Hochschule Die Kunst der Zulassung

Wie man Studenten richtig auswählt, zeigen amerikanische und englische Hochschulen

Die vornehmste Aufgabe einer Universität sei es, sich ihre Studenten selbst auszusuchen, so der frühere Präsident der Stanford University, Gerhard Casper. Harvard oder Oxford, Yale, Cambridge oder Princeton fanden die Idee, die Studenten zugeteilt zu bekommen, stets absurd. Große Zulassungsabteilungen sorgen in all diesen Unis dafür, dass die Besten aufgenommen werden – und dass deren Mischung stimmt. Das ist nicht einfach. Alison Richard, Vice Chancellor von Cambridge, sagt zum Thema Auswahl: »Bewerber zu bewerten ist hart, weil die Bewertung nicht nur ihre bisherigen Leistungen, sondern auch ihr Potenzial berücksichtigen muss. Und dann müssen wir eine Balance zwischen beidem finden. Der Zulassungsprozess ist eine Kunst, keine Wissenschaft.«

Eine Kunst, von der man in Deutschland noch nicht viel versteht. Erst seit der Exzellenzinitiative befassen sich die Universitäten mit der Auswahl ihrer Studenten. Aber sie waren auf Ausleseverfahren schlecht vorbereitet. Jetzt bewerben sich die Studenten quer durch die Republik, manche gleich zwölfmal, und warten auf Antwort, ob sie denn nun einen Studienplatz bekommen. Die Verwaltungen, die schon zu Zeiten der ZVS, der Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen, stöhnten, werden der Papierflut nicht mehr Herr. In Hamburg kommen sieben Bewerber auf einen Platz, in Bonn gar acht. Die Hochschulen bleiben lange im Ungewissen, ob der Studienplatz, den sie zugestehen, denn auch angenommen wird. Konsequenz dieses Chaos ist, dass Nachrückverfahren sich nun in großer Zahl bis in die Vorlesungszeit hinziehen werden.

Deutsche Unis können mit ihrer neuen Freiheit noch nicht umgehen

Es zeigt sich, dass die Universitäten mit der Freiheit, die sie sich wünschten, gar nicht umgehen können. Auslese bedeutet nicht nur mehr Bürokratie, sie verlangt auch nach darauf vorbereiteten Spezialisten. Es reicht nicht, die Anzahl der Studienplätze in den einzelnen Fächern zu zählen, man sollte auch den interessanten Mix unter den Neuzugängen im Auge haben, um spannende Studienjahrgänge zu garantieren.

Da lohnt ein Blick auf das englische Modell und die amerikanischen Aufnahmeprozesse. Das englische Auswahlmodell nennt sich UCAS – Universities and Colleges Admissions Service. Es ist in Cheltenham beheimatet und ist gewissermaßen das aufgeräumte und effiziente Vorzimmer aller Universitäten im Vereinigten Königreich. Alle Studenten benutzen die gleichen vierseitigen Bewerbungsbögen, neben den üblichen Daten sind vor allem Empfehlungen von Lehrern und Persönlichkeiten wichtig sowie ein personal statement.

Jeder Bewerber wird hier geprüft, Benotungen aller Schulsysteme werden umgewandelt in verständliche Zensuren. Bewerber, die den Anforderungen nicht genügen oder die Unterlagen vergessen oder mangelhaft ausgefüllt haben, werden von UCAS aussortiert und darauf hingewiesen. Die Universitäten haben diesen bürokratischen Teil klug ausgegliedert.

UCAS hilft den zukünftigen Studenten aber auch, die Abertausenden Kurse, die die Unis anbieten, zu finden. Auf der Website (www.ucas.com) gibt es ausführliche Informationen. Und es werden Links zu allen Hochschulen bereitgestellt, wo sich der Neugierige durch alle Vorlesungen und Seminare klicken kann, um zu finden, was ihn interessiert. Erst wenn das Portfolio eines Kandidaten formal perfekt ist, wird es an die gewünschten Hochschulen – mehr als sechs Nennungen sind nicht möglich – weitergeleitet.

Die Universitäten bleiben die Herrscher über die Auswahl ihrer Studenten. Das ist der große Unterschied zwischen der planwirtschaftlich anmutenden ZVS und UCAS. UCAS wird von den Universitäten dafür bezahlt, dass es ihnen bürokratische Arbeit abnimmt. Die Auswahl jedes einzelnen Studenten (auch in Fächern wie Medizin) bleibt die vornehme, wiewohl anstrengende und zeitraubende Arbeit der Hochschullehrer und Zulassungsspezialisten.

