Wirtschaftskrise Welch eine traurige Debatte!
Die Finanzkrise birgt die Chance für Veränderungen. Aber nur, wenn man vernünftig darüber redet. Ein Appell

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Es ist Zeit für ein neues Finanzsystem, aber auch für einen neuen Stil der Auseinandersetzung und eine neue Sprache
Die Tage, in denen Deutschland das Rettungspaket für seine Banken schnürte, in denen Regierungen in aller Welt die größten Brände im Finanzsystem löschten – es waren besondere Tage. Topmanager warfen alte Grundsätze über Bord. Politiker jeder Couleur ließen Reflexe hinter sich, von denen wir Bürger dachten, sie wären ihnen für alle Zeiten in Fleisch und Blut übergegangen. Beamte zimmerten Gesetze, die man ihnen zuvor nie zugetraut hätte. Parlamentarier verabschiedeten binnen Tagen, was sonst Monate gedauert, nein, was sonst nie den Hauch einer Chance gehabt hätte. Länder, die zuvor tief zerstritten waren, stimmten sich international ab.
Jene Zeiten, die wir normal zu nennen pflegten, schienen Jahre zurückzuliegen, und doch waren es nur wenige Tage und Wochen.
Jene Zeiten scheinen zurück. Schneller als gedacht. »Dann sah Montag zu, wie der Staub sich setzte und eine große Stille sich auf ihre Welt herabsenkte«, heißt es in Ray Bradburys Buch Fahrenheit 451. Die Stille – sie währte nur kurz.
Zuerst kamen die schrillen Töne. Im Oktober schämte sich Josef Ackermann. Peter Sodann, Präsidentschaftskandidat der Linken, wünschte Ackermann in Haft zu sehen. Und Hans-Werner Sinn vom ifo-Institut in München sagte, dass deutsche Manager Sündenböcke seien wie einst die Juden im »Dritten Reich«. Es folgten die Schuldzuweisungen. Das Gerede von der »Gier der Banker«. Die Hinweise von Managern auf Versäumnisse von Aufsehern und Regierungen. Am Ende stand der Rückzug auf alte Frontlinien: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte, die Banken verhielten sich »wie Kaltblüter im Winter – sie bewegen sich nicht«; bei den Banken selbst ist Murren wieder en vogue,ja, selbst die Warnungen vor zu viel Regulierung sind schon wieder zurückgekehrt. Chapeau!
Welch traurige Debatte. »Nicht satisfaktionsfähig«, so hätte man zahlreiche Akteure in früheren Epochen genannt. Kaum sind die Tage der allerhöchsten Not vorbei, greifen sie wieder auf die üblichen Sprachschablonen und Denkmuster zurück. Zusammen drohen alle Lager damit zu verspielen, was die Finanzkrise an Gutem barg – und immer noch birgt. Für einen Moment war der Blick auf unser Gegenüber ein neuer, denn unsere Augen hatten in den Abgrund gesehen.
Die Finanzkrise ist auch ein Moment der Demut. Der Befreiung. Sie birgt die Chance, die eingefahrenen Muster im Diskurs und im Verhalten hinter uns zu lassen. Eigentlich.
»Nicht mit dem Finger auf andere zeigen«, mahnt der Präsident
Was geschehen ist, rührt an die alte, allzu menschliche Hoffnung, dass tradiertes Lagerdenken überwunden werden kann. Dass Ritualpolitik und aufgeregte Scheindebatten enden und die Handelnden zu einer neuen Geschichte finden, die wir uns als Gesellschaft erzählen können. Es geht um Streit statt um die Inszenierung von Streit, um sachliche Argumente statt um persönliche Attacken, um die Abkehr vom Zynismus in Debatte und Demokratie.
Anders als in den USA bleibt dieser Wunsch hierzulande leider unerfüllt. Seit Jahren leidet Deutschland an einem Zuviel von Reflexen im Diskurs über ökonomische Fragen und über das Verhältnis von Managern und Bürgern. Sich davon zu befreien, uns wie unser Gegenüber als bemüht und fehlbar zugleich zu erkennen, das ist die Chance und Herausforderung, die die Finanzkrise eben auch darstellt.
