Schulpreis 2009 Applaus, Applaus, Applaus!

Eine Grundschule in Münster gewinnt den Deutschen Schulpreis

Der Schulpreis wird Schulen verliehen, die die Einzigartigkeit der Kinder entdeckt haben

Der Schulpreis wird Schulen verliehen, die die Einzigartigkeit der Kinder entdeckt haben

Chapeau! Der Wartburg-Grundschule in Münster ist Wunderbares gelungen: der Übergang vom Belehren zum Lernen und eine Metamorphose von der Anstalt zur kulturellen Oase. Dafür gibt es den ersten Platz beim Deutschen Schulpreis, 100.000 Euro und viele Komplimente vom Bundespräsidenten, der den von der Bosch Stiftung initiierten und finanzierten Preis am Mittwoch in Berlin verlieh.

Weitere vier gekrönte Schulen bekommen je 25.000 Euro. Erstmals wurden zwei Sonderpreise vergeben. Bei den sieben Preisträgern handelt es sich durchweg um Schulen, die die Einzigartigkeit jedes Schülers entdeckt haben. Die Leistungen sind an diesen Schulen so exzellent wie die Kultur beeindruckend. Lehrer wissen dort, dass Schüler sich nur dann aus sich herauswagen, wenn ihnen die Schule eine Heimat bietet.

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Die Wartburg-Schule hat diese Pädagogik, die sich an vielen Grundschulen durchsetzt und nun weiterführende Schulen infiziert, besonders kultiviert. Mehrmals im Jahr gibt es Feste. Am vergangenen Freitag etwa kamen an die 1700 Kinder, Eltern und Großeltern sowie Nachbarn zum »Plätzchenprobiermarkt«. Die Kinder haben gebacken und verkauft. Alltäglich ist eine Arbeitshaltung, die ihresgleichen sucht. Jeden Morgen stehen zwei Stunden WAP, das heißt Wochenarbeitsplan, auf dem Programm. Stundenpläne gibt es nicht mehr. Fächer wurden abgeschafft. Der Tag wird großflächig rhythmisiert, wie man hier sagt. In allen Klassen sieht man, wie jedes Kind an etwas anderem arbeitet. Man könnte auch sagen, jedes arbeitet an sich selbst. Sie üben. Die an manchen Schulen vergessene Tugend wurde hier rehabilitiert und wird nun so verstanden, wie Üben ursprünglich gemeint war: wiederholen und variieren. Anderswo wurde das Variieren herausgekürzt. Es blieb das bloße, dann häufig nervende Wiederholen.

Bildungskolumne
Reinhard Kahl schreibt für ZEIT ONLINE die Bildungskolumne Wurzeln und Flügel

Reinhard Kahl schreibt für ZEIT ONLINE die Bildungskolumne Wurzeln und Flügel

Ein Vormittag bei den »Koalas«: Die Kinder haben Arbeitskarten vor sich. Mal haben sie sich selbst die Aufgaben gestellt, mal hat die Lehrerin sie gestellt. Wenn es zu laut wird, geht ein Kind nach vorn, schlägt leise auf das Xylofon und sagt: »Bitte etwas ruhiger.« Die Koalas sind Erst- und Zweitklässler, eine altersgemischte Gruppe. Nach zwei Jahren geht es ein Stockwerk höher zu den »Wombats«. Beide Gruppen bilden den Kontinent Australien. Es gibt vier Kontinente an der Schule, untergebracht in kleinen Häusern.

Die Wartburg-Schule hat eine drei Jahrzehnte lange Geschichte der Verwandlungen. Am Anfang stand der Gründergeist der vor mehr als zehn Jahren pensionierten Gertraud Greiling. Damals schon begann der Umbau zur Ganztagsschule. Aus dem seinerzeit in der Pädagogik viel diskutierten Konzept Gievenbeck, benannt nach dem Stadtteil, entstand dann das Programm der Pionierschule.

Einem CDU-Stadtrat verdankt die Schule, dass ihre gewandelte Seele mit dem Neubau von 1995 auch einen passenden Körper bekam. Ein gelungenes Ineinander von Innen und Außen. In einem Vorraum etwa, der zugleich ein Zwischenraum zum Hauptgebäude ist, arbeiten Kinder allein, in Gruppen, hier gibt es Ausstellungen, und überall sieht man Schüler, die voller Hingabe gewagte Holztürme bauen. Sie sind tatsächlich Baumeister und Konstrukteure ihrer Welt.

