Konjunkturförderung Allein zu Haus

Ist Deutschland in der Wirtschaftskrise auf einem Sonderweg? - Josef Joffe meint Ja

Mensch, isolier Dich nicht« war ein beliebtes Kabinettspiel im 19. und früheren 20. Jahrhundert. Irgendeine Hauptstadt wurde immer »isoliert«, sei’s in einer Balkan- oder Marokko-Krise. Oder beim Wiener oder Berliner Kongress. Das sollte dann schrecklich peinlich für den Isolierten sein. Womöglich wollte dann niemand beim allabendlichen Ball mit ihm tanzen.

Bloß: Das dauerte höchstens einen Walzer lang, und deshalb die frappante Ähnlichkeit mit dem beliebten Brettspiel »Mensch, ärgere Dich nicht«, wo die Fortüne bekanntlich im Minutentakt die Seiten wechselt. Der Isolierte am Vormittag war der Isolierer am Nachmittag – ein Spielchen, das hauptsächlich die jeweilige Opposition und die Leitartikler daheim interessierte, damals wie heute, da Angela Merkel als »Madame No«, wie es heißt, von der Tanzfläche vertrieben worden sei.

Auch das ist morgen vorbei. Das Spiel hat erst ernste Folgen, wenn nicht isoliert, sondern konspiriert wird – wenn sich dauerhafte Allianzen bilden. Kein Staat hat diese Fährnis je ernster genommen als der moderne deutsche – und dies zu Recht, damals wie heute. Für Friedrich den Großen, der sich im Siebenjährigen Krieg von ganz Europa umzingelt sah, wurde der »Albtraum der Koalition« zum Nationaltrauma schlechthin. Bismarck nannte es die »Kaunitzsche Politik« – nach dem Wiener Kanzler, der die Einkreisung inszeniert hatte.

»Ein französisches Blatt«, notierte Bismarck 1877, »sagte neulich von mir, ich hätte le cauchemar des coalitions«. Das sei richtig. Dieser »Alb wird für einen deutschen Minister noch lange, und vielleicht immer, ein sehr berechtigter bleiben« (siehe Weltkrieg I und II). Deshalb formulierte Bismarck im Kissinger Diktat das klassische Dogma aller deutschen Politik, das bis heute gilt. Er wollte eine »Gesamtsituation, in welcher alle Mächte außer Frankreich unserer bedürfen, und von Koalitionen gegen uns abgehalten werden«. Berlin war sozusagen die Nabe, die anderen bildeten die Speichen, die sich um, aber nie gegen die Mitte gruppierten. Hinzu kam die »Ausführungsbestimmung«, wie Bismarck sie dem russischen Gesandten Saburow empfahl: immer »selbdritt« auf dem europäischen Schachbrett sein; das sei die beste Versicherung gegen Koalitionen.

Warum dieser Griff in die deutsche Geschichte? Weil von Bismarck bis Brandt, ja bis Merkel die Anti-Albtraum-Strategie des Eisernen Kanzlers eisernes Gesetz deutscher Politik war: Immer in der Mitte, aber mit den Mehreren. Wer gegen das Gesetz wie Wilhelm II. und Adolf H. verstieß, wurde mit dem Untergang bestraft.

Selbst Gerhard Schröder, der zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik gegen das zweite Gesetz der deutschen Diplomatie (»nie schlechte Beziehungen zu Amerika«) verstieß, stellte sicher, dass er zumindest »selbdritt« war, also mit Frankreich und Russland. Kaum Kanzlerin, kehrte Angela Merkel auf den Weg der Gründerväter zurück: nie allein zu Haus (oder nur mit den Wenigen), sondern immer in der Schlüsselposition (»Nabe«) innerhalb der größtmöglichen Gemeinschaft. Das hat Berlin diesmal aus unerklärlichen Gründen nicht beherzigt.

Wenn wie am Montag in London das »Selbdritt« aus dem Briten Brown, dem Franzosen Sarkozy und dem EU-Kommissionschef Barroso besteht, dann ist das in der Tat »nicht schön«, wie Merkels Rivale (und jetziger Außenminister) Steinmeier notiert. In Paris munkeln sie von »Umzingelung« – links wie rechts. Das Linksblatt Libération nörgelt an ihrem »isolationistischen Kurs«, der rechtsbürgerliche Figaro grollt wider das »germanische Europa« (eigentlich ein Winz-Europa mit Warschau und Prag), das unter teutonischem Diktat der Deflation huldige.