Die Dramatik, aber auch das ganze Potenzial der Finanzkrise wurden in dem Moment offenbar, in dem gestandene Vorstände zugaben, das Geschehen nicht mehr im Griff zu haben. In dem Aufseher erkennen ließen, dass selbst sie von Ängsten geplagt waren. In dem Politiker gestanden, dass sie höchstens ansatzweise begriffen, was vor sich ging. »Wann haben wir denn schon mal den Mut zu sagen: Das weiß ich jetzt auch noch nicht?« So spielte SPD-Chef Franz Müntefering jüngst kritisch auf das Omnipotenzgebaren der Politik an, doch für Manager gelten diese Worte ebenso – wie auch für Journalisten, deren Analysen, wenn sie ehrlich sind, zuletzt häufig nur Halbwertszeiten von wenigen Stunden hatten. Auch jetzt gilt: Wir alle haben noch längst nicht alles verstanden, was vor sich geht und vor allem – warum.
Verlangt in einer solchen Situation zu viel, wer sich als Steuerzahler von Finanzmanagern mehr wünscht als nur ein »TutunsleidDankefürdieHilfeJetztistaberauchgut«? Etwa detaillierte, selbstkritische Berichte über die Entscheidungen des eigenen Hauses statt des vagen Eingeständnisses, Fehler begangen zu haben? Oder Erklärungen, welche Lehren sie ziehen, ganz konkret, ganz persönlich? Stattdessen gab es zuletzt wieder Interviews in patzigem Grundton.
Ist es anderseits übertrieben, manche Politikerworte aus den vergangenen Wochen als unnötig inquisitorisch einzustufen? Oder Forderungen, die Banker möchten ihre Schuld eingestehen, als allzu pauschalisierend? Zumal Politiker und staatliche Institutionen selbst einen Teil der Schuld tragen. Vom Versagen der öffentlichen Landesbanken mal ganz zu schweigen.
Übersteigt es schon das Maß des Vorstellbaren, wenn man hofft, dass Politiker wie Manager sich angesichts dieser historischen Krise fürs Erste einfach nur gegenseitig ihre Geschichte erzählen? Im Zwiegespräch, über die Medien, den gesellschaftlichen Diskurs? Ehrlich, bescheiden, offen?
»Lassen Sie auch bitte die Phase hinter sich, in der Sie mit dem Finger auf andere Leute zeigen«, sagte Bundespräsident Horst Köhler kürzlich in einer Rede vor Deutschlands Topbankern. Er fand klare Worte, die auch Politiker, Aufseher, Anleger und Medien beherzigen sollten. Er sprach von Verantwortung, Anstand und der Notwendigkeit einer unvoreingenommenen Aufarbeitung.
Wer direkt zur Tagesordnung übergeht und wieder auf seinen eigenen Vorteil aus ist, hat nichts verstanden. Wer den anderen in die Ecke drängt, kann nicht erwarten, dass dieser sein Tun hinterfragt oder offene Flanken bloßlegt. Wer von einer Diskussion erkennbar nur die Bestätigung der eigenen Position erhofft statt die Bewältigung eines Problems, beschwört die nächste Krise schon herauf. Und wie die Medien in den Tagen nach Verabschiedung des Rettungspakets drängend fragten, wer es in Anspruch nehmen würde, war absurd. Als ob eine Bank für diese Entscheidung nicht ein wenig Zeit bräuchte. Als ob sich der Erfolg des Pakets nicht erst in Monaten, ja vielleicht erst in Jahren feststellen ließe. Gemach!
Miteinander zu reden statt übereinander, Fehlentwicklungen zu verstehen, statt sofort aktionistisch Konsequenzen zu fordern, also den ersten Schritt vor dem zweiten zu machen: Seit Jahren sind das fromme Wünsche. Doch wann, wenn nicht jetzt, ist der Moment dafür?