Von Laisser-faire keine Spur. Erwachsene, die Ideen haben und im Alltag pragmatisch sind, können die Dinge gar nicht schleifen lassen. Darunter würden Gisela Gravelaar, die Schulleiterin, und ihre Stellvertreterin Bettina Pake, selbst zuerst leiden. Die beiden haben Leidenschaft. Derzeit arbeiten sie mit den Kindern an »Lernlandschaftskarten«. Darauf trägt jeder Schüler seine Ziele ein, zeichnet Wege und malt voller Stolz seine Ergebnisse aus. Jede Karte sieht anders aus. Kein Notenzeugnis könnte so komplex, so wahr, so leistungssteigernd und so ermutigend sein wie diese Karten, die eigentlich Kunstwerke sind. Gratulation! Übrigens: 70 Prozent gehen aufs Gymnasium. Erfolgreich. Frage an die beiden Schulleiterinnen, was ist ihr größter Wunsch? »Dass unsere Schule bis zum 10. Schuljahr geht.«

 
Leser-Kommentare
    • simtue
    • 10.12.2008 um 13:24 Uhr

    An den Waldorfschulen die es inzwischen Deutschland-weit über 300 mal gibt,
    ist das in diesem Artikel beschrieben Bild, längst Realität.
    Zusätzlich gehen die Klassen nicht nur bis zur 10. Klasse, wie es sich die Lehreinnen wünschen,sondern sogar bis zur 13. Klasse.
    Wo bleibt also ein Preis für die Waldorfschule?

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    sind die Konzepte der Waldorfschulen sehr unterschiedlich und nicht unumstritten.
    Derzeit einziges Qualitätsindiz ist die Mitgliedschaft im Bund freier Waldorfschulen.

    Im übrigen wird der Preis nicht für ein Konzept an sich sondern für Schulen die ein Konzept erfolgreich umgesetzt haben verliehen.
    Und zu letzt: Es haben sich mehrere Waldorschulen beworben und eben nicht gewonnen, so wie viele andere Schulen auch.
    Der Preis kann also zukünftig auch noch von einer Waldorfschule geholt werden.

    Die Kriterien finden sich hier

    sind die Konzepte der Waldorfschulen sehr unterschiedlich und nicht unumstritten.
    Derzeit einziges Qualitätsindiz ist die Mitgliedschaft im Bund freier Waldorfschulen.

    Im übrigen wird der Preis nicht für ein Konzept an sich sondern für Schulen die ein Konzept erfolgreich umgesetzt haben verliehen.
    Und zu letzt: Es haben sich mehrere Waldorschulen beworben und eben nicht gewonnen, so wie viele andere Schulen auch.
    Der Preis kann also zukünftig auch noch von einer Waldorfschule geholt werden.

    Die Kriterien finden sich hier

  1. sind die Konzepte der Waldorfschulen sehr unterschiedlich und nicht unumstritten.
    Derzeit einziges Qualitätsindiz ist die Mitgliedschaft im Bund freier Waldorfschulen.

    Im übrigen wird der Preis nicht für ein Konzept an sich sondern für Schulen die ein Konzept erfolgreich umgesetzt haben verliehen.
    Und zu letzt: Es haben sich mehrere Waldorschulen beworben und eben nicht gewonnen, so wie viele andere Schulen auch.
    Der Preis kann also zukünftig auch noch von einer Waldorfschule geholt werden.

    Die Kriterien finden sich hier

    Antwort auf "Waldorfschule"
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    • Anonym
    • 10.12.2008 um 17:43 Uhr

    Ich steh alternativen Schulformen indifferent gegenüber. Jeder wie er will.
    Jedoch muss man hier schon sagen dass es sich gut um eine selbsterfüllende Prophezeiung halten kann. In dem Sinne als dass auf solchen Schulen vor allem Kinder aus Familien sind in denen Bildung zumindest einen hohen Stellenwert besitzt (sonst machen sich Eltern erst gar nicht solche Gedanken) und dementsprechend die Eltern hinter ihren Kindern stehen und auch mit den Lehrern zusammenarbeiten. Und die Einstellung gegenüber der Schule eine ganz andere ist. Es gibt nicht wenige "Eltern" die Schule als Zeitverschwendung sehen - und den Kindern auch als solche beschreiben. Macht einen traurig wenn man sieht mit welcher Lust ein Kind lernt, selbst beim Rechnen haben Kinder in der Grundschule in aller Regel noch Spaß. Bis ihnen der Spaß ausgetrieben wird, das Elternhaus hat hier nicht nur die Hauptverantwortung sondern auch den größten Einfluß (schließlich lebt das Kind nicht in der Schule, und die Mama ist immer noch die wichtigere Bezugsperson als der Lehrer). Wie hier alles auf die Schule abgeschoben wird ist ebenso verwunderlich wie die freiwillige Entmündigung der Elternschaft die daraus - kausal - folgt.
    Öffentliche Schulen kranken, übrigens im Grunde überall auf der Welt wo es auch Privatschulen als "Ausweichmöglichkeit" gibt, daran dass sich dort Probleme kumulieren und die Begabten eben auf diese Privatschulen verschwinden - aber auch die engagierten Eltern zB im Elternbeirat fehlen um das Schulleben zu gestalten.
    Solche Faktoren haben einen entscheidenden Einfluß auf den Lernerfolg.