Das sind die üblichen Sprüche der »Pressbengel«, wie Bismarck die Journaille nannte. Die ernstere Kritik ist vielmehr, dass die Kanzlerin in dieser Krise ihren ureigenen Stil, der zugleich ein klassisch deutscher in der Bismarck-Adenauer-Tradition ist, beiseitegelegt hat. Wir erinnern uns, wie unermüdlich sie sonst im europäischen Weinberg gewirkt hat – immer die Einzelinteressen zu einem Ganzen verknüpfend, immer in der Mitte die Fäden der Überzeugung (und der Macht) ziehend. Dabei hat Merkel das Cancan-Trara des Nicolas Sarkozy ebenso vermieden wie das heiße Licht der Medien. Sie blieb geschäftsmäßig zielorientiert, das war schon mal der halbe Erfolg. Der Trick dabei ist seit Bismarck, die eigenen Interessen zu befördern, indem man die der anderen mitträgt. Das Kollektiv nicht als teutsche Tugend, sondern als deutscher Hebel.

Umso verwunderlicher ist es, dass Merkel und ihr neuer Freund Steinbrück (SPD, was aber ein Drittel der Bevölkerung nicht weiß) diesen Hebel ohne Not aus der Hand gegeben haben. Es gibt reichlich gute Argumente gegen Konjunkturprogramme (und Konsumgutscheine sowieso), aber warum in dem barschen Ton, der schon den Meisterdiplomaten Schröder auszeichnete, als er gegen das »Verbraten« deutscher Gelder in der EU wetterte?

Merkel und Steinbrück erzählen allen, die es nicht hören wollten, dass deutsche Extraausgaben im Ausland »verpuffen« würden. Mag sein, aber erstens ist das »Ausland« hauptsächlich die EU, also eine Art »Inland«, und zweitens ziemt es einer Wirtschaftssupermacht (Nummer eins in Europa, Nummer drei in der Welt) nicht, wie ein Zukurzgekommener zu reden. Niemand profitiert mehr von Europa als der Exportweltmeister; deshalb dürfen die Deutschen ruhig etwas mehr in Europa investieren als die Kleineren.

Wenn Merkels Regierungssprecher trotzig ins Horn stößt, »dass ohne Deutschland nichts geht«, dann gilt das Gegenteil erst recht: Weil Deutschland der Elefant im Euro-Garten ist, trägt es Verantwortung für das Ganze. Das wäre auch nicht schwer. Man darf nur nicht Steuersenkung und Konsumgutscheine als Blödsinn etikettieren und zugleich mit einem Konjunkturprogramm von 31 Milliarden protzen. Es sind zwar nur zehn »echte« Milliarden; der Rest war schon vorher in der Pipeline, aber Sarkozy schummelt ähnlich kreativ. Vollends zum Verwirrspiel wird es, wenn es die Kanzlerin nach dem Pendler-Urteil für »absolut richtig« hält, »das Geld jetzt den Menschen direkt zurückzugeben«. Das erzeuge einen Nachfrageschub im Land. Wo bleibt Peer Steinbrücks kategorisches Nein zu Konsumgutscheinen?

Ganz kühl betrachtet, schwimmt Berlin trotz aller entgegengesetzten Rhetorik wie eh und je im europäischen Geleitzug, wo sie alle etwa ein Prozent des Bruttoinlandsproduktes in die Wirtschaft pumpen (nur Obama will wirklich massiv mit etwa vier Prozent intervenieren). Wie Paris widmet Berlin um, was schon geplant war; wie alle anderen hat auch Deutschland massenhaft Liquidität ins Finanzsystem gedrückt. Wenn Berlin isoliert ist, dann hat es sich selber isoliert – und ohne Not. Wenn das eigene Handeln irgendwo in der Mitte der europäischen Straße verläuft, warum mit kessen Ohne-mich-Sprüchen einen deutschen Sonderweg vorgaukeln?

