Helmut Schmidt zum 90. Mit der Leidenschaft zur Vernunft

Früh bildete sich Helmut Schmidt zum politischen Allroundtalent. Als Kanzler gab er den Deutschen Orientierung in schwieriger Zeit

Sportlich: Helmut Schmidt als Fraktionsvorsitzender der SPD  beim Bundeskongress der Jungsozialisten 1968 in Frankfurt am Main

Sportlich: Helmut Schmidt als Fraktionsvorsitzender der SPD beim Bundeskongress der Jungsozialisten 1968 in Frankfurt am Main

Eigentlich hatte Helmut Schmidt geglaubt, in der Politik habe er das »Ende der Fahnenstange« erreicht. Ernsthaft ging er mit dem Gedanken um, sich in der Wirtschaft einen führenden Posten zu suchen. Dem Economist sagte er im März 1974: »Mein Sinnen ist nicht mehr auf Avancement gerichtet.« Acht Wochen danach schwor er als fünfter Bundeskanzler seinen Amtseid.

Inzwischen war die Guillaume-Affäre losgebrochen, waren auch Willy Brandts Frauengeschichten ruchbar geworden. Wie kaum ein anderer hatte Schmidt versucht, Brandt auf dem Kanzlerposten zu halten. Einmal brüllte er ihn sogar an: »Wegen dieser Lappalien kann ein Bundeskanzler sein Amt nicht aufgeben!« Später bekundete er einmal: »Ich wollte dieses Amt nicht. Ich hatte Angst davor.« Aber Brandt war der Rücktritt nicht auszureden. So ließ sich Schmidt in die Pflicht nehmen. Niemand merkte ihm seine Ängste an, als er am 16. Mai 1974 die Eidesformel sprach.

Anzeige

Kein Bundeskanzler vor ihm hatte sein Amt mit einer so breit gefächerten Vorbildung angetreten. Wohl war Schmidt an der Wiege kein politisches Lied gesungen worden; Politik sei nichts für Kinder, fand der Vater. Die Gewaltherrschaft von »Adolf Nazi« – wie Schmidt heute noch gern sagt – war dem Jugendlichen zuwider, doch besaß er keine Idee davon, »wofür ich hätte eintreten sollen«. Im Herbst 1937 wurde er Soldat und blieb es bis zum Kriegsende. Erst in englischer Kriegsgefangenschaft entwickelten sich unter dem Einfluss älterer Kameraden seine »ersten positiven politischen Vorstellungen«; noch im Gefangenenlager wurde er Sozialdemokrat.

Während des Volkswirtschaftsstudiums zog es ihn dann immer tiefer in die Politik. So wurde er 1946 in der Hansestadt Mitgründer des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes; 1947/48 war er sogar SDS-Vorsitzender in der britischen Besatzungszone. Einer seiner Professoren, Karl Schiller, der 1948 Senator für Wirtschaft und Verkehr wurde, holte den jungen Diplomvolkswirt Schmidt im folgenden Jahr als persönlichen Referenten in seine Behörde; 1952 übernahm der 34-Jährige das Amt für Verkehr. Ende September 1952 in Dortmund lieferte er auch seinen ersten Diskussionsbeitrag auf einem SPD-Parteitag. Dabei ging es schon um weit mehr als bloß um Verkehrsthemen, nämlich um Grundsätze der Wirtschaftsordnung; wobei er früh vor einer Defizitwirtschaft warnte und die Genossen ermahnte, nicht mehr zu versprechen, als man durchführen könne. Im Jahr darauf rutschte er über den sechsten Platz auf der Hamburger Landesliste in den Bundestag.

Auch in Bonn galt zunächst den Verkehrsfragen sein Interesse. Bald jedoch mauserte er sich neben Fritz Erler zum Verteidigungsfachmann. Der wortgewandte Streiter wider die Atomrüstung, der er damals war, machte 1958 eine Reserveübung bei der Bundeswehr. Viele seiner Genossen verstörte dies zutiefst. Er erhielt auch umgehend die Quittung: Die SPD-Bundestagsfraktion wählte ihn noch während seiner Übung aus ihrem Vorstand ab, dem er erst knapp ein Jahr angehörte. Aber er ließ sich das Wehrthema nicht vergällen; 1961 erschien sein Werk Verteidigung oder Vergeltung, das ihn mit einem Schlag in die vorderste Reihe der ernst zu nehmenden strategischen Denker des Westens katapultierte.

Das ewige Opponieren war er freilich bald leid. So folgte er nach der Bundestagswahl 1961 einem Ruf seiner Vaterstadt. In seine Zeit als Hamburger Innensenator fiel im Februar 1962 das Ereignis, mit dem er sich ein für allemal in das Bewusstsein der Bundesbürger hob: die Hamburger Flutkatastrophe, die größte seit 1825, die 315 Menschen das Leben kostete und 75000 obdachlos machte. Der Innensenator Schmidt riss damals beherzt das Kommando an sich. Etwas außerhalb der Legalität befahl er 8000 Soldaten der Bundeswehr zum Einsatz und erwirkte bei der Nato die Entsendung einer Hubschrauberflotte zur Rettung der vom Wasser eingeschlossenen Menschen. Der »Macher« gab den Deutschen eine erste Probe seines Könnens, eine Demonstration seiner Tatkraft, Umsicht und Entschlossenheit. Im Herbst 1965 kehrte er wieder in den Bundestag zurück.

Als 1966 die Große Koalition gebildet wurde, bekam Schmidt zum ersten Mal ein Ministerium angeboten: das Verkehrsressort. Er lehnte ab und wählte die Arbeit in der Fraktion, deren Führung er für den schwerkranken Fritz Erler als amtierender Vorsitzender übernahm; nach dem Tod Erlers im Februar 1967 rückte er dann an dessen Stelle. Im Tandem mit Rainer Barzel, dem CDU-Fraktionsvorsitzenden, lernte er die Leitung des parlamentarischen Geschäfts: diskutieren, Meinungen zusammenführen, entscheiden, dann die Entscheidung auf den vorgeschriebenen Vollzugsweg bringen. Der Verkehrsexperte, Wehrexperte, Katastrophenspezialist bildete sich zum Allroundpolitiker, der auf vielen Feldern zu Hause war und sich mit der Sachkunde immer zugleich Urteilskriterien, Maßstäbe und Überzeugungen erwarb.

Dann kamen, nach dem »Machtwechsel« von 1969, die Bonner Ministerjahre – auch sie politische Lehr- und Wanderjahre. Fast drei Jahre lang wirkte Schmidt als Verteidigungsminister, danach beinahe zwei Jahre lang als Finanzminister, fünf Monate davon gleichzeitig als Wirtschaftsminister.

