Bildung in Asien Klasse durch Masse

Indien will wie China Supermacht des Wissens werden. Seine Vorzeige-Hochschulen können es schon mit westlichen Universitäten aufnehmen

Natürlich hat auch er die Bilder aus Mumbai verfolgt: wie ein Dutzend Terroristen sein Land in Atem halten, wie der indische Staat vor den Augen der Welt seine Unfähigkeit demonstriert. Seyed E. Hasnain hat einen besonderen Grund, schockiert zu sein. Wie die Attentäter ist er Muslim. Doch der Rektor der Universität Hyderabad lässt den Sorgen keinen Raum. Zwei, drei nachdenkliche Sätze, dann schaltet Hasnain um auf Optimismus und redet über die Zukunft der Wissenschaft in Indien und den strahlenden Platz, den seine Universität darin einnimmt.

»Das Leben geht weiter«, sagt Hasnain trotzig. Und wie der Vorstandschef eines erfolgreichen Großunternehmens präsentiert der Rektor die Erfolgsdaten seiner Hochschule: die Zahl der Publikationen und Forschungspreise, die Spitzenpositionen in den Rankings sowie die von der EU oder der Gates-Stiftung eingeworbenen Millionen. Alle Leistungskurven der University of Hyderabad weisen nach oben. Nur einmal ist Hasnain kurz irritiert – in der Klimaanlage quiekt es: Neben den internationalen Gästen lauscht eine Ratte der Jubelbilanz des Rektors.

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Willkommen im Land der brutalen Kontraste! Wer in den Tagen der Anschläge von Mumbai indische Hochschulen und Forschungsstätten besucht, dem stoßen die Widersprüche dieses Landes noch drastischer auf als in ruhigeren Zeiten. Wie China will Indien Supermacht des Wissens werden, seine Wissenschaftler forschen an Stammzellen und schicken Raketen zum Mond, während ein Drittel der Bürger nicht lesen und schreiben kann.

In Städten wie Delhi, Bangalore oder Mumbai verfügt die Nation über akademische Eliteeinrichtungen, die sich auf einzelnen Feldern mit den Spitzenuniversitäten des Westens messen können. Auf dem Land werden Studenten von Professoren unterrichtet, die selbst noch nicht einmal einen Masterabschluss haben. Der Wettbewerb um die besten Studienplätze ist für Deutsche unvorstellbar hart – gleichzeitig entscheidet über die Hälfte aller Einschreibungen eine Quote, die niedrige Kasten und Minderheiten bevorzugt.

Die Universität von Hyderabad, der Sieben-Millionen-Metropole im Bundesstaat Andhra Pradesh, zählt zu den akademischen Hoffnungsträgern des Landes. 2010 wird hier der Internationale Mathematikerkongress stattfinden. University with the potential of excellence darf sich die Hochschule nennen. Mit diesem Titel adelt die indische Regierung jene Universitäten, die im nächsten Jahrzehnt mit viel staatlicher Hilfe den Anschluss an die Weltspitze finden sollen.

»Exzellenz und Expansion« lautet das Mantra

Lange Zeit hat der indische Staat seine Hochschulen kurzgehalten. Nur fünf Milliarden Dollar steckt das südasiatische Land bislang pro Jahr in die Wissenschaft, den Großteil davon in die Atom- und Militärforschung. Drei amerikanische Spitzenuniversitäten geben zusammen genauso viel Geld aus. Was in Indien zählte, war die Wirtschaft. Wer vom Zentrum Hyderabads hinaus zum Campus der Universität fährt, passiert die Bürotürme der internationalen IT-Konzerne und Biotech-Firmen, die hier zu einem Bruchteil der Kosten ihrer westlichen Konkurrenz Computerprogramme und Medikamente produzieren.

Leser-Kommentare
    • Anonym
    • 15.12.2008 um 19:08 Uhr

    Diese Milliardenvölker haben schlicht ein viel größeres Potential an Talenten aus dem sie schöpfen können. Wenn in Deutschland 1.000 Plätze an einer besonderen Uni zu vergeben sind und in China 1.000 Plätze - jeweils für die besten Absolventen eines Jahrganges - dann ist es zwangsläufig so dass die Chinesen im Durchschnitt den Deutschen in dieser Vergleichsgruppe überlegen sind. Alles andere wäre auch unlogisch.

    Aber noch hat der Westen einen Vorteil vor den Asiaten, Originalität und Flexibilität. Trends werden nicht nur nach wie vor vor allem im Westen geboren weil die Asiaten alles aus dem Westen "cool" finden sondern einfach weil sich über Generationen in Hollywood (Film), Paris (Mode), und so weiter, einfach ein unglaubliches Talent angesammelt hat was sich selbst ja auch stetig weiterentwickelt und was darum nicht so leicht einzuholen ist.

    Und zu guter Letzt: Konkurrenz belebt das Geschäft.

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    Daß der Westen im Vorteil gegenüber Asien ist glaube ich nicht,
    alleine Japan trägt mehr zum technischen Fortschritt bei als ganz Europa zusammen.

    • Anonym
    • 16.12.2008 um 3:51 Uhr

    Mahun, schau dir mal an, welche Länder bisher die besten Fußballmanschaften hervorgebracht haben. Ginge es (nur) nach der Einwohnerzahl, wären wir bisher immer ohne Holland zur WM gefahren...

    Daß der Westen im Vorteil gegenüber Asien ist glaube ich nicht,
    alleine Japan trägt mehr zum technischen Fortschritt bei als ganz Europa zusammen.

