Die nuller Jahre

"Moscheen symbolisieren den Wunsch zu dominieren"

Die Islamkritikerin Ayaan Hirsi Ali über das Jahrzehnt, in dem sich der Westen vor Muslimen zu fürchten begann

Von Jörg Burger

Das ZEITmagazin hat zahlreiche Persönlichkeiten nach ihrer persönlichen Bilanz der "nuller Jahre" befragt - jenem kurzen Jahrzehnt, das mit den Terroranschlägen am 11. September 2001 begann und mit dem Zusammenbruch des Finanzsystems2008 endet.

ZEITmagazin: Frau Hirsi Ali, Sie nennen den Islam "gefährlich, rückwärtsgewandt, böse". Übertreiben Sie nicht maßlos?

Ayaan Hirsi Ali: Die meisten Muslime sind gute Menschen. Aber als Philosophie, als Lebensstil, ist der Islam schlecht. Muslime, die sich den Propheten Mohammed strikt zum Vorbild nehmen, führen ein Leben, das mit dem in westlichen Ländern nicht vereinbar ist. Viele Muslime haben den Wunsch, mit ihren Ideen und Ansichten akzeptiert zu werden, zum entscheidenden Konflikt des Jahrzehnts gemacht – vielleicht sogar zum Konflikt des Jahrhunderts.

ZEITmagazin: Sie kamen 1992 in die Niederlande und erhielten Asyl. Als Parlamentsabgeordnete verursachten Sie Aufregung, und Ihre 2006 als Buch erschienene Lebensgeschichte hat viele Menschen bewegt. Nun leben Sie zurückgezogen in den USA. Sie sind heute nicht milder?

Hirsi Ali: Es ist wichtig, dass jemand die Wahrheit sagt. Der Islam gebiert auch Gewalt und die Unterdrückung von Frauen. Als mächtige weltweite Bewegung zwingt er seine Ideen anderen Menschen auf. Der letzte Beweis dafür sind die Anschläge von Mumbai.

ZEITmagazin: In Deutschland glauben viele zum Glück immer noch, dass es besser ist, niemandem vorzuschreiben, wie er zu leben hat.

Hirsi Ali: Ein deutscher Journalist in den USA sagte mal zu mir: Du willst, dass wir sie überzeugen, Wurst zu essen und Bier zu trinken! Dabei kämpfe ich nur für die Freiheit. Dafür, dass Mädchen zur Schule gehen dürfen. Dass keine Frau mehr genital verstümmelt wird, so wie ich das als kleines Mädchen erlitten habe, weil meine Großmutter in Somalia dafür sorgte.

ZEITmagazin: Sie halten uns Deutsche für naiv?

Hirsi Ali: Ja. Wir müssen die Muslime überzeugen, aber auch Druck ausüben, damit sie unsere Werte akzeptieren.

ZEITmagazin: In Deutschland entstehen gerade viele große Moscheen, der Islam ist sichtbarer geworden als je zuvor.

Hirsi Ali: Moscheen im öffentlichen Raum sind politische Statements. Sie haben mit Integration nichts zu tun. Für mich symbolisieren sie den Wunsch zu dominieren. Die Deutschen sollten den Muslimen klarmachen, dass das inakzeptabel ist.

ZEITmagazin: Im Jahr 2004 wurde der niederländische Regisseur Theo van Gogh von einem Muslim ermordet. Er hatte den Kurzfilm Submission 1 gedreht, nach Ihrem Drehbuch – die Geschichte sexuell missbrauchter Musliminnen, erzählt von Frauen, auf deren nackte Körper Koranverse gemalt sind. Bedauern Sie die Provokation?

Hirsi Ali: Ich bedauere nur Theos Tod.

ZEITmagazin: Sie hatten angekündigt, eine Fortsetzung des Films zu drehen, aber es gab nie eine. Doch Skrupel?

Hirsi Ali: Ich war einfach zu beschäftigt, ich arbeite am American Enterprise Institute in Washington. Ich forsche über den Islam und halte Vorträge an Universitäten und Highschools.