Auf der Hardthöhe musste er zunächst einmal die unter seinem Vorgänger ins Konservativ-Kommissige abgeglittene Generalität zurechtstutzen, die den Leitbildern der Inneren Führung und des »Staatsbürgers in Uniform« den Rücken kehren wollte. Zugleich hatte er sich mit aufmüpfigen Leutnants und Hauptleuten herumzuschlagen. Vor allem jedoch trieb er die von seinem Planungsstab organisierte »kritische Bestandsaufnahme der Bundeswehr« voran, eine groß angelegte Selbsterforschung des neuen Militärs, die im Weißbuch 1970 ihren Niederschlag fand. Kernaussagen: Der Frieden ist der Ernstfall; die Innere Führung ist keine »Maske«, die man ablegen kann, sondern der Wesenskern der Bundeswehr; die Schule der Armee ist die Nation, nicht umgekehrt. Wie alle Verteidigungsminister nach ihm musste sich Schmidt in puncto Bundeswehrfinanzierung gegen die Kürzungsversuche des Finanzministers – seinerzeit sein früherer Chef Karl Schiller – heftig zur Wehr setzen. Er tat dies auch, um sich den finanziellen Spielraum für die Bundeswehrhochschulen zu erhalten, die vielleicht das nachhaltigste Reformwerk des Verteidigungsministers Schmidt sind.

Gefordert sah er sich auch auf dem Felde der Nato-Verteidigungsstrategie. Als Erstes erwirkte er bei seinem amerikanischen Kollegen Melvin Laird, dass der Plan aufgegeben wurde, entlang der Zonengrenzen einen Gürtel von Atomminen zu verlegen, die bei einem sowjetischen Angriff gleichsam automatisch hochgehen sollten; eine große Anzahl lagerte bereits in grenznahen Bunkern. Ebenso drängte er auf ein Bonner Veto beim Einsatz taktischer Atomwaffen von deutschem Boden aus oder auf deutsche Ziele hin – am Ende schwieriger Verhandlungen mit Erfolg. Zugleich stand er als Verfechter einer Politik des Gleichgewichts Pate bei der Anbahnung von Ost-West-Gesprächen über einen beiderseitigen ausgewogenen Truppenabbau – den späteren MBFR - Verhandlungen (Mutual Balanced Force Reductions).

Mitte 1972 trat Karl Schiller nach längeren Querelen im Kabinett als Bundesminister für Wirtschaft und Finanzen zurück. Helmut Schmidt musste in die Bresche springen. Nun ging es um den Dollar, dessen Abwertung und die Folgen; um Beschäftigung und die Bekämpfung der Inflation; um Steuern und Abschreibungen; schließlich um die Energiesicherheit nach der Ölpreisexplosion im Herbst 1973. In dieser Zeit knüpfte er auch jene freundschaftliche Beziehung zu seinem französischen Kollegen Valéry Giscard d’Estaing an, die über die Zwischenstation des Europäischen Währungssystems schließlich zur Europäischen Währungsunion führte.

Im Mai 1974 war Helmut Schmidts Vorbereitungszeit zu Ende. Er hatte als kleiner Verwaltungsbediensteter begonnen und danach große Behörden zusammengeschweißt; er hatte die SPD-Bundestagsfraktion aus der Warte des parlamentarischen Neulings kennengelernt und war ihr Vorsitzender gewesen; zuletzt hatte er zwei große Ressorts der Bundesregierung geleitet. Sicherheits- und Außenpolitik, Wirtschaftspolitik und Währungspolitik waren ihm gleichermaßen vertraut. Auf der Weltbühne bewegte er sich mit der gleichen Selbstverständlichkeit wie auf der Bonner Bühne; er kannte die entscheidenden Akteure. Dazu kamen sein eiserner Wille, strenge Selbstdisziplin und ein tiefes Pflichtgefühl. Er war reif für die Kanzlerschaft.

Sein Ausgangspunkt war schwieriger als der seiner Vorgänger. Das Zeitalter der Architektonik war zu Ende. Die wesentlichen außenpolitischen Strukturen standen. Konrad Adenauer hatte das westliche Deutschland erst in den Rahmen des europäischen Einigungswerkes eingepasst, dann in das Atlantische Bündnis. Der deutsch-französischen Versöhnung fügte er den deutsch-israelischen Wiedergutmachungsvertrag an. Im Inneren stellte Ludwig Erhard die Anfänge des heutigen Sozialstaates auf das Fundament einer marktwirtschaftlichen Ordnung, deren Leistungsfähigkeit jahrzehntelang in der Welt Neid und Bewunderung erregte. Willy Brandt fügte dann in das Kontinuitätsgeflecht westdeutscher Außenpolitik die zweite Determinante ein: das Streben nach Kontakt mit der DDR und Osteuropa, nach Kooperation, wo immer die kommunistische Welt dazu bereit war.

Ursprünglich hatte Helmut Schmidt Architekt und Städteplaner werden wollen; die politische Baumeisterei hätte ihm gelegen. Aber die Zeit, in der er als Kanzler antrat, und die Welt, die er vorfand, forderten etwas ganz anderes: Krisenmanagement. Die Ölkrise vom Herbst 1973 hatte die Szenerie von Grund auf verändert. Eine Epoche war abrupt zu Ende gegangen, in der billige Energie stets im Überfluss vorhanden war. Die Vervierfachung des Erdölpreises binnen weniger Wochen warf schwierigste Probleme für die Volkswirtschaften der demokratischen Industriestaaten auf.

Zugleich begann deutlich zu werden, dass die Entspannungspolitik der zurückliegenden Jahre auf schütterem Boden ruhte. Gewiss, der europäische Modus Vivendi, wie er in den Verträgen der frühen Siebziger seinen Niederschlag gefunden hatte, stand nicht zur Disposition; in der finnischen Hauptstadt arbeiteten die Vertreter von 35 Nationen daran, ihn in der »Schlussakte von Helsinki«, die dann im Sommer 1975 feierlich unterzeichnet wurde, auf ein noch breiteres vertragliches Fundament zu stellen. Aber zugleich wurde an den fernen Horizonten der Dritten Welt neues Wetterleuchten sichtbar. An der Peripherie dauerte die Rivalität der Supermächte unvermindert fort. Bald schon wurde auch allen Einsichtigen klar, dass sich das Wettrüsten der Atomgiganten nach ihrem ersten Rüstungsbegrenzungsabkommen, dem Salt-I-Vertrag (Strategic Arms Limitation Talks) von 1972, lediglich von der quantitativen auf die qualitative Ebene verlagerte; der Frieden wurde nicht sicherer.

Unter diesen Umständen musste Helmut Schmidt allen Baumeister-Ehrgeiz beiseiteschieben und sich ganz aufs Bewahren, Zusammenhalten, Stützen und Stabilisieren verlegen. »Konzentration und Kontinuität« war seine erste Regierungserklärung überschrieben, »Das Erreichte sichern« die zweite (1976), »Mut zur Zukunft« die dritte (1980).

Vier Themen zogen sich bestimmend durch Schmidts ganze Kanzlerschaft: die Wirtschaftskrise; das Ost-West-Verhältnis; die Atomrüstung; der Kampf gegen den RAF-Terror. Als ökonomischer Vordenker seiner Partei hatte Schmidt postuliert, eine erfolgreiche Gesellschaftspolitik setze stetiges Wirtschaftswachstum voraus. Doch während seiner Kanzlerschaft blieb das Wachstum zeitweise aus; in manchen Jahren schrumpfte das Bruttosozialprodukt sogar. Die beiden Ölkrisen von 1973/74 und 1979/80 erschütterten nicht nur die westdeutsche Ökonomie, sondern das ganze Weltwirtschaftssystem. Überall schossen die Inflationsraten in die Höhe, wuchsen die Heere der Arbeitslosen, stagnierte die Produktion. Als Schmidt die Regierung übernahm, gab es in der Bundesrepublik 582481 Arbeitslose; bis zum neuerlichen Machtwechsel am 1.Oktober 1982 wuchs die Zahl auf 1,8 Millionen an. Die Inflationsrate, die 1974 den Gipfelpunkt von 7 Prozent erreicht hatte, lag am Ende seiner Regierungszeit bei 5,3 Prozent. Im internationalen Vergleich stand die Bundesrepublik dabei höchst eindrucksvoll da. Fast überall gab es mehr Beschäftigungslose und weit mehr Inflation. Schmidts umsichtige Stabilisierungspolitik, das vorsichtige Zurückschneiden unfinanzierbar gewordener Reformen zahlte sich aus.

