Als über Kabul noch die Taliban herrschten, hatten Taxifahrer stets zwei Kassetten im Auto: Die eine, mit religiösen Liedern, legten sie ein, wenn sie auf einen Wachposten zusteuerten. Die andere, mit ihren liebsten Popstücken, spielten sie nach dem Kontrollpunkt.

Dass jeder hört, was er will – das war den Taliban ein Graus. Sie taten dagegen, was sie konnten. Zwar schwindet ihr Einfluss seit der amerikanischen Invasion im Jahr 2001, doch hat das geplagte Land die Vergangenheit noch nicht ganz abschütteln können. Es fehlt an Häusern der Kultur.

Ein Mann wagt nun einen neuen Anfang: Ahmad Sarmast möchte in Kabul eine Musikschule gründen. Er stammt aus einer Familie der Pioniere. Sein Vater Mohammad Salim Sarmast war Komponist, der erste Afghane, der eine Partitur für Sinfonieorchester geschrieben hat. Ahmad Sarmast, der Sohn, ist Afghanistans erster Doktor der Musik. Er forscht im australischen Melbourne zu den Klängen Indiens, Zentralasiens und seiner Heimat.

So folgt auch das afghanische Erziehungsministerium seinem Rat und hat das Musikschulprojekt in seine Hände gelegt. "Musik kann Frieden und demokratische Stabilität stiften. Aber sie kann auch ein Wirtschaftsfaktor sein und Arbeitsplätze schaffen", erklärt uns Sarmast aus der Ferne. Seine Augen leuchten vor Tatendrang, ganz bestimmt, während er am Hindukusch ins Handy spricht.

Er hat Organisationen rund um den Globus angeschrieben und um Spenden für die Musikschule gebeten. Die Weltbank habe ihm 2,5 Millionen Dollar versprochen, sagt er, die afghanische Regierung wolle die laufenden Kosten decken.

Ein starkes Echo hat Sarmast in Deutschland gefunden: Der Verband der Musikalienhändler, der sich SOMM abkürzt, möchte die benötigten Instrumente sammeln und nach Kabul schaffen. Das Auswärtige Amt übernimmt den Transport und schießt noch 100000 Euro hinzu.