    • Anonym
    • 10.12.2008 um 17:43 Uhr

    Ich steh alternativen Schulformen indifferent gegenüber. Jeder wie er will.
    Jedoch muss man hier schon sagen dass es sich gut um eine selbsterfüllende Prophezeiung halten kann. In dem Sinne als dass auf solchen Schulen vor allem Kinder aus Familien sind in denen Bildung zumindest einen hohen Stellenwert besitzt (sonst machen sich Eltern erst gar nicht solche Gedanken) und dementsprechend die Eltern hinter ihren Kindern stehen und auch mit den Lehrern zusammenarbeiten. Und die Einstellung gegenüber der Schule eine ganz andere ist. Es gibt nicht wenige "Eltern" die Schule als Zeitverschwendung sehen - und den Kindern auch als solche beschreiben. Macht einen traurig wenn man sieht mit welcher Lust ein Kind lernt, selbst beim Rechnen haben Kinder in der Grundschule in aller Regel noch Spaß. Bis ihnen der Spaß ausgetrieben wird, das Elternhaus hat hier nicht nur die Hauptverantwortung sondern auch den größten Einfluß (schließlich lebt das Kind nicht in der Schule, und die Mama ist immer noch die wichtigere Bezugsperson als der Lehrer). Wie hier alles auf die Schule abgeschoben wird ist ebenso verwunderlich wie die freiwillige Entmündigung der Elternschaft die daraus - kausal - folgt.
    Öffentliche Schulen kranken, übrigens im Grunde überall auf der Welt wo es auch Privatschulen als "Ausweichmöglichkeit" gibt, daran dass sich dort Probleme kumulieren und die Begabten eben auf diese Privatschulen verschwinden - aber auch die engagierten Eltern zB im Elternbeirat fehlen um das Schulleben zu gestalten.
    Solche Faktoren haben einen entscheidenden Einfluß auf den Lernerfolg.

    • Anonym
    • 10.12.2008 um 17:43 Uhr
    3. Ja gut

    Ich steh alternativen Schulformen indifferent gegenüber. Jeder wie er will.
    Jedoch muss man hier schon sagen dass es sich gut um eine selbsterfüllende Prophezeiung halten kann. In dem Sinne als dass auf solchen Schulen vor allem Kinder aus Familien sind in denen Bildung zumindest einen hohen Stellenwert besitzt (sonst machen sich Eltern erst gar nicht solche Gedanken) und dementsprechend die Eltern hinter ihren Kindern stehen und auch mit den Lehrern zusammenarbeiten. Und die Einstellung gegenüber der Schule eine ganz andere ist. Es gibt nicht wenige "Eltern" die Schule als Zeitverschwendung sehen - und den Kindern auch als solche beschreiben. Macht einen traurig wenn man sieht mit welcher Lust ein Kind lernt, selbst beim Rechnen haben Kinder in der Grundschule in aller Regel noch Spaß. Bis ihnen der Spaß ausgetrieben wird, das Elternhaus hat hier nicht nur die Hauptverantwortung sondern auch den größten Einfluß (schließlich lebt das Kind nicht in der Schule, und die Mama ist immer noch die wichtigere Bezugsperson als der Lehrer). Wie hier alles auf die Schule abgeschoben wird ist ebenso verwunderlich wie die freiwillige Entmündigung der Elternschaft die daraus - kausal - folgt.
    Öffentliche Schulen kranken, übrigens im Grunde überall auf der Welt wo es auch Privatschulen als "Ausweichmöglichkeit" gibt, daran dass sich dort Probleme kumulieren und die Begabten eben auf diese Privatschulen verschwinden - aber auch die engagierten Eltern zB im Elternbeirat fehlen um das Schulleben zu gestalten.
    Solche Faktoren haben einen entscheidenden Einfluß auf den Lernerfolg.

