Innere Sicherheit "Es gibt keine 'geheimen' Projekte"

Wie sicher kann eine Gesellschaft sein? Wo endet zivile, wo beginnt militärische Forschung? Ein Gespräch mit Bundesforschungsministerin Annette Schavan

DIE ZEIT: Das Bundesforschungsministerium hat ein ziviles Forschungsprogramm gestartet, um die Sicherheit der Bevölkerung zu erhöhen. Durch Technik sollen wir besser vor Terror, organisierter Kriminalität und Naturkatastrophen geschützt werden. Das klingt aber erst einmal bedrohlich. Können Sie noch ruhig schlafen?

ANNETTE SCHAVAN: Zum Glück schlafe ich von Natur aus gut. Außerdem gehört Deutschland zu den sichersten Ländern der Welt.

ZEIT: Warum dann das Programm?

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Schavan: Damit Deutschland sicher bleibt. Terrorismus und organisierte Kriminalität nehmen weltweit zu. Sensibel sind vor allem die zentralen Lebensnerven unserer modernen Gesellschaften – Strom- oder IT-Netze oder auch Verkehrsknotenpunkte. Je weiter die technologische Entwicklung ist, umso mehr solcher sensibler Lebensnerven gibt es und umso mehr braucht es für die intelligenten Systeme unserer Zeit intelligente Lösungen für den Konflikt- und Gefahrenfall. Wir müssen uns wappnen – durch Forschung.

ZEIT: Glauben Sie denn, dass ein Mehr an Sicherheitstechnik vor Anschlägen schützen kann?

Schavan: Ja. Neue Sensoren können Giftstoffe im Trinkwasser oder in Postsendungen ebenso wie Sprengstoffe in Gepäck und an Personen aufspüren. Mithilfe von Computersimulationen und automatischen Leitsystemen kann man eine Vielzahl von Menschen aus großen Räumen wie etwa Stadien retten, ohne dass eine Panik ausbricht. Das sind nur wenige Beispiele von vielen.

ZEIT: Die Gefahren, gegen die die neue Technologie schützen soll, sind recht abstrakt. Reicht diffuse Angst als Motiv aus, um 123 Millionen Euro in ein Forschungsprogramm zu investieren?

Schavan: Nicht Angst ist das Motiv, sondern Verantwortung. Politik muss zeigen, wie sie Sicherheit ermöglichen kann. Wir setzen bislang darauf, dass die vorhandene Technik reicht, um uns zu schützen, und dass wir durch sie unantastbar sind. Das könnte aber ja nur sein, wenn Szenarien mit Naturkatastrophen oder Anschlägen hierzulande nicht vorzustellen wären. Aber auch unsere Hochspannungsleitungen können durchgeschnitten werden oder durch Naturkatastrophen ausfallen, und auch unsere Flughäfen können Ziele von Terroristen werden. Und noch ein zweiter Aspekt ist hier entscheidend: Es wird in der Gesellschaft immer ein Spannungsverhältnis zwischen Sicherheit und Freiheit geben – dem muss sich die Politik, die Gesellschaft insgesamt und insbesondere auch die Sicherheitsforschung stellen. Deshalb muss die geisteswissenschaftliche Forschung als Teil der Sicherheitsforschung frühzeitig die Richtung vorgeben und dazu auffordern, ethisch verantwortbare Lösungen zu entwickeln.

ZEIT: Ein Anschlag ist in Deutschland zum Glück noch nie passiert.