Wer die ZVS wiederhaben und gleichzeitig in ein UCAS-ähnliches Instrument verwandeln will, kann das nur wollen, wenn er auch bereit ist, Zulassungsabteilungen an den Unis aufzubauen, die über weit mehr nachdenken als Zeugnisdurchschnitt und Motivation.

Die Hochschulen haben große Zulassungsabteilungen aufgebaut

Das amerikanische System ist anders, weil es kein zentrales Einfallstor hat. Dort hat jede Uni ihr eigenes Zulassungsprofil. Der Student, der sich an mehreren Hochschulen bewirbt, muss also mehrfach eine Bearbeitungsgebühr entrichten und immer wieder – entsprechend angepasste – Bewerbungen abliefern, das ist für sie zeitraubend und kostspielig. An Hochschulen wie Berkeley oder Stanford sind viele Mitarbeiter monatelang nur damit befasst, aus dem riesigen Pool an sehr guten und ziemlich guten Bewerbern den nächsten Jahrgang zu schmieden. Erfahrene Zulassungsexperten in großen Hochschulen wie Columbia oder NYU lesen leicht 1000 Bewerbungen in den Monaten Januar bis April.

Da in Deutschland ein verändertes zentrales Zulassungsbüro geplant ist, sollte auch gleichzeitig über Zeitfenster diskutiert werden. Engländer und Amerikaner bewerben sich meist nicht mit dem Abschlusszeugnis, sondern mit dem Zeugnis des letzten (also elften) Schuljahrs und mit den Voraussagen, die ihre Lehrer aufgrund dieser Zeugnisse wagen. Sie bewerben sich bis zum 1. oder 15. Januar und erhalten im April die dünnen (Absagen) oder dicken (Zusagen) Briefe. Das verschafft den angehenden Studenten Zeit für die Zusage und den Unis für das Abarbeiten von Wartelisten bis zum Vorlesungsbeginn.

Deutsche Bewerbungen trudeln erst in den Sommerferien ein, Zusagen der Unis an die neuen Studenten wie der Studenten an die Unis kommen so spät, dass der Prozess vor Beginn des Wintersemesters oft nicht abgeschlossen ist. Leere Stühle in den Seminarräumen sind die Folge. Zumindest gegenwärtig fällt den Hochschulen eine geschmeidige Zulassung schwer, so ähnelt das Zulassungschaos einer variierten Reise nach Jerusalem: Am Anfang gibt es zu viele Mitspieler und am Ende zu viele freie Stühle.

 
Leser-Kommentare
  1. Begabtenauslese ist ein gesundes Prinzip, das in China schon betrieben wurde, als unsere Vorfahren noch in Höhlen lebten.

    • heirei
    • 13.12.2008 um 14:19 Uhr

    Ich finde es traurig, wie unkritisch in den letzten Jahren das hiesige Universitätssystem umgebaut wird, meist in einfachen Blicken in immer die selbe Richtung über die Nordmeere. Das es keinen Mut mehr gibt ein eigene Hochschulkultur zu unterhalten und zu entwicklen, was sich meiner Meinung in den dann intelektuellen Kreisen durchaus vergleichen liesse, zeigt glaube ich nur die Motivationunlust, sich mit dem Thema auseinanderzusetzten.
    Nein, eher zeigt es noch, dass die Bildung der Menschen in unseren Ländern für ein lästiges Thema erachtet wird, dessen Wert durchaus erkannt wird, jedoch grosse Unlust in dessen Gestaltung gezeigt wird. Es gibt keine Weiterentwicklung der Hochschulen, sondern ein schlichtes abkupfern, anderer, gerade allgemein aktzeptierteren Hochschulformen. Der vielleicht verständliche Frust in der Katerstimmung nach den Bildungsreformern der 68ziger führt dazu das die selben nun nach den Rezepten der Väter schreien, jedoch dabei völlig vergessen das trotzdem in den letzten Jahren beachtliche Fortschritte in der Pädagogik erreicht wurden. Nun ja, es ist schade mit zu erleben und anzusehen, wie ein doch auch allgemein beachtetes Hochschulsystem so zu einem Provinziellen Collegesystem umgebaut wird, ohne eigene Ideen, gefangen im Bürokratismus und schon gar nicht einen Beitrag liefernd zu der Gesellschaft die wir uns, hier in den Ländern wünschen. Und verstehen sie mich bei weitem nicht falsch, das ich das lernen von anderen Systemen ablehne, doch anstatt in schlechten Kopien studieren zu wollem, sollte man sich wohl doch besser in der Heldenbehörde UCAS bewerben.

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    Auch wenn an unseren Hochschulen unzweifelhaft Reformbedarf besteht, ist es wirklich traurig zu sehen, wie manche das angelsächsische System zu vergöttern scheinen. Allzuoft wird der falsche Eindruck vermittelt, es herrschten überall die gleichen Zustände wie in Oxford oder Yale.