Ja, manchen Managern fehlt das Vorstellungsvermögen, »dass es Familien gibt, die von 1.000 Euro leben müssen« – Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat recht. Anderen in der Wirtschaft fehlt jede Gabe, aus der Logik ihrer börsengetriebenen Welt herauszutreten. Viele scheinen kaum mehr in der Lage, die Leerformeln und Anglizismen abzulegen, die aus ihren Sätzen Schutzmauern machen. Die Paranoia in vielen Führungsetagen verwundert. So wie finanzielle Rundum-Sorglos-Pakete mancher Manager und Banker wütend machen.
Doch derlei Extreme zum Normalfall erklären? Den Dialog, der in Hintergrundzirkeln oder einzelnen Interviews einen fragilen Neuanfang zu nehmen versprach, schon wieder abbrechen? Wer mit Vorständen und Aufsichtsräten spricht, lernt mitunter eitle, oft aber auch verantwortungsbewusste Manager kennen. Wer sich einmal die Mühe macht, mit Finanzinvestoren zu reden, findet Zahlenjongleure vor, aber auch Familienväter und unternehmerische Geister. Menschen, um es kurz zu sagen. Aus der Ferne lassen sich leicht Vorwürfe erheben, es ginge ihnen immer nur um die Rendite. Aus der Nähe fällt das meist schwerer. Aber ach, Nähe. Wer den direkten Austausch meidet und sich um Details nicht schert, kann seine Position umso vehementer vertreten. Kein Blick in die Augen des anderen stört. Differenzierung ist nicht sexy.
Maßlos! Abzocker! Heuschrecken! – wem ist mit solchen Titulierungen geholfen? Ahnungslos! Populisten! Wirtschaftsfeinde! – geht es auch eine Nummer kleiner? Wer leisere Worte wählt, zeigt Größe, denn er lässt die Erkenntnis durchschimmern, dass in jedem Gegenüber, wie in ihm selbst, die Möglichkeit zu irren steckt und der Wille zum Guten. Die Ansichten über den richtigen Weg mögen auseinanderfallen, das Urteil über Entscheidungen mag differieren. Dem anderen jedoch die gute Absicht abzusprechen und finstere Motive zu unterstellen ist in aller Regel anmaßend. Etwas mehr Respekt, bitte!
Im öffentlichen Diskurs geht es ums Rechthaben, weniger ums Verstehen
Gleiches gilt für den Streit über wirtschaftspolitische Ziele und ökonomische Konzepte. Und doch stockte zuletzt vielen schnell der Atem, etwa als das Wort »Konjunkturprogramm« fiel – so als stünde Graf Zahl neben ihnen: »Pssst, nicht so laut!« Schnell waren wieder Begriffe wie »neoliberal« oder »keynesianisch« ausgetauscht. Begriffe, die eine Diskussion automatisch ins Bekennerische abgleiten lassen und sich oft aus dem Wunsch speisen, über den Gegner zu triumphieren oder, besser noch, ihm das Eingeständnis seines Scheiterns abzuringen. Der öffentliche Diskurs in Deutschland – das ist noch immer vor allem ein Kampf der Ideologen, kein Aufruf zum Denken. Bis heute ist er geprägt weniger vom Ton des Suchens als vom Ton der Rechthaberei.
Ich bin es leid!, möchte man ausrufen. Spätestens jetzt. Während hierzulande alles sofort zur Grundsatzfrage gerinnt, gehen erzliberale Länder wie England und die USA die Krise pragmatisch an. Im Wissen, dass derzeit nur Lösungen jenseits der Orthodoxien weiterhelfen – und ohne aus den Lösungen gleich neue Orthodoxien abzuleiten.
Es hat Symbolkraft, dass der diesjährige Nobelpreis für Ökonomie an Paul Krugman aus den USA ging. Er ist ein Denker, der Dogmen möglichst meidet. Einer, der im Grundsatz das Marktprinzip hochhält, im Einzelfall aber auch dessen Scheitern konstatieren kann. Vorurteilslos hinzuschauen, die Fakten zu prüfen, mit Verve, aber fair zu streiten, um dann pragmatisch den besten Weg zu wählen und Probleme zu lösen – es ist auch eine Kultur der Debatte, die mit der Preisverleihung an Krugman in dieser Woche ausgezeichnet wurde. Eine Kultur, die Deutschland häufig abgeht. Großer Staat, kleiner Staat, ein Dazwischen gibt es für viele nicht.