Leser-Kommentare
  1. Ich verweise auf meinen Leserkommentar Nein zu einem Geheimen BKA!, und möchte hierzu ergänzen:
    Genau das ist die eigentliche Gefahr in Richtung Schnüffelstaat, die Drohne von der Größe einer Stechmücke, die da so durch dein Fenster geflogen kommt, und damit die Online-Durchsuchung jetzt schon obsolet werden lässt. So nebenbei wird da die Wissenschaft den Geheimdiensten untergeordnet (so wie das in den USA faktisch ehe schon ist), was natürlich auch eine entsprechende „Bestenauslese“ unter der Intelligenz zur Folge hat. Diese und andere geheime Projekte (Hinweis: Biotechnologie, ich verweise auf viele meiner Beiträge in der FAZ, der Zeit und der Frankfurter Neuen Presse, Stichwort: Das intelligente Auto und die Sicherheitsindustrie) werden es auch sein, die das Volk dann irreversibel in Wissende und Unwissende aufteilt, in die besitzende und in die besitzlose Klasse des Wissens. Ein Proletariat das schon durch seinen Mangel an Bildung definiert wäre! – Pardon, das haben wir ja heute schon!
    Und auch keine Frage: die damit verbundenen Sicherheitsprüfungen werden natürlich die Intellektuellen mit einem proletarischen Stammbaum von Haus aus nicht bestehen, denn die sind per Klasse unsicher.
    Die herrschende Klasse reserviert sich einen privilegierten Platz zu einer neuen eugenischen Superrasse. Genügend reich, damit auch gesünder - schön sind sie ehe schon - und auf Dauer intelligenter (da wissender) als die anderen. – Alle Macht diesen Begünstigten!
    Aber eigentlich brauchen wir selbst solche Techniken nicht, denn die Biotechnologie wird bald die Zusammensetzung unserer Kost gefunden haben, die morgens zum Beispiel im Frühstücksmüsli genossen (Gott sei Dank mag ich kein Müsli), für den Tag bestimmt, was wir denken, hoffen oder fühlen sollen. Am besten gar nichts, außer einem amorphen Glücksgefühl. Ein Tröpfchen Serotonin nicht nur für die Depressiven, sondern auch für diese manischen Systemkritiker (so haben doch diese Wissenschaftler um das "intelligente Auto" ernsthaft diskutiert, ob man in Berlin-Neukölln nicht das Grundwasser mit Drogen anreichern könnte, das spare den Zaun um dieses Revier - war zu lesen in der Süddeutschen Zeitung vor einiger Zeit), und man braucht den Widerstand nicht mehr aufzustöbern, er ist nämlich nicht entstanden! - Das ist die perfekte Sicherheitstechnik, nicht wahr!?

  2. Während Regierungsmitglied Schavan hier behauptet ziviler und militärischer Bereich seien strikt getrennt, weil das Grundgesetz es so vorschreibe, behauptet ein Antrag beider Regierungsparteien "die Übergänge zwischen militärischen und zivilen Aufgaben sind oft fließend" und will deshalb privatwirtschaftliche Söldnerunternehmen zulassen, die nur einer "Selbstregulierung" unterliegen sollen!

    Und die Presse -- ZEIT eingeschlossen -- schweigt, außer der guten alten Tagesschau:
    http://www.tagesschau.de/...
    und der Qualitätsjournalismus des Internets:
    http://www.radio-utopie.d...

    Merkel vollzieht 1:1 die innenpolitische Repressionspolitik des Bush-Regimes gegen die eigenen Bürger mit einem Gesetzentwurf ohne Lesung und um Mitternacht!
    http://www.bundestag.de/a...

    Zitat ARD: "Ohne Aussprache und zu nachtschlafender Zeit sollte der Antrag durchs Parlament. "
    Aber Schavan schwafelt von "Transparenz"!

    Wenn sich das, was bisher verniedlichend als "Finanzkrise" bezeichnet wird, zu einer Weltwirtschaftskrise auswächst, dann werden die Bankster und die Polit- Finanzelite ihre geraubten Billionen mit Blackwater & Co. gegen die Demokratie -- sprich das eigene Volk -- verteidigen. Blackwaters Truppen wurden ja bereits nach Hurricane Katrina auf die US-Bevölkerung losgelassen...
    _______________________________________________________
    "Ich glaube, dass die Bankinstitutionen für unsere Freiheiten gefährlicher sind als die Armeen."
    (Thomas Jefferson, Amerikanischer Präsident; 1743-1826)