    Antwort auf "In Wirklichkeit"
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    • Isaidy
    • 11.12.2008 um 11:27 Uhr

    sicherlich sind die Eltern in erster Linie die Bezugspersonen für ein Kind und nicht die Lehrerin, dennoch ist es durchaus möglich, dass dem Kind das Lernen seitens der Lehrer vermiest wird, da können die Eltern noch so aufgeschlossen der Bildung gegenüber sein und ihr Kind anspornen. Es gibt Eltern, denen die Bildung ihrer Kinder egal ist, da haben Sie recht, aber es gibt auch viele Eltern, die ihren Kindern durchaus den Sinn und die Bedeutung von Bildung vermitteln und der Lernwille ihres Kindes scheitert dennoch an restriktiven, verschlossenen Schulstrukturen in den Grundschulen und zum Teil ignoranten Verhaltensweisen des Lehrkörpers. Angesichts der Diskrepanz des Artikels zu der gelebten Wirklichkeit meines Sohnes an der Grundschule kommen mir die Tränen! Es mag ja schön sein, dass einzelne Schulen begriffen haben, worum es geht, das Gros versucht leider immer noch, die Kinder systemkompatibel zu machen und durchs Raster zu jagen. Es ist eine Binsenweisheit, dass man Kinder in dem Alter für das Lernen begeistern kann, wenn man sie ernst nimmt. Wenn man überlegt, dass 70 % einer solchen Grundschule erfolgreich auf das Gymnasium kommen, dann kann man schnell errechnen, wieviel Potential in Deutschland schon in der Grundschule nach unten aussortiert wird und verglüht. Das ist der eigentliche Jammer bei der Geschichte.

    • Isaidy
    • 11.12.2008 um 11:27 Uhr

    sicherlich sind die Eltern in erster Linie die Bezugspersonen für ein Kind und nicht die Lehrerin, dennoch ist es durchaus möglich, dass dem Kind das Lernen seitens der Lehrer vermiest wird, da können die Eltern noch so aufgeschlossen der Bildung gegenüber sein und ihr Kind anspornen. Es gibt Eltern, denen die Bildung ihrer Kinder egal ist, da haben Sie recht, aber es gibt auch viele Eltern, die ihren Kindern durchaus den Sinn und die Bedeutung von Bildung vermitteln und der Lernwille ihres Kindes scheitert dennoch an restriktiven, verschlossenen Schulstrukturen in den Grundschulen und zum Teil ignoranten Verhaltensweisen des Lehrkörpers. Angesichts der Diskrepanz des Artikels zu der gelebten Wirklichkeit meines Sohnes an der Grundschule kommen mir die Tränen! Es mag ja schön sein, dass einzelne Schulen begriffen haben, worum es geht, das Gros versucht leider immer noch, die Kinder systemkompatibel zu machen und durchs Raster zu jagen. Es ist eine Binsenweisheit, dass man Kinder in dem Alter für das Lernen begeistern kann, wenn man sie ernst nimmt. Wenn man überlegt, dass 70 % einer solchen Grundschule erfolgreich auf das Gymnasium kommen, dann kann man schnell errechnen, wieviel Potential in Deutschland schon in der Grundschule nach unten aussortiert wird und verglüht. Das ist der eigentliche Jammer bei der Geschichte.

    • Rutina
    • 10.12.2008 um 18:15 Uhr

    Dem Autor scheint ja jede Distanz zum Gegenstand seiner Berichterstattung zu fehlen. Das Paradies ist offensichtlich bereits auf dem Gebiet der Bosch Schule erreicht. Jedenfalls erfordert das Konzept einen hohen Aufwand an Personal und die Schule verfügt in der Regel bereits über eine homogene Schülerschaft mit motivierten Eltern, sodass die Kinder vermutlich auch in anderen Schulen erfolgreich wären. Gute Ergebnisse wie der Übergang von 70 % der Schüler in ein Gymnasium erscheinen deshalb nicht überraschend. Ich kann auch nicht einsehen, weshalb die Abschaffung von Stundenplänen und Fächern unbedingt ein Gewinn sein soll, Kinder haben meiner Auffassung nach ein Bedürfnis nach einem strukturierten Alltag, soweit ihnen noch ausreichend Freiräume bleiben.