Es ist Zeit für ein neues Finanzsystem, aber auch für einen neuen Stil der Auseinandersetzung und eine neue Sprache.
Hoffnungsfroh stimmt, dass die Bürger seit der Zuspitzung der Krise im September Ruhe bewahrt haben. Es ermutigt, wie die Mitarbeiter der BayernLB im Oktober für ihren Vorstandschef und damit gegen die gängige Opferlogik der Parteien demonstrierten. Es zeugt von Gespür, dass im November die Finanzplatzgala in Frankfurt ausfiel. Banker, Politiker und Ökonomen sollten sich an derlei Beispiele halten, so auch, wenn sie am Sonntag im Kanzleramt zum Krisengipfel kommen. Sie sollten sich an die Tage höchster Not erinnern. Am Abgrund stehen wir noch immer. Vieles ist zerstört, doch Zerstörung öffnet Wege, ganz im Sinne Walter Benjamins. Die Welt, wie wir sie kannten, ist zerbrochen. Setzen wir sie neu zusammen.
- Datum 04.05.2009 - 10:59 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 11.12.2008 Nr. 51
- Kommentare 8
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Ihre in den Artikel eingeflossenen Einschätzungen zur Lage kann ich nur teils nachvollziehen.
Ihr Aufruf zu Gesprächskultur, Denken und pragmatischer Herangehensweise ohne ideologische Scheuklappen ist einer der besten und sinnvollsten Beiträge, welche ich bisher zum Thema las.
dito. bin ich auch.
wo und wann aber beginnt der gesellschaftliche diskurs?
wo ist die bereitschaft, auch der medien, sich darauf (gerade auch in dieser zeit, wo es doch auch bei jenen daum geht, dass einzelne angst um ihren arbeitsplatz haben) einzulassen?
wo ist der wunsch, diesen auf eine breite basis zu stellen?
nochmals muss ich darauf hinweisen: die öffnung der universitäten in island für die arbeitslosen zum beispiel finde ich hervorragend!
aber warum geht das hier nicht?
immer noch, da geb ich ihnen zustimmung, versucht jeder sein eigenes süppchen zu kochen, anstatt sich mit dem anderen (in jedweder form) auseinander zu setzen.
also: wo denken sie, kann dieser notwendige diskurs und entwurf gelingen?
und zwar mit einbeziehung aller interessierten?
und vor allem: wo, ohne eben die ideologischen schranken und hoffnung des besitzstandwahrens?
so viele qualifizierte menschen sind arbeitslos oder beziehen algII zum beispiel.
das einzige, was von ihnen gefordert wird an geselslcahftlichem engagement sind ein-euro-jobs ... und das wars gewesen? (war nun polemisch, wenn auch ein stückchen wahrheit bei)
.... also wann kommt die plattform bei der zeit, sich zu beteiligen? regional oder auch überregional?
dass es sowas bedarf, denk ich ist in unserem land leider traurige realität ...
grüsse
vom doof
der nur ein kleines Problem ausspart - die Realität! Aus den anfangs schwungvollen Aktionen (oder Absichtserklärungen) der Regierungen, verbunden mit ungewöhnlichen Forderungen an die (Finanz-) Wirtschaft sind binnen weniger Tage doch wieder die alten Rituale geworden. Statt verbindlichen Regeln oder Forderungen zu folgen, bietet man gestern schon wieder die freiwillige Selbstverpflichtung an- gebet Geld und lasst uns machen!
Es scheint als noch nicht die große Katastrofe zu sein, die zur Richtungsänderung führen könnte. Eher erinnert es an den Schreckschuß unter'm Kirschbaum: die Stare fliegen aufgeregt hoch, flattern ein bischen, um sich dann auf dem gleichen Zweig wieder niederzulassen. Und schon wird die nächste Kirsche angehackt...