Ein Vorwurf bleibt: Diese Krise ist die Stunde der Großen. Die beiden Zweitgrößten England und Frankreich haben die Chance ergriffen, die Nummer eins hat sie wie in einem Blackout fallen lassen. War sie machtvergessen? Nennen wir es lieber pflichtvergessen. Der Starke ist mächtig nur, wenn er die Verantwortung übernimmt, statt sich mit niedergeschlagenem Blick und vorgeschobenem Kinn an die Bar zu verziehen. Zurück auf die Tanzfläche. Die anderen warten.

Ist Deutschland im Kampf gegen die Wirtschaftskrise isoliert? Diskutieren Sie mit: www.zeit.de/debatte/merkel

 
Leser-Kommentare
    • Anonym
    • 11.12.2008 um 8:30 Uhr

    Prinzipielles vorneweg:
    Ein schön geschriebener Artikel, klar und verständlich verfasst und, wie ich finde, durchaus den Nagel auf den Kopf treffend.

    Deutschland geht einen Sonderweg, richtig, darin sehe ich aber nicht unbedingt etwas negatives. Ich glaub kaum, dass jemand das deutschen Land besser kennt als die Deutschen und da die Merkelsche nun mal unsere gewählte Führerin ist darf sie eben entscheiden, in welche Richtung wir denn jetz erstmal marschieren. Ob zu gutem oder schlechtem Ausgang, das sei mal dahingestellt. Aber dass ein Sarkozy oder ein Brown jetz daherkommt, die ja nun beide nicht durch wirtschaftliches Genie glänzen können, und behaupten: "So und nicht anders muss es gemacht werden!" ist doch ein wenig grotesk.
    Insbesondere beim Herrn Brown, dem ollen Euroskeptiker, treu seiner gedanklichen Großmutter MAggie Thatcher folgend, welche da eins forderte "I want my money back!" - will sagen: dieser Herr Brown kommt jetz auf einmal mit der "wir müssen zusammenhalten, sonst klappt die sache nicht"-keule an? Na lass das mal vor der Krise die Frau Merkel sagen, die britische Sun und Konsorten hätten sich überschlagen, was den Hunnen jetz schon wieder für Invasionspläne vorschweben.

    Lange Rede, kurzer Sinn - der deutsche Sonderweg ist eine Sache der Deutschen, da dürfen die Briten und Franzosen uns gerne bei zuschauen, aber eben nur vom Spielfeldrand.

    • doof
    • 11.12.2008 um 9:09 Uhr

    zunächst mal erinnert mich die situation eher an ein erbittertes monopoly-spiel denn an 2mensch-ärgere-dich-nicht".
    zudem ist noch nicht ausgemacht, welche strategie hier sinnvoll ist.
    es gibt doch den schönen spruch: wenn die anderen in den rhein springen, musst du noch lang nicht hinterher?
    wer sagt denn dass das schwimmen gepachtet ist?
    und nach einem solchen sprung finde ich sieht es leider aus.
    vielleicht sollten die "anderen" bevor sie zum sprung ansetzen inne halten und sich der strömungen unter wasser bewusst sein .... anstatt den rest, wie bisher, ebenfalls zum sprung zu treiben?

    • Hipper
    • 11.12.2008 um 9:48 Uhr

    Die hiesige Politik wirkt so, als ob man die Krise nicht wahrhaben wolle, weil sie den gesamten politischen Fahrplan über den Haufen wirft. Erst lehnt man brüsk Konjunkturprogramme ab, dann legt man ein halbgares Minipaket auf, distanziert sich aber gleichzeitg (rhetorisch) von Konjunturstützen, spannt einen Schutzschirm für die Banken, unter den die Kredithäuser aber nicht so recht krabbeln mögen und nun die Kehrwende in der Klimapolitik. Ganz unabhängig davon, was man von diesen einzelnen Maßnahmen hält: Die deutsche Politik erscheint insgesamt wankelmütig und geht im internatonalen Kontext dabei gleichsam einen irrationalen Sonderweg.

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    Als Beispiel für dieses Planlosigkeit sei nur auf den Umweltschutz verwiesen. So wurde bis vor kurzem behauptet, Umweltschutzt kostet keine Arbeitplätze, sondern schafft Neue.

    So, so. Und was hören wir jetzt von Frau Merkel? Man müsse die Ziele etwas strecken um keine Arbeitsplätze zu gefährden. AHA!
    Die Amerikaner die sich nach Bush nun für den Umweltschutz stark machen, werden sich verwundert die Augen reiben.