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    Ja, schade, dass die einstmals so seriöse Zeit mittlerweile "Bildung" nur noch unter "Chancen" behandelt und komplett von "Wissen"-schaft abgekoppelt hat. Eins meiner Kinder hat eins dieser "Treibhäuser der Zukunft" von innen kennenlernen dürfen.
    Nach einem netten Anfang gabs für die zweiten Klassen rein gar kein Konzept mehr, Lesen und Rechtschreibung durfte nicht geübt werden, sollte sich frei entfalten, das kleine 1x1 wurde neu erfunden, Päckchenrechnen war "Kinderquälerei" und die Kinder mit der selbständigen Wochenplanarbeit organisatorisch total überfordert. Lehrer waren permanent mit derart wichtigen Projekten beschäftigt, dass Schülerarbeiten über Monate nicht korrigiert wurden. Nach 2 Schuljahren erfüllten die Hälfte dieses Jahrgangs Legastheniekriterien. Lernen und Üben wurde zur Gänze den Eltern überantwortet, Kritik war zwecklos, die Schülerfluktuation hoch. Bei einem hervorragendem Internetauftritt mitsamt Deutschem Schulpreis standen die Aspiranten ja Schlange. Nach dem Wechsel auf eine der vielgescholtenen Schulen, die sich noch nicht "auf den Weg gemacht" hatte, kam mein Kind endlich zur Ruhe, lernte erstmals und wurde ein zufriedener Schüler.

    Daher meine Bitte an die Bildungsredaktion der Zeit: Verschonen Sie uns fürderhin mit solcherart aussagefreier hymnischer Darstellung. Es reicht jetzt.

    Wirklich geholfen wären Eltern und Schülern mit validen wissenschaftliche Daten über die verschiedenen Unterrichtsmethoden und ihre Wirksamkeit. Ohne Tabus und die üblichen reformpädagogischen Denkverbote.

    den debattenten/-innen, die nun langsam die hymnische pädagogo-lyrik der ZEIT bzw. herrn Kahls irgendwie leicht degoutant finden, ist unbedingt zuzustimmen. seit jahr und tag werden in der ZEIT super-"sonder"-schulen mit toller ausstattung und freier lehrerwahl und was weiß ich über den grünen klee gelobt. eine beobachtung über längere zeit fehlt völlig - was ist denn z.b. aus der tollen Helene-Lange-Super-Schule geworden? man hört nichts mehr... Warum wird deren ehemalige Leiterin immer und immer als lichtgestalt der deutschen lehrerlandschaft herumgereicht? hat diese schule mittlerweile eine oberstufe oder nicht? und wie werden, wenn vorhanden, die probleme der oberstufenschüler/-innen, pardon: "lerner" aufgenommen und beseitigt?
    Bei einer gymnasial-schülerschaft von 1150 z.b., wie ich sie jeden tag erlebe, müsste die zuständige gemeinde mindestens 40 sozialarbeiterInnen einstellen, um auch nur annähernd die personalausstattung der hochgelobten grundschule zu bekommen - dort gibt es übrigens keine pubertät - ritzt jemand, hungert jemand? wird jemand zu früh schwanger? ... das land müsste zu den 76 lehrkräften nochmals runde 30 mindestens finanzieren, um eine derartige lehrerdichte zu bekommen. es möge jemand versuchen, auf die schnelle für dringende problemkids eine angemessene therapie zu bekommen, ich wünsche viel glück!
    man liest erstaunt, dass klassenarbeiten nicht geschrieben werden - d.h., die pauker haben nix zu korrigieren am abend und am wochenende - da lässt sich eitel projekte schmieden. die möchte ich mal sehen mit 28 leistungskursklausuren, keine unter 1800 wörter, z.b. in geschichte, deutsch oder philosophie - und für fast jede mindestens 45 minuten NUR für die rechtschreib- und sprachrichtigkeitshinweise - pro HEFT, notabene! mal abgesehen von den ewigen folgediskussionen und dem ewigen gesprächsbedarf - gerne auch mit enragierten eltern: waren es nicht eher 10 als 9 punkte? bei rund 150 schülerInnen pro schultag und 5-6 schulstunden ist JEDER vergleich dieser musterschule voller musterpädagogen und musterschüler/-innen in mustergültiger ausstattung mit einem ganz normalen unterfinanzierten gymnasium obsolet, im grunde unredlich - um nicht zu sagen: moralisch hochprekär!
    was letztlich nervt, ist der unerträglich-idealisierend "schiefe" ton, doch bitte diesen hehren beispielen folgen zu wollen - GERNE! fragt sich, wer das dann finanziert? und wann das stattfinden soll - nachts?
    aber dann weint bitte niemand, wenn universitäten und ausbilder aller couleur hammerharte eingangsprüfungen einführen (vgl. schweden!), weil sie mit den absolventen der musterschulen nichts anfangen können.
    letztlich wäre die debatte einfach zu beenden durch abschaffung der schulpflicht. die angebote bleiben erhalten, von privat bis öffentlich-unterfinanziert; und evtl. noch 4 jahre grundschule mit fundamentalen kulturtechniken - und alles andere freiwillig auf der basis von lehr- und lernverträgen, frei geschlossen von freien individuen - die dann aber auch die konsequenzen tragen!