Ab und zu fällt mir immer dieser Lehmann- Mitarbeiter ein (Tagesschau), der beim letztmaligen Verlassen der gleichnamigen Bank erklärte, er gehe jetzt für ein Jahr segeln. Und wenn er dann wiederkomme, würde er sicher wieder dringend gebraucht. Damals fand ich das frivol, heute sage ich: kluger Mann, der Lehmann-Mann!
Chance?... Veränderungswille?... Ist es nicht vielmehr so, als dass alle noch halbwegs mächtigen Mächte alles, aber wirklich auch alles dafür tun, dass die alten Verhältnisse so schnell wie möglich hergestellt werden...
... und wenn das nicht geht - womit aus vielen Gründen zu rechnen ist, die keineswegs nur finanz- oder wirtschaftspolitischer Natur sind, sondern folgerichtiger Natur - dann eben so nah und dicht am alten Modell, dass möglichst kaum wieder echte Veränderungen spürbar sind.
Nein, wir sind als Volk, als Menschheit dazu noch lange nicht bereit. VIel zu wenig ist noch passiert, als dass es zu einer echten Chance, einem Umbau genutzt würde. Zu groß die Ängste, die mit einem Umbau einer neuen gerechten (!) Weltordnung zwangsläufig aufkommen und ja auch viele Opfer fordern.
Diese Art von Opfer sind aber keinem Wahlvolk verkaufbar, das im Grunde in der Masse schon auch ähnlich denkt, wie die von ihm gewählten Politiker. Rein menschlich ist es ja auch zu verstehen - aber es wird mehr als nur unschöne Folgen zeitigen.
Ich vermute, dass das derzeitige Fiasko ein erstes ungewolltes, ungeliebtes und dennoch gemeinsam veranstaltetes Kollektivexperiment ist, mit dem wir uns warmlaufen werden. 1-2 Jahrzehnte brauchen wir noch, dann werden uns die echten Veränderungen, die wir auf freiwilliger Basis weltweit verpasst haben, zwangsverordnet: durch unsere eigene Dummheit... Aber man sage nicht, viele weise Menschen hätten nciht seit vielen Jahrzehnten bereits gewarnt... Man sage nicht: wir taten das alles doch aus bester Absicht!
Klaus Töpfer“Unser Welt- Finanzsystem wird gerade mutwillig zerstört!“, „Die Fnanzkrise ist keine Krise, sondern gewollt!“
Lieber Herr Storn,
Sie bringen mit Ihrem Kommentar „Welch eine traurige Debatte“ eine ungeahnt neue Farbe in die Töne der Dauer- Krisen- Karawane.
Vielen Dank!
Was dazu aber einfach nicht zu Ihrem einfühlenden Kommentar passen will, ist die von Klaus Töpfer, landauf, landab, unwidersprochene Feststellung:
Unser Welt- Finanzsystem wird gerade mutwillig von interessierter Seite zerstört! Bei der Finanzkrise geht es um keine Krise, sondern um den global organisierten wie informell vernetzten Willen, unser bestehendes Weltfinanzsystem aus den Angeln gehoben, zur Disposition zu stellen“.-
Warum?, weil aus der gezielt herbeigeführt gefühlten „Finanzkrise“, global & lokal, medial konzertiert forciert in Staaten mit vorhanden intakten steuerfinanzierten Rest- Finanzsystemen, die Bereitschaft wie Pilze aus dem Boden schießt, , ohne Blick für die wachsende staatliche Verschuldung, Rettungsschirme, Konjunkturpakete in Milliarden Valuta Höhe wie „Manna“ vom Himmel regnen zu lassen.
Das wird dramatisch die asymmetrischen Verhältnisse in unserem Weltwirtschafts- . Währungssystem gegenüber Staaten untersteichen, die außerstande sind, solchermaßen hochorganisiert finanzstarke Steuerstaaten mit all seinen ökonomisch regulierenden Systemen vorzuweisen.
Alles das und noch mehr, als ob das vorhandene Weltfinanzsystem vielleicht doch noch aus stürmischer See geborgen, in gesicherten Häfen vor Anker gehen kann!?
