Der Leser fragt, ob nicht eine Namensverwechslung zwischen Island und Grönland vorliege – schließlich sei die größte Insel der Erde die eisigere von beiden. Grönland könnte vor der Vergletscherung in der Riß-Eiszeit tatsächlich einmal ein grünes Land gewesen sein. Aber das ist mehr als 200.000 Jahre her, und es war niemand da, um ihm diesen Namen zu geben.

Der Name stammt von den Wikinger-Siedlern um Erik den Roten, die vor über 1000 Jahren von Island hinübersegelten und die Insel entdeckten. Dort herrschten damals ähnliche Klimaverhältnisse wie heute – das Land lag zu mehr als 80 Prozent unter einem Eispanzer. Der Großteil des Rests war felsig, nur etwa ein Prozent des Landes war für den Ackerbau geeignet und ergrünte zumindest zeitweise in den Sommermonaten. Und so kann man davon ausgehen, dass der Name Grönland, den Erik der neuen Insel gab, ein Euphemismus war – ein PR-Gag, um Siedler zu rekrutieren.

Später wurde es dann tatsächlich vorübergehend noch kälter in Grönland. In der »Kleinen Eiszeit« im 15. Jahrhundert bibberte auch Europa, und Eisberge behinderten den Zugang zu der Insel. Nach 450 Jahren starben die Wikinger auf Grönland aus – aber nicht die Kälte war der Hauptgrund, sondern ihre unangepasste Lebensweise. Christoph Drösser

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