    • Anonym
    • 16.12.2008 um 3:51 Uhr

    Mahun, schau dir mal an, welche Länder bisher die besten Fußballmanschaften hervorgebracht haben. Ginge es (nur) nach der Einwohnerzahl, wären wir bisher immer ohne Holland zur WM gefahren...

  1. Daß der Westen im Vorteil gegenüber Asien ist glaube ich nicht,
    alleine Japan trägt mehr zum technischen Fortschritt bei als ganz Europa zusammen.

    Antwort auf "Schiefe Vergleiche"
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    Das ist eine Behauptung ohne jede Grundlage.

    Das ist eine Behauptung ohne jede Grundlage.

    • lef
    • 15.12.2008 um 22:08 Uhr

    Kreative Innovationsfähigkeit wächst mit der Entwicklung von Individualität,
    und für die wiederum ist Empathie und Kommunikationsfähigkeit nötig.

    Nur hierin haben einige ältere Industriestaaten (auch Japan) einen Vorsprung,
    sowohl China als auch Indien haben zu lange auf Identität gebaut.

    Aber besonders Individualität ist zumindestens in China inzwischen eine ständig wachsende Fähigkeit (über Indien ist leider sehr wenig dazu bekannt).

    Im Nachteil sind sowohl China als auch Indien natürlich in der Verteilung von Reichtum - es gibt besonders in Indien zu viele Arme, die sich nur ganz schlechte Schulen und eine dünne Oberschicht, die sich beste Schulen leisten können.

    Insofern stimmt die Formel "Masse ist statisch potentiell Klasse" nicht.

    Allerdings stimmt sie auch umgekehrt nicht: Eine breite Verteilung der Bildungsausgaben auf möglichst Viele, wie besonders in Deutschland betrieben, erhöht die Spitzenqualität auch nicht. Wirklich erfolgreiche Innovationen, mit denen Deutschland Exportspitze ist, kommen aus firmeninternen Forschungseinrichtungen, teilweise auch Forschung der Unis im Auftrag der Industrie.

    Was in Deutschland ja emotional heftigst abgelehnt wird, nämlich die Bildung einer intelligenten Elite, das ist in anderen Gesellschaften wesentlich unaufgeregter betrieben:
    Am weltweit erfolgreichsten waren bislang ja die USA - in Bezug auf Innovationen und gleichzeitig Produktivität sind die USA nun Mal faktisch Weltspitze, und auch in den USA ist der Unterschied in der Schulqualität ja gewaltig.

    Die rasante Entwicklung besonders in China sollte also älteren exportorientierten Staaten durchaus Sorge bereiten - es KÖNNTE sein, dass dort (und auch in Indien) ein Mittelweg gefunden wird, der sogar die USA überflügeln wird (zumal die USA schwerwiegende Fehlentscheidungen in der Industrie belasten).

  2. Das traurige ist das bei uns offenbar irgendwie dasselbe völlig übersehen wird, z.B. das man vielleicht mehr Geld für Schulen braucht und weniger um marode Banken zu sanieren. Seit ewigkeiten wird bei den Schulen gespart, und wenns Banken und Unternehmen wegen misswirtschaft schlecht geht hat man Geld ohne ende plötzlich.

  3. während ein Drittel der Bürger nicht lesen und schreiben kann.

    Interessanter waere die quote fuer personengruppen wie teens, twens, arbeitsfaehige, ... und alles nach geschlecht. Daran koennte man die prozessphase der alphabetisierung erkennen. Gerade die quote der alphabetisierung ist zu wichtig um sie so auf praktisch nullaussage zu stauchen. Die haelfte vom ganzen artikel koennte man ueberlesen/nichtlesen und durch so einen graphen mit den oberen daten (unter gewissen stetigkeitsannahmen der herrschenden politik) ersetzen und der artikel wuerde keine entscheidende qualitaet verlieren.

    Ob eine hausfrau lesen, schreiben und grundrechnen kann ist in diesem kontext der high-education und ihr umfeld doch irrelevant und versperrt einen ungetruebteren blick

  4. 6. Nein

    Das ist eine Behauptung ohne jede Grundlage.

    Antwort auf "kein Vorteil"
  5. liegt in Deutschland mehr darin, dass die ausgebildeten Facharbeiter im geringen Prozentsatz keinen Arbeitsplatz finden und daher wandern viele ab. Im Vergleich zu Indien, dort ist die Ausbildung an den Universitaeten vergleichbar gut jedoch die Masse macht nicht gleich die Klasse. In China liegt das Problem eher an dem System der solche Jasager foerdert die keine Kritik gegen die eigene Regierung wagen. Daher jemandem zu sagen er soll verstehen anstatt Telefonbuecher auswendig zu lernen faellt dann schon schwerer. In Deutschland ist die Ausbildung im Gesamtvergleich immer noch gut hat jedoch hat stark seit Ende der 90 er Jahre abgenommen durch Kostensenkungen der Lehre. Dort wieder Investieren wuerde die Basis der naechsten 20 jahre wieder sichern, aber dazu gehoert auch die richtige Politik die auf 20-50 jahre vordenkt und nicht in 4 Jahres Schritten.

    • Anonym
    • 16.12.2008 um 3:51 Uhr

    Mahun, schau dir mal an, welche Länder bisher die besten Fußballmanschaften hervorgebracht haben. Ginge es (nur) nach der Einwohnerzahl, wären wir bisher immer ohne Holland zur WM gefahren...

    Antwort auf "Schiefe Vergleiche"

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