Dabei sind, wie Klaus Töpfer sagt, die Würfel der Betreiber des Global- Projekts „Gefühlte Finanzkrise“ längst gefallen “Alea iacta sunt“.
Warum?,
weil sich verschuldete Staaten mit ihren heimischen Globalplayern heute anders als früher nicht direkt über „LOS“ in Szenarien des totalen Krieges begeben, um ihren Gläubigern den zugesagten Schuldentilgungsdienst, die Bedienung ihrer rechtmäßigen Forderungstitel militant verheerend in Bombenstimmung auszutreiben, sondern offensiv auf “Deubel komme heraus“ die Karte des billigen Geldes durch brachiale Geldmengenausweitung, gepaart mit Null- Zins- Politik, spielen.
Die Heraufbeschwörung, Androhung von Kriegs- Szenarien wie „Krieg gegen den Internationalen Terrorismus“ kann dabei helfen durch dramatisch angekurbelte Rüstungsspiralen der unkontrollierten Geldmengenflut eine scheinbar volkswirtschaftliche Gegenleistung vorübergehend trügerisch zu unterlegen!?
Vergessen wir nicht:
“Rettungspakete“, „Konjunkturprogramme“ mitten im vorbeibrechenden Strom von globalen Geldmengenflutungen, entfalten die possierliche Widerstandskraft von losgerissen untergehenden Flößen im nächsten Strudeln in der berstende Ecke des Stromes heransausender Biegung!?
Die Pharaonen bauten Pyramiden als sichtbar furchteinflößende Schuldenbergmassive, die vorbeiziehenden Nomadenvölker abzuschrecken.
Den baulichen wie finanziellen Aufwand von Pyramiden wollen wir uns heute nicht mehr leisten.
Wir leisten uns direkte Schuldenberge, ohne baulichen noch architektonischen Sinn und Verstand, die sichtbar noch demografisch bis ins siebte Glied kommender Generationen Zeugnis von unserem finanzpolitischen Unvermögen, mitten in blühenden Vermögenslandschaften, Steueroasen in Liechtenstein, die Schweiz, die Insel Jersey, Bahamas, Vatikanstaat u. u. ablegen?
Joachim Petrick
Es ist schon traurig. Deutschland zählt zu den reichsten Ländern der Welt. Es wird weitgehend von Umweltkatastrophen verschont, verfügt über eine hervorragende Infrastruktur (klar, verbesserungswürdig, aber trotz allem hervorragend), es muss niemand in diesem Land hungern, den Bürgern mangeld es praktisch an nichts, was man zum Überleben und Leben braucht und trotzdem hat man den Eindruck, dieses Land wird gerade in die Steinzeit zurück gebombt.
Die glücklichsten Menschen leben in den ärmsten Ländern der Welt und die unglücklichsten Menschen scheinen in den reichsten Ländern der Welt zu leben. Und das alles, weil ihnen eventuell vorrübergehend das dritte Handy, der zweite Flatscreen und der vierte iPod aufgrund einer vorrübergehenden Rezession versagt bleiben wird. Denn eines dürfte wohl sonnenklar sein. Diese Krise wird genauso vorbei gehen wie alle anderen Krisen und der nächste Aufschwung kommt bestimmt. Nur wird dieser in diesem Land grundsätzlich kleiner geredet als er ist und die Krise monströser geredet als sie ist. Da haben allerdings auch die Medien ihren Teil beigetragen, denn schlechte Nachrichten scheinen sich immer noch besser zu verkaufen als gute Nachrichten.
Schöner Artikel. Aber solange wie z.B. Steueroasen geduldet werden, wird der Normalbürger keine Lösungsansäntze von diesen Brandstiftern abkaufen, die jetzt Feuewehr (vor)spielen.