    Nun: Dem ist nicht so. Und zwar bei weitem nicht.

    Zudem: Die angelsächsischen Eliteinstitutionen haben ihr Personal meist nicht selber ausgebildet, sondern eingekauft. Ich fände es sehr interessant, mal zu sehen wo. Es könnte doch sehr befruchtend sein nachzuforschen, was dort offenbar richtig gemacht worden ist. Nur so als Idee.

    Auch wenn an unseren Hochschulen unzweifelhaft Reformbedarf besteht, ist es wirklich traurig zu sehen, wie manche das angelsächsische System zu vergöttern scheinen. Allzuoft wird der falsche Eindruck vermittelt, es herrschten überall die gleichen Zustände wie in Oxford oder Yale.

    Nun: Dem ist nicht so. Und zwar bei weitem nicht.

    Zudem: Die angelsächsischen Eliteinstitutionen haben ihr Personal meist nicht selber ausgebildet, sondern eingekauft. Ich fände es sehr interessant, mal zu sehen wo. Es könnte doch sehr befruchtend sein nachzuforschen, was dort offenbar richtig gemacht worden ist. Nur so als Idee.

  2. Ich halte es für falsch, sich an den Auswahlverfahren in den USA und GB zu orientieren. Die Unis verlangen alle dieselben Dokumente und standardisierten Tests. Leider fangen die deutschen Unis jetzt auch damit an und verlangen irgendwelche fragwürdigen Tests.
    Ich kann zwar grundsätzlich verstehen, dass die Unis nicht nur nach Abinote ihre Bewerber zugeteilt bekommen möchten, allerdings bekommt jedes System die Bewerber, die es verdient.
    Was bringt ein hoch personalisiertes Auswahlverfahren mit Auswahlgesprächen und Assessment Centern, wenn im Studium danach 4 jahre lang nur die Klausurnoten zählen. Die besten Abiturienten werden es im deutschen Hochschulsystem am einfachsten haben.

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    • Aelita
    • 13.12.2008 um 16:04 Uhr

    Also, als Student an einer britischen Uni, zaehlen zwar die Semesterexamen 50%, dafuer habe ich aber auch andere Semesterarbeiten, wie z.B. Aufsaetze und praktische Arbeiten. (Labs) Genausowenig sehe ich das personal statement als standarisierten Test an, und ich musste auch nicht zu irgendwelchen Assessmentcentern. Von daher kann ich ihre Kritik am britischem System nur schwer nachvollziehen.
    --
    "We must plan for freedom, and not only for security, if for no other reason than only freedom can make security more secure."

    Sir K. R. Popper

    • benbek
    • 13.12.2008 um 16:35 Uhr

    Oja, der Aussagekräftige Abiturdurchschnitt, nicht dass der sich zu weiten Teilen aus subjektiver Notengebung zusammensetzt?
    Wir haben in Deutschland nunmal kein Zentralabitur, deshalb ist es für Universitäten mehr als sinnvoll ihre Bewerber selbst zu testen, da das Abitur bedauerlicherweise im Grunde kein vergleichbarer Maßstab ist.

    • zadi
    • 14.12.2008 um 16:04 Uhr

    Zu den Berwertungen des Bachelorstudiums in England: selbstverständlich spielen die Klausuren am Semesterende eine große Rolle. Man hat für jedes Examen einen Versuch, wenn's da nicht klappt, war's das. Entweder man bekommt wegen besonderer Umstände ein "pass" auf der Minimalnote zum Bestehen zugeteilt, und kann weiter, aber mit einem herben Knick im Notenschnitt. Oder nicht, dann war's das mit dem Studium. Man kann das Jahr zwar wiederholen, aber einen tollen Abschluss kann man sich dann in die Haare schmieren. Der Leistungsdruck geht mit viel Stress einher, was aber machbar ist. Im Gegenzug wird man zügig fertig.

    Aber es wird auch aussortiert. Wer nur rumschludert und nicht die nötige Leistungsbereitschaft in sein Studium mitbringt (und in dem Fall nach meiner Meinung an einer Uni nichts verloren hat), schafft es eben nicht oder nur mit einer mäßigen Endnote. Diese Leute sieht man dann im späteren Masterstudium / PhD-Studium auch nicht wieder, was sich sehr positiv auf die Kursgrößen auswirkt. Momentan sind wir nie mehr als 8 Leute pro Vorlesung. Zudem weiß man so auch, dass Leute, die weit kommen, im Schnitt auch hart arbeiten und sich ihren Abschluss nicht ersessen oder per Gesetz zugesichert bekommen haben (das ist eine Anspielung auf eine dt. Zeitungsmeldung, in der es um eine Riesendiskussion darüber ging, ob man mit dem Erwerb seines Bachelors automatisch ein Anrecht aufs Masterstudium bekommen soll - ist schon was her).

