den Blick für das Konventionelle der damals populären Liebesmetaphorik vernebelt. Miltons lyrische Übungen sind an Petrarca geschult und dienen letztlich der Ausschmückung seiner Theodizee. Dafür vor allem bewunderten ihn im 19. Jahrhundert die Romantiker: wie er individuelles Befinden und Menschheitsschicksal verknüpft, wie er das Persönliche ins Religiöse wendet und seine hehre Berufung als Dichter ausstellt.

Nach Abschluss der Universität wirft Milton seine früheren Pläne, Priester zu werden, rasch beiseite – mit der selbstbewussten Begründung, er wolle nicht in »anglikanische Knechtschaft« geraten und »falsche Schwüre« ablegen. Stattdessen will er ein großes Nationalepos schreiben. Eine heilsgeschichtliche Überhöhung der Gegenwart steht noch aus, und Milton befindet in der ihm eigenen anmaßenden Demut, dass er zuvor noch mindestens sechs Jahre intensiven Selbststudiums benötige. Also zieht er sich auf den väterlichen Landsitz bei Windsor zurück.

Bis 1639 geschieht nicht viel. Ein paar Oden, ein Auftrag für ein Maskenspiel, schließlich die übliche Italienreise. Milton tummelt sich unter poetisierenden Jungakademikern und besucht in der Nähe von Florenz den greisen Galilei.

Doch dann treffen Nachrichten aus der Heimat ein, die ihn elektrisieren. Der große Konflikt zwischen Karl I. und dem Parlament hat begonnen, der in den Bürgerkrieg münden sollte. Milton eilt zurück nach London.

Das Parlament fordert die Entmachtung der Bischöfe, Miltons schlummernder Prälatenhass ist geweckt. 1641 wirft er in einer vor Zorn vibrierenden Schmähschrift den Kirchenoberen vor, sie seien nur machtgierige Heuchler und untergrüben die Moral des Gemeinwesens. Milton spart nicht mit Beschimpfungen: Von Wölfen, Wildsäuen, Heuschrecken ist die erboste Rede; in drastischer Teufelsmetaphorik bezichtigt er die korrupten Kleriker, mit ihren schmutzigen Hufen auf den Seelen der Rechtgläubigen herumzutrampeln.

So beginnt John Miltons lebenslanger Kampf für religiöse und politische Freiheit. Dabei speist sich des Autors rhetorischer Furor keineswegs aus bigott-puritanischer Frömmigkeit, sondern vor allem aus einem Humanismus, der die Prädestinationslehre verwirft und an die Verantwortung des Einzelnen appelliert. Weil Milton alle Menschen als gleich fehlbar betrachtet, lehnt er jedes Gottesgnadentum ab. Gegen die institutionalisierte Kirche steht bei ihm die verinnerlichte »unsichtbare Kirche«, die allein uns befähige, vernunftgemäß zu handeln.

In dem herrlichsten Gotteshaus von Cambridge, dem des King’s College, unter dem fünfzig Meter hohen Fächergewölbe, hat man ihm einst den Glauben an die zwei komplementären Reiche des Himmels und der Erde gepredigt, aber dass einige Menschen von Amts wegen Mittler zwischen diesen Welten seien, weigert er sich zu akzeptieren. Woran er als Leser von Platon und Seneca wirklich glaubt, sind die Kardinaltugenden: Tapferkeit und Gerechtigkeitssinn, Klugheit und Mäßigung.

Es sind die Tugenden des Kämpfers. Und der ist jetzt mehr gefordert als der Dichter. Fast zwanzig Jahre lang wird Milton der Poesie entsagen, um im beginnenden Bürgerkrieg den »Roundheads« gegen die »Cavaliers« beizustehen.

Ehe er sich aber vollends in die Politik stürzt, gibt er im Privaten noch eine Probe seines Charakters: seiner Reizbarkeit, seiner Rechthaberei, seiner grandiosen Eitelkeit, aber auch seiner Toleranz. Das Debakel beginnt mit einem Sommeraufenthalt in Oxfordshire 1643, wo der 34-Jährige in einem plötzlichen Anfall von Familiensehnsucht die Tochter eines Friedensrichters heiratet. Mary Powell ist kaum 17 Jahre alt und ein hübsches, vergnügungssüchtiges Mädchen vom Lande, das die Minneträume des Intellektuellen nicht erfüllen kann. Nach vier kurzen Wochen Ehe flieht sie aus London zurück zu den Eltern und ignoriert alle Bitten des verlassenen Gatten um Aussöhnung.