    Angela Merkel wird seit einiger Zeit Madame No genannt. Dies ist kein Lob für Standhaftigkeit, sondern mehr Ausdruck von Einfallslosigkeit. Jahrelang haben wir uns über polnische Blockaden aufgeregt, und nun zeigen wir uns als Vorreiter mangelder Kompromissfähigkeit.

    Als Beispiel für dieses Planlosigkeit sei nur auf den Umweltschutz verwiesen. So wurde bis vor kurzem behauptet, Umweltschutzt kostet keine Arbeitplätze, sondern schafft Neue.

    So, so. Und was hören wir jetzt von Frau Merkel? Man müsse die Ziele etwas strecken um keine Arbeitsplätze zu gefährden. AHA!
    Die Amerikaner die sich nach Bush nun für den Umweltschutz stark machen, werden sich verwundert die Augen reiben.

    Angela Merkel wird seit einiger Zeit Madame No genannt. Dies ist kein Lob für Standhaftigkeit, sondern mehr Ausdruck von Einfallslosigkeit. Jahrelang haben wir uns über polnische Blockaden aufgeregt, und nun zeigen wir uns als Vorreiter mangelder Kompromissfähigkeit.

  1. Es ist schon beeindruckend, wie die >Pressbengel< eine Art > Tour d`Horizon < der Politik der vergangenen 200 Jahre absolvieren und locker die richtigen Vorschläge für die augenblickliche Kapitalismuskrise ableiten.

    Die derzeitige Krise hat mit einem Spiel überhaupt nichts zu tun, schon gar nicht ist es eine Art >Mensch ärgere den Anderen< der im gleichen Boot sitzt. Schaukeln die Politiker den Kahn zu sehr, spielen sie mit dem Untergang von Millionen Bürgern in Europa. Darin haben die Herren Politiker aber ja Routine wie die genannten Beispiele Wilhelm II und Adolf H. zeigen. Ein sehr merkwürdiger Verweis übrigens in dem Artikel, das muss man schon sagen.

    Wir können von Glück sagen, dass wir derzeit einen Finanzminister haben, der rechnen kann und nicht die diplomatischen Kabinettstücke der Vergangenheit neu aufführen muss. Reale Wirtschaft ist bis zu einem gewissen Grade berechenbar. Das haben die Banker in ihrem Wahn leider übersehen. Schon vergessen?

    Nichts kann darüber hinwegtäuschen, dass wir über unsere Verhältnisse leben. Alles, was jetzt an Kapital aufgewendet wird, sind zusätzliche Schulden, die noch viele Jahrzehnte in Form von Zinsen den Haushalt belasten werden. Nach den besten Hebelpunkten zu suchen ist eine Tugend.

    Woher kann man zusätzliches Geld bekommen? Fragen sie mal alle hoch verdienenden Schlaumeier was sie davon halten, den Spitzensteuersatz wieder auf 50 % anzuheben. Geld ausgeben ist eine feine Sache, wenn es nicht aus der eigenen Börse geht.

    Schaffen wir Ordnung im eigenen Haus, dann ist überall Ordnung.

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    Da haben Sie Recht, amadeusw! Und noch mehr: Joffe scheint Bismarck zu verehren und vergisst, dass er ein Monarchist, ein Antidemokrat und Zentralist war. Dass nun mal alle Politik vom Parlament ausgeht und heute eben von Berlin, gibt doch weißgott nicht das Argument her, die in Berlin wollen regieren wer der Bismarck seinerzeit oder gar der Olle Adolf.

    Eine unglaubliche Geschichtsverdrehung, die Joffe hier vornimmt. Er sollte endlich in den (Vor-)Ruhestand gehen. Seine Fantasien braucht kein vernünftiger Mensch!

    Da haben Sie Recht, amadeusw! Und noch mehr: Joffe scheint Bismarck zu verehren und vergisst, dass er ein Monarchist, ein Antidemokrat und Zentralist war. Dass nun mal alle Politik vom Parlament ausgeht und heute eben von Berlin, gibt doch weißgott nicht das Argument her, die in Berlin wollen regieren wer der Bismarck seinerzeit oder gar der Olle Adolf.

    Eine unglaubliche Geschichtsverdrehung, die Joffe hier vornimmt. Er sollte endlich in den (Vor-)Ruhestand gehen. Seine Fantasien braucht kein vernünftiger Mensch!

