Indien nach dem Terror Der verletzte RieseSeite 3/3
Doch was geschieht, wenn Indien nun nach den Attentaten von Mumbai wieder Hunderttausende Soldaten an die Grenze schickt? Wen werden die Pakistaner eher als Bedrohung empfinden: die indische Armee oder die Gotteskrieger? Pakistan hat schon angekündigt, 100.000 Soldaten von der afghanischen an die indische Grenze zu verlegen, falls Indien seine Armee mobilisiert.
Diese wechselseitigen Drohungen sind eine schwere Hypothek für die noch nicht einmal begonnene Präsidentschaft Barack Obamas – ja sie könnte sogar über sein Schicksal entscheiden. Als Obama nämlich den Krieg in Afghanistan im Unterschied zu dem im Irak zum richtigen Krieg erklärte, machte er ihn zu seiner zentralen außenpolitischen Herausforderung. Der afghanische Krieg ist der Krieg, den er gewinnen muss. Verliert er ihn, dann ist der Schaden für seine Präsidentschaft nicht abzuschätzen.
Gewinnen kann er diesen Krieg aber nicht gegen, sondern nur mit Pakistan. Die Pakistaner will er mit einer Mischung aus "Zuckerbrot und Peitsche" ins Boot holen. Zum einen drohte er ihnen schon als Präsidentschaftskandidat, selbst in den Stammesgebieten gegen al-Qaida vorzugehen, zum anderen ließ er diskret verlauten, dass er den Kaschmirkonflikt ganz weit oben auf seine Tagesordnung stellen wird. Auch Indien, so die Botschaft, müsse sich bewegen. Das wäre das Zuckerbrot für Pakistan.
Doch jetzt muss er erkennen, wie riskant und kaum kontrollierbar das Spiel ist. Zieht Pakistan 100.000 Soldaten an der indischen Grenze zusammen, schwächt das in den Augen der USA den Kampf gegen den Terror. Gleichzeitig ist nach den Anschlägen von Mumbai ein Dialog über Kaschmir ausgeschlossen – Indien wird sich dem verweigern.
Die Terroristen von Mumbai haben einen fürchterlichen, dreifachen Erfolg erzielt: Sie haben mit einem Schlag Indien entblößt, Pakistan in Existenznot gebracht und Obama schwer beschädigt, bevor er überhaupt beginnen konnte, die Welt zu retten.
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- Datum 17.07.2009 - 06:56 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 04.12.2008 Nr. 50
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Der SZ-Beitrag vom israelischen (!!) Diplomaten Avi Primor zum "Kampf gegen den Terrorismus",
der das Terrorismusproblem an der Wurzel zu packen scheint:
"Einen Marshallplan für die islamische Welt? Wer kann sich so etwas leisten? Der Marshallplan in Europa kostete die Amerikaner damals ein Prozent ihres jährlichen Bruttosozialprodukts. Heute würde ein Prozent des kumulierten Bruttosozialprodukts der USA, der EU-Staaten, reicher Länder wie Kanada, Japan, aber auch der ölreichen pro-amerikanischen arabischen Länder zwei Billionen Dollar (das sind 2000 Milliarden) im Jahr betragen.
Mit einer solchen Summe, verwaltet von einem vernünftigen internationalen Gremium, kann man in den islamischen Ländern eine Wende herbeiführen. Erst dann werden die Massen der Moslems den Fanatikern den Rücken kehren, und der Kampf gegen den fundamentalistischen Terror wird eine Chance haben."
http://www.sueddeutsche.d...
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