Die Zeit: Mr. Mody, Sie haben sich dem Kampf gegen die Piraterie verschrieben. Wie genau gehen Sie vor?

Cyrus Mody: Das International Maritime Bureau (IMB) ist die Anlaufstelle für alle Reedereien, deren Schiffe auf den Weltmeeren in Bedrängnis kommen. Wir nehmen Meldungen über kriminelle Vorfälle auf, informieren Küstenwachen und Seefahrer in unsicheren Regionen. Wir bringen gefangen genommene Piraten vor Gericht, unterstützen Schiffseigner juristisch und schulen Besatzungen.

Zeit: Wie viele Überfälle haben Sie in diesem Jahr registriert?

Mody: Insgesamt wurde uns von 267 Attacken berichtet. Viele davon ereigneten sich in der Straße von Malakka im Südchinesischen Meer, die trotz eines leichten Rückgangs immer noch sehr gefährlich ist. Auch vor der Küste von Nigeria ist die Frachtschifffahrt erheblich bedroht. Aber unsere größte Sorge gilt den Machenschaften im Golf von Aden. In diesem Jahr gab es dort 101 Zwischenfälle, davon 40 Entführungen.

Zeit: Neuerdings stellen die Piraten am Horn von Afrika auch Kreuzfahrtschiffen nach. Am 2. Dezember entkam die amerikanische Nauticus den Seeräubern. Die Marinefregatte Mecklenburg-Vorpommern feuerte am 28. November Warnschüsse auf zwei verdächtige Schnellboote ab und bewahrte so möglicherweise die deutsche MS Astor vor Schlimmerem. Haben die Piraten ihr herkömmliches Entführungsmuster geändert?

Mody: Über die MS Astor liegen uns bisher leider keine Informationen vor. Aber es sieht ganz danach aus, als würden sich die Piraten nun auch an Passagierschiffe herantrauen. Das ist ein Novum. Denn so ein Ozeanriese ist sehr hoch und bietet kaum Angriffsfläche für die Seile mit den Enterhaken. Aber nachdem es gelungen ist, den saudi-arabischen Supertanker Sirius Star zu kapern, wissen wir, dass die Piraten fähig sind, auch größere Schiffe in ihre Gewalt zu bringen. Die Reiseveranstalter müssen das ernst nehmen.

Zeit: Das hat das IMB noch vor drei Jahren anders eingeschätzt. Als damals das Passagierschiff Seabourn Spirit beschossen wurde, glaubten Sie an einen Irrtum.