Klimaschutz Schlecht Wetter machenSeite 2/2

Grüne Ökonomie und Umweltschutz sind attraktiv und politisch gewinnbringend, solange man Windparks einweihen oder Solarzellen auf Dächer montieren kann. Was aber, wenn Tausende Arbeitsplätze in Gefahr sind, weil die deutschen Autobauer wider besseres Wissen die Zeichen der Zeit nicht sehen wollten?

Dann ist es für politisches Handeln fast schon zu spät. Dann ist der Politiker Opfer einer Erpressung. Wer will sich schon vor eine Belegschaft stellen und den Menschen, denen die Arbeitslosigkeit droht, sagen: Einen Arbeitsplatz kann man nicht konservieren. Er darf nicht gegen Klimaziele ausgespielt werden. Woanders wachsen neue Technologien, entstehen neue, zukunftssichere Arbeitsplätze.

Paul Krugman, der diesjährige Wirtschaftsnobelpreisträger, hat genau dies jetzt Barack Obama geraten und ihn gewarnt, Milliarden in die US-Automobilindustrie zu pumpen. Sie sei unrettbar. Einen Politiker, der so redet, würde man nicht ganz zu Unrecht einen Zyniker nennen. Fast unmöglich ist es für ihn, aktuell danach zu handeln. Deshalb gibt es für die Politik nur einen Ausweg: vorausschauend denken und Industrie und Arbeitnehmer rechtzeitig und selbst in guten Zeiten zu ihrem Glück zwingen.

Und auch hier klafft in Deutschland eine Lücke. Weitsicht passt nicht zur immer hektischeren Politik. Die Klimaziele von Kyoto, Bali und jetzt Posen zielen auf das Klima im Jahr 2020, 2030 oder 2050 – auf dem Papier. Und was passiert hier und heute? Es war Deutschland, namentlich Angela Merkel, die im Interesse der deutschen Autobauer »moderatere«, also klimaschädlichere Regelungen für den CO 2 -Ausstoß ausgehandelt hat. Die Kanzlerin würde jetzt sagen: Wir haben doch unser Klimaziel schon erreicht. Stimmt. Aber nur weil Deutschland seinen Osten quasi deindustrialisiert hat. Und warum sollten wir, die wir seit über hundert Jahren die Erde verschmutzen, wenn wir können, nicht mehr tun? Vorbild sein?

Das jedenfalls hat die Klimakanzlerin des Jahres 2007 stets vertreten. Heute ist sie und mit ihr Europa mutlos. Dabei befinden wir uns an der Schwelle eines historischen Moments. In Amerika wird zum ersten Mal ein Präsident an der Macht sein, für den der Klimaschutz höchste Priorität hat. Merkel könnte also zusammen mit den USA verwirklichen, was in Kyoto und Bali begonnen wurde und nächstes Jahr in Kopenhagen fortgesetzt werden soll: ein gerechtes Klimaabkommen, das fair zwischen den alten Industriestaaten und den schnell wachsenden Schwellenländern verhandelt wird.

Angela Merkel hat in den drei Jahren ihrer Kanzlerschaft Wichtiges geleistet. Für den Klimaschutz und für die politische Glaubwürdigkeit. Sie hat sich verhalten, als gebe es auch für Politiker Ziele, die sich politischer Opportunität und kurzfristigen Machtinteressen entziehen. Damit hat sie der Welt etwas Großes gezeigt. Und sie hat ein Versprechen gegeben. Sie hat damit begonnen, es zu brechen.

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

 
Leser-Kommentare
  1. "weil die deutschen Autobauer wider besseres Wissen die Zeichen der Zeit nicht sehen wollten?"

    Ich bin mir gerade nicht sicher, aber arbeitet nicht Mercedes zur Zeit auch mit Nachdruck an einem Hybriden, der 2009 in Serie gehen soll?

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    Also ich muss schon sagen, dass ich es wahnsinnig interessant finde, dass meine Frage überhaupt bewertet wird. Warum statt dessen allerdings niemand antwortet entzieht sich völlig meinem Verständnis.

    Wie auch immer: Diese Tatsache ist schon wirklich sehr vielsagend im Bezug auf die Aussagekraft dieser Bewertungen.

    Also ich muss schon sagen, dass ich es wahnsinnig interessant finde, dass meine Frage überhaupt bewertet wird. Warum statt dessen allerdings niemand antwortet entzieht sich völlig meinem Verständnis.

    Wie auch immer: Diese Tatsache ist schon wirklich sehr vielsagend im Bezug auf die Aussagekraft dieser Bewertungen.