    MFG

    U. Schmitz

    Ja, schade, dass die einstmals so seriöse Zeit mittlerweile "Bildung" nur noch unter "Chancen" behandelt und komplett von "Wissen"-schaft abgekoppelt hat. Eins meiner Kinder hat eins dieser "Treibhäuser der Zukunft" von innen kennenlernen dürfen.
    Nach einem netten Anfang gabs für die zweiten Klassen rein gar kein Konzept mehr, Lesen und Rechtschreibung durfte nicht geübt werden, sollte sich frei entfalten, das kleine 1x1 wurde neu erfunden, Päckchenrechnen war "Kinderquälerei" und die Kinder mit der selbständigen Wochenplanarbeit organisatorisch total überfordert. Lehrer waren permanent mit derart wichtigen Projekten beschäftigt, dass Schülerarbeiten über Monate nicht korrigiert wurden. Nach 2 Schuljahren erfüllten die Hälfte dieses Jahrgangs Legastheniekriterien. Lernen und Üben wurde zur Gänze den Eltern überantwortet, Kritik war zwecklos, die Schülerfluktuation hoch. Bei einem hervorragendem Internetauftritt mitsamt Deutschem Schulpreis standen die Aspiranten ja Schlange. Nach dem Wechsel auf eine der vielgescholtenen Schulen, die sich noch nicht "auf den Weg gemacht" hatte, kam mein Kind endlich zur Ruhe, lernte erstmals und wurde ein zufriedener Schüler.

    Daher meine Bitte an die Bildungsredaktion der Zeit: Verschonen Sie uns fürderhin mit solcherart aussagefreier hymnischer Darstellung. Es reicht jetzt.

    Wirklich geholfen wären Eltern und Schülern mit validen wissenschaftliche Daten über die verschiedenen Unterrichtsmethoden und ihre Wirksamkeit. Ohne Tabus und die üblichen reformpädagogischen Denkverbote.

    den debattenten/-innen, die nun langsam die hymnische pädagogo-lyrik der ZEIT bzw. herrn Kahls irgendwie leicht degoutant finden, ist unbedingt zuzustimmen. seit jahr und tag werden in der ZEIT super-"sonder"-schulen mit toller ausstattung und freier lehrerwahl und was weiß ich über den grünen klee gelobt. eine beobachtung über längere zeit fehlt völlig - was ist denn z.b. aus der tollen Helene-Lange-Super-Schule geworden? man hört nichts mehr... Warum wird deren ehemalige Leiterin immer und immer als lichtgestalt der deutschen lehrerlandschaft herumgereicht? hat diese schule mittlerweile eine oberstufe oder nicht? und wie werden, wenn vorhanden, die probleme der oberstufenschüler/-innen, pardon: "lerner" aufgenommen und beseitigt?
    Bei einer gymnasial-schülerschaft von 1150 z.b., wie ich sie jeden tag erlebe, müsste die zuständige gemeinde mindestens 40 sozialarbeiterInnen einstellen, um auch nur annähernd die personalausstattung der hochgelobten grundschule zu bekommen - dort gibt es übrigens keine pubertät - ritzt jemand, hungert jemand? wird jemand zu früh schwanger? ... das land müsste zu den 76 lehrkräften nochmals runde 30 mindestens finanzieren, um eine derartige lehrerdichte zu bekommen. es möge jemand versuchen, auf die schnelle für dringende problemkids eine angemessene therapie zu bekommen, ich wünsche viel glück!
    man liest erstaunt, dass klassenarbeiten nicht geschrieben werden - d.h., die pauker haben nix zu korrigieren am abend und am wochenende - da lässt sich eitel projekte schmieden. die möchte ich mal sehen mit 28 leistungskursklausuren, keine unter 1800 wörter, z.b. in geschichte, deutsch oder philosophie - und für fast jede mindestens 45 minuten NUR für die rechtschreib- und sprachrichtigkeitshinweise - pro HEFT, notabene! mal abgesehen von den ewigen folgediskussionen und dem ewigen gesprächsbedarf - gerne auch mit enragierten eltern: waren es nicht eher 10 als 9 punkte? bei rund 150 schülerInnen pro schultag und 5-6 schulstunden ist JEDER vergleich dieser musterschule voller musterpädagogen und musterschüler/-innen in mustergültiger ausstattung mit einem ganz normalen unterfinanzierten gymnasium obsolet, im grunde unredlich - um nicht zu sagen: moralisch hochprekär!
    was letztlich nervt, ist der unerträglich-idealisierend "schiefe" ton, doch bitte diesen hehren beispielen folgen zu wollen - GERNE! fragt sich, wer das dann finanziert? und wann das stattfinden soll - nachts?
    aber dann weint bitte niemand, wenn universitäten und ausbilder aller couleur hammerharte eingangsprüfungen einführen (vgl. schweden!), weil sie mit den absolventen der musterschulen nichts anfangen können.
    letztlich wäre die debatte einfach zu beenden durch abschaffung der schulpflicht. die angebote bleiben erhalten, von privat bis öffentlich-unterfinanziert; und evtl. noch 4 jahre grundschule mit fundamentalen kulturtechniken - und alles andere freiwillig auf der basis von lehr- und lernverträgen, frei geschlossen von freien individuen - die dann aber auch die konsequenzen tragen!