    Ein guter Teil der Benotung wird auch von den üblichen Dingen wie Essays, Gruppenarbeiten, Laborpraktika ausgemacht, nicht zu vergessen das zweimonatige Forschungsprojekt (im Fall meiner Uni, die Dauer variiert je nach Universität), dessen Ausführung und Zusammenfassung in einem detaillierten Bericht entscheidenen Einfluss auf die Abschlussnote nimmt.
    So praxisfern, wie viele Leute pauschal die molekularbiologischen Studienfächer in England aburteilen, sind sie definitiv nicht. Ja, es gibt kein einjähriges Diplomarbeitsprojekt, was ein super Vorteil für dt. Studierende ist, aber ich kann mir meine Laborerfahrung auch über selbstorganisierte Laborprojekte in den Ferien holen (wird von den Unis auch empfohlen) und trotzdem wissen, was ich tue. Am Ende zählt es, wie sehr man sich für sein Fachgebiet interessiert - man kann sich alles Wissen aneignen und mit ein wenig Hirnschmalz damit auch etwas anfangen.

    Zugegeben, mich nervt die "league table"-Besessenheit in Englands Bildungssystem (ist sowohl in Schulen als auch an Unis so), die wohl eng mit dem Studiensystem verflochten ist und die Unis daher auch Interesse am hervorbringen guter Absolventen haben.
    Am Ende jedoch liegt es am potentiellen Studenten, sich wirklich über die Wunschuni zu informieren (Publikationen, Fördergelder, Persona etc.), oder sich einzig von Zahlenspielereien in Tabellen von Zeitungen beraten zu lassen.

    • Aelita
    • 13.12.2008 um 16:04 Uhr

    Also, als Student an einer britischen Uni, zaehlen zwar die Semesterexamen 50%, dafuer habe ich aber auch andere Semesterarbeiten, wie z.B. Aufsaetze und praktische Arbeiten. (Labs) Genausowenig sehe ich das personal statement als standarisierten Test an, und ich musste auch nicht zu irgendwelchen Assessmentcentern. Von daher kann ich ihre Kritik am britischem System nur schwer nachvollziehen.
    --
    "We must plan for freedom, and not only for security, if for no other reason than only freedom can make security more secure."

    Sir K. R. Popper

    • benbek
    • 13.12.2008 um 16:35 Uhr

    Oja, der Aussagekräftige Abiturdurchschnitt, nicht dass der sich zu weiten Teilen aus subjektiver Notengebung zusammensetzt?
    Wir haben in Deutschland nunmal kein Zentralabitur, deshalb ist es für Universitäten mehr als sinnvoll ihre Bewerber selbst zu testen, da das Abitur bedauerlicherweise im Grunde kein vergleichbarer Maßstab ist.

    • zadi
    • 14.12.2008 um 16:04 Uhr

    Zu den Berwertungen des Bachelorstudiums in England: selbstverständlich spielen die Klausuren am Semesterende eine große Rolle. Man hat für jedes Examen einen Versuch, wenn's da nicht klappt, war's das. Entweder man bekommt wegen besonderer Umstände ein "pass" auf der Minimalnote zum Bestehen zugeteilt, und kann weiter, aber mit einem herben Knick im Notenschnitt. Oder nicht, dann war's das mit dem Studium. Man kann das Jahr zwar wiederholen, aber einen tollen Abschluss kann man sich dann in die Haare schmieren. Der Leistungsdruck geht mit viel Stress einher, was aber machbar ist. Im Gegenzug wird man zügig fertig.

    Aber es wird auch aussortiert. Wer nur rumschludert und nicht die nötige Leistungsbereitschaft in sein Studium mitbringt (und in dem Fall nach meiner Meinung an einer Uni nichts verloren hat), schafft es eben nicht oder nur mit einer mäßigen Endnote. Diese Leute sieht man dann im späteren Masterstudium / PhD-Studium auch nicht wieder, was sich sehr positiv auf die Kursgrößen auswirkt. Momentan sind wir nie mehr als 8 Leute pro Vorlesung. Zudem weiß man so auch, dass Leute, die weit kommen, im Schnitt auch hart arbeiten und sich ihren Abschluss nicht ersessen oder per Gesetz zugesichert bekommen haben (das ist eine Anspielung auf eine dt. Zeitungsmeldung, in der es um eine Riesendiskussion darüber ging, ob man mit dem Erwerb seines Bachelors automatisch ein Anrecht aufs Masterstudium bekommen soll - ist schon was her).