Der so Gedemütigte tut, was er in den kommenden zwei Jahrzehnten immer tun wird, wenn ein Kollege, Prälat oder König anderer Meinung ist als er selbst. Milton greift zur Feder und verfasst ein scharfsinniges Pamphlet – in diesem Fall für das Recht auf eigenmächtige Scheidung ohne Befugnis der Kirche. Milton pocht auf die eheliche Seelenverwandtschaft. Jeder freie Mann müsse sich »bei Unmöglichkeit eines passenden, auf gleicher Stufe stehenden Gesprächs« von seiner Frau trennen dürfen, um nicht »die Ehe zu einem Zustand werden zu lassen, der schlimmer als das einsamste Leben allein ist«.

In seinem gekränkten Stolz übersieht Milton das bemerkenswerte Faktum, dass es in seinem Fall die Frau ist, die den Mann verlassen hat, ohne einen Bischof zu fragen. Doch wie dem auch sei: Marys Courage verdankt die Nachwelt letztlich auch Miltons weitere frühe Manifeste der Demokratie. Denn der Streit um die Eheschrift, die ein presbyterianischer Kleriker öffentlich verbrennen lassen will, wächst sich aus zu einem grundsätzlichen Kampf um die Freiheit des Wortes.

»Es ist fast dasselbe, einen Menschen oder ein gutes Buch zu töten«, schreibt er in seiner Areopagitica von 1644, der ersten und bis heute unerreichten Verteidigung der Pressefreiheit. »Denn wer einen Menschen tötet, tötet ein vernünftiges Wesen, wer aber ein gutes Buch vernichtet, tötet die Vernunft selbst, tötet Gottes Ebenbild sozusagen im Keime.« Die Areopagitica, die noch 1789 Frankreichs Revolutionäre inspirierte, zielt auf weit mehr als Pressefreiheit, nämlich Willensfreiheit – für Milton das höchste Gut überhaupt, unsere Chance nach dem Sündenfall, durch gewissenhaftes Handeln das verlorene Paradies wiederzuerringen. Was nütze erzwungener Gehorsam? Sei nicht Sünde nötig, um Tugend zu lernen? Statt zu beklagen, dass die Vorsehung Adams Unbotmäßigkeit nicht verhindert habe, müsse die Christenheit endlich begreifen: Als Gott uns Vernunft gab, gab er uns die Freiheit, zu wählen. Wer aber die Mittel der Sünde verbiete, verhindere zugleich die Entfaltung der Tugend. Mit anderen Worten: Durch seine Fehlbarkeit erst wird der Mensch zum Menschen. Folglich darf das Gute nicht dekretiert, sondern muss gewählt werden, kann die Wahrheit nicht angeordnet, sondern muss erkannt werden.

Für Milton bleibt die äußere Unfreiheit ein Spiegelbild der inneren Abwendung des Menschen von Gott. Von der Verteidigung der persönlichen Freiheit aber ist es nur ein kleiner Schritt zur Freiheit aller, zum Gedanken der Volkssouveränität und zu der Überzeugung, dass ein souveränes Volk die Pflicht habe, einen tyrannischen König abzuurteilen. Milton braucht für diesen kleinen gewaltigen Jahrtausendschritt zwei Wochen.

Mit Verve und Scharfsinn verteidigt er die Hinrichtung des Königs

Im Januar 1649 wird Karl I. in London enthauptet. Bis zuletzt hat der König sich geweigert, dem Parlament Konzessionen zu machen: Er sei nur Gott und sonst niemandem verantwortlich. Cromwells drastische Lektion entsetzt selbst die Gegner der Monarchie. Milton aber bewahrt die Ruhe und veröffentlicht Mitte Februar seine berühmteste Flugschrift, worin er die Bluttat als rechtens legitimiert. Es sei geradezu eine gesetzliche Pflicht, »tyrannische Könige zur Rechenschaft zu ziehen und nach hinreichender Schuldigerkennung zum Tode zu verurteilen«. Denn die Macht der Obrigkeiten sei eine nur abgeleitete und zum gemeinsamen Besten ihr vom Volke übergebene, bei welchem die Macht wesentlich bleibe. Kein vernünftiger König maße sich eine übermenschliche Stellung an, wo doch so viele Menschen ihm an Weisheit, Tugend, Adel des Geistes überlegen seien. »Von hier aus können wir mit Leichtigkeit bestimmen, was ein Tyrann ist und was das Volk gegen ihn tun kann. Ein Tyrann ist derjenige, welcher, ohne das Gesetz zu achten, nur zu seinem eigenen Wohl regiert.« Dieses Vergehen dürfe nicht minder streng geahndet werden als der Verrat eines gemeinen Bürgers an seinen Mitbürgern.

