Ich habe zwei einschneidende Erlebnisse mit Taxifahrern: In Köln lud ein stämmiger Kahlkopf mein zuvor selbst in seinen Kofferraum gewuchtetes Gepäck wieder aus, weil ihm die Strecke zu kurz erschien. In Dresden musste ich dagegen wie der Kopilot einer Rallye einen hilflosen Studenten ans Ziel navigieren, seinen Stadtplan auf meinen Knien. Nun hat der ADAC kürzlich Taxifahrten und -fahrer in zehn Großstädten getestet. Ortskenntnis (Fahrer), Sauberkeit (Auto), Fahrverhalten (Fahrer und Auto). Auch Sprachkenntnisse und Freundlichkeit haben die als Geschäftsleute getarnten Tester berücksichtigt. Herausgekommen ist, dass Köln und Dresden weit vorn liegen. Man mag sich gar nicht vorstellen, wie es dann erst beim Verlierer des Tests zugeht. Man muss es vermutlich erleben.

Ankunft am Bahnhof in Frankfurt am Main. Auf dem Vorplatz steht ein Teil der 1700 Fahrzeuge großen Flotte der angeblich schlechtesten Taxifahrer Deutschlands, formiert zu einer imposanten beigefarbenen Blechschnecke. Ich schlendere an den Männern vorüber, die, den angewinkelten Arm entspannt aufs Dach gelegt, an ihren Autos lehnen. Unauffällig mustere ich die Wagen, habe aber nichts zu beanstanden. Gesetzlich, las ich, muss ein Taxi "mindestens über zwei Achsen und vier Räder" verfügen. Das erfüllen sämtliche Fahrzeuge mit Bravour.

Für meinen Einsatz habe auch ich mir eine Tarnung zugelegt; ich trage einen großen, allerdings leeren Alukoffer. Mit gespieltem Kraftaufwand hieve ich diesen in den Wagen, schon entpuppt sich meine Tarnung als mangelhaft. Denn prompt will mir Herr K., mein erster Fahrer, das Gepäck abnehmen. Nur mit entschiedener Geste kann ich ihn davon abhalten. Mit dieser Hilfsbereitschaft konnte ja nun wirklich niemand rechnen.

Ich wähle für die erste Fahrt ein leichtes Ziel, die Alte Oper. K. nickt und schaltet den Taxameter ein. Über die Fahrt lässt sich nicht viel sagen, aber sie erfüllt für 7,80 Euro die Erwartung, die man gemeinhin an eine Taxifahrt stellt: einsteigen und nach angemessener Zeit am vereinbarten Ort aussteigen. Letzteres ist nicht selbstverständlich. Ein Freund von mir ist im Ruhrgebiet einmal in der richtigen Straße ausgestiegen, stellte dann aber fest, es war die falsche Stadt.

Kaum hat mich Herr K. abgesetzt, winke ich das nächste Taxi heran. Am Steuer sitzt Herr Ü., einst aus Anatolien nach Deutschland gezogen und damit einer der 80 Prozent nichtdeutschstämmigen Taxifahrer in Frankfurt. Das nächste Ziel soll eine Herausforderung sein und in der Kategorie "Ortskenntnis" den stadtgewandten Taxiprofi vom Dilettanten trennen. "Konsulat der Bahamas?", wiederholt Ü. meinen Wunsch. "Straße weiß ich nicht", füge ich hinzu. Kein Problem, erwidert Ü. Dann tippt er wie selbstverständlich mehrfach auf das Display seines Navigationssystems, was ich für einen eindeutigen Verstoß gegen die Fair-Play-Regeln halte. "In Bockenheim, alles klar", sagt er schließlich und rollt aus der Haltebucht.

An Ü.s Fahrstil ist nichts auszusetzen. Umsichtig, geradlinig, gelegentlich untermalt von aufmunterndem Hupen. Aus den Augenwinkeln inspiziere ich den Wagen. Wie schon beim Vorgänger ist auch hier alles tadellos, kein Schmutz, kein Abfall. "Sie haben es aber schön sauber", höre ich mich plötzlich im Ton einer lobenden Mutter sagen und bekomme ein irritiertes "Danke!" als Antwort. Kurz darauf hält Ü. an der gewünschten Adresse, steigt aus und öffnet zügig den Kofferraum. Dann hebt er mein leeres Gepäckstück heraus und blickt mich verblüfft an. "Bahamas", sage ich etwas verlegen. "Da braucht man nicht viel."

Einwandfrei verlaufen auch die drei folgenden Fahrten mit Herrn I. aus Pakistan, Herrn G. aus Bosnien und Herrn Ö. aus der Türkei. In etwas improvisiertem Deutsch empfiehlt mir dieser auf Nachfrage zum Mittagessen den Imbiss Best Worscht in town. Besonders gut sei dort "Wurst mit scharfer Sauce", konkretisiert er noch, was sich später beim Blick auf den Aushang als Sauce entpuppt, die zu Atemnot und Lähmungserscheinungen führen kann. Probiert hat Ö. die Wurst selbst noch nie. "Als Muslim esse ich nur Tiere, die vorher geschlachtet wurden", sagt er. In meinen Augen ist das eine falsche Vorstellung vom Christentum. Soweit mir bekannt ist, verzehren auch wir Tiere in der Regel nicht im lebendigen Zustand.