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    Vielen Dank für diesen Kommentar, er hat nicht nur bestätigt, was ich da in den Raum geworfen habe, sondern dafür erschreckend aktuelle Belege gebracht.
    Genau dieser Gedanke, nämlich dass diese Regierung so lügt, wie die Bush-Cheney-Administration, ist mir auch gekommen, beim Lesen dieses Interviews.
    Dies zeigt, dass Kritik alleine, also die "Waffe der Kritik" (Marx) wirkungslos verpufft, wenn die "Kritik der Waffen" (Marx) solange geschwiegen hat. Ein Volk, dem die Herrschende Klasse keine Revolution mehr zutraut, verliert auch die 'Souveränität' über die Tagesfragen. Und in der Tat, ist diese schamlose Selbstzensur der Medien, Hauptargument dafür. Denn die Souveränität über die Tagesfragen setzt ein Mindestmaß an Information voraus. Und genau diese bekommen wir nicht. Ich befürchte, uns steht noch Schlimmeres bevor, russische Verhältnisse zum Beispiel.
    Wir werden unterhalten, aber nicht informiert. Und wenn informiert, dann auf dem Niveau der Unterhaltungsindustrie.
    Und was das Thema Gauweiler angeht, so habe ich dafür auch eine mögliche Erklärung: Der konservativste Querkopf scheint heute besser zu sein als ein liberaler Flachkopf.
    Die Manipulation der öffentlichen Meinung ist soweit fortgeschritten, dass selbst Konservative Widerstand leisten, vielleicht weil sie Konservative sind und noch wissen, was Werte verteidigen bedeutet, gleich ob diese, also ihre Werte, zu allen Zeiten, und von allen als verteidigungswert angesehen werden (müssen). Werte verteidigen, Widerstand leisten, sich der Manipulation widersetzen, das ist heute mindestens ein solcher Wert an sich, wie die Verteidigung der Demokratie gegenüber dem Faschismus, selbst wenn dabei klar bleibt, dass die Demokratie niemals besser sein wird, als die bürgerliche Gesellschaft es ist. Aber ohne diese, also ohne die Demokratie und die Werte des Subjekts in dieser, kann ein Volk sich nicht emanzipieren, auch nicht von dieser bürgerlichen Demokratie, die ja nicht wirklich Demokratie für das Volk, also das "Paradies des Subjekts", ist.
    Und ohne Werte zu verteidigen, ohne das Subjekt zu verteidigen, ja selbst das bürgerliche Individuum, sind wir waffenlos, angesichts dieser neuen Epoche der Gleichschaltung, diesmal nicht des politischen Menschen, sondern der Gehirne der Menschen selbst.
    Dies ist eine neue Art von Faschismus, die wir kaum noch mit diesem alten Begriff richtig erfassen. Formal wird die Demokratie erhalten, aber inhaltlich völlig entleert.
    Begrifflich und semantisch sind wir überfordert, wenn wir mangels besserer Definition, all zu alte Begriffe verwenden. „Faschismus“ zum Beispiel, beruht auf Gewalt – im Wesentlichen. Der Idealzustand dieser Gesellschaft aber wird aber ein gewaltloser sein, weil es kein Subjekt mehr geben wird, dem gegenüber Gewalt anzuwenden, nötig wäre, wenn es überhaupt noch ein Subjekt geben wird.
    Den Fußfesseln heutiger, in die Freiheit vorzeitiger Entlassener, folgen die Gehirnfesseln für das ganze Volk. (Ideologie, falsche Ideologie, ist dies auch schon - eine Gehirnfessel -, aber diese ist noch durchlässig.) Die Privatisierung des Gewaltmonopols des Staates, folgt damit einer gewissen Logik, wenn auch diese Logik noch nicht evident scheint. Gewalt muss noch angewandt werden, wenn auch nicht unbedingt staatliche Gewalt. Und die Delinquenten werden noch als Terroristen bezeichnet, also noch wesentlich politisch begriffen, wenn auch schon als solche stigmatisiert, also der Vernunft der Massen entzogen. Die Gewalt des Kapitals, die strukturelle Gewalt, bedarf noch ihrer Ergänzung durch eine Armee, die aber schon der kapitalistischen Verwertungslogik folgen sollte. Und sie muss dies auch, denn die Gewaltanwendung der Zukunft (der Überwachungsstaat) überschreitet nicht nur das Budget jeder Staatsmacht, sondern auch deren Legitimierung. Ein ganzes Volk kann sich nicht selbst bespitzeln, noch ein solches delegieren. Ein Staat, der dies täte, wäre ein Usurpator, denn er würde dem Volk die Legitimation gestohlen haben, und damit wäre er tatsächlich dem Faschismus verdächtig. Abgesehen davon, zeigen die endlosen Kriege im Irak und Afghanistan zum Beispiel, dass solche Kriege das Budget eines Staates überschreiten. Privatarmeen sind nicht politisch legitimiert, folgen also keiner Haushaltslogik, müssen keine Rechenschaft ablegen, müssen ihre Kosten nicht aufdecken, und, und das scheint mir das Wesentliche, dürfen auch keine Gewinne machen. Moderne Söldnerarmeen sind ethisch betrachtet Straßenräuber, denn sie berauben das Volk, das Land, die Region, die sie bekriegen, auf eigene Rechnung. Das ist die Quelle es Profits, letztlich aller Kriege. Kriege, als völlig legalisierte und legitimierte Form der Gewinnmaximierung, sind aber etwas neues. Eine Staatsmacht könnte das wohl auch, aber dann wäre ihre demokratisch-politische Legitimierung recht bald dahin. Privat organisierte Gewalt folgt dann (so wie heute auch schon die der Mafia) unmittelbar den Gesetzen des Marktes und entzieht sich der politischen Wertung - und Verantwortung. Und genau das ist der Sinn der Übergangsphase: wenn schon Gewalt, dann soll sie quasi, wie das Kapital überhaupt, als natürliche Form (als private Form) der vergesellschafteten Produktivkräfte erscheinen (die einfache Maxime: Kriege gab es schon immer, und den Profit daraus auch!), und sie soll Kapital einbringen, nicht vergeuden, und sie soll auf gar keinen Fall politisches Porzellan zerschlagen, denn, es ist ehe alles nur noch eine Frage der Zeit, dann herrscht ewiger Frieden. Und die Delinquenten einer solchen Gewalt, sollte es sie zukünftig überhaupt noch geben, wären recht bald der Psychiatrie, bzw. der nächstliegenden Brainformingabteilung eines biotechnischen Konzerns übereignet.