    MFG

    U. Schmitz

    • KFlash
    • 10.12.2008 um 18:17 Uhr

    Wenn diese Schule bis zur Zehnten Klasse geht, wird die Quote der Gymnasiasten vermutlich etwas zurück gehen. Denn wer nach der 10. wechselt muss die 10 einmal wiederholen - jedenfalls beim 12 Jährigen Abitur.

    Kann natürlich sein, dass dies ein falscher Eindruck aus meiner Erfahrung aus Sachsen ist. Dort kann man letzmalig nach der 7. ohne "Extrarunde" aufs Gymnasium wechseln.

  2. Ja, schade, dass die einstmals so seriöse Zeit mittlerweile "Bildung" nur noch unter "Chancen" behandelt und komplett von "Wissen"-schaft abgekoppelt hat. Eins meiner Kinder hat eins dieser "Treibhäuser der Zukunft" von innen kennenlernen dürfen.
    Nach einem netten Anfang gabs für die zweiten Klassen rein gar kein Konzept mehr, Lesen und Rechtschreibung durfte nicht geübt werden, sollte sich frei entfalten, das kleine 1x1 wurde neu erfunden, Päckchenrechnen war "Kinderquälerei" und die Kinder mit der selbständigen Wochenplanarbeit organisatorisch total überfordert. Lehrer waren permanent mit derart wichtigen Projekten beschäftigt, dass Schülerarbeiten über Monate nicht korrigiert wurden. Nach 2 Schuljahren erfüllten die Hälfte dieses Jahrgangs Legastheniekriterien. Lernen und Üben wurde zur Gänze den Eltern überantwortet, Kritik war zwecklos, die Schülerfluktuation hoch. Bei einem hervorragendem Internetauftritt mitsamt Deutschem Schulpreis standen die Aspiranten ja Schlange. Nach dem Wechsel auf eine der vielgescholtenen Schulen, die sich noch nicht "auf den Weg gemacht" hatte, kam mein Kind endlich zur Ruhe, lernte erstmals und wurde ein zufriedener Schüler.

    Daher meine Bitte an die Bildungsredaktion der Zeit: Verschonen Sie uns fürderhin mit solcherart aussagefreier hymnischer Darstellung. Es reicht jetzt.

    Wirklich geholfen wären Eltern und Schülern mit validen wissenschaftliche Daten über die verschiedenen Unterrichtsmethoden und ihre Wirksamkeit. Ohne Tabus und die üblichen reformpädagogischen Denkverbote.

  3. Jetzt mal unabhaengig von "freiem" Lernen und "strukturiertem" Lernen. Ich denke, dem Artikel muss man in einem uneingeschraenkt recht geben: Es ist wichtig, dass Schueler sich mit ihrer Schule identifizieren.

    Regelmaessige Feste und eine Betreuung auch nach 12 Uhr mittags sind da sehr wichtig.

    Diese "Identifikation" mit der Schule ist, finde ich, einer der groessten Pluspunkte des japanischen Bildungssystems, auch wenn der kulturelle Hintergrund natuerlich ein anderer ist.