    Ein guter Teil der Benotung wird auch von den üblichen Dingen wie Essays, Gruppenarbeiten, Laborpraktika ausgemacht, nicht zu vergessen das zweimonatige Forschungsprojekt (im Fall meiner Uni, die Dauer variiert je nach Universität), dessen Ausführung und Zusammenfassung in einem detaillierten Bericht entscheidenen Einfluss auf die Abschlussnote nimmt.
    So praxisfern, wie viele Leute pauschal die molekularbiologischen Studienfächer in England aburteilen, sind sie definitiv nicht. Ja, es gibt kein einjähriges Diplomarbeitsprojekt, was ein super Vorteil für dt. Studierende ist, aber ich kann mir meine Laborerfahrung auch über selbstorganisierte Laborprojekte in den Ferien holen (wird von den Unis auch empfohlen) und trotzdem wissen, was ich tue. Am Ende zählt es, wie sehr man sich für sein Fachgebiet interessiert - man kann sich alles Wissen aneignen und mit ein wenig Hirnschmalz damit auch etwas anfangen.

    Zugegeben, mich nervt die "league table"-Besessenheit in Englands Bildungssystem (ist sowohl in Schulen als auch an Unis so), die wohl eng mit dem Studiensystem verflochten ist und die Unis daher auch Interesse am hervorbringen guter Absolventen haben.
    Am Ende jedoch liegt es am potentiellen Studenten, sich wirklich über die Wunschuni zu informieren (Publikationen, Fördergelder, Persona etc.), oder sich einzig von Zahlenspielereien in Tabellen von Zeitungen beraten zu lassen.

    • Aelita
    • 13.12.2008 um 15:54 Uhr

    Man kann es ja kritisch betrachten, wenn man sich in Deutschland zu sehr an dem anglo-amerikanischem System orientiert. Die Kritik mag ja oft auch berechtigt sein, aber in diesem Fall ist es meiner Ansicht nach nicht.

    Ich hatte mich fuer meinen Studienplatz etwa zeitgleich sowohl an 6 deutschen als auch 6 britischen Hochschulen beworben. In Deutschland musste ich dazu sechs verschiedene "Online-Anmeldungen" mit immer den gleichen Fragen (z.B. Wehrpflicht) ausfuellen, diese dann ausdrucken und per Post der Universitaet zukommen lassen. Technisch waren einige dieser Websites top, andere waren unbenutzbar. Das waere ja noch in Ordnung gewesen, wenn ich denn auch schnell eine Antwort von den Universitaeten erhalten haette und eine Entscheidung treffen koennte. Aber wenn man sich fuer die eine Universitaet bis zum Datum X eingeschrieben haben musste, waehrend man von drei anderen Unis noch nichts gehoert hat, dann geht das nicht wirklich. Nun koennte man ja natuerlich einwenden, dass ich mich ja nur an einer Uni bewerben sollte, aber dann wuerde jede Ablehnung mindestens ein halbes Jahr warten bedeuten. Und spassig wird es auch dann, wenn man nur wenige Tage vor Studienbeginn die Zusage erhaelt. Und solche Sachen sind keine Einzelfaelle, sondern die Regel.

    Entschuldigung, aber das deutsche System ist einfach Murks. Letztendlich bin ich nach Grossbritannien gegangen, nicht nur wegen akademischen Gruenden, sondern auch persoenlichen.

    Die Bewerbung bei UCAS war dagegen deutlich einfacher. Ich musste einmal alle Informationen auf der Website eintragen, und mich fuer die entsprechenden Kurse bewerben. Eine Beschreibung der Uni als auch des Kurses war auch gleich vorhanden und erleichterte auch das Finden von Universitaeten die weniger bekannt waren. Nach einigen Monaten erhielt ich die ersten Zusagen und konnte binnen einer Woche meiner favorisierten Universitaet zusagen. (und gleichzeitig den anderen absagen) Die freien Plaetze konnten so direkt wieder neuverteilt werden. Danach hat dann die Universitaet direkt mit mir kommuniziert und ich hatte genuegend Zeit, mir eine Unterkunft im Studienort zu besorgen und mich auf das Studium vorzubereiten.