ZEITmagazin: Ihr Institut steht den Republikanern nahe. Sind Sie womöglich einer der letzten Fans von George W. Bush?

Hirsi Ali: Als ich 2006 in den USA eintraf, hat mich die Regierung sehr herzlich willkommen geheißen. In diesem Sinne bin ich tatsächlich ein Fan von George W. Bush. Trotzdem bin ich froh, dass Barack Obama gewählt wurde. Er hat große Führungsqualitäten.

ZEITmagazin: Freuen Sie sich, die Niederlande verlassen zu haben?

Hirsi Ali: Nein, ich vermisse das Land sehr.

ZEITmagazin: Dort waren Sie Tag und Nacht umgeben von Leibwächtern. Sind Sie noch in Gefahr?

Hirsi Ali: Ja, selbst essen gehe ich nur in Begleitung von Bodyguards.

ZEITmagazin: In die Politik wollen Sie nicht mehr?

Hirsi Ali: Nein, ich bevorzuge das intellektuelle Leben.

Das Gespräch führte Jörg Burger

Hirsi Ali, 39, aus Somalia war niederländische Abgeordnete. 2006 ging sie nach heftiger Kritik an ihrer Haltung zum Islam in die USA. Ihre Liebe zu Holland zeigt sie noch heute stolz.

Anzeige
Leser-Kommentare

  1. Was nützt die immergleiche Diskussion um das Thema fortschreitende Islamisierung? Von welcher Seite wir das Problem auch betrachten, wir drehen uns im Kreis! Auf der einen Seite steht die überwiegende Anzahl von Politikern, die uns, ob gekauft oder aus Überzeugung ist noch zu erforschen, unter tätiger Mithilfe - um nicht zu sagen bewußter Manipulation und Desinformation - der Medien jeglicher Art weismachen wollen, welche "Bereicherung" die Anwesenheit einer immer größer werdenden Menge von Menschen eines völlig fremden Kulturkreises sei.
    Auf der anderen Seite stehen Personen - wie hier exemplarisch Hirsi Ali - die bewundernswerter Weise nicht müde werden uns die Gefahren ebendieser Entwicklung vor Augen zu führen, und das mit dem Vorteil,genau zu wissen, wovon sie reden, da sie die "Vorzüge" islamischer Lebensart in hinlänglichem Maße am eigenen Leibe erfahren durften.
    Mittendrin steht der deutsche Michel, hin und her gerissen zwischen den Positionen, obwohl er sich doch eigentlich mit "sowas" nicht beschäftigen möchte und viel lieber mit dem Feierabendbier am Hals die Sportschau guckt! Gleichwohl kommt ihm so einiges merkwürdig vor: die paar Moslems, die vor einigen Jahren noch gute Kollegen waren sind sehr viel aggressiver geworden und schotten sich total ab. Das gesellschaftliche Klima in seinem Sprengel hat sich schleichend verändert. Das Straßenbild ist ob der Vielzahl ausländischer Gestalten doch sehr fremd geworden. Abends geht er nicht mehr so gerne aus - man hört ja so viel von steigender Gewaltkriminalität! Dann erzählt der Sohn noch, daß er in seiner Schule "abgezogen" worden ist. Erstaunlicherweise aber berichten die Zeitungen so gut wie nichts darüber und wenn überhaupt, dann ist immer von ominösen "Südländern" als Tätern die Rede! Die sollen dann tatsächlich beim Begehen der Taten "Scheißdeutsche Kartoffel" oder schlimmeres gebrüllt haben!
    Langsam dämmert dem Michel, daß eine ungute Entwicklung im Voranschreiten ist, doch was kann er schon tun? Er spricht seinen alten Kumpel Karl an, der ist Sozi, sein Bundestagsabgeordneter, den er seit ewiger Zeit gewählt hat. Karl sagt ihm, daß das alles seine Richtigkeit hat und er sich keine Gedanken zu machen braucht - man habe schließlich alles unter Kontrolle!

