SAP reagiert auf ProtesteMehr Rechte für die UmweltBedrohliche DatenflutDioxinfleisch gesuchtHier geht’s zur KasseZoff um Gesundheitskarte
Auf welche Weise die Deutschen im Internet bezahlen
Nach massiver Kritik an den geplanten Preiserhöhungen bewegt sich SAP nun auf seine verärgerten Kunden zu. Der Softwarekonzern aus dem badischen Walldorf verkauft und wartet betriebswirtschaftliche Computerprogramme für Unternehmen und hatte im Sommer eine drastische Anhebung der jährlichen Servicegebühren angekündigt: Die orientieren sich an den Kosten für die Nutzungslizenz der Software und sollten für Kunden aus Deutschland und Österreich von 2009 an von 17 auf 22 Prozent steigen. Um das durchzusetzen, hatte SAP etliche bestehende Wartungsverträge gekündigt. Davon ist jetzt nicht mehr die Rede. »Wir bieten unseren Kunden nun an, ihre alten Verträge fortzuführen«, sagteder für Deutschland verantwortliche SAP-Geschäftsführer Volker Merk am Dienstag. Unternehmen hätten künftig die Wahl zwischen einem Standard-Wartungsvertrag und der Luxusvariante namens »Enterprise Support«.
SAP hatte die Wucht des Protests unterschätzt. An die hundert mittelständische Kunden hatten gegen die Walldorfer Pläne revoltiert – unter ihnen der Hausgerätehersteller Miele und die Maschinenbaufirma Krones. Für sie ist der Rückzieher allerdings nur ein halber Sieg. Bei Kunden mit Standardvertrag werde SAP im kommenden Jahr zwar die Gebühren stabil halten, sagte Merk, von 2010 an werde man sie aber individuell im Rahmen der bestehenden Verträge anheben. roh
Pünktlich zum 60. Jahrestag der Erklärung der Menschenrechte fordert der Hamburger Unternehmer Georg Winter, die Charta um eine Erklärung der Rechte der Natur zu ergänzen. »Wer aufgrund der Umweltzerstörung kein Trinkwasser mehr hat, kann mit dem Grundrecht auf Meinungsfreiheit allein nichts anfangen«, sagt Winter. Der 66-Jährige ist als Mittler zwischen Ökonomie und Ökologie sehr bekannt. Bis vor gut zwölf Jahren leitete er gemeinsam mit seinem Bruder die Geschicke des weltweit tätigen Familienunternehmens Ernst Winter und Sohn in Norderstedt bei Hamburg und verfasste nebenbei ein sogar ins Chinesische übersetztes Standardwerk über umweltbewusste Unternehmensführung. Unter anderem dafür wurde er 1995 mit dem hoch dotierten Preis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt ausgezeichnet.
Allerdings trieb ihn schon damals die Frage um, wie er sein Engagement für die Natur noch steigern könnte. Das tat er, indem er in Hamburg das Haus der Zukunft gründete, das er als »Kompetenzzentrum an der Nahtstelle zwischen Wirtschaft und Umwelt« bezeichnet. Letztlich treibt Winter die Vision, den Staat zu einem umweltorientierten Unternehmen zu machen. Verbriefte Rechte der Natur wären ein Schritt in diese Richtung. Ein Vorbild gibt es schon: Als erste Nation hat kürzlich der Andenstaat Ecuador die Rechte der Natur in der Verfassung festgeschrieben. vo
Die unkontrollierbare Vervielfältigung von Daten ist eines der größten Risiken für die Informationsgesellschaft. Das ist eines der Ergebnisse des dritten Internet Governance Forum im indischen Hyderabad, eines Projekts der Vereinten Nationen zu Fragen der weltweiten Netzpolitik. Vor einem drohenden »digitalen Tsunami« warnte Stefano Rodota, der ehemalige Vorsitzende der Datenschutzgruppe der Europäischen Union. Die Informationsmenge werde unter anderem durch die Vernetzung von Gegenständen mittels RFID-Funkchips drastisch zunehmen. »Wir brauchen einige gemeinsame Regeln«, sagte Rodota, »einen Ansatz, der die verschiedenen Interessengruppen und Ebenen zusammenbringt«.