  2. Als Beispiel für dieses Planlosigkeit sei nur auf den Umweltschutz verwiesen. So wurde bis vor kurzem behauptet, Umweltschutzt kostet keine Arbeitplätze, sondern schafft Neue.

    So, so. Und was hören wir jetzt von Frau Merkel? Man müsse die Ziele etwas strecken um keine Arbeitsplätze zu gefährden. AHA!
    Die Amerikaner die sich nach Bush nun für den Umweltschutz stark machen, werden sich verwundert die Augen reiben.

    Angela Merkel wird seit einiger Zeit Madame No genannt. Dies ist kein Lob für Standhaftigkeit, sondern mehr Ausdruck von Einfallslosigkeit. Jahrelang haben wir uns über polnische Blockaden aufgeregt, und nun zeigen wir uns als Vorreiter mangelder Kompromissfähigkeit.

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    Versuchen sie doch mal kurzfristiges handeln und langfristige strategie auseinander zu halten.

    Ein land, welches eine (mit ausnahmen von z.b. produkten der kfz-industrie) effiziente industrie & produkte besitzt, hat eine andere lagfristplanung und langfristperspektive wie die laender die ihr geld lieber in finanzspielchen als in industrie investiert haben und sich durch hohe finanzrenditen selber deindustrialisiert haben. Es gibt genuegend aufgaben und regionen auf dieser welt die die angesehenen deutschen effizienztechnologien benoetigen. Das ist die zukunft. Aber was haben schon die amis und briten der welt ausser eine ausgeweidete leiche zu bieten? Die zukunft fuer die naechsten jahrzehnte liegt im osten und nicht im westen. Dort herrscht investitionsbedarf gedeckt durch rohstoffe und/oder kapital.

    Darum: Heute schon an uebermorgen denken. Wer genug briketts im keller hat kann sich das leisten die panik der amis,briten und francs zu belaecheln.

    Kommentare wie: 'Arbeitsplaetze nicht gefaehrden' dienen nur der vermeidung von katastropen bis der neue kurs erreicht ist. Der konflikt ist also nicht schwarz/weiss sondern wo ist die bruchkante zwischen kurzfrist/langfrist handeln.

    Versuchen sie doch mal kurzfristiges handeln und langfristige strategie auseinander zu halten.

    Ein land, welches eine (mit ausnahmen von z.b. produkten der kfz-industrie) effiziente industrie & produkte besitzt, hat eine andere lagfristplanung und langfristperspektive wie die laender die ihr geld lieber in finanzspielchen als in industrie investiert haben und sich durch hohe finanzrenditen selber deindustrialisiert haben. Es gibt genuegend aufgaben und regionen auf dieser welt die die angesehenen deutschen effizienztechnologien benoetigen. Das ist die zukunft. Aber was haben schon die amis und briten der welt ausser eine ausgeweidete leiche zu bieten? Die zukunft fuer die naechsten jahrzehnte liegt im osten und nicht im westen. Dort herrscht investitionsbedarf gedeckt durch rohstoffe und/oder kapital.

    Darum: Heute schon an uebermorgen denken. Wer genug briketts im keller hat kann sich das leisten die panik der amis,briten und francs zu belaecheln.

    Kommentare wie: 'Arbeitsplaetze nicht gefaehrden' dienen nur der vermeidung von katastropen bis der neue kurs erreicht ist. Der konflikt ist also nicht schwarz/weiss sondern wo ist die bruchkante zwischen kurzfrist/langfrist handeln.

  3. Ein Aspekt wird in dem Artikel vergessen: Deutschland befindet sich im Vorwahlkampf. Dabei sind die Themata 'Steuersenkungen' und 'Steuerreform' unabdingbare Bestandteile der alten Textbücher mit ihren vielen griffigen Absichtserklärungen. Das Thema 'Steuern' positioniert, mit dem Thema 'Steuern' kann man sich profilieren - und man wird, analog zum Thema Innere Sicherheit, einen Teufel tun, etwas zu ändern. Man braucht das Thema einfach für zukünftige Wahlkämpfe. Und aus diesem Grunde macht man einfach nichts.

    Übrigens - schon vergessen? die CSU wurde im bayerischen Landtagswahlkampf nicht müde, die Rückkehr zur alten Pendlerpauschale zu fordern. Wenige Wochen vor der dann mit Pauken und Trompeten verlorenen bayerischen Landtagswahl lehnte man die eigene Forderung im Bundestag dann ab.