    Vielen Dank für diesen Kommentar, er hat nicht nur bestätigt, was ich da in den Raum geworfen habe, sondern dafür erschreckend aktuelle Belege gebracht.
    Genau dieser Gedanke, nämlich dass diese Regierung so lügt, wie die Bush-Cheney-Administration, ist mir auch gekommen, beim Lesen dieses Interviews.
    Dies zeigt, dass Kritik alleine, also die "Waffe der Kritik" (Marx) wirkungslos verpufft, wenn die "Kritik der Waffen" (Marx) solange geschwiegen hat. Ein Volk, dem die Herrschende Klasse keine Revolution mehr zutraut, verliert auch die 'Souveränität' über die Tagesfragen. Und in der Tat, ist diese schamlose Selbstzensur der Medien, Hauptargument dafür. Denn die Souveränität über die Tagesfragen setzt ein Mindestmaß an Information voraus. Und genau diese bekommen wir nicht. Ich befürchte, uns steht noch Schlimmeres bevor, russische Verhältnisse zum Beispiel.
    Wir werden unterhalten, aber nicht informiert. Und wenn informiert, dann auf dem Niveau der Unterhaltungsindustrie.
    Und was das Thema Gauweiler angeht, so habe ich dafür auch eine mögliche Erklärung: Der konservativste Querkopf scheint heute besser zu sein als ein liberaler Flachkopf.
    Die Manipulation der öffentlichen Meinung ist soweit fortgeschritten, dass selbst Konservative Widerstand leisten, vielleicht weil sie Konservative sind und noch wissen, was Werte verteidigen bedeutet, gleich ob diese, also ihre Werte, zu allen Zeiten, und von allen als verteidigungswert angesehen werden (müssen). Werte verteidigen, Widerstand leisten, sich der Manipulation widersetzen, das ist heute mindestens ein solcher Wert an sich, wie die Verteidigung der Demokratie gegenüber dem Faschismus, selbst wenn dabei klar bleibt, dass die Demokratie niemals besser sein wird, als die bürgerliche Gesellschaft es ist. Aber ohne diese, also ohne die Demokratie und die Werte des Subjekts in dieser, kann ein Volk sich nicht emanzipieren, auch nicht von dieser bürgerlichen Demokratie, die ja nicht wirklich Demokratie für das Volk, also das "Paradies des Subjekts", ist.
    Und ohne Werte zu verteidigen, ohne das Subjekt zu verteidigen, ja selbst das bürgerliche Individuum, sind wir waffenlos, angesichts dieser neuen Epoche der Gleichschaltung, diesmal nicht des politischen Menschen, sondern der Gehirne der Menschen selbst.
    Dies ist eine neue Art von Faschismus, die wir kaum noch mit diesem alten Begriff richtig erfassen. Formal wird die Demokratie erhalten, aber inhaltlich völlig entleert.
    Begrifflich und semantisch sind wir überfordert, wenn wir mangels besserer Definition, all zu alte Begriffe verwenden. „Faschismus“ zum Beispiel, beruht auf Gewalt – im Wesentlichen. Der Idealzustand dieser Gesellschaft aber wird aber ein gewaltloser sein, weil es kein Subjekt mehr geben wird, dem gegenüber Gewalt anzuwenden, nötig wäre, wenn es überhaupt noch ein Subjekt geben wird.
    Den Fußfesseln heutiger, in die Freiheit vorzeitiger Entlassener, folgen die Gehirnfesseln für das ganze Volk. (Ideologie, falsche Ideologie, ist dies auch schon - eine Gehirnfessel -, aber diese ist noch durchlässig.) Die Privatisierung des Gewaltmonopols des Staates, folgt damit einer gewissen Logik, wenn auch diese Logik noch nicht evident scheint. Gewalt muss noch angewandt werden, wenn auch nicht unbedingt staatliche Gewalt. Und die Delinquenten werden noch als Terroristen bezeichnet, also noch wesentlich politisch begriffen, wenn auch schon als solche stigmatisiert, also der Vernunft der Massen entzogen. Die Gewalt des Kapitals, die strukturelle Gewalt, bedarf noch ihrer Ergänzung durch eine Armee, die aber schon der kapitalistischen Verwertungslogik folgen sollte. Und sie muss dies auch, denn die Gewaltanwendung der Zukunft (der Überwachungsstaat) überschreitet nicht nur das Budget jeder Staatsmacht, sondern auch deren Legitimierung. Ein ganzes Volk kann sich nicht selbst bespitzeln, noch ein solches delegieren. Ein Staat, der dies täte, wäre ein Usurpator, denn er würde dem Volk die Legitimation gestohlen haben, und damit wäre er tatsächlich dem Faschismus verdächtig. Abgesehen davon, zeigen die endlosen Kriege im Irak und Afghanistan zum Beispiel, dass solche Kriege das Budget eines Staates überschreiten. Privatarmeen sind nicht politisch legitimiert, folgen also keiner Haushaltslogik, müssen keine Rechenschaft ablegen, müssen ihre Kosten nicht aufdecken, und, und das scheint mir das Wesentliche, dürfen auch keine Gewinne machen. Moderne Söldnerarmeen sind ethisch betrachtet Straßenräuber, denn sie berauben das Volk, das Land, die Region, die sie bekriegen, auf eigene Rechnung. Das ist die Quelle es Profits, letztlich aller Kriege. Kriege, als völlig legalisierte und legitimierte Form der Gewinnmaximierung, sind aber etwas neues. Eine Staatsmacht könnte das wohl auch, aber dann wäre ihre demokratisch-politische Legitimierung recht bald dahin. Privat organisierte Gewalt folgt dann (so wie heute auch schon die der Mafia) unmittelbar den Gesetzen des Marktes und entzieht sich der politischen Wertung - und Verantwortung. Und genau das ist der Sinn der Übergangsphase: wenn schon Gewalt, dann soll sie quasi, wie das Kapital überhaupt, als natürliche Form (als private Form) der vergesellschafteten Produktivkräfte erscheinen (die einfache Maxime: Kriege gab es schon immer, und den Profit daraus auch!), und sie soll Kapital einbringen, nicht vergeuden, und sie soll auf gar keinen Fall politisches Porzellan zerschlagen, denn, es ist ehe alles nur noch eine Frage der Zeit, dann herrscht ewiger Frieden. Und die Delinquenten einer solchen Gewalt, sollte es sie zukünftig überhaupt noch geben, wären recht bald der Psychiatrie, bzw. der nächstliegenden Brainformingabteilung eines biotechnischen Konzerns übereignet.