Dennoch überkam den Bundeskanzler Schmidt zum Schluss seiner Amtszeit das Gefühl, er habe noch nicht genug an Stabilisierung geleistet, es müsse noch mehr gespart werden, vor allem sei bei der Verschuldung des Bundes das Maß des Erträglichen erreicht (Bundesschulden 1973: 57,1 Milliarden Mark, 1982: 305 Milliarden; Nettokreditaufnahme des Bundes 1973: 2,7 Milliarden, 1982: 37,2 Milliarden). Binnen dreizehn Jahren hatte sich der Anteil der Sozialausgaben von 16 auf 23 Prozent des Bruttosozialprodukts erhöht, die Abgabenquote (Steuern und Sozialbeiträge) von 34 auf 38 Prozent. Gleichzeitig war der Anteil der öffentlichen Investitionen am Gesamthaushalt von 24,5 auf 16,5 Prozent heruntergefahren worden. Eine gemischte Bilanz also. Verständlich, dass Schmidt selbst herbeiführen wollte, was heutzutage »Wende« heißt. Im Juni 1982 las er der SPD-Bundestagsfraktion die Leviten. Auf viel Verständnis traf er nicht. Hätte er auf seiner Sparpolitik beharrt, so wäre er wohl an der eigenen Partei gescheitert und nicht erst an dem Wankelmut des FDP-Koalitionspartners.

Außenpolitisch setzte er die Entspannungspolitik seines Vorgängers fort. Dies zeigte sich in seinem ständigen Bemühen um Honeckers DDR, Giereks Polen und Breschnews Sowjetunion. Allerdings wusste er, dass auf diesem Felde Neues kaum noch zu konstruieren war, sondern dass es nun darauf ankam, die »strikte Einhaltung und volle Anwendung« der Verträge durchzusetzen.

Im Übrigen vertrat Schmidt in Ost wie West mit eindringlicher Beredsamkeit das deutsche Grundinteresse, vermeidbare Konfrontationen zwischen den Blöcken auch tatsächlich zu vermeiden, da dem Ziel eines möglichst problemlosen Nebeneinanders der beiden deutschen Staaten, geschweige denn dem Fernziel ihrer Wiedervereinigung, mit Krisen nicht genützt wäre. Zugleich vertrat er dabei ein gesamteuropäisches Grundinteresse, Konfrontationen zu entschärfen, weil nur auf diese Weise eine gedeihliche Annäherung der Länder und Völker unseres geteilten Kontinents möglich erschien. Das jedoch hieß: Es musste verhindert werden, dass Spannungen von fernen Weltgegenden – zum Beispiel Afghanistan – auf Europa übergriffen. Den Europäern in beiden Lagern wies Schmidt die Aufgabe zu, stets von Neuem mäßigend auf ihre jeweilige Vormacht einzuwirken und bei aller Sorge für die eigene Sicherheit doch auch die Zukunftsperspektive der Zusammenarbeit offenzuhalten – zumal vor und nach Führungswechseln in Washington und Moskau.

In einer Frage allerdings trat Schmidt als Bundeskanzler aus der Deckung heraus: der Frage, wie der Westen auf die sowjetische Mittelstreckenraketen-Rüstung reagieren solle. Die Sowjets hatten mit der Aufstellung der neuen SS-20 begonnen. Der weitere Ausbau ihres Mittelstreckenarsenals beschwor die Entstehung eines eurostrategischen Ungleichgewichts herauf. Im Oktober 1977 hob Schmidt vor dem Londoner International Institute for Strategic Studies das Problem ins Bewusstsein der Weltöffentlichkeit.

Nach vielem Hin und Her trafen sich dann US-Präsident Carter, Frankreichs Staatspräsident Giscard d’Estaing, der britische Premierminister Callaghan und Bundeskanzler Schmidt zu einem Vierergipfel auf der französischen Karibikinsel Guadeloupe. Dort wurde vorformuliert, was in den folgenden elf Monaten zu jenem Doppelbeschluss reifte, den die Nato am 12. Dezember 1979 verabschiedete. In fünf Stationierungsländern sollten 572 neue US-Mittelstreckenwaffen –108 Pershing II und 464 Cruise-Missiles – aufgestellt werden (alle Pershings und 96 Marschflugkörper in der Bundesrepublik). Gleichzeitig jedoch sollten den Sowjets Rüstungskontrollverhandlungen vorgeschlagen werden. Verzichtete Moskau auf die SS-20, würde die westliche Allianz von der Aufstellung der Pershings und Cruise-Missiles Abstand nehmen.

Der Doppelbeschluss signalisierte den Sowjets, dass das Atlantische Bündnis noch handlungs- und beschlussfähig war. Andererseits hatte er einen polarisierenden Effekt in der Bundesrepublik, am stärksten innerhalb der SPD und bei den Grünen. Die Zahl der Zweifler und Gegner nahm zu, je länger der Beginn der Verhandlungen auf sich warten ließ. Erst zwei Jahre nach dem Doppelbeschluss wurden die Gespräche am 30. November 1981 in Genf eröffnet. Danach zogen sie sich endlos hin. Die »Friedensbewegung« im Lande erhielt immer mehr Zulauf. Mutlangen, wo die Amerikaner die ersten Pershing-II-Raketen aufstellten, wurde zum Zentrum vehementen Protestes. Schmidt war schon ein Jahr lang nicht mehr Kanzler, als eine Million Menschen in Bonn gegen die Nachrüstung protestierten, darunter auch Willy Brandt und eine halbe Hundertschaft sozialdemokratischer Bundestagsabgeordneter. Schmidt hatte keine Mehrheit mehr in der eigenen Partei und Fraktion. Wie zuvor in der Wirtschaftspolitik versagten sie ihm auch in der Sicherheitspolitik die Gefolgschaft. Auf dem Kölner Parteitag im November 1983 stützten gerade noch 14 Abgeordnete seine Position.

Die Geschichte hat Helmut Schmidt recht gegeben. Seine Weitsicht, seine Konsequenz zahlten sich aus. Zehn Jahre nach seiner Londoner Rede, vier Jahre nach seinem Sturz widerfuhr ihm die Genugtuung, dass Michail Gorbatschow sich im INF-Vertrag (über die nuklearen Mittelstreckenwaffen, Intermediate Range Nuclear Forces) auf die von Schmidt von allem Anfang an erstrebte »Nulllösung« einließ: Alle SS-20 und alle Pershing-II-Raketen wurden danach abgeschafft. Zum ersten Mal überhaupt wurde damit eine ganze Kategorie von Waffensystemen aus dem Verkehr gezogen.

