Guantánamo
Der Name des Gefangenenlagers steht dafür, dass die Bush-Administration auf den 11. September panisch reagiert hat – Auge um Auge, Zahn um Zahn. Im vergangenen Herbst habe ich zwei entlassene Häftlinge aus Guantánamo untersucht. Man hat sie in »Stresspositionen« tagelang gefesselt, extremer Hitze und Kälte ausgesetzt und sie sexuell erniedrigt. In Abu Ghraib sind Gefangene anal penetriert worden. Die Folter ist in Abu Ghraib modernisiert und perfektioniert worden. Es werden weniger körperliche, mehr psychologische Foltertechniken angewandt. Dass gerade die USA als ein Ursprungsland der Menschenrechte und Zufluchtsort für Verfolgte aus aller Welt mit ihren Prinzipien gebrochen haben, hat schwerwiegende Folgen. In Griechenland haben Polizisten Flüchtlinge, die in Abschiebehaft saßen, nackt ausgezogen, gedemütigt und sie dabei gefilmt. Das war eine direkte Nachahmung von Abu Ghraib.
Christian Pross, 60, Psychotraumatologe, arbeitete als einziger Deutscher dieses Jahr an der ersten großen Studie über die Folgen der Haft in Guantánamo mit
Die Kunst und die Designer
»Raf Simons und Marc Jacobs sind die wichtigsten Modeschöpfer. Sie beziehen sich in ihrer Arbeit auf zeitgenössische Kunst und Popkultur – das war neu in den nuller Jahren.«
Cathy Horyn, 51, ist Modekritikerin der »New York Times«. Seit 2007 führt sie den einflussreichen Mode-Blog »On the Runway«
Die Proteste von Genua
Hunderttausende brachten im Juli 2001 beim G-8-Gipfel in Genua ihre Kritik auf die Straße. Der Widerstand gegen den Neoliberalismus bewegte fortan auch Europa.
Jutta Sundermann, 37, ist Mitglied des Anti-Globalisierungs-Bündnisses Attac, des Zentrums jugendlichen Protests in diesem Jahrzehnt. Sie war selbst mit in Genua
Der Trend zu »Bio«
»Die zunehmende Zahl von Bioprodukten ist neben dem fantastischen Angebot an deutschen Weinen ein Grund, das Jahrzehnt in guter Erinnerung zu haben. Sowie die Tatsache, dass Herr Seehofer nicht mehr für unsere Ernährung verantwortlich ist.«
Wolfram Siebeck, 80, ist ZEIT- Kolumnist. Für naturgerechte Lebensmittel plädiert er schon lange
Politiker-Liebe als Soap
Wie sehr sich der People-Journalismus verändert hat, zeigt sich an Christian Wulff: Er verliebte sich als verheirateter Ministerpräsident und ließ – früher undenkbar – die Öffentlichkeit an seinem Privatleben teilhaben. Er inszenierte seine neue Liebe wie eine Soap. Der Marktwert einer Persönlichkeit bemisst sich heute daran, ob und wie häufig sie in den Medien genannt wird. Prominenz ist in unserer Gesellschaft die neue Währung.
Patricia Riekel, 59, ist seit 1997 Chef- redakteurin der Zeitschrift »Bunte«. Sie hat ihr Blatt zum Leitmedium der Klatschbranche gemacht
Hurrikan Katrina
Dieses Jahrzehnt war eine dunkle Zeit mit kummervollen Ereignissen – 11. September, Irakkrieg, Hurrikan Katrina. Es gab so viel Agonie, Schmerz, Terrorismus, Armut. Barack Obamas Wahl ist für mich eines der bedeutendsten Daten der letzten 100 Jahre. Wir haben den Glauben zurückgewonnen, dass wir Veränderung mitgestalten können.
Kanye West, 31, Hip-Hop-Musiker, engagierte sich für die Opfer des Hurrikans Katrina
Protokolle: Jörg Burger, Florian Illies, Christine Meffert, Barbara Nolte, Ilka Piepgras, Tillmann Prüfer, Marcus Schuster, Jana Simon, Tanja Stelzer, Matthias Stolz, Tobias Timm
Ausschreitungen beim G-8-Gipfel in Genua 2001
Barack Obama, der globale Hoffnungsträger
Biolebensmittel gibt es praktisch überall zu kaufen
ZEIT magazin Fotos––– Darko Bandic/AP; Seth Wenig/AP; Thomas Meyer/Ostkreuz
- Datum 11.12.2008 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 11.12.2008 Nr. 51
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