Seit einigen Jahren erstrahlt das deutsche Kino in neuem Selbstbewusstsein. Kassenknüller! Oscar-Erfolge und Auslandsverkäufe! Einladungen in die Wettbewerbe der großen glamourösen Filmfestivals! Heimische Marktanteile von über zwanzig Prozent!

Doch wer in Deutschland mit Kinoregisseuren und Produzenten spricht, hat immer wieder das Gefühl, es handle sich um Menschen, die sich in der Gewalt eines großen bösen Monsters befinden. Das Monster lebt in der Nähe von Mainz auf einem Berg und treibt sich auch in anderen Bundesländern herum. Es ist etwa fünfzig Jahre alt und frisst jedes Jahr rund sieben Milliarden Euro. Sein Name ist öffentlich-rechtliches Fernsehen.

Dass das Fernsehen von deutschen Filmschaffenden mit einer Mischung aus Zorn, Frustration und ängstlichem Respekt betrachtet wird, hängt mit seiner ungeheuren Macht zusammen.

Produzenten reden von schamloser Vermengungspolitik bei der Förderung

Kino ohne Fernsehen ist hierzulande: nichts. Es ist keine eigenständige Industrie, sondern ein aufgeplusterter Subventionsbetrieb. Am Leben gehalten wird er von direkten Senderbeteiligungen an Kinofilmen, von der Filmförderungsanstalt (in die private und öffentlich-rechtliche Sender fast dreißig Millionen Euro einspeisen) und von den Fördereinrichtungen der einzelnen Bundesländer (in die allein vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen noch einmal 40,5 Millionen Euro fließen). Erst die Sender machen das Kino möglich – und zugleich unmöglich?

Seit das Fernsehen Kino finanziert, wird es dafür beschimpft. Man wirft ihm vor, dass es die Projekte nicht nach Qualität, sondern vor allem nach Primetime-Tauglichkeit bewertet. Direkt oder indirekt, so die Klage, forme der Mitproduzent Fernsehen das Kino nach seinem Bilde. Das Problem beginnt bei den Längenvorgaben der Programmschienen: 88,5 Minuten darf ein Film zur besten Sendezeit dauern, der Rest wird weggeschnippelt. Es setzt sich fort in immer gleich ausgeleuchteten Bildern, denen jede Komposition fehlt. In Räumen ohne Raumtiefe. In reflexhaft eingesetzter Musik. In Dramaturgien, die alles zehn Mal sagen.

In diesem Jahr entzündete sich die Debatte um Kino und Fernsehen neu. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen wurde erbittert kritisiert, weil es die Kinoförderung zunehmend zur Finanzierung eigener Großprojekte benutzt. Kinofördermittel in zweistelliger Millionenhöhe wurden in sogenannte Amphibienfilme gepumpt: Anonyma von Max Färberböck, Der Baader Meinhof Komplex von Uli Edel oder auch Heinrich Breloers Buddenbrooks. Allesamt Fernsehmehrteiler, die als gekürzte Fassung im Kino laufen.