Der Terrorismus forderte Schmidt von Anbeginn seiner Kanzlerschaft heraus. Zuweilen sah es so aus, als könnte die Rote Armee Fraktion, rekrutiert von Ulrike Meinhof und Andreas Baader, Staat und Gesetz ins Wanken bringen. Die Liste ihrer Untaten ist lang. November 1974: Mord an dem Berliner Kammergerichtspräsidenten von Drenkmann; Februar 1975: Entführung des Berliner CDU-Vorsitzenden Peter Lorenz und Freipressung von fünf Terroristen; April 1975: Überfall auf die Botschaft der Bundesrepublik in Stockholm, zwei Todesopfer; April 1977: Ermordung von Generalbundesanwalt Siegfried Buback; Juli 1977: Mord an Jürgen Ponto, dem Vorstandsvorsitzenden der Dresdner Bank. Und am 5. September 1977 fuhr Hanns Martin Schleyer, Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, in eine Falle: Terroristen erschossen seinen Chauffeur samt drei Polizisten und entführten Schleyer in einem VW Bus.

Sieben Wochen lang hielt die Schleyer-Krise die Bundesrepublik in Atem. Sie spitzte sich dramatisch zu, als am 13. Oktober die Lufthansa-Maschine Landshut mit 82 Passagieren und 5 Besatzungsmitgliedern auf dem Flug Palma–Frankfurt von einem Palästinenserkommando entführt wurde. Harte Unnachgiebigkeit gegenüber den Forderungen der Terroristen bei aller taktischen Flexibilität und Finesse hielt der Kanzler für den einzig möglichen Weg. Aber letztlich war ihm von Anfang an bewusst, dass er durch Handeln wie durch Unterlassung schuldig werden konnte. Als er den Befehl zur Erstürmung der Landshut auf dem Flugplatz der somalischen Hauptstadt Mogadischu gab, wusste er, dass er ein hohes Risiko einging. Es hätte viele Tote geben können. Aber wenn die Regierung in der Doppelkrise hart blieb, musste sie gerade deswegen das Äußerste tun, um das Leben der Geiseln zu retten – danach trachten also, Schleyer und die Lufthansa-Gefangenen gewaltsam zu befreien. Allein in der Aktion – und der Chance ihres Gelingens – lag die moralische Rechtfertigung der Härte.

Das Unternehmen Mogadischu gelang; außer den Gangstern kam niemand bei dem Befreiungscoup des GSG-9-Kommandos zu Schaden. Am 18. Oktober um 0.12 Uhr gab Hans-Jürgen Wischnewski dem Bundeskanzler telefonisch aus Mogadischu durch: »Die Arbeit ist erledigt.« Seine Vertrauten wurden Zeugen, wie Schmidt Tränen in die Augen stiegen. Nur er selber wusste: Wäre das Unternehmen fehlgeschlagen, so hätte ihm niemand seinen sofortigen Rücktritt ausreden können.

Noch lagen schwere Stunden vor ihm. In der Nacht begingen die zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilten Terroristen Baader, Raspe und Ensslin in Stammheim Selbstmord. Tags darauf wurde die Leiche Hanns Martin Schleyers im Kofferraum eines in Mülhausen abgestellten Personenwagens aufgefunden. Dem Sieg von Mogadischu folgte die Niederlage von Mülhausen. Schmidt nahm die Verantwortung auf sich. Er trug nicht leicht daran. Die Schutzpflicht des Staates für den Einzelnen hatte er abzuwägen gehabt gegenüber der Schutzpflicht des Staates für die Gesamtheit aller Bürger. »Unausweichlich befanden wir uns damit im Bereich von Schuld und Versäumnis«, bekannte er vor dem Bundestag.

Als Helmut Schmidt Kanzler wurde, war sein schwarzes Haar noch kaum angegraut; als er aus dem Bundeskanzleramt auszog, war es weiß geworden. Wie Metternich mag er sich als Arzt im großen Weltspital empfunden haben, der das Elend nicht zu steuern vermochte. Er war nicht autoritär wie Adenauer. Er stürmte nicht heilsgewiss voran wie Brandt. Er setzte auf die Vernunft, der er mühsam eine Klientel zu schaffen suchte; ein schwieriges Unterfangen in einer Zeit, in der das Zerbröseln des gesellschaftlichen Konsenses Führung immer schwieriger machte. Aber Schmidt tat seine Pflicht, und er tat sie mit Anstand, Würde und Stil.

Indem er das Werk von Konrad Adenauer und Willy Brandt fortsetzte und umsetzte in Praxis und Alltag, etablierte Schmidt recht eigentlich erst eine bundesrepublikanische Staatsräson und eine fortwirkende Tradition Bonner Regierungshandelns. Was bis dahin parteipolitisch umstritten war, verschmolz unter ihm zu einer erkennbaren und handhabbaren Einheit: Westpolitik und Ostpolitik, Bündnistreue und Nachbarschaftspflege, Verteidigungswille und Abrüstungswille. Und mehr als irgendeiner seiner Vorgänger baute er die Bedürfnisse der westdeutschen Wirtschaftskraft in Bonns weltpolitisches Konzept ein. Helmut Schmidt war ein starker Bundeskanzler. Seine Größe ist von anderer Art als die des ersten und des vierten Kanzlers, weil seine Zeit von anderer Art war. Krisenmanagement verlangte sie, nicht Architektonik. Diesem Gebot unterwarf sich Schmidt, auch wenn er sich vielleicht eine andere Epoche des Wirkens gewünscht hätte.

Auf der Weltbühne vertrat Helmut Schmidt die deutschen und europäischen Interessen mit respektheischender Konsequenz, Eloquenz und Effizienz. Auf der heimischen Bühne versuchte er, auch in schwierigen Zeiten einen Begriff von Rationalität in der Politik aufrechtzuerhalten, der einen Schutzpanzer bot gegen modische Anwandlungen und emotionale Aufwallungen. Dies war wohl seine herausragende Leistung: dass er die Westdeutschen in die Normalität einübte, sie an das Unspektakuläre gewöhnte, ihnen inmitten aller schlimmen Krisen Sinn für Augenmaß und Mitte gab. Seine Maxime war: »In der Politik hat keine Emotion und keine Leidenschaft Platz außer der Leidenschaft zur Vernunft.«

Dieser Leidenschaft hat er auch in dem Vierteljahrhundert gelebt, das seit seinem Ausscheiden aus dem Kanzleramt vergangen ist. Anders als die meisten Exkanzler hat er sich nicht damit begnügt, Memoiren zu schreiben; schon gar nicht hat er sich in Spinnereien und Spintisierereien über die Gründe und Hintergründe seines Sturzes verbissen. Er ist auch »außer Dienst« – so auch der Titel seines jüngsten Buches – politisch aktiv geblieben, meinungsstark und einflussreich.

Einem Angebot des Verlegers Gerd Bucerius folgend, kam er im Mai 1983 als Herausgeber zur ZEIT. Wie Bismarck, der die Journalisten zeitlebens als »Pressebengel« gescholten hatte und der dann nach seiner Entlassung sich ständig in den Hamburger Nachrichten ausließ, hatte Schmidt die Journalisten gern als »Wegelagerer« beschimpft, wechselte dann aber ebenfalls auf die andere Seite der Barrikade: in die Publizistik.