  4. Da haben Sie Recht, amadeusw! Und noch mehr: Joffe scheint Bismarck zu verehren und vergisst, dass er ein Monarchist, ein Antidemokrat und Zentralist war. Dass nun mal alle Politik vom Parlament ausgeht und heute eben von Berlin, gibt doch weißgott nicht das Argument her, die in Berlin wollen regieren wer der Bismarck seinerzeit oder gar der Olle Adolf.

    Eine unglaubliche Geschichtsverdrehung, die Joffe hier vornimmt. Er sollte endlich in den (Vor-)Ruhestand gehen. Seine Fantasien braucht kein vernünftiger Mensch!

    Antwort auf "Keine Spielchen"
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    die mochten Bismarck auch nicht - und mögen ihn heute noch nicht, - weil er gute deutsche Politik machte und ihnen dabei gefährlich wurde. Dass "alle Politik vom Parlament ausgeht" - vermittelt leider nicht immer den Eindruck, als wollen "die in Berlin regieren, wie Bismarck (lassen wir Hitler hier - alleine der Höflichkeit halber lieber aus dem Spiel) - Dass sie's nicht können (das Regieren) ist die eine bedauerliche Sache, dass sie's oft aber gar nicht richtig wollen, weil sie zu sehr mit sich selbst (und ihrer Wiederwahl) beschäftigt sind, das ist schon mehr, als nur bedauerlich, - es ist eine Schande, - oder, etwas pathetisch ausgedrückt, sogar eine Tragödie.

    die mochten Bismarck auch nicht - und mögen ihn heute noch nicht, - weil er gute deutsche Politik machte und ihnen dabei gefährlich wurde. Dass "alle Politik vom Parlament ausgeht" - vermittelt leider nicht immer den Eindruck, als wollen "die in Berlin regieren, wie Bismarck (lassen wir Hitler hier - alleine der Höflichkeit halber lieber aus dem Spiel) - Dass sie's nicht können (das Regieren) ist die eine bedauerliche Sache, dass sie's oft aber gar nicht richtig wollen, weil sie zu sehr mit sich selbst (und ihrer Wiederwahl) beschäftigt sind, das ist schon mehr, als nur bedauerlich, - es ist eine Schande, - oder, etwas pathetisch ausgedrückt, sogar eine Tragödie.

  5. Als Mitterand vor der deutschen Wiedervereinigung warnte, verbuchte ich das unter kleingeistigem Konkurrenzneid eines Staatsmannes, der daurch auch ein wenig einer in ihrem (narzisstischen) Selbsbild gestörten (oft allzu stolzen) Nation Ausdruck gab.

    Mittlerweile bin ich mir dieser Diagnose nicht mehr sicher.

    Die alte Bundesrepublik war faktisch als auch mental und emotional fest in Europa verankert und der europäischen Integration verpflichtet. Bonn war die europäischeste Hauptstadt. Es war Bonn die (oft einzige) Hauptstadt, in der Probleme immer auch in ihrer europäischen Dimension mitbedacht wurden, indem man wagte, den provinziellen und selbstreferenziellen Rahmen der eigenen Nation mental zu sprengen. Auf den daraus resultierenden rationalen, ausgleichenden und konstruktiven Politikansatz konnte man wahrlich stolz sein: Das gesamte politische Spitzenpersonal der alten Bundesrepublik war dieser Herausforderung gewachsen.

    Ist es nun Zufall, dass ausgerechnet von den bisher einzigen KanzlerInnen des wiedervereinigten Deutschland teilweise, aber immer wieder, der bewährte europapolitische Ansatz der alten Bundesrepublik verlassen wird. Immer wieder wird neuerdings das deutsche Auftreten in Europa als schulmeisterlich, arrogant und bar jeder Rücksichtnahme auf den europäischen Kontext empfunden. Wobei in vielen Fällen besonders unterstrichen werden muss, dass gerade der Ton die Musik macht: Man kann in vielen Punkten nicht einer Meinung sein. Gerade aber das größere Deutschland darf aber aus wohlverstandenem Eigeninteresse nie, nie und nochmals nie seinen europäischen Partnern schlicht die Diskussion verweigern.
    Ebesowenig ist die Kraft von einzelnen Formulierungen zu übersehen: Dass EU Partner in Berlin einfach, tout court, als "Ausland" bezeichnet werden, zeigt, dass der neuen Berliner Elite die gesitige Statur fehlt, um sich den europäischen Herausforderungen zu stellen.