    An dem Punkt wollen wir Michel mit seinen Gedanken allein lassen und uns selbst die Frage stellen, wie sich die Dinge hier in Zukunft zwangsläufig entwickeln werden, wenn wir nicht korrigierend eingreifen, solange es noch möglich ist: Jeder Bevölkerungswissenschaftler kann ziemlich genau sagen, wann wir in unserem eigenen Lande, hervorgerufen durch weiterhin unbegrenzten Zuzug anatolischen und arabischen Prekariats und dessen - von uns alimentierter! - Fertilität, zur Minderheit werden!
    Wollen wir das wirklich zulassen? Wollen wir uns wirklich von einigen Politbonzen das Zerstören unserer gewohnten Gesellschaft gefallen lassen?

    Das ist die entscheidende Fragestellung, nicht die pflaumenweiche Herumeierei hier,oder bei Illner oder sonstwo! Das wird die Schicksalsfrage unserer Nation sein: westliche Freiheit oder zwangsverordnete islamische Monokultur!

    Darüber ist zu diskutieren, sei es

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    solch einen auf modern gewendeten schrill-vlkisch nationalistischen kommentar hat Hirsi Ali wirklich nicht verdient!

    • 12.12.2008 um 0:34 Uhr
    • Rahab

    solch einen auf modern gewendeten schrill-vlkisch nationalistischen kommentar hat Hirsi Ali wirklich nicht verdient!

  2. "Schrill-vlkisch" (Sie meinten wohl "völkisch") und nationalistisch?
    Da kann man mal sehen, wiesehr das reine Benennen von überprüfbaren! Tatsachen manche Diskutanten sehr schnell die Fassung verlieren läßt!
    Geradezu boshaft wird die Reaktion, wenn ich mir unerhörterweise erlaube, die Dinge mal aus Sicht deutscher Interessen zu betrachten, nicht wahr! Wie konnte ich mir das nur erlauben?
    Eine sachliche Erwiederung wäre hilfreicher gewesen, "Rahab"!
    Widerlegen Sie mich nur an einer Stelle, aber bitte mit Fakten!

    Ich warte vermutlich vergebens.................................

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    #1 bewegt sich nicht auf der ebene von fakten sondern von meinungen, wertungen, deutungen und dunklem geraune, wabernd zwischen moschee-bau und fertilitäts-rate.
    ja sicher meinte ich völkisch. ist Ihnen beim schreiben noch nie ein buchstabe ausgekommen? n'ckisch, sich kr'tisch darauf zu stürzen...
    und ja, nationalistisch.
    wieso mich das mal wieder auch hier auftauchen dieses phänomens die fassung hätte verlieren lassen - keine ahnung. ich verlor sie nicht. sondern habe diese, vollends boshaft, dann gehaltvollerem zugewendet.

    im übrigen hoffe und wünsche ich, dass Sie "vergebens" warten!

    • 12.12.2008 um 10:32 Uhr
    • Rahab

    #1 bewegt sich nicht auf der ebene von fakten sondern von meinungen, wertungen, deutungen und dunklem geraune, wabernd zwischen moschee-bau und fertilitäts-rate.
    ja sicher meinte ich völkisch. ist Ihnen beim schreiben noch nie ein buchstabe ausgekommen? n'ckisch, sich kr'tisch darauf zu stürzen...
    und ja, nationalistisch.
    wieso mich das mal wieder auch hier auftauchen dieses phänomens die fassung hätte verlieren lassen - keine ahnung. ich verlor sie nicht. sondern habe diese, vollends boshaft, dann gehaltvollerem zugewendet.

    im übrigen hoffe und wünsche ich, dass Sie "vergebens" warten!

    • 12.12.2008 um 11:10 Uhr
    • avarua

    mit der scheinbar jeder und alles kritische gebrandmarkt werden soll.