Seit 25 Jahren ist er mittlerweile bei der ZEIT – dreimal so lang, wie er Bundeskanzler war. In diesen 25Jahren hat er rund 250 tragende Artikel geschrieben – zur grand strategy des Westens, zur Europapolitik, zur Bewältigung der Wiedervereinigung, zu Menschenrechten und -pflichten, zu den Fehlentwicklungen des Kapitalismus, den er früh schon »Raubtierkapitalismus« oder »Kasinokapitalismus« nannte. Alle boten sie zugleich Analyse, Orientierungshilfe und Handlungsanweisung. Und alle fanden sie rund um den Globus Beachtung.

Helmut Schmidt hätte des Sockels der ZEIT nicht bedurft, um sichtbar zu bleiben und gehört zu werden. Ihm standen vielerlei andere Plattformen zur Verfügung: das Interaction Council, ein gewichtiger Zusammenschluss ehemaliger Staats- und Regierungschefs; die von ihm gegründete Nationalstiftung; das Kuratorium der ZEIT-Stiftung; die Hamburger Freitagsgesellschaft und die Berliner Neue Mittwochsgesellschaft. Und seine bald 30 Bücher, die alle auf den Bestsellerlisten landeten, erreichten weltweit ein Millionenpublikum.

Mit seinen 90 Jahren ist Helmut Schmidt für viele Menschen im Lande eine vertrauenswürdige Auskunftsperson, ein verlässlicher Ratgeber, ein leuchtendes Vorbild – eine einzigartige Stimme der abwägenden Ratio und des unbestechlichen Urteils. Immer schon war er mehr als ein Parteipolitiker: ein Staatsmann nämlich. Als Elder Statesman ist er über allen Parteien eine politisch-moralische Instanz geworden. Deutschland wäre ärmer ohne ihn.

Theo Sommer, Editor-at-Large, war von 1973 bis 1992 Chefredakteur der ZEIT

Sommers Text wurde veröffentlich im Sonderheft zum Geburtstag des ZEIT-Herausgebers und Ex-Kanzlers . Das Sonderheft ist eine Beilage der aktuellen ZEIT-Ausgabe, seit Donnerstag am Kiosk.

 
Leser-Kommentare
  1. ...., dass die ZEIT alle paar Tage was Nettes über ihren Herausgeber schreibt?
    Ich finde den Mann ja selbst ganz patent und lese auch gerne Zeit. Nur fällt es mir nach solcher Lektüre doch jedesmal etwas schwer, gegen SZ-lesende Freunde zu argumentieren, dass die SZ mir zu unreflektiert Meinung macht. Da wäre weniger wirklich mal mehr.

  2. Der frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt wird am 23. Dezember 90 Jahre alt, also mehr als ein biblisches Alter.Jetzt wo ich dies schreibe, möchte ich mich daran erinnern, dass Helmut Schmidt sich auch sehr für den Frieden im Nahen Osten einsetzte.
    Es lag ihm sehr am Herzen, wie manchen anderen aus verschiedenen Nationen später auch,, diese unentwegt schwärende Wunde des Konflikts zwischen Arabern und Israelis zu heilen, und er war ein engagierter Verfechter eines friedlichen Dialogs zwischen den Religionen. Seit jener Zeit, nach der Ermordung von Anwar El Sadat, den er seinen Freund nannte und der den Mut hatte, als Moslem erste Schritte in Richtung Frieden mit Israel zu wagen, hatte es von verschiedener Seite sehr viele Versuche gegeben, diese seit mehr als 2 500 Jahren umkämpfte Region zu befrieden.
    Befremdlich an Helmut Schmidt war mir, dass er ernsthaft behauptete,von den Greueltaten der Nationalsozialisten , der deutschen Wehrmacht und anderer "Einsatzgruppen" und Verbrecher, also von dem, was die Shoa genannt wird,nichts gewusst zu haben, vielleicht deshalb, weil er an der Front war.
    Doch wo waren die Personen, die bereits 1935 gegen die Nürnberger Rassegesetze ihre Stimme erhoben?Mir ist allerdings bewußt, wie vermessen meine Gedanken angesehen werden können, geäußert von jemand , der erst nach dem Krieg geboren wurde angesichts der ungeheueren Bedrohung für das eigene Leben und dem der Familie für Gegner des Nationalsozialismus in jener Zeit. Davon schrieb z.B. ein Ralph Giordano in seiner Biographie,der in Hamburg dank mutiger Freunde überleben konnte, und der heute unerschrocken seine freie Meinung kundtut.(Zivilcourage ist leider etwas ein Fremwort im Deutschen,vielleicht ist es ein wenig auch die "Tapferkeit vor dem Freunde")
    Es ist nun das Privileg der Jüngeren und hat sich gewissermaßen eingebürgert, keinen Rekurs mehr zu nehmen auf die Diktatur in Deutschland in den Jahren 1933- 1945.Es wäre insgesamt zu wünschen, dass wir bei aller Medienfülle nicht geschichtsblind werden."Das Geheimnis der Erlösung heißt Erinnerung", heißt es in Israel in der Gedenkstätte der Shoa Yad Vashem.

    Nun zu dem hauptsächlichem an einem Geburtstag:

    Bewundernswert an Helmut Schmidt empfinde ich seinen Mut in schwierigen Situationen wie auch seinen imponierenden ökonomischen Sachverstand- man erinnere sich an die Zeit der sozialen Marktwirtschaft-und das, was ihn, durch eine glückliche Fügung vielleicht- im Privaten von Willy Brandt unterschieden haben mag, eine Weggemeinschaft mit seiner sympathischen Frau Loki bis ins gesegnete Alter.
    Deshalb zum Schluss schreibe ich und übermittele ich:"Ein Hoch auf den Jubilar, Herrn Bundeskanzler a.D. Helmut Schmidt und beste Wünsche dem Ehepaar Schmidt und alles Gute für das weitere Leben.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Auch ich möchte mich den Glückwünschen zum 90. Geburtstag des ZEIT-Herausgebers Helmut Schmidt anschließen. Noch etwas zum Thema "Nationalsozialismus": Aus jahrelanger Arbeit als Hobby-Historiker in meiner Heimatstadt HILDESHEIM (Forschungsschwerpunkte: "OSKAR SCHINDLER in Hildesheim", Ereignisse und Persönlichkeiten des Dritten Reiches in Hildesheim) habe ich die Verdrängungsmechanismen, bewußten Geschichtsfälschungen und "Pressionen" (Rede- und Frageverbot, Hausverbot im Stadtmuseum, Androhung juristischer Schritte usw.) intensiv erleben dürfen. Ein sehr schönes Beispiel für das Wirken restaurativer Kräfte ist für mich das ausgezeichnete Buch des amerikanischen Historikers Dr. Andrew Bergerson "Ordinary Germans at Extrardinary Times - the NAZI-Revolution in HILDESHEIM". Er behandelt darin den tagtäglichen Umgang der Hildesheimer mit den jüdischen Mitbürgern (basierend auf Interviews mit Zeitzeugen, die er Anfang 2000 in Hildesheim durchführte) in der Zeit des Dritten Reiches und das langsame Verschwinden der JUDEN aus dem Erscheinungsbild der Stadt. Er arbeitet als Assistant Professor, ist jüdischer Abstammung und spricht hervorragend Deutsch. Ich entdeckte sein ausgezeichnetes Buch in der hiesigen Universitätsbibliothek und war begeistert, da ich darin zahlreiche Erklärungen für meine Probleme als Hobby-Historiker in Hildesheim fand. Er kam kurz danach wieder zu Forschungszwecken nach Hildesheim und beriet mich in Sachen "OSKAR SCHINDLER". In einem Porträt in der HILDESHEIMER ALLGEMEINEN ZEITUNG HAZ (am 10. Juni 2006) wurde erwähnt, dass sein Buch als deutsche Übersetzung beim hiesigen GERSTENBERG-Verlag herauskommen würde. Es hagelte bitterböse Leserbriefe und die deutsche Übersetzung ist nie erschienen!