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    • Gnurg
    • 11.12.2008 um 5:38 Uhr

    Hallo,

    ich bin zufaellig gerade Lehrer an ein paar japanischen Schulen und kann zu meinem Vorschreiber noch was sagen. Es stimmt, in Japan sind Schulen sehr viel mehr in den Schueleralltag verwoben wie bei uns. Die Schueler sind taeglich bis teilweise spaet Abends an der Schule, lernen aber auch nicht zwingend mehr als ich damals mit meinen 6 Stunden Vormittags und dann raus und mit meinen Kumpels spielen. Sicherlich kriegen die weit mehr Gehorsam und (Er)Duldsamkeit reingepaukt als wir damals, aber dafuer haben sie nach der Schule auch oft keine Ahnung von nix. Also nicht alle jetzt, aber manchmal habe ich das Gefuehl, dass denen hier ein Stueck weit die Selbstentfaltung gerade dadurch genommen wird, weil sie nicht, wie ich damals, um 13 Uhr Schluss hatten, rausgegangen sind und sich selbst beschaeftigt haben, sei es nun draussen spielen oder am Computer sitzen. Die Kreativitaet laesst jedenfalls manchmal schon sehr zu wuenschen uebrig. Ich bin kein ausgebildeter Paedagoge oder so, aber vielleicht ist das Leben ausserhalb der Schule mitunter der beste Lehrer.

    • Gnurg
    • 11.12.2008 um 5:38 Uhr

    Hallo,

    ich bin zufaellig gerade Lehrer an ein paar japanischen Schulen und kann zu meinem Vorschreiber noch was sagen. Es stimmt, in Japan sind Schulen sehr viel mehr in den Schueleralltag verwoben wie bei uns. Die Schueler sind taeglich bis teilweise spaet Abends an der Schule, lernen aber auch nicht zwingend mehr als ich damals mit meinen 6 Stunden Vormittags und dann raus und mit meinen Kumpels spielen. Sicherlich kriegen die weit mehr Gehorsam und (Er)Duldsamkeit reingepaukt als wir damals, aber dafuer haben sie nach der Schule auch oft keine Ahnung von nix. Also nicht alle jetzt, aber manchmal habe ich das Gefuehl, dass denen hier ein Stueck weit die Selbstentfaltung gerade dadurch genommen wird, weil sie nicht, wie ich damals, um 13 Uhr Schluss hatten, rausgegangen sind und sich selbst beschaeftigt haben, sei es nun draussen spielen oder am Computer sitzen. Die Kreativitaet laesst jedenfalls manchmal schon sehr zu wuenschen uebrig. Ich bin kein ausgebildeter Paedagoge oder so, aber vielleicht ist das Leben ausserhalb der Schule mitunter der beste Lehrer.

    • Gnurg
    • 11.12.2008 um 5:38 Uhr

    Hallo,

    ich bin zufaellig gerade Lehrer an ein paar japanischen Schulen und kann zu meinem Vorschreiber noch was sagen. Es stimmt, in Japan sind Schulen sehr viel mehr in den Schueleralltag verwoben wie bei uns. Die Schueler sind taeglich bis teilweise spaet Abends an der Schule, lernen aber auch nicht zwingend mehr als ich damals mit meinen 6 Stunden Vormittags und dann raus und mit meinen Kumpels spielen. Sicherlich kriegen die weit mehr Gehorsam und (Er)Duldsamkeit reingepaukt als wir damals, aber dafuer haben sie nach der Schule auch oft keine Ahnung von nix. Also nicht alle jetzt, aber manchmal habe ich das Gefuehl, dass denen hier ein Stueck weit die Selbstentfaltung gerade dadurch genommen wird, weil sie nicht, wie ich damals, um 13 Uhr Schluss hatten, rausgegangen sind und sich selbst beschaeftigt haben, sei es nun draussen spielen oder am Computer sitzen. Die Kreativitaet laesst jedenfalls manchmal schon sehr zu wuenschen uebrig. Ich bin kein ausgebildeter Paedagoge oder so, aber vielleicht ist das Leben ausserhalb der Schule mitunter der beste Lehrer.

    Antwort auf "Bildung"
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    Nyaaa ... das mit dem Gehorsam und dem "Erdulden" ist in Japan aber auch einfach ein kultureller Wert, der die ganze Gesellschaft durchdringt. Ich wuerde da nicht sagen, dass das etwas ist, was von der Schule verursacht wird.
    Die Schule wird eben benutzt um eine bestimmte Mentalitaet in die Kinder zu pflanzen - so wie in Deutschland auch (nur ein bisschen zentralisierter),.

    Nyaaa ... das mit dem Gehorsam und dem "Erdulden" ist in Japan aber auch einfach ein kultureller Wert, der die ganze Gesellschaft durchdringt. Ich wuerde da nicht sagen, dass das etwas ist, was von der Schule verursacht wird.
    Die Schule wird eben benutzt um eine bestimmte Mentalitaet in die Kinder zu pflanzen - so wie in Deutschland auch (nur ein bisschen zentralisierter),.

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