  3. Vielen Dank für diesen Kommentar, er hat nicht nur bestätigt, was ich da in den Raum geworfen habe, sondern dafür erschreckend aktuelle Belege gebracht.
    Genau dieser Gedanke, nämlich dass diese Regierung so lügt, wie die Bush-Cheney-Administration, ist mir auch gekommen, beim Lesen dieses Interviews.
    Dies zeigt, dass Kritik alleine, also die "Waffe der Kritik" (Marx) wirkungslos verpufft, wenn die "Kritik der Waffen" (Marx) solange geschwiegen hat. Ein Volk, dem die Herrschende Klasse keine Revolution mehr zutraut, verliert auch die 'Souveränität' über die Tagesfragen. Und in der Tat, ist diese schamlose Selbstzensur der Medien, Hauptargument dafür. Denn die Souveränität über die Tagesfragen setzt ein Mindestmaß an Information voraus. Und genau diese bekommen wir nicht. Ich befürchte, uns steht noch Schlimmeres bevor, russische Verhältnisse zum Beispiel.
    Wir werden unterhalten, aber nicht informiert. Und wenn informiert, dann auf dem Niveau der Unterhaltungsindustrie.
    Und was das Thema Gauweiler angeht, so habe ich dafür auch eine mögliche Erklärung: Der konservativste Querkopf scheint heute besser zu sein als ein liberaler Flachkopf.
    Die Manipulation der öffentlichen Meinung ist soweit fortgeschritten, dass selbst Konservative Widerstand leisten, vielleicht weil sie Konservative sind und noch wissen, was Werte verteidigen bedeutet, gleich ob diese, also ihre Werte, zu allen Zeiten, und von allen als verteidigungswert angesehen werden (müssen). Werte verteidigen, Widerstand leisten, sich der Manipulation widersetzen, das ist heute mindestens ein solcher Wert an sich, wie die Verteidigung der Demokratie gegenüber dem Faschismus, selbst wenn dabei klar bleibt, dass die Demokratie niemals besser sein wird, als die bürgerliche Gesellschaft es ist. Aber ohne diese, also ohne die Demokratie und die Werte des Subjekts in dieser, kann ein Volk sich nicht emanzipieren, auch nicht von dieser bürgerlichen Demokratie, die ja nicht wirklich Demokratie für das Volk, also das "Paradies des Subjekts", ist.
    Und ohne Werte zu verteidigen, ohne das Subjekt zu verteidigen, ja selbst das bürgerliche Individuum, sind wir waffenlos, angesichts dieser neuen Epoche der Gleichschaltung, diesmal nicht des politischen Menschen, sondern der Gehirne der Menschen selbst.
    Dies ist eine neue Art von Faschismus, die wir kaum noch mit diesem alten Begriff richtig erfassen. Formal wird die Demokratie erhalten, aber inhaltlich völlig entleert.
    Begrifflich und semantisch sind wir überfordert, wenn wir mangels besserer Definition, all zu alte Begriffe verwenden. „Faschismus“ zum Beispiel, beruht auf Gewalt – im Wesentlichen. Der Idealzustand dieser Gesellschaft aber wird aber ein gewaltloser sein, weil es kein Subjekt mehr geben wird, dem gegenüber Gewalt anzuwenden, nötig wäre, wenn es überhaupt noch ein Subjekt geben wird.