    Geht es nicht um die Nation, den Staat in dem auch Sie Ihre, wie auch immer gesicherte, Existenz haben? Existiert die Nation nicht mehr? Haben wir keine Nationalflagge, Nationalhymne, Nationalmannschaften, keinen Nationalstaat?

    Diese negieren von Tatsachen, wegwischen und verunglimpfen von anderen Meinungen bringt niemanden weiter. Auch Sie nicht "Rahab"!

    Politisch andersdenkende zu diffamieren und mundtot zu machen sind Kennzeichen von Diktaturen bzw. diktatorischem Denken.

    Von Bereitschaft zum vielgepriesenen Dialog, den wir immer führen sollen, ist bei sehr vielen linken komischerweise selten was zu spüren. Sie sind ein prima Beispiel dafür!

    • 12.12.2008 um 11:18 Uhr
    • Rahab

    das wäre "zu viel der ehre", denn die hatten ja wenigstens noch so was wie ein in ansätzen geordnetes denken (nicht, dass es mir gefallen hätte...) und nicht diese ins rund-um-diffuse sich verflüchtigende schrilligkeit.
    #1 hat schlicht und ergreifend mit dem, was frau Ali sagt, wenig bis garnichts zu tun. sondern breitet seine eigene befindlichkeit aus. so irgendwie an moschee und fertilität festgemacht. und kann nichts anderes, als sich zu ärgern. na ja, da wollte ich ein wenig hilfestellung geben.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Können oder wollen Sie meinen Text nicht verstehen? Ich glaube mich deutlich genug ausgedrückt zu haben! Wenn Sie die Dinge anders sehen, so ist das Ihre Sache! Allerdings völlig substanzlos "geordnetes Denken" in Abrede zu stellen und es als "ins rundum Diffuse sich verflüchtigende Schrilligkeit" zu bezeichnen ist eine Frechheit!

    [...] (Bitte unterlassen Sie persönliche Beleidigungen. Die Redaktion /ft)

  3. Können oder wollen Sie meinen Text nicht verstehen? Ich glaube mich deutlich genug ausgedrückt zu haben! Wenn Sie die Dinge anders sehen, so ist das Ihre Sache! Allerdings völlig substanzlos "geordnetes Denken" in Abrede zu stellen und es als "ins rundum Diffuse sich verflüchtigende Schrilligkeit" zu bezeichnen ist eine Frechheit!

    [...] (Bitte unterlassen Sie persönliche Beleidigungen. Die Redaktion /ft)

    Antwort auf "quatsch! nazi-keule..."
  4. Architekten nennen das "symbolische Besetzung des Raumes" (mit Stilgebäuden), was hier vom Zeit-Interviewer festgestellt wird:

    "ZEITmagazin: In Deutschland entstehen gerade viele große Moscheen, der Islam ist sichtbarer geworden als je zuvor."

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    der interwiefer hat die frage etwas hoch gezogen. realitätsgerechter wäre wohl die einleitung wie folgt gewesen: es werden/wurden gerade einige, darunter auch die eine oder andere etwas größer anmutende, moscheen gebaut. der islam scheint dadurch sichtbarer geworden zu sein. wäre Ihrer meinung nach die redewendung "der islam ist sichtbarer geworden als je zuvor" dafür angebracht, zutreffend, angemessen?

    je nun. hat er nicht. womit er einigen menschen ermöglicht(e), daran größenphantasien der einen oder anderen art festzumachen. und manch eine dieser phantasien neigt zu wildwuchs und symbolischer besetzung von raum. was mich zuweilen an die Meißner fummel erinnert.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren
  • Von Jörg Burger
  • Datum 16.12.2008 - 16:20 Uhr
  • Quelle DIE ZEIT, 11.12.2008 Nr. 51
  • Kommentare 26
  • Empfehlen E-Mail verschicken | Bookmarks
  • Autoren abonnieren RSS-Feed
  • Artikel Drucken Druckversion | PDF
  • Schlagworte Islam | Religion
  • Artikel-Tools präsentiert von:

Service