    Herzliche Grüsse aus HILDESHEIM!

    Klaus Metzger

    • amri
    • 17.12.2008 um 13:32 Uhr

    Befremdlich an Helmut Schmidt war mir, dass er ernsthaft behauptete,von den Greueltaten der Nationalsozialisten, der deutschen Wehrmacht und anderer "Einsatzgruppen" und Verbrecher, also von dem, was die Shoa genannt wird, nichts gewusst zu haben.

    Die Empfindung „befremdlich“ wird Helmut Schmidts selektiver Amnesie nicht gerecht. Das „politische Allroundtalent“ (Th. Sommer) will nämlich nicht nur von „Auschwitz“, sondern auch von Konzentrationslagern in Deutschland (damaliger Kindermund: „Wenn du nicht brav bist, kommst du nach Dachau!“) nichts mitbekommen haben. Am 8. April 2005 antwortete der Altkanzler im Interview mit Stefan Aust und Frank Schirrmacher, nachdem er zuvor jegliche Kenntnis des „Genozids an den Juden“ bestritten hatte, auf deren konsternierten Einwand, „Aber man hat doch gewußt, dass es Konzentrationslager gab“: „Ich habe davon nichts gewußt.“ Auf nochmaliges Insistieren, daß mit Neuengamme und Bergen-Belsen Konzentrationslager praktisch vor Schmidts Hamburger Haustür lagen, beharrte er darauf: „Wir alle (sic!) haben davon nichts gewußt.“

    Eine Behauptung von einer solchen moralisch-intellektuellen Ungeheuerlichkeit, daß sie nicht nur den Interviewern, sondern der gesamten „kritischen Öffentlichkeit“ die Sprache verschlug. Schmidts beispiellose zeitgeschichtliche Ignoranz, die in jedem anderen Zusammenhang die alsbaldige gesellschaftliche Ächtung des Exponenten nach sich gezogen hätte, verschwand folgenlos im großen Orkus des Verdrängens.

    Dabei war Helmut Schmidt nicht gerade ein Lieschen Müller im Dritten Reich. Von 1941 bis 1942 nahm er als Offizier am „größten Eroberungs- und Vernichtungsfeldzug der Geschichte“ (so der Historiker Klaus Hildebrand) gegen die Sowjetunion teil. Der Wehrmacht auf dem Fuße, nicht selten von ihr unterstützt, folgten die „Einsatzgruppen“ der SS, deren Mordkommandos während Schmidts Russlandeinsatz eine halbe Million Juden zum Opfer fielen. Doch der, mit dem Eiserenen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet, will davon nichts mitbekommen haben: „Ich war bei der vordersten kämpfenden Truppe, und da sieht man nicht, was in der Etappe passiert, darüber redet man auch nicht.“

    Schmidt zufolge wurde „darüber“ auch in den folgenden Jahren, bis zum Untergang der braunen Diktatur, nicht geredet -, jedenfalls nicht mit ihm. Und das, obschon ihm, als es für die Wehrmacht in Russland nur noch rückwärts ging, die für einen Frontsoldaten ungewöhnliche Gunst zuteil wurde, sich ins Zentrum der Macht nach Berlin absetzen zu dürfen. Seit 1943 im Range eines Oberleutnants Referent im Reichsluftfahrtministerium, galt er bei seinen Vorgesetzten als derart zuverlässig, daß man ihn mit der Rolle eines „Beobachters“ des Volksgerichtshof-Tribunals gegen die 2o.-Juli-Attentäter betraute. Eines Tribunals wohlgemerkt, dessen Todeskandidaten vor allem wegen ihrer Gewissensnot angesichts „der vielen Morde“ des Regimes (so der Angeklagte Graf Schwerin von Schwanenfeld) vor dem rasenden Vorsitzenden Roland Freisler standen. Gleichwohl will „Beobachter“ Schmidt auch als Zeuge dieser in brutaler Offenheit inszenierten Verbrechensbilanz der braunen Diktatur vom „Genozid an den Juden“ nicht ein Sterbenswort erfahren haben.

    Man könnte meinen, ZEIT-Redakteur Volker Ullrich habe seinen damals nichts hören, nichts sehen, nichts sagen wollenden Herausgeber im Visier gehabt, wenn er in seiner Besprechung des Buches mit dem vielsagenden Titel „Davon haben wir nichts gewußt“ (ZEIT vom 20. April 2006) schreibt: „Zu diesem Zeitpunkt (während Schmidts Russlandeinsatz) waren die Nachrichten über das Wüten der Einsatzgruppen in den besetzten Gebieten der Sowjetunion, verbreitet durch Soldaten auf Urlaub oder über Feldpostbriefe, bereits weithin bekannt.“

    Und es klingt nicht gerade wie eine Lossprechung des hartgesottenen Verdrängungskünstlers in der Chefetage der ZEIT, wenn Ullrich der Generation Schmidt den zeitgeschichtlichen Spiegel vorhält: „Das Wissen vom Holocaust wurde in dem Maße als unerträglich empfunden und aus dem Bewusstsein verdrängt, wie sich das Ende des ´Dritten Reiches´ abzeichnete und mit ihm die bedrohlichen Konsequenzen, die das Menschheitsverbrechen nach sich ziehen mußte. So war die neue deutsche Nationalhymne ´Wir haben nichts gewußt´ bereits angestimmt, als die allierten Truppen im Frühjahr 1945 das Land befreiten.“

    Wenig später, am 24. August 1945, hörte Helmut Schmidts Ehefrau Loki plötzlich „unseren Familienpfiff, ließ alles stehen und liegen, sauste raus, und da kam Helmut, sehr abgemagert und in einer selbstgenähten Hose“ (ZEIT vom 11. Dezember 2008) aus dem Krieg heim. Der Rest ist bekannt.

