Rezession Gibt es eine Kreditklemme?
Stimmt, die Banken knausern mit Leihgeld. Die Wirtschaftsmisere erklärt das aber nicht

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Vergeben ihre Kredite zu strengeren Konditionen als vor der Krise: die Banken
Gibt es wegen der Finanzkrise nicht mehr genug Kredite für die deutsche Wirtschaft? Wer in diesen Tagen mit Unternehmern spricht, bekommt schnell diesen Eindruck. Die Kreditvergabe durch die Banken sei »definitiv ein Problem«, beschwert sich Hakan Samuelson, der Chef des Lastwagenbauers MAN. Der Mittelstand werde durch die Finanzkrise »ausgebremst«, sagt Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbands für mittelständische Wirtschaft. Sogar die Kanzlerin schimpft: Wie »Kaltblüter im Winter« verhielten sich die Banken. Beim Krisengipfel mit Vertretern aus Wirtschaft und Finanzbranche soll am Wochenende auch darüber beraten werden, wie die Kreditvergabe verstärkt werden kann.
Doch ganz so einfach ist sie nicht, die Geschichte von den knausrigen Banken und ihrer darbenden Unternehmerkundschaft. Auf der einen Seite stimmt sie: Bei den Banken sitzt das Geld nicht mehr so locker wie früher.
So stieg die Summe der Kredite, die an Private und Unternehmen vergeben wird, im Oktober zwar um kräftige 6,3 Prozent – und damit sogar schneller als in den Monaten zuvor. Betrachtet man diesen Anstieg allerdings etwas näher, so erscheint er zum Teil als Ausdruck purer Not. Viele Unternehmen, sagt Michael Schubert, Ökonom bei der Commerzbank, reizten derzeit bereits bestehende Kreditlinien aus. Sie beschafften sich Geld, um sich damit für schlechte Zeiten zu wappnen. Andere klingelten bei ihrer Hausbank, weil sie am Kapitalmarkt gar nicht oder nur zu sehr schlechten Konditionen Geld bekommen. Mancher Konzern muss bis zu 9 Prozent Zinsen bieten, wenn er sich über die Ausgabe von Anleihen refinanzieren will – BMW etwa bezahlte kürzlich für eine Anleihe über 750 Millionen Euro 8,875 Prozent. Zum Vergleich: Der Leitzins liegt im Augenblick bei 2,5 Prozent.
Die Investoren verlangen solche Aufschläge, weil sie misstrauisch sind und weitere Pleiten fürchten. Einige Hedgefonds, die früher Risikopapiere gekauft haben, sind ganz verschwunden. Nur wer über die allerbesten Bonitätsnoten verfügt, kommt derzeit am Kapitalmarkt billig an frisches Geld. Der deutsche Staat beispielsweise, eine der sichersten Adressen auf der ganzen Welt, bezahlt nur rund drei Prozent Zinsen.
Vor diesem Hintergrund eines gleichzeitigen Schuldenmachens und Geldhortens ist ein Anstieg der Kreditsumme von gut sechs Prozent nicht viel. Dazu passt, dass in einer Umfrage des Ifo-Instituts kürzlich 35,2 Prozent der Firmen angaben, die Kreditvergabe sei restriktiv – das sind 10 Prozentpunkte mehr als noch vor einem Jahr. »Die Standards für Unternehmenskredite haben sich per saldo verschärft«, schreibt die Bundesbank.
Teilweise werden schlicht die Exzesse der Vergangenheit korrigiert
Auf der anderen Seite aber ist es völlig normal und gesund, wenn die Banken im Abschwung misstrauischer werden und das Geschäft genauer prüfen. Schließlich steigt das Ausfallrisiko, wenn sich die Wirtschaft abschwächt. Teilweise ist die Verschärfung der Kriterien auch bloß eine Normalisierung nach den Exzessen der Vergangenheit. In den Boomjahren haben die Banken Kredite fast ohne Prüfung ausgereicht. Sie haben Übernahmen finanziert, die sich nicht rechnen, und Immobilien, die sich niemand leisten kann.
Von einer echten Kreditklemme sprechen Ökonomen erst dann, wenn die Banken den Firmen auf breiter Basis den Geldhahn zudrehen und auch lohnende Investitionen nicht mehr finanziert werden. »Dafür haben wir noch keine Anzeichen«, sagt Carsten-Patrick Meier, Volkswirt am Kieler Institut für Weltwirtschaft.
Genaue Daten oder Studien gibt es allerdings nicht. Und das, obwohl es für die Wirtschaftspolitik von erheblicher Bedeutung ist, das Problem richtig zu diagnostizieren. Lahmt die Konjunktur, weil angeschlagene Banken kein Geld mehr an gesunde Firmen verleihen, dann müsste das Angebot an Krediten verbessert werden. Der Staat könnte dann die Rettungspakete für die Banken aufstocken, neue Garantien vergeben oder den Instituten vorschreiben, mehr Kredite zu vergeben. Denn je tiefer die Rezession, so Meier, desto mehr schreckten auch staatlich kapitalisierte und gut ausgestattete Banken davor zurück, sich neue Risiken in die Bücher zu nehmen.
Wenn es aber so ist, dass die Banken ihre Kreditkunden nur wieder angemessen prüfen und die Firmen künftig von sich aus kaum noch Geld nachfragen, weil sie weniger investieren oder gleich pleitegehen, dann würden Kapitalspritzen die Probleme nicht lösen. Eine Stützung der Nachfrage – zum Beispiel durch Konjunkturprogramme – wäre dann das Mittel der Wahl.
Wahrscheinlich wird in den kommenden Monaten beides nötig werden, denn die Effekte verstärken sich gegenseitig. Die Auftragseingänge brechen ein, diesen Montag meldete der Automobilzulieferer TMD Friction Insolvenz an. Das bremst die Kreditnachfrage, belastet aber wiederum auch die Banken. Die Institute können weniger Kredit vergeben, was die Lage möglicherweise noch verschlimmert.
Insofern wird die Kanzlerin auch bei den Kreditgesprächen das Thema Konjunkturpaket nicht vermeiden können.
- Datum 04.05.2009 - 10:59 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 11.12.2008 Nr. 51
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Ja, es gibt eine Kreditklemme. Und die könnte in Deutschland viel geringer sein, wenn die Banken das Rettungspaket der Bundesregierung in Anspruch nehmen. Ich habe mal die Summe berechnet, die mindestens an Krediten generierbar wäre, wenn alle Mittel in Anspruch genommen würden. Es sind tatsächlich mindestens 1 Billion (in Zahlen 1.000.000.000.000 €), wenn man den üblichen Eigenkapitalmultiplikator berücksichtigt (zur genauen Berechnung siehe diesen Beitrag im Blick Log)
decoien
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