Derzeit geht die Sonne im Reich der Bayerischen Landesbank nicht unter. In Moskau unterhält das Münchner Institut eine Repräsentanz, ebenso in Hongkong, Shanghai, Tokyo, Montreal, New York und London. Doch der ewige Tag wird für die Sonnenkönige von der Isar vermutlich nun zu Ende gehen. Denn der Freistaat schrumpft seine Landesbank. Mehr als 5.000 Stellen fallen weg, Auslandsaktivitäten werden eingestellt. Die Angestellten müssen sich daran gewöhnen, dass ihre Dienstreisen künftig in Augsburg, Nürnberg und Passau enden.

Vorher schon fließen die Milliarden.

Nicht nur erhält die BayernLB 30 Milliarden Euro an Garantien und frisches Kapital. Die Landesbank Baden-Württemberg bekommt 25 Milliarden. Die HSH Nordbank aus Kiel und Hamburg wird mit 30 Milliarden aufgefangen.

Der Staat greift ein.

Es ist nicht so lange her, da galt er als störender Fremdkörper in der Marktwirtschaft, als Hindernis, das schnell beseitigt werden müsse. Immer weiter zog er sich aus dem Kreditsektor zurück, lockerte Vorschriften, baute Bürokratie ab und strich Auflagen zusammen. Die Beamtenschaft wurde ausgedünnt, denn ein Nachtwächterstaat kommt mit wenig Personal aus.

Doch jetzt, in der Krise, ist der Staat wieder gefragt, man braucht ihn, man ruft nach ihm. Die Finanzbranche habe feststellen müssen, »dass es ohne Staat nicht mehr ging«, sagte kürzlich selbst Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann.

In diesen Wochen müssen Politiker die wichtige Entscheidung treffen, zu welchen Bedingungen öffentliche Hilfsgelder in Milliardenhöhe verteilt werden; sie müssen festlegen, welche Bank gerettet werden soll und welche nicht; sie müssen sich überlegen, wie das Finanzsystem der Zukunft auszusehen hat und wie sie ihre Vorstellungen durchsetzen wollen.