    Auch ich möchte mich den Glückwünschen zum 90. Geburtstag des ZEIT-Herausgebers Helmut Schmidt anschließen. Noch etwas zum Thema "Nationalsozialismus": Aus jahrelanger Arbeit als Hobby-Historiker in meiner Heimatstadt HILDESHEIM (Forschungsschwerpunkte: "OSKAR SCHINDLER in Hildesheim", Ereignisse und Persönlichkeiten des Dritten Reiches in Hildesheim) habe ich die Verdrängungsmechanismen, bewußten Geschichtsfälschungen und "Pressionen" (Rede- und Frageverbot, Hausverbot im Stadtmuseum, Androhung juristischer Schritte usw.) intensiv erleben dürfen. Ein sehr schönes Beispiel für das Wirken restaurativer Kräfte ist für mich das ausgezeichnete Buch des amerikanischen Historikers Dr. Andrew Bergerson "Ordinary Germans at Extrardinary Times - the NAZI-Revolution in HILDESHEIM". Er behandelt darin den tagtäglichen Umgang der Hildesheimer mit den jüdischen Mitbürgern (basierend auf Interviews mit Zeitzeugen, die er Anfang 2000 in Hildesheim durchführte) in der Zeit des Dritten Reiches und das langsame Verschwinden der JUDEN aus dem Erscheinungsbild der Stadt. Er arbeitet als Assistant Professor, ist jüdischer Abstammung und spricht hervorragend Deutsch. Ich entdeckte sein ausgezeichnetes Buch in der hiesigen Universitätsbibliothek und war begeistert, da ich darin zahlreiche Erklärungen für meine Probleme als Hobby-Historiker in Hildesheim fand. Er kam kurz danach wieder zu Forschungszwecken nach Hildesheim und beriet mich in Sachen "OSKAR SCHINDLER". In einem Porträt in der HILDESHEIMER ALLGEMEINEN ZEITUNG HAZ (am 10. Juni 2006) wurde erwähnt, dass sein Buch als deutsche Übersetzung beim hiesigen GERSTENBERG-Verlag herauskommen würde. Es hagelte bitterböse Leserbriefe und die deutsche Übersetzung ist nie erschienen!

    Herzliche Grüsse aus HILDESHEIM!

    Klaus Metzger

    • amri
    • 17.12.2008 um 13:32 Uhr

    Befremdlich an Helmut Schmidt war mir, dass er ernsthaft behauptete,von den Greueltaten der Nationalsozialisten, der deutschen Wehrmacht und anderer "Einsatzgruppen" und Verbrecher, also von dem, was die Shoa genannt wird, nichts gewusst zu haben.

    Die Empfindung „befremdlich“ wird Helmut Schmidts selektiver Amnesie nicht gerecht. Das „politische Allroundtalent“ (Th. Sommer) will nämlich nicht nur von „Auschwitz“, sondern auch von Konzentrationslagern in Deutschland (damaliger Kindermund: „Wenn du nicht brav bist, kommst du nach Dachau!“) nichts mitbekommen haben. Am 8. April 2005 antwortete der Altkanzler im Interview mit Stefan Aust und Frank Schirrmacher, nachdem er zuvor jegliche Kenntnis des „Genozids an den Juden“ bestritten hatte, auf deren konsternierten Einwand, „Aber man hat doch gewußt, dass es Konzentrationslager gab“: „Ich habe davon nichts gewußt.“ Auf nochmaliges Insistieren, daß mit Neuengamme und Bergen-Belsen Konzentrationslager praktisch vor Schmidts Hamburger Haustür lagen, beharrte er darauf: „Wir alle (sic!) haben davon nichts gewußt.“

    Eine Behauptung von einer solchen moralisch-intellektuellen Ungeheuerlichkeit, daß sie nicht nur den Interviewern, sondern der gesamten „kritischen Öffentlichkeit“ die Sprache verschlug. Schmidts beispiellose zeitgeschichtliche Ignoranz, die in jedem anderen Zusammenhang die alsbaldige gesellschaftliche Ächtung des Exponenten nach sich gezogen hätte, verschwand folgenlos im großen Orkus des Verdrängens.

    Dabei war Helmut Schmidt nicht gerade ein Lieschen Müller im Dritten Reich. Von 1941 bis 1942 nahm er als Offizier am „größten Eroberungs- und Vernichtungsfeldzug der Geschichte“ (so der Historiker Klaus Hildebrand) gegen die Sowjetunion teil. Der Wehrmacht auf dem Fuße, nicht selten von ihr unterstützt, folgten die „Einsatzgruppen“ der SS, deren Mordkommandos während Schmidts Russlandeinsatz eine halbe Million Juden zum Opfer fielen. Doch der, mit dem Eiserenen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet, will davon nichts mitbekommen haben: „Ich war bei der vordersten kämpfenden Truppe, und da sieht man nicht, was in der Etappe passiert, darüber redet man auch nicht.“

    Schmidt zufolge wurde „darüber“ auch in den folgenden Jahren, bis zum Untergang der braunen Diktatur, nicht geredet -, jedenfalls nicht mit ihm. Und das, obschon ihm, als es für die Wehrmacht in Russland nur noch rückwärts ging, die für einen Frontsoldaten ungewöhnliche Gunst zuteil wurde, sich ins Zentrum der Macht nach Berlin absetzen zu dürfen. Seit 1943 im Range eines Oberleutnants Referent im Reichsluftfahrtministerium, galt er bei seinen Vorgesetzten als derart zuverlässig, daß man ihn mit der Rolle eines „Beobachters“ des Volksgerichtshof-Tribunals gegen die 2o.-Juli-Attentäter betraute. Eines Tribunals wohlgemerkt, dessen Todeskandidaten vor allem wegen ihrer Gewissensnot angesichts „der vielen Morde“ des Regimes (so der Angeklagte Graf Schwerin von Schwanenfeld) vor dem rasenden Vorsitzenden Roland Freisler standen. Gleichwohl will „Beobachter“ Schmidt auch als Zeuge dieser in brutaler Offenheit inszenierten Verbrechensbilanz der braunen Diktatur vom „Genozid an den Juden“ nicht ein Sterbenswort erfahren haben.

    Man könnte meinen, ZEIT-Redakteur Volker Ullrich habe seinen damals nichts hören, nichts sehen, nichts sagen wollenden Herausgeber im Visier gehabt, wenn er in seiner Besprechung des Buches mit dem vielsagenden Titel „Davon haben wir nichts gewußt“ (ZEIT vom 20. April 2006) schreibt: „Zu diesem Zeitpunkt (während Schmidts Russlandeinsatz) waren die Nachrichten über das Wüten der Einsatzgruppen in den besetzten Gebieten der Sowjetunion, verbreitet durch Soldaten auf Urlaub oder über Feldpostbriefe, bereits weithin bekannt.“

    Und es klingt nicht gerade wie eine Lossprechung des hartgesottenen Verdrängungskünstlers in der Chefetage der ZEIT, wenn Ullrich der Generation Schmidt den zeitgeschichtlichen Spiegel vorhält: „Das Wissen vom Holocaust wurde in dem Maße als unerträglich empfunden und aus dem Bewusstsein verdrängt, wie sich das Ende des ´Dritten Reiches´ abzeichnete und mit ihm die bedrohlichen Konsequenzen, die das Menschheitsverbrechen nach sich ziehen mußte. So war die neue deutsche Nationalhymne ´Wir haben nichts gewußt´ bereits angestimmt, als die allierten Truppen im Frühjahr 1945 das Land befreiten.“

    Wenig später, am 24. August 1945, hörte Helmut Schmidts Ehefrau Loki plötzlich „unseren Familienpfiff, ließ alles stehen und liegen, sauste raus, und da kam Helmut, sehr abgemagert und in einer selbstgenähten Hose“ (ZEIT vom 11. Dezember 2008) aus dem Krieg heim. Der Rest ist bekannt.

    • Amaro
    • 11.12.2008 um 19:55 Uhr

    Und mögen Sie ewig leben, Herr Schmidt!

    Wir Deutschland können wahrlich stolz darauf sein, einen solchen Bundeskanzler gehabt zu haben und einen solch ehrenhaften, der reinen Vernunft verpflichteten, älteren Staatsbürger unter uns zu haben.

    Nur, eines verstehen viele von uns nicht: Ihre Befürwortung der Agenda 2010 - immer noch.
    Es ist klar, dass es zu seiner Zeit am vernünftigsten erschien, diese Agenda-Reformen durchzusetzen und also dafür zu sein.