    Was die Kritik meiner beiden Vorredner betrifft, so muss ich einwenden, dass ich nicht Einsehe warum deutsche Hochschulkultur so chaotisch (im negativem Sinne) sein muss. Die Bachalor/Master Debatte konnte ich ja noch halbwegs nochvollziehen, aber bei Unibewerbungen, kann ich nichts finden, was fuer das deutsche System spricht. Ich musste genauso immer die gleichen Dokumente einreichen. Ich hatte in keinster Hinsicht das Gefuehl, irgendwie individuell beurteilt zu werden. Der einzige Masststab schien mein Notendurchschnitt zu sein. Angesichts der Flut von Bewerbern mag das ja auch verstaendlich sein. Aber weil ich als deutscher das Abitur im Ausland gemacht hatte, wussten z.B. ein Grossteil der Hochschulen gar nichts mit mir anzufangen. Ich durfte mir eine Zeugnisumschreibung fuer alle 4 Bundeslaender in denen ich mich beworben hatte anfertigen lassen. Inzwischen soll das wohl nicht mehr noetig sein, aber im Berliner Bildungsministerium hat mir eine Angestellte gesagt, dass man die Umschreibung wohl weiterhin benoetigen wuerde, denn viele Universitaeten wissen nicht, wie sie das Originalzeugnis einschaetzen sollen. UCAS akzeptiert, wenn ich mich recht erinnere, sogar das deutsche Abitur.

    Ich kann in dem bestreben, eine Zentrale Anlaufstelle fuer Unibewerbungen einzurichten, nichts schlechtes sehen. Die Verwaltung wird von der Organisation verrichtet und die Universitaeten koennen sich dann darauf konzentrieren, die Bewerber auszuwahelen. Sollten individuelle Bedingungen gestellt werden, so kann das auf dem Profil der jeweiligen Hochschule oder sogar kursspezifisch erwaehnt werden und die Bewerber koennen die benoetigten Unterlagen oder Mappen einreichen oder z.B. zu Interviews gehen. Die Entscheidung wird dann direkt online dem Bewerder mitgeteilt und zwar fruehzeitig, so dass der sich auf das Studium vorbereiten kann. Da der Student auch gleich absagen kann, koennen die Unis auch gleich den Platz neuvergeben, bis zu einem bestimmten Datum, nach dem sich die Studenten, die noch keinen Studienplatz haben, sich dirket fuer freie Plaetze bewerben konnen.

    Aber dafuer muesste man ja Buerokratie abbauen, duerfte weniger Papier hin- und herschieben und die ZVS braeuchte eine Website, die nicht mehr auf dem technischem Stand des vorigen Jahrhunderts ist.

    --
    "We must plan for freedom, and not only for security, if for no other reason than only freedom can make security more secure."

    Sir K. R. Popper

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    • zadi
    • 14.12.2008 um 15:42 Uhr

    Mir will sich das Problem der zentralisierten und gut organisierten Bewerbung via UCAS statt der in Deutschland üblichen Prozedur nicht so ganz erschließen.

    Vor meinem Abitur (2005) habe ich sowohl in England als auch Deutschland nach Studienfächern gesucht, die mich interessierten. Dabei sind mir einige Unterschiede aufgefallen, die ich mal zusammenfasse.

    1. England. UCAS ist, wenn man so will, ein riesiger online-Katalog, in dem _alle_ englischen Universitäten mit ihrem kompletten Kursangebot, Eingangsanforderungen, Lernzielen, Kursstruktur et cetera vertreten sind. Man kann einzelne Institute direkt suchen, oder sich über Überbegriffe, i.e. Molecular Biology, Listen von Kursen anzeigen lassen, und sich die Unis rausfischen, die interessant zu sein scheinen. Hier kann man bereits die erste Auslese treffen, da man sieht, welche Uni sich die Mühe macht, die Sektionen mit Details zu füllen, und welche nur oberflächlich mit Informationen versehen sind.

    Alle Universitäten sind mit Links zu ihrer offiziellen Website eingetragen. Die, die ich angesehen habe, waren ausnahmslos super strukturiert und aufgebaut. Es war klar, wo ich Informationen zum Thema Bachelorstudium finden konnte.
    Beworben habe ich mich an 4 Universitäten über die online-Bewerbung, die bei UCAS ausgefüllt und von dort aus an die Wunschunis versendet wurde. 3 Monate später hatte ich meine Antworten, und wieder einen Monat später war mein Studium unter Dach und Fach. Betreuung war spitze, und mir wurde zum Thema Anerkennung meines Abiturs zügig geholfen, was mich sehr überraschte.
    Die Angebote der Unis kamen unter der Bedingung eines gewissen Abidurchschnitts, und in einem Fall mit einer Einladung zum persönlichen Gespräch.

    2. Deutschland. Ich hatte zu Beginn schon das Problem, das ich mich mit der dt. Hochschullandschaft nicht auskannte, und nur ein paar Unis vom Namen her kannte. Die meisten Unis, die ich mir angesehen habe, hatten katastrophale Websites die mich eher verwirrten statt zur Bewerbung motivierten. Dann sollte ich individuelle Bewerbungsunterlagen für jede potentiell interessante Uni zusammenstellen und bei einigen auch noch in persona zum Zulassungstest erscheinen. Überall war der NC anscheinend das oberste Zulassungskriterium, und ggf. ein individueller Test. Kontaktversuche mit Personal waren größtenteils erfolglos, da viele Mailanfragen unbeantwortet blieben. Mailkontakt ist für mich keine technische Spielerei, sondern ein Standard, den ich von einer guten Universität erwarte.

