Mister Bond sieht gehetzt aus, er jagt wieder einmal Bösewichte. Im aktuellen Agentenabenteuer Ein Quantum Trost sieht man ihn, wie er in einem schäbigen Büro einer seltsam grinsenden Dame einen Koffer übergibt. Er reicht das ominöse Behältnis über den Schreibtisch, der Koffer schwebt wie ein Raumschiff durchs Bild. Er sieht nach gehobener Technik aus, ziemlich wichtig, er blitzt.

Es ist nicht irgendein Koffer. Es ist der Star unter den Koffern, ein Zero Halliburton. Und auch wer seinen Namen noch nie gehört hat, hat ihn schon oft gesehen: nicht nur in fast allen James-Bond-Filmen, sondern auch in über 200 Hollywood-Produktionen von M ission Impossible über Independence Day bis hin zu X-Men. Auch Harrison Ford kam das Gepäckstück schon zur Hilfe. Mit einem Halliburton in der Hand drosch er in dem Film Firewall auf seine Verfolger ein.

Der Koffer scheint für brisante Szenen prädestiniert zu sein. Wann immer in Kinowelten Hightechspielzeug ausgepackt wird, per Fernzündung Bürogebäude in die Luft fliegen, Kokainpäckchen oder Mafiamillionen über Grenzen geschmuggelt werden, ist wahrscheinlich eines der blitzblanken Gepäckstücke im Spiel.

Seit siebzig Jahren gibt es diesen Koffer nun schon. Die Firma Zero Halliburton (übrigens nicht zu verwechseln mit dem Technikkonzern Halliburton, der wegen dubioser Geschäfte im Irak und anderswo in die Kritik geriet) hält eine hübsche Entstehungsgeschichte parat: Der wohlhabende Geschäftsreisende Earle P. Halliburton wollte sich im Jahr 1938 einen eigenen Koffer konstruieren lassen, weil keins der gebräuchlichen Modelle seinen Ansprüchen genügte. Kurioserweise beauftragte er dafür Flugzeugingenieure, vielleicht weil er selbst viel flog und das Material der ersten großen Propellermaschinen, die damals den Liniendienst aufnahmen, ihm besonders geeignet erschien.

Es entstand ein Prototyp, gefertigt aus dem silbrigen Aluminium der Flugzeuge: ein glitzernder Koffer mit abgerundeten Ecken, schweren Verschlüssen und einem soliden Haltegriff. Mister Halliburton war zufrieden. Und damit auch andere ihren Reisebedarf so elegant verstauen konnten, brachte er das Modell prompt auf den Markt. Im Jahr 1952 verkaufte er dann das Patent und den Markennamen an den Metallverarbeitungsbetrieb Zero. Seitdem heißen die tragbaren Container Zero Halliburton.

Man könnte dem Koffer eine gewisse Arroganz vorwerfen. Wenn er auf den Gepäckbändern der Flughäfen an den Passagieren vorbeifährt, sticht er aus der Masse der üblichen Rollwägelchen und Taschen heraus. Blicke bleiben an ihm haften. Was könnte da wohl drin sein? Der Halliburton liegt ungewöhnlich schwer in der Hand. Er sieht ein bisschen aus wie ein Eisblock, und steht er länger in der Kälte, dann fühlt er sich auch so an. Seine Außenhaut ist spiegelglatt. Und wenn sich die beiden verchromten Metallverriegelungen schließen, ist ein sattes Klacken zu hören. Ein wenig so, als falle die Tür eines Mercedes ins Schloss. Wer den Koffer einmal zu heftig auf einem Marmorboden abstellt, vernimmt ein hohles, fieses Klonk – und fürchtet um den Boden. Der Halliburton ist für seine Unverwüstlichkeit bekannt. Der amerikanische Fernsehsender CNBC strahlte einmal ein Experiment aus, bei dem ein Lastwagen über eines der Modelle fuhr, in dem sich ein rohes Ei befand. Das Ei blieb heil.

Ein Grund dafür mag die aufwändige Fertigung sein. Das Flugzeugaluminium wird zunächst in einer speziellen Presse mit einem Druck von 440 Tonnen in Form gequetscht, wobei der Druck das Metall so komprimiert, dass die Außenhaut völlig glatt und steif wird. Dann werden die Schalen der Koffer auf über 500 Grad erhitzt und anschließend elektrochemisch anodisiert. Dabei bekommen sie auch ihre typische Farbe. Silbrig wie ein Flugzeugflügel oder goldfarben wie Schmuck.