Große Probleme bereitet dabei insbesondere der globale Datenschutz. So arbeiten Experten schon seit zwei Jahren daran, ein Konzept für allgemein verständliche Datenschutzerklärungen im Internet zu entwickeln. Bislang handelt es sich dabei oft um lange Aneinanderreihungen juristischer Fachbegriffe auf den Internetseiten von Sozialen Netzwerken, Onlineshops oder E-Mail-Anbietern. In Hyderabad stellten Netzaktivisten die Idee vor, spezielle Logos zu entwickeln – um die Nutzer von Internetangeboten anhand von Symbolen aufzuklären, welche ihrer Daten gespeichert werden, wie lange, wozu und von wem. mE
Bei welchen deutschen Händlern das mit Dioxin belastete Schweinefleisch aus Irland gelandet ist, wussten die zuständigen Behörden am vergangenen Dienstag noch nicht. Weil die Lieferlisten lang, die Lieferketten verwoben seien, brauche die Recherche ihre Zeit, hieß es in den zuständigen Ministerien der Bundesländer. Sobald klar sei, welche Händler mit welchen Produkten betroffen seien, würden die Verbraucher informiert, so der Sprecher in Nordrhein-Westfalen. Rewe und Edeka hatten ihre Lieferanten bereits aufgefordert, zu prüfen, ob dort das belastete Fleisch womöglich auf Pizzen oder in Würste gelangt ist. Die beiden Supermarktketten verarbeiten selbst kein Frischfleisch aus Irland.
Einfacher wäre die Spurensuche, wenn es eine Herkunftsbezeichnung gäbe. Die aber ist nur bei Eiern und Rindfleisch vorgeschrieben. Wenn etwa in gemischtem Hack der Schweinefleischanteil überwiegt, fällt die Information einfach weg. Sicher fühlen können sich Verbraucher deshalb nur, wenn sie Fleisch mit Ökosiegel kaufen – oder auf das QS-Zeichen achten. Dieses zählt für viele Qualitätsfreunde zwar zu den eher laxeren Siegeln, hat in diesem Fall aber wenigstens den Vorteil, »dass im QS-Prüfsystem kein irisches Schweine- und Rindfleisch produziert, verarbeitet oder vermarktet wird«, heißt es in einer Mitteilung. lüt
Im Internet zahlen die meisten klassisch: per Vorkasse oder Überweisung nach Rechnung. Das berichtet der Hightech-Branchenverband Bitkom. Nur etwa jeder Neunte hat schon mal ein reines Online-Bezahlsystem wie PayPal benutzt, bei dem man zuvor Kontodaten hinterlegen muss. Der Verband preist diese Systeme als bequem und sicher an – was Kreditkartenfirmen freilich auch von sich behaupten. Von den Umfragewerten sollte man zudem nicht auf die Beliebtheit einzelner Zahlungsmethoden schließen, denn viele Internetanbieter lassen nur einen Zahlungsweg zu. Warum sonst sollte ein Drittel der Kunden freiwillig Vorkasse leisten? roh
Patienten und Ärzte fühlen sich durch viele Anwendungen der elektronischen Gesundheitskarte überfordert. Die Karte soll im nächsten Jahr bundesweit eingeführt werden und einen digitalen Zugriff auf zahlreiche medizinische Informationen ermöglichen. Ein Test der Gematik (Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte)ergab jedoch: Ärzte nutzen die Möglichkeit kaum, mittels der Karte Notfalldaten des Patienten zu speichern. Dabei handelt es sich etwa um Informationen über Diagnosen, Verordnungen und Unverträglichkeiten. Von dieser Anwendung versprechen sich Politiker schnellere Hilfe für Herzpatienten, Allergiker und chronisch Kranke, die ihre wichtigsten Daten immer bei sich hätten. Bei mehr als 14000 Testläufen wurden jedoch gerade mal in 281 Fällen entsprechende Datensätze eingelesen.
Der Grund: Es ist zu kompliziert und dauert zu lange. Bislang müssen die Informationen nämlich von Hand aus den Computersystemen der Arztpraxen übertragen werden. Für die Karte eines einzelnen Patienten benötigen die Ärzte etwa 20 Minuten. Außerdem müssen die Patienten während des Vorgangs dreimal eine sechsstellige Geheimzahl eingeben, um den Datenschutz zu gewährleisten. Die Gematik will nun Richtlinien erarbeiten, damit die Notfalldaten in Zukunft automatisch von der Praxisverwaltungssoftware auf die Gesundheitskarte übernommen werden können. jj
Foto: Rene Menges Foto: Karl Hoffmann/visum
- Datum 10.12.2008 - 10:01 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 11.12.2008 Nr. 51
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