    Interessanterweise schien es in England kein Problem zu sein, das ich in Mathematik sehr mäßig war und Biologie nur im Grundkurs hatte (ich habe med. Mikrobiologie & Immunologie studiert). In Deutschland hingegen riet man mir in mehreren Fällen von einem Studium der Molekularbiologie ab, da ich offensichtlich nicht geeignet war.
    Heute bin ich immer noch in England, als Doktorand in einem Mikrobiologielabor an einer klasse Uni.

    Meine Darstellung ist stark einseitig, da ich vom englischen System sehr angetan bin und nie in Deutschland studiert habe. Zusammenfassend empfand ich meine Studienplatzsuche in England wesentlich angenehmer, stressfreier und zeitsparender als in Deutschland, da es einfach klar war, wo man die nötigen Informationen herbekommen konnte.
    Was an der angestrebten Vereinfachung des Bewerbungsprozesses in Deutschland so schlimm ist, kann ich da leider nicht verstehen. Vor allem, wenn ich an die bizarren Stories denke, die ich von meinen in Deutschland studierenden Freunden über die letzten Jahre so erzählt bekommen habe.

    Das deutsche Abitur wird übrigens problemlos anerkannt.

    • zadi
    • 14.12.2008 um 15:42 Uhr

    Mir will sich das Problem der zentralisierten und gut organisierten Bewerbung via UCAS statt der in Deutschland üblichen Prozedur nicht so ganz erschließen.

    Vor meinem Abitur (2005) habe ich sowohl in England als auch Deutschland nach Studienfächern gesucht, die mich interessierten. Dabei sind mir einige Unterschiede aufgefallen, die ich mal zusammenfasse.

    1. England. UCAS ist, wenn man so will, ein riesiger online-Katalog, in dem _alle_ englischen Universitäten mit ihrem kompletten Kursangebot, Eingangsanforderungen, Lernzielen, Kursstruktur et cetera vertreten sind. Man kann einzelne Institute direkt suchen, oder sich über Überbegriffe, i.e. Molecular Biology, Listen von Kursen anzeigen lassen, und sich die Unis rausfischen, die interessant zu sein scheinen. Hier kann man bereits die erste Auslese treffen, da man sieht, welche Uni sich die Mühe macht, die Sektionen mit Details zu füllen, und welche nur oberflächlich mit Informationen versehen sind.

    Alle Universitäten sind mit Links zu ihrer offiziellen Website eingetragen. Die, die ich angesehen habe, waren ausnahmslos super strukturiert und aufgebaut. Es war klar, wo ich Informationen zum Thema Bachelorstudium finden konnte.
    Beworben habe ich mich an 4 Universitäten über die online-Bewerbung, die bei UCAS ausgefüllt und von dort aus an die Wunschunis versendet wurde. 3 Monate später hatte ich meine Antworten, und wieder einen Monat später war mein Studium unter Dach und Fach. Betreuung war spitze, und mir wurde zum Thema Anerkennung meines Abiturs zügig geholfen, was mich sehr überraschte.
    Die Angebote der Unis kamen unter der Bedingung eines gewissen Abidurchschnitts, und in einem Fall mit einer Einladung zum persönlichen Gespräch.

    2. Deutschland. Ich hatte zu Beginn schon das Problem, das ich mich mit der dt. Hochschullandschaft nicht auskannte, und nur ein paar Unis vom Namen her kannte. Die meisten Unis, die ich mir angesehen habe, hatten katastrophale Websites die mich eher verwirrten statt zur Bewerbung motivierten. Dann sollte ich individuelle Bewerbungsunterlagen für jede potentiell interessante Uni zusammenstellen und bei einigen auch noch in persona zum Zulassungstest erscheinen. Überall war der NC anscheinend das oberste Zulassungskriterium, und ggf. ein individueller Test. Kontaktversuche mit Personal waren größtenteils erfolglos, da viele Mailanfragen unbeantwortet blieben. Mailkontakt ist für mich keine technische Spielerei, sondern ein Standard, den ich von einer guten Universität erwarte.

    Interessanterweise schien es in England kein Problem zu sein, das ich in Mathematik sehr mäßig war und Biologie nur im Grundkurs hatte (ich habe med. Mikrobiologie & Immunologie studiert). In Deutschland hingegen riet man mir in mehreren Fällen von einem Studium der Molekularbiologie ab, da ich offensichtlich nicht geeignet war.
    Heute bin ich immer noch in England, als Doktorand in einem Mikrobiologielabor an einer klasse Uni.