Richtig ist, die Krise ist da – ob gewollt oder nicht -, und die Schäden sind unübersehbar. Aber die, die diese Krise auch persönlich mit zu verantworten haben (gleich ob in Form „freier“ Handlungen, oder einfach nur ob des „Herdentriebs“) haben in aller Regel für sich vorgesorgt. 500 Millionen an Vermögen gehen halt auch in der schlimmsten Krise nicht so leicht flöten. Man kann eine Zeit lang damit noch ganz gut leben. Die Massen aber, die, die niemals auch nur den geringsten Einfluss auf das Geschehen hatten, außer vielleicht, dass sie als Agenten auf dem inneren Markt ebenso Marktidioten waren, sein mussten und weiterhin sind, sind nicht nur die Hauptverlierer, sondern auch die schnellsten Verlierer: was sind noch in einem solchen Spektakel 10000 oder 20000 Euro wert, von den Altersrücklagen mal ganz zu schweigen.
Der Diskurs, der hier so scheinheilig (oder auch naiv) eingefordert wird, möchte über diesen Unterschied, der im Wesen einen Klassenunterschied markiert, hinwegreden. Hinzu kommt, dass die Krise diese Klassenunterschiede weiß Gott nicht nivelliert - wenn es auch manchmal so aussieht, wenn da Millionäre (- die kleineren -) Pleite machen -, sondern eher diese noch verstärkt.
„Abschotten!“ - heißt die Devise, „für sich sorgen“, möglichst das Elend der Massen eben nicht wahrnehmen – oder nehmen wir etwa das Elend der Hungernden auf dieser Welt emphatisch wahr? Wir sind doch glücklich, dass wir im „Westen“ noch mal gerade davon gekommen sind. Fürs Erste zumindest.
In Afrika oder selbst in China wird diese Krise weitere Millionen Menschenleben kosten!
Solidarität hingegen wäre möglich, aber nur die unter den Betroffenen, den Betroffenen in materieller Hinsicht, wie den davon auch geistig Berührten. Das ist aber kein Diskurs über die Klassengrenzen hinweg, Grenzen, die in Deutschland – zumindest gefühlt – besonders schroff sind.
Haben wir nicht erst kürzlich Studiengebühren verordnet bekommen? Werden damit nicht gerade die Wege zu einer sicheren Zukunft nur für die Reichen und damit Glücklichen geebnet? – Pisa hin, Pisa her! – über alle Krisen hinweg?
Das ist die Realität, über die müssen wir reden, darüber streiten, deswegen kämpfen! Sollte sich daraus ein Diskurs entwickeln, mit einzelnen vielleicht ganz vernünftigen Elementen aus den Reihen der Herrschenden, sollte das nicht schaden, vorausgesetzt, sie sind nicht die Agenten dieser Klasse, die sich in die Massenbewegungen, die jetzt überall entstehen – Griechenland macht vielleicht gerade den Anfang -, einzuschmuggeln gedenken.
Und die Tageszeitungen, die Medien, die, die von dieser Krise sehr hart betroffen sein werden, sollten darüber nachdenken, welchen Weg sie gehen wollen, den des Organisators vielleicht gar eines Diskurses unter den Massen (nur keine Sorge: das Zentralorgan einer Kommunistischen Partei können sie ehe nicht ersetzen), oder weiterhin den Saboteur einer solchen.
Wir werden das erkennen, an den Beiträgen, die sie schreiben, oder noch vielmehr an denen, die sie nicht schreiben, der Zensur wegen – der vorauseilenden wie der im Nachhinein. Letztere träfe vor allem die Leserschaft, die aktive, die schreibende.
Am Ende dieser Krise, die meiner Einschätzung nach eine sehr lang andauernde sein werden wird – wenn sie denn enden sollte (sie wird vielleicht mindestens so lange dauern, wie sie vorbereitet wurde! – also 7 bis 50 Jahre) -, wird es jede Menge arbeitslose Journalisten geben. Sie sollten heute schon darüber nachdenken, in welchen Reihen sie dann kämpfen.
Von ihrer Arbeit leben, tun ehe nur noch die wenigsten, die Chefredakteure, die Ressortleiter und so manch Altgedienter, sehr wahrscheinlich, und natürlich die Konzernmanager, die nicht selten Investmentunternehmer sind, also genau die…na ja, wir haben sie oben beschrieben. Der Rest gehört längst schon zum „Prekariat“, einer Reserve des Proletariats, sie (Sie!) wissen es vielleicht nur noch nicht.
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