    Den Fußfesseln heutiger, in die Freiheit vorzeitiger Entlassener, folgen die Gehirnfesseln für das ganze Volk. (Ideologie, falsche Ideologie, ist dies auch schon - eine Gehirnfessel -, aber diese ist noch durchlässig.) Die Privatisierung des Gewaltmonopols des Staates, folgt damit einer gewissen Logik, wenn auch diese Logik noch nicht evident scheint. Gewalt muss noch angewandt werden, wenn auch nicht unbedingt staatliche Gewalt. Und die Delinquenten werden noch als Terroristen bezeichnet, also noch wesentlich politisch begriffen, wenn auch schon als solche stigmatisiert, also der Vernunft der Massen entzogen. Die Gewalt des Kapitals, die strukturelle Gewalt, bedarf noch ihrer Ergänzung durch eine Armee, die aber schon der kapitalistischen Verwertungslogik folgen sollte. Und sie muss dies auch, denn die Gewaltanwendung der Zukunft (der Überwachungsstaat) überschreitet nicht nur das Budget jeder Staatsmacht, sondern auch deren Legitimierung. Ein ganzes Volk kann sich nicht selbst bespitzeln, noch ein solches delegieren. Ein Staat, der dies täte, wäre ein Usurpator, denn er würde dem Volk die Legitimation gestohlen haben, und damit wäre er tatsächlich dem Faschismus verdächtig. Abgesehen davon, zeigen die endlosen Kriege im Irak und Afghanistan zum Beispiel, dass solche Kriege das Budget eines Staates überschreiten. Privatarmeen sind nicht politisch legitimiert, folgen also keiner Haushaltslogik, müssen keine Rechenschaft ablegen, müssen ihre Kosten nicht aufdecken, und, und das scheint mir das Wesentliche, dürfen auch keine Gewinne machen. Moderne Söldnerarmeen sind ethisch betrachtet Straßenräuber, denn sie berauben das Volk, das Land, die Region, die sie bekriegen, auf eigene Rechnung. Das ist die Quelle es Profits, letztlich aller Kriege. Kriege, als völlig legalisierte und legitimierte Form der Gewinnmaximierung, sind aber etwas neues. Eine Staatsmacht könnte das wohl auch, aber dann wäre ihre demokratisch-politische Legitimierung recht bald dahin. Privat organisierte Gewalt folgt dann (so wie heute auch schon die der Mafia) unmittelbar den Gesetzen des Marktes und entzieht sich der politischen Wertung - und Verantwortung. Und genau das ist der Sinn der Übergangsphase: wenn schon Gewalt, dann soll sie quasi, wie das Kapital überhaupt, als natürliche Form (als private Form) der vergesellschafteten Produktivkräfte erscheinen (die einfache Maxime: Kriege gab es schon immer, und den Profit daraus auch!), und sie soll Kapital einbringen, nicht vergeuden, und sie soll auf gar keinen Fall politisches Porzellan zerschlagen, denn, es ist ehe alles nur noch eine Frage der Zeit, dann herrscht ewiger Frieden. Und die Delinquenten einer solchen Gewalt, sollte es sie zukünftig überhaupt noch geben, wären recht bald der Psychiatrie, bzw. der nächstliegenden Brainformingabteilung eines biotechnischen Konzerns übereignet.