  2. 2. Nie

    Es gab nie eine A. Merkel, die Vorbild war in Sachen Umweltschutz. Die deutsche Presse hat das zwar immer behauptet, aber mit der Realität hatte das nie zu tun. A. Merkel steht warum auch immer unter Artenschutz. Sobald Ihr mal anfangt, kritisch zu hinterfragen, was sie wirklich bewegt hat, und wo sie gebremst hat, wird Euch auch Euro Journalistenschuld bewußt. Bezieht endlich Stellung !!

  3. Wo der Schein auf eine Bruchlandschaft fälllt, werden die Glühbirnen ausgetauscht. Der Schein steht im Moment im Zentrum des "Krisenmanagements" und irgendwann brauchen wir kein Licht mehr, wenn wir Schritt auf Tritt über die Schäden stolpern, die diese wuchernden Strategien des Eigennutzes inzwischen angerichtet haben. Vielleicht sind es nur wenige, die sich darauf besinnen werden, dass eine ehrliche Gemeinsamkeit Wege aus diesem Chaos ebnen lässt und wir steuern wieder auf eine "Arche-Noah -Geschichte" zu.
    Besitz macht eher vorsichtig und eigenbrötlerisch als offen und bereit, die großen Potentiale gemeinsamen Handels zu nutzen, ohne die wir früher oder später verloren sein werden - dazu muss man kein Prophet sein.

    • zetti
    • 13.12.2008 um 11:31 Uhr

    Merkel ist das Paradebeispiel der heutigen Politikergeneration: Sie tanzt, wie die Lobby pfeift.

    Neue Politiker braucht das Land!. Politiker mit klaren Zielen, zu denen sie auch stehen. Menschen mit Ecken und kannten, die sich nicht scheuen anzuecken und auch persönliche Verantwortung für Ihr Handeln und Tun übernehmen.

    Nur diesen Schlag Menschen findet man nicht mehr in der Politik, wo die Parteikarriere wichtiger ist, als das Gemeinwohl des Souveräns, der mit leeren Wahlversprechungen zur Abgabe seiner Stimme genötigt wird.

    Nur noch leere Verpackung mit hübschen Schleifchen für den Bürger, den Inhalt bestimmen AG´s, die längst globalisiert sind und für die Nationen nur noch "Standort" mit fiskalischen Vor- und Nachteilen sind.
    Zetti

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    wer so etwas schreibt, der politiker müsse sich "nur" am gemeinwohl
    ausrichten. darüber geht ja gerade der streit, was das gemeinwohl sei.
    und die leute, die klimaschutz für gemeinwohl halten, vertreten zum großen teil auch nur eigeninteressen. das perfide an diesen leuten besteht nun darin, daß sie ihre interessen (die jeder legitim vertreten darf) zum gemeinwohl deklarieren. das ist sozusagen die königsklasse der manipulation. entsprechend "empört" sind sie dann, wenn eine promovierte
    physikerin sich als nicht marionettentauglich herausstellt und sich
    von den einflüsterungen der berufskatastrophiker lösen kann.

    wer so etwas schreibt, der politiker müsse sich "nur" am gemeinwohl
    ausrichten. darüber geht ja gerade der streit, was das gemeinwohl sei.
    und die leute, die klimaschutz für gemeinwohl halten, vertreten zum großen teil auch nur eigeninteressen. das perfide an diesen leuten besteht nun darin, daß sie ihre interessen (die jeder legitim vertreten darf) zum gemeinwohl deklarieren. das ist sozusagen die königsklasse der manipulation. entsprechend "empört" sind sie dann, wenn eine promovierte
    physikerin sich als nicht marionettentauglich herausstellt und sich
    von den einflüsterungen der berufskatastrophiker lösen kann.

  4. Ich gehe mal davon aus, dass die rosa Darstellung der Frau M. eine psycholgische Massnahme war, um den Tadel besser anbringen zu koennen (sonst ist es ja bloss wieder Gemecker, auf das eh keiner hoert).
    Einmal unterstellt, fruehere Meinungen waeren echt gewesen, dann ist sie eben jetzt "nur" beim ersten Wind umgefallen - so what?
    Im Ergebnis heisst es ja nur : weg mit ihr, nicht krisenfest, keine Prinzipien ausser Machterhalt!

    • lef
    • 13.12.2008 um 12:46 Uhr

    und als solche auch in der Lage, angeblich "energiesparende" Technik kritisch (wissenschaftlich) zu betrachten.