Miltons Pamphlet Von der Macht der Könige und Magistraten wird sein Entreebillet für die Revolutionsregierung: Einen Monat nach der Veröffentlichung bestellt ihn der Staatsrat zu einem Sekretär Cromwells. Als Regierungsmitglied aber ist er nun auch mitverantwortlich für die Unterdrückung royalistischer Schriften, für eine immer strengere Zensur. Mit der Zeit beginnt ihn die rigide Politik seines cholerischen Dienstherrn zu bedrücken. Er warnt: Wenn Cromwell die erkämpfte Freiheit antaste, »wären die Folgen schrecklich und tödlich nicht nur für ihn selber«, sondern auch für die Geltung der Freiheit.

Die Republik überlebt ihren Begründer nur um eine kurze Frist. 1660, zwei Jahre nach dem Tod des Lordprotektors, ist die Monarchie wiederhergestellt; mit Glück entkommt Milton der Rache der Royalisten. Er zieht sich zurück, zurück in das wahre Land der Freiheit, das Reich der Kunst. Mit der widerstrebenden Hilfe dreier ungeliebter Töchter und mit dem aufopferungsvollen Beistand seiner dritten Frau wagt der blinde Dichter nun sein homerisches Epos für die Christenheit. Er beginnt mit dem Sündenfall der Engel und endet mit dem Sündenfall der ersten Menschen.

Milton diktiert bis zu vierzig Zeilen in einem Atemzug. Mitten in der Arbeit 1665 wird London von der Pest heimgesucht, und der nahezu mittellose Mann muss aufs Land fliehen, in das Cottage eines Gönners in Chalfont St. Giles in den hügeligen Chilterns, wo es still, idyllisch und öde ist – und wohin die Nachricht vom großen Brand in der Hauptstadt 1666 nur verspätet dringt. Damals versinken vier Fünftel der Stadt, etwa 13000 Häuser, im Inferno; manche Zeitgenossen glauben, das sei Gottes Strafe für Englands revolutionäre Hybris.

Hybris und Gerechtigkeitsverlangen, Empörung und Verrat, die göttliche Ordnung und das Reich der Freiheit sind auch die Hauptthemen des Verlorenen Paradieses. Und wie immer man Luzifer interpretieren mag – als Empörer, als gefallenen Engel, als Zerrissenen, als großen Betrüger, als Usurpator–, Miltons flammende Bilder vom Kampf der Welten haben zahllose Dichter und Künstler befeuert, von William Blake bis Gustave Doré, bis zu den Fantasy-Autoren von heute. Erinnert sei nur an die Romantrilogie des englischen Bestsellerautors Philip Pullman, His Dark Materials, die sich direkt auf das Verlorene Paradies bezieht. Sie erzählt vom ultimativen Angriff auf die Ordnung des Kosmos.

Für Milton indes steht am Ende die Hoffnung. Unermüdlich schreibt er weiter, fern der Hauptstadt, bis zu seinem Tod am 8. November 1674 in Bunhill bei London. Doch seine späten Werke, Das wiedergefundene Paradies und Samson Agonistes, verblassen neben dem großen Epos, neben Paradise Lost. Noch in dessen Ausgang scheint das Bekenntnis seines Lebens auf. Als Adam gewahr wird, dass Eva von der verbotenen Frucht gekostet hat, wendet er sich zunächst entsetzt ab. Doch dann wird ihm klar: Auch er muss nun den Apfel nehmen, weil er andernfalls allein zurückbliebe. Adam ist kein Opfer Satans, sondern er entscheidet sich bewusst für den Sündenfall. Sein Vergehen ist, dass er die Liebe zu Eva höher stellt als die Liebe zu Gott.

Da erstrahlt sie noch einmal, Miltons große Utopie der Willensfreiheit. Da verbinden sich die Herz-Motive seines Werkes – Freiheit trotz Ohnmacht, Liebe trotz Hass, Vernunft trotz Leidenschaft – zu einem Schlussbild ohne Feuersee und flügelschlagende Untergangsmetaphorik. Hand in Hand lässt der Dichter Adam und Eva aus dem Paradies treten. Und »die Welt liegt ihnen zu Füßen«.