Stolze Besitzer geben gern Anekdoten zum Besten, die die Unzerstörbarkeit ihres bulligen Gepäckstücks untermauern. Zum Beispiel die von dem Passagier, der am Flughafen von Tel Aviv seinen verlorenen Koffer beim Sicherheitsdienst abholen musste, woraufhin die Beamten ihm mitteilten, sie hätten eine gute und eine schlechte Nachricht: "Wir mussten den Koffer in die Luft sprengen, um ihn zu öffnen, aber die Gegenstände darin sind alle intakt."

Keine Anekdote ist, dass selbst die Nasa auf einen Halliburton zurückgriff. In einem modifizierten Exemplar wurden während der Apollo-Missionen Gesteinsproben vom Mond auf die Erde gebracht. Ein Foto im Eingang der Firmenzentrale in Salt Lake City zeigt Neil Armstrong, in der Hand einen Koffer voller Mondsteine.

"Der Koffer ist eines dieser Produkte, die es geschafft haben, eine eigene Philosophie zu entwickeln", sagt Willy Witt von WW Distribution, der die Koffer in Europa vertreibt. "Dabei sind sie im Grunde überhaupt nicht mehr zeitgemäß, viel zu schwer, und besitzen auch nicht so viele Funktionen wie neuere Koffer." Aber gerade dass der Halliburton sehr wenige Designsprünge erlebt hat, dass er heute noch fast so aussieht wie vor 70 Jahren, vermittelt den Kunden offenbar ein Gefühl der Beständigkeit. So wurde er zum Statussymbol bei Vielreisenden und solchen, die gern dafür gelten würden. "Das Produkt hält sich in bestimmten Kreisen auf", sagt Witt. Vor allem Werber, Anwälte, Fotografen und Schauspieler trügen es gern mit sich herum. Schon auf einem Foto aus den frühen vierziger Jahren ist Marlene Dietrich zu sehen, gut geschminkt und im Pelzmantel posierend, vor ihr gleich ein Dreierset glatter Halliburtons.

Über die Jahre brachte es der Koffer selbst zum Leinwandhelden. Und das, obwohl der Hersteller beteuert, nicht einen Cent für Product-Placement ausgegeben zu haben. Marta McLaughlin ist assistant property master von Farewell Productions. Ihre Aufgabe ist es, für große Filmproduktionen Requisiten zu besorgen. Die Kanadierin ist seit zwanzig Jahren im Geschäft, derzeit stattet sie das neue Action-Epos von Roland Emmerich aus, 2012, das im Sommer nächsten Jahres anläuft. In einer Szene des Films soll ein seltenes Kunstwerk transportiert werden. Tatsächlich fragte McLaughlin bei Halliburton nach, ob sie einen silbernen Koffer für die Dreharbeiten bekäme.

Warum muss es ausgerechnet dieser sein? "Jeder Nordamerikaner registriert das Produkt sofort, auch ohne seinen Namen zu kennen", sagt sie. "Der Koffer erzählt in wenigen Sekunden eine Geschichte. Das ist beim Film wichtig, wir haben nicht viel Zeit." McLaughlin nennt das instant perception. Ein Halliburton erzeuge sofort Assoziationen wie "Regierung, wichtig, geheim, teuer, Hightech, Waffen, Spione". Außerdem mag McLaughlin das silbrige Flugzeugaluminium des Koffers: " It looks sleek " – er sieht schnittig aus.

Demnächst wird auch Barack Obama einen solchen Koffer in seiner Nähe wissen. Und man kann nur darum beten, dass er ihn niemals öffnet. Wo auch immer sich der jeweils amtierende Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika gerade aufhält, ob im Oval Office oder auf Reisen in der Air Force One – in seiner unmittelbaren Umgebung, angekettet an einen Soldaten, wird stets ein rund achtzehn Kilo schweres Köfferchen mitgeführt, das von einer schwarzen Lederhülle ummantelt, kugelsicher und mit einer kleinen Antenne bestückt ist.

Bekannt wurde dieser Koffer als nuclear football. In seinem Inneren, alle Details sind streng geheim, ist eine komplizierte Vorrichtung installiert, in die der Präsident die nur ihm bekannten Codes eingeben muss, um den Gebrauch von Nuklearwaffen zu autorisieren. Der Koffer ist ein Halliburton. In leicht verschärfter Ausführung.