    Ich sage es ganz offen: In bestimmten Momenten wünsche ich mir die alte Bundesrepublik zurück...

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    • doof
    • 11.12.2008 um 11:41 Uhr

    ich auch.

    Immer wieder wird neuerdings das deutsche Auftreten in Europa als schulmeisterlich, arrogant und bar jeder Rücksichtnahme auf den europäischen Kontext empfunden.

    Ganz im Gegensatz zu unseren französischen Nachbarn, die sich immer total selbstlos um den europäischen Kontext bemühen? Oder unsere britischen EU-Freunde?

    Also bitte. Dieser Kommentar ist soweit weg von der Wirklichkeit, kaum zu glauben, dass das ernst gemeint sein soll.

    Warum ist es so schlimm, dass wir jede neue Mode nicht sofort mitmachen? Was habt ihr gegen einen Weg Deutschlands? Sonderwege gibt es in Europa auch von anderen (Frankreichs Mittelmehrunion), ganz zu Schweigen davon, dass die englischen Bremser nun wirklich kein integraler bestandteil Europas sind. Alle gehen ihren eigenen nationalen Egoismen nach und nur weil Deutschland nun auch mal "so nicht" sagt, schreit alle Welt auf? Warum sollen wir nicht auch unsere Sicht der Dinge vertreten? Man muss nicht auf Teufel komm raus, jeden Kompromiss schliessen, nur um die Egos unserer Nachbarn zu befriedigen.

    Die Umfragewerte zeigen ganz klar, dass die Mehrheit der Deutschen hinter der Politik unserer Spitzen (in dieser Frage) steht. Deutschland hat schon mehr Schulden, als es wirklich bewältigen kann und da sollen noch mehr dazu kommen, nur weil den Sarkozys und Browns nichts besseres einfällt?

    Durchhalten Merkel/Steinbrück! Wenn wir wissen, wie sich die Dinge entwickeln, haben wir noch Reserven. Die anderen haben ihr gesamtes Pulver für Jahre verschossen. Da lobe ich mir den "deutschen Sonderweg" (der gar keiner ist...).

    • doof
    • 11.12.2008 um 11:41 Uhr

    ich auch.

    Immer wieder wird neuerdings das deutsche Auftreten in Europa als schulmeisterlich, arrogant und bar jeder Rücksichtnahme auf den europäischen Kontext empfunden.

    Ganz im Gegensatz zu unseren französischen Nachbarn, die sich immer total selbstlos um den europäischen Kontext bemühen? Oder unsere britischen EU-Freunde?

    Also bitte. Dieser Kommentar ist soweit weg von der Wirklichkeit, kaum zu glauben, dass das ernst gemeint sein soll.

    Warum ist es so schlimm, dass wir jede neue Mode nicht sofort mitmachen? Was habt ihr gegen einen Weg Deutschlands? Sonderwege gibt es in Europa auch von anderen (Frankreichs Mittelmehrunion), ganz zu Schweigen davon, dass die englischen Bremser nun wirklich kein integraler bestandteil Europas sind. Alle gehen ihren eigenen nationalen Egoismen nach und nur weil Deutschland nun auch mal "so nicht" sagt, schreit alle Welt auf? Warum sollen wir nicht auch unsere Sicht der Dinge vertreten? Man muss nicht auf Teufel komm raus, jeden Kompromiss schliessen, nur um die Egos unserer Nachbarn zu befriedigen.

    Die Umfragewerte zeigen ganz klar, dass die Mehrheit der Deutschen hinter der Politik unserer Spitzen (in dieser Frage) steht. Deutschland hat schon mehr Schulden, als es wirklich bewältigen kann und da sollen noch mehr dazu kommen, nur weil den Sarkozys und Browns nichts besseres einfällt?

    Durchhalten Merkel/Steinbrück! Wenn wir wissen, wie sich die Dinge entwickeln, haben wir noch Reserven. Die anderen haben ihr gesamtes Pulver für Jahre verschossen. Da lobe ich mir den "deutschen Sonderweg" (der gar keiner ist...).

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