    Meine Darstellung ist stark einseitig, da ich vom englischen System sehr angetan bin und nie in Deutschland studiert habe. Zusammenfassend empfand ich meine Studienplatzsuche in England wesentlich angenehmer, stressfreier und zeitsparender als in Deutschland, da es einfach klar war, wo man die nötigen Informationen herbekommen konnte.
    Was an der angestrebten Vereinfachung des Bewerbungsprozesses in Deutschland so schlimm ist, kann ich da leider nicht verstehen. Vor allem, wenn ich an die bizarren Stories denke, die ich von meinen in Deutschland studierenden Freunden über die letzten Jahre so erzählt bekommen habe.

    Das deutsche Abitur wird übrigens problemlos anerkannt.

    • Aelita
    • 13.12.2008 um 16:04 Uhr

    Also, als Student an einer britischen Uni, zaehlen zwar die Semesterexamen 50%, dafuer habe ich aber auch andere Semesterarbeiten, wie z.B. Aufsaetze und praktische Arbeiten. (Labs) Genausowenig sehe ich das personal statement als standarisierten Test an, und ich musste auch nicht zu irgendwelchen Assessmentcentern. Von daher kann ich ihre Kritik am britischem System nur schwer nachvollziehen.
    --
    "We must plan for freedom, and not only for security, if for no other reason than only freedom can make security more secure."

    Sir K. R. Popper

    • benbek
    • 13.12.2008 um 16:35 Uhr

    Oja, der Aussagekräftige Abiturdurchschnitt, nicht dass der sich zu weiten Teilen aus subjektiver Notengebung zusammensetzt?
    Wir haben in Deutschland nunmal kein Zentralabitur, deshalb ist es für Universitäten mehr als sinnvoll ihre Bewerber selbst zu testen, da das Abitur bedauerlicherweise im Grunde kein vergleichbarer Maßstab ist.

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    Es gibt sehr wohl ein Zentralabitur in den meisten Bundesländern! Wenn jede Uni ihre Studenten noch einmal zusätzlich selber testet, ist das mit einem großen Aufwand für Unis und Studenten verbunden. Ich weiß nicht ob das so eine gute Idee ist wenn in Deutschland auch alle Jugendlichen Jahre vorher versuchen irgendwelche Uniqualifikationen zu erwerben, die nur zum Sieben geschaffen wurden. Als ob z.B. Empfehlungsschreiben nicht ein bisschen subjektiver sind, als Abiturdurchschnittsnoten.

    ------------------------------------------------------------------------------------------------------
    oída ouk eidós

    Es gibt sehr wohl ein Zentralabitur in den meisten Bundesländern! Wenn jede Uni ihre Studenten noch einmal zusätzlich selber testet, ist das mit einem großen Aufwand für Unis und Studenten verbunden. Ich weiß nicht ob das so eine gute Idee ist wenn in Deutschland auch alle Jugendlichen Jahre vorher versuchen irgendwelche Uniqualifikationen zu erwerben, die nur zum Sieben geschaffen wurden. Als ob z.B. Empfehlungsschreiben nicht ein bisschen subjektiver sind, als Abiturdurchschnittsnoten.

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    oída ouk eidós

  3. Auch wenn an unseren Hochschulen unzweifelhaft Reformbedarf besteht, ist es wirklich traurig zu sehen, wie manche das angelsächsische System zu vergöttern scheinen. Allzuoft wird der falsche Eindruck vermittelt, es herrschten überall die gleichen Zustände wie in Oxford oder Yale.

    Nun: Dem ist nicht so. Und zwar bei weitem nicht.

    Zudem: Die angelsächsischen Eliteinstitutionen haben ihr Personal meist nicht selber ausgebildet, sondern eingekauft. Ich fände es sehr interessant, mal zu sehen wo. Es könnte doch sehr befruchtend sein nachzuforschen, was dort offenbar richtig gemacht worden ist. Nur so als Idee.

  4. Es gibt sehr wohl ein Zentralabitur in den meisten Bundesländern! Wenn jede Uni ihre Studenten noch einmal zusätzlich selber testet, ist das mit einem großen Aufwand für Unis und Studenten verbunden. Ich weiß nicht ob das so eine gute Idee ist wenn in Deutschland auch alle Jugendlichen Jahre vorher versuchen irgendwelche Uniqualifikationen zu erwerben, die nur zum Sieben geschaffen wurden. Als ob z.B. Empfehlungsschreiben nicht ein bisschen subjektiver sind, als Abiturdurchschnittsnoten.

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    oída ouk eidós

    Antwort auf "Auswahlverfahren"

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