    Es gibt zur Zeit keine wirklich energiesparende Technologie, das ist leider so.
    Alles, was mehr Geld kostet, hat (wahrscheinlich) mehr Energie zur Produktion verbraucht,
    das heißt:
    Wenn Strom aus "alternativer Technologie" mehr Geld kostet, als der Strom, mit der diese Technik hergestellt wurde,
    dann ist mit Recht zu vermuten, dass insgesamt mehr Energie verbraucht wurde, als zurück fließt.

    Schönes Beispiel für solche Lügen ist die zur Zeit so angepriesene Hybridtechnologie:
    es wird zwar immer gejubelt, wie wenig Benzin ein solches KFZ verbraucht - aber wie viel Energie zur Produktion der teuren und relativ kurzlebigen Akkumulatoren verbraucht wurde, ist völlig unbekannt: Die Hersteller verraten es nicht und konkret danach gefragt wird auch nicht.
    Tatsache ist nur: Sie sind extrem teuer.

    Das Gleiche gilt für alle zur Zeit produzierte "erneuerbare Energie": wenn wirklich wissenschaftlich untersucht wird, stellt sich schnell heraus, dass recht dreiste Behauptungen, nicht jedoch fundierte Studien vorliegen.*

    IMHO ist Frau Merkel mit Recht vorsichtig, nun panikartige Konjunkturspritzen zu verteilen,
    die fördern nämlich wirklich die Falschen.

    Richtig ist, dass ZUERST wesentlich mehr geforscht werden muss,
    bevor "wild drauflos" produziert wird.
    In der Forschung wäre wirklich erheblicher finanzieller Mehrbedarf.

    * es gibt IMHO nur EINE wirklich energiesparende Alternative, und das ist Windkraft aus Westafrika. Das ist jedoch außerhalb von den immer noch egoistischen Nationalstaaten Westeuropas, genannt EU.

  5. Das Ziel für den Klimaschutz ist das gleiche. Damals wie heute sagt Frau Merkel nicht, wie man dieses Ziel erreichen kann.

  6. wer so etwas schreibt, der politiker müsse sich "nur" am gemeinwohl
    ausrichten. darüber geht ja gerade der streit, was das gemeinwohl sei.
    und die leute, die klimaschutz für gemeinwohl halten, vertreten zum großen teil auch nur eigeninteressen. das perfide an diesen leuten besteht nun darin, daß sie ihre interessen (die jeder legitim vertreten darf) zum gemeinwohl deklarieren. das ist sozusagen die königsklasse der manipulation. entsprechend "empört" sind sie dann, wenn eine promovierte
    physikerin sich als nicht marionettentauglich herausstellt und sich
    von den einflüsterungen der berufskatastrophiker lösen kann.

    Antwort auf "Merkel ist das"
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    • zetti
    • 13.12.2008 um 23:06 Uhr

    Das "Gemeinwohl" ist ein Zustand der im nachhinein bewertet wird. Was die Zukunft als Gemeinwohl bewerten wird, hängt von Visionen und den Willen von Einzelnen ab, Ziele daraus abzuleiten und gegen Widerstände durchzusetzen.

    Ob Adenauer, Schmidt oder auch Strauß: Rücksichtslose Macher, die ihren Willen durchsetzten, einiges falsch machten, aber trotzdem im Nachhinein als "gute" Politiker bewertet wurden.

    Diesen Schlag Menschen finden sie in der heutigen Politik nicht mehr. Führungskraft ist nur noch innerhalb einer stromlinienförmigen Partei von Berufspolitikern gefragt, die Ihr Parteiprogramm nach wettbewerbsfähigen Wahlversprechen stricken.

    Die Macher sitzen heute auf Seiten der Lobbyisten und lassen unser Politiker nach der Melodie des Maximalprofits tanzen.

    Zetti

    • zetti
    • 13.12.2008 um 23:06 Uhr

    Das "Gemeinwohl" ist ein Zustand der im nachhinein bewertet wird. Was die Zukunft als Gemeinwohl bewerten wird, hängt von Visionen und den Willen von Einzelnen ab, Ziele daraus abzuleiten und gegen Widerstände durchzusetzen.

    Ob Adenauer, Schmidt oder auch Strauß: Rücksichtslose Macher, die ihren Willen durchsetzten, einiges falsch machten, aber trotzdem im Nachhinein als "gute" Politiker bewertet wurden.

    Diesen Schlag Menschen finden sie in der heutigen Politik nicht mehr. Führungskraft ist nur noch innerhalb einer stromlinienförmigen Partei von Berufspolitikern gefragt, die Ihr Parteiprogramm nach wettbewerbsfähigen Wahlversprechen stricken.

    Die Macher sitzen heute auf Seiten der Lobbyisten und lassen unser Politiker nach der Melodie des Maximalprofits tanzen.

    Zetti

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