  4. die "offene terroristische Diktatur der reaktionärsten,am meisten chauvinistischen, und am meisten imperialistischen Elemente des Finanzkapitals".
    Frau Schavan tritt ein für ein Terror ausübendes BKA und für die unangefochtene Herrschaft der Finanzinteressen der Banken und Konzerne.
    Der Faschismus klopft an unsere Tür.
    I

    • Crest
    • 08.12.2008 um 9:54 Uhr

    Die gedankliche Vorstellung, zivile Forschungsergebnisse könnten auch militärisch genutzt werden, scheinen Abwehr- und Verdrängungsreflexe auszulösen, wie bei einem Heiligen das gedankliche Auftauchen sexueller Phantasien. Zumindest in Deutschland. Zumindest bei der ZEIT.

    Zu den von Schavan geschilderten Bedrohungsszenarien: Wie kann man so etwas "abstrakt" nennen? Ich weiß, dass gerade die Möglichkeit, Anschläge auf die Wasserversorgung auszuführen, bei Verantwortlichen zur Zeit noch regelrechte Alpträume auslöst. Und ich stelle mir die ZEIT-Redaktion einmal vor, sollte auf Grund einer Netzsabotage die informationelle Infrastruktur ausfallen. (Unser Pulsschlag geht doch in der Regel schon hoch, wenn der Motor nicht anspringen sollte, oder das Licht in der Wohnung plötzlich ausfällt.)

    Herzlichst Crest

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