    Aber, wie es so schön heißt: "Hinterher ist man immer schlauer" - sobald man erkannt hat, dass das Resultat sehr unerfreulich ist (Dumpinglöhne, Skavenarbeit, Vertrauensverlust, Entmündigung und Entwürdigung der betroffenen Bürger) - verlangt doch die Vernunft, die Befürwortung als Fehler zu erkennen und diesen zuzugeben.

    Ein Fehler sei natürlich verziehen, denn noch gibt es keinen Menschen, der keine Fehler macht.

    Liebe Grüße,

    ein Mitbürger

  3. ... einen solchen Einfluss auf die politische Klasse dieses Landes ausüben. Trotz seines gesegneten Alters, wozu ich ihm herzlich gratuliere, hat er eine Konsequenz, Menschenkenntnis und Standhaftigkeit sowie ein Wissen bewiesen, die unter anderen Politikern seinesgleichen sucht. Der Artikel von Herrn Sommer beschreibt einen Staatsmann, der durchaus länger Kanzler geblieben wäre, wenn er zum Einen nicht durch seine - damals wie heute - zerissene Partei und zum Anderen durch seinen -bis heute inakzeptablen da wendehälsigen- Koalitionspartner zu Fall gebracht worden wäre. Er genoss auch in der damaligen DDR eine Hochachtung, die seinem Amtsnachfolger bis zur Wende nicht in diesem Maße zuteil wurde. Die Wiedervereinigung unter seiner Kanzlerschaft wäre sicherlich von größerer Tatkraft und (auch unbequemer) Ehrlichkeit geprägt gewesen. Vollblutpolitiker wie er, die sich nicht (auch nicht beim Thema Rauchen) verbiegen lassen sucht man unter den heutigen Rechtsanwälten, Beamten und Lehrern, die unser Land regieren fast vergeblich. Ein erkennbar ebenbürtiger Nachfolger könnte ggf. irgendwann Peer Steinbrück werden. Weiterhin alles Gute, viel Gesundheit und immer eine gute Zigarette Herr Schmidt.

  4. ...ehrlich, ich bewundere herrn schmidt und denke,
    er gehört zu den besseren politikern, die unser
    land gehabt hat.

    allerdings sollte man auch nicht vergessen, daß
    einige der politischen wegbegleiter, die er immer
    wieder gerne aufführt und auch "freunde" nennt
    für mich kriegsverbrecher sind:

    ein henry kissinger, zum beispiel, wird immer wieder
    gerne erwähnt.

    daß dieser herr allerdings weltweit für unmenschliche
    gräueltaten verantwortlich ist, wird gerne verschwiegen.

    manchmal hilft auch eine etwas kritischere haltung,
    um einen wahrlich großen politiker darzustellen.

    das musste mal gesagt werden.

    nicht, um die glückwünsche zu stören, sondern einfach
    deshalb, weil manches in den medien gerne ungesagt
    bleibt.

    dennoch

    herzlichen glückwunsch, alles gute und viele weitere
    gesunde jahre!

  5. gibt das Leben vor, nicht die Tagespolitik. Gut so! Vor wenigen Tagen war im Fernsehen (es ging um den Mogadishu-Tag) noch einmal Schmidt's Rede am "Tage danach" im Deutschen Bundestag zu sehen. Ich gebe zu, ich war schwer beeindruckt und bin es nach wie vor. Allerdings, und sicher muß man froh sein, daß es so ist, waren die damaligen Themen der Politik härter, griffiger und von anderer Dimension als heute. Die rollenden, roten Panzerarmeen kurz vor Hamburg hatten halt eine andere Aussagekraft als der Hinweis auf globale, gesichtslose Finanzfonds.
    Mit denen müssen sich die armen Teufel der Erben-Generation herumschlagen, ohne eisernen Vorhang, ohne klare Freund Feind-Bilder, ohne übersichtliche Interessenlagen. Da hatten es die Politiker der Zeit des kalten Krieges, es klingt sicher provozierend, doch einfacher.
    Allerdings ist es wohl auch so, daß die Politik der 80ger und 90ger mit ihrer Fixierung auf Märkte und Monitäres entsprechende Persönlichkeiten geformt bzw. auf den Plan gerufen hat. In sofern hat Hr. Schmidt auch irgendwie Glück gehabt.
    Wie dem auch sei, Glückwunsch, Respekt und alles Gute an Helmut Schmidt! (Ich geh' noch schnell vor die Tür, ein Pfeifchen rauchen- auf sein Wohl!)

  6. Auch ich möchte mich den Glückwünschen zum 90. Geburtstag des ZEIT-Herausgebers Helmut Schmidt anschließen. Noch etwas zum Thema "Nationalsozialismus": Aus jahrelanger Arbeit als Hobby-Historiker in meiner Heimatstadt HILDESHEIM (Forschungsschwerpunkte: "OSKAR SCHINDLER in Hildesheim", Ereignisse und Persönlichkeiten des Dritten Reiches in Hildesheim) habe ich die Verdrängungsmechanismen, bewußten Geschichtsfälschungen und "Pressionen" (Rede- und Frageverbot, Hausverbot im Stadtmuseum, Androhung juristischer Schritte usw.) intensiv erleben dürfen. Ein sehr schönes Beispiel für das Wirken restaurativer Kräfte ist für mich das ausgezeichnete Buch des amerikanischen Historikers Dr. Andrew Bergerson "Ordinary Germans at Extrardinary Times - the NAZI-Revolution in HILDESHEIM". Er behandelt darin den tagtäglichen Umgang der Hildesheimer mit den jüdischen Mitbürgern (basierend auf Interviews mit Zeitzeugen, die er Anfang 2000 in Hildesheim durchführte) in der Zeit des Dritten Reiches und das langsame Verschwinden der JUDEN aus dem Erscheinungsbild der Stadt. Er arbeitet als Assistant Professor, ist jüdischer Abstammung und spricht hervorragend Deutsch. Ich entdeckte sein ausgezeichnetes Buch in der hiesigen Universitätsbibliothek und war begeistert, da ich darin zahlreiche Erklärungen für meine Probleme als Hobby-Historiker in Hildesheim fand. Er kam kurz danach wieder zu Forschungszwecken nach Hildesheim und beriet mich in Sachen "OSKAR SCHINDLER". In einem Porträt in der HILDESHEIMER ALLGEMEINEN ZEITUNG HAZ (am 10. Juni 2006) wurde erwähnt, dass sein Buch als deutsche Übersetzung beim hiesigen GERSTENBERG-Verlag herauskommen würde. Es hagelte bitterböse Leserbriefe und die deutsche Übersetzung ist nie erschienen!

    Herzliche Grüsse aus HILDESHEIM!

    Klaus Metzger

    Antwort auf "Glückjwünsche "
  7. Einleitend die Morde der RAF als Untaten zu bezeichnen, finde ich sehr ! abartig.
    Und weiter: Das Unternehmen Mogadischu gelang; außer den Gangstern kam niemand bei dem Befreiungscoup des GSG-9-Kommandos zu Schaden.
    So richtig gelang das Unternehmen Mogadischu nicht, immerhin wurde der Flugkapitän getötet, nicht bei der Befreiungsaktion, schon vorher.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service