Ich habe einen Traum "Die Bildung wird revolutioniert"

In spätestens 20 Jahren werden wir jede Sprache der Welt rasend schnell lernen, sagt Jimmy Wales, Mitbegründer von Wikipedia. Das Internet ist für ihn der Lehrmeister der Zukunft

Wir machen uns noch gar keine Vorstellung davon, welche Veränderungen uns erwarten. In den nächsten fünf bis zehn Jahren wird die nächste Milliarde ans Internet andocken: Menschen aus Indien, China, Südamerika und Afrika. Immer mehr werden weltweit ihre Stimme erheben. Die Preise für Kommunikation werden weiter sinken, viele werden öfter ein Handy in der Hand halten als eine warme Mahlzeit.

Je rasanter der digitale Fortschritt, umso schwieriger wird es, Zensur im Internet auszuüben. Das werden auch autoritäre Regime wie in China merken.

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Neue Technologien werden die Medizin weiter verändern. Die neuesten Herzschrittmacher können schon jetzt eigenständig Signale an die Ambulanz senden, noch bevor der Patient merkt, dass er gleich umkippen wird. Ich stelle mir einen Chip vor, der implantiert wird, um alle möglichen Warnsignale direkt an uns weiterzugeben: Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Überzucker. Einmal pro Woche würde er uns zusätzlich per Mail mahnen: "Ihre Herz- und Blutwerte waren diese Woche in Ordnung, aber Sie haben Ihre Übungen vergessen!"

Auch die Bildung wird revolutioniert. Wie wir in Zukunft lernen werden, eröffnet ein riesiges Feld für Neurologen, Psychologen, Webdesigner und Computerspielhersteller.

Frontalunterricht durch Lehrer, die Stoffe nach vorgeschriebenen Plänen in die Hirne unserer Kinder hämmern, hat mit der Art, wie junge Menschen heute lernen, nichts mehr zu tun. Sie werden die Welt zunehmend selbst entdecken und dabei ihren eigenen Interessen folgen. Die Sprachlabore unserer Kindheit – Schnee von vorgestern. Ich glaube, dass wir in spätestens 20 Jahren mithilfe moderner Computerprogramme jede Sprache dieser Welt rasend schnell lernen können.

Prüfungen wird es immer geben, aber die Lehre an den Universitäten wird sich wandeln. Professoren werden zu Mentoren, die die Entwicklung ihrer Studenten begleiten. Unsere Wissensvermittlung wird kundenorientierter werden. Zum Glück.

Meine siebenjährige Tochter Kira wird von uns zu Hause unterrichtet. Das war bei mir auch schon so: Meine Mutter war meine Lehrerin, bis ich 13 wurde. Kira liest im Moment alles über Genetik, was sie im Netz finden kann. Sie träumt davon, neue Tiere zu erschaffen. Und mit Flash-Programmen erfindet sie ihre eigenen Computerspiele.

Leser-Kommentare
  1. Ich hoffe mal daß diesmal mein Kommentar nicht grund und kommentarlos
    gelöscht wird.

    Daß man mithilfe moderner Computerprogramme jede Sprache dieser
    Welt rasend schnell lernen kann, kann nur jemand glauben, der noch nie
    eine wirkliche Fremdsprache gelernt hat.

    Der Jimmy Wales sollte mal versuchen ein paar Sätze auf chinesisch
    oder vietnamesisch so sprechen, daß man ihn auch versteht.

  2. Jimbo mag sich mit Computing auskennen, auch mag die Computerlinguistik Fortschritte (möglich) machen; sowohl in Sachen Textkorpusanalye vergangener, als auch in Sachen Erkennung von Wahrscheinlichkeiten im Gebrauch aktueller Sprache. Was die Wahrscheinlichkeiten zukünftigen Sprachgebrauchs angeht, so kann man Prognosen wagen; jedoch nicht auf der Basis von Computing alleine. Die traditionellen Sprachen entwickeln sich weiter oder sterben aus. Dieser Prozess ist nichts Neues, neu ist allenfalls die Geschwindigkeit, mit der das stattfindet - aufgrund von schnellerem, weitreichenderem, alltagspräsenterem Sprachkontakt - und dazu trägt das Internet enorm bei. Es ist heute davon auszugehen, dass dieser Trend anhält und sich weiter verschärft. Dominierende Sprachen weltweit sind Englisch, Französisch, Russisch, Spanisch und Chinesisch. Französisch und Spanisch sind eher auf dem Rückzug (Deutsch sowieso). Englisch, Russisch und Chinesisch werden sich weiter ausdehnen. Englisch vor allem, und zwar länderübergreifend. Und es wird sich darüber stark verändern. In seiner jetzigen Einfluss-Sphäre macht sich das schon stark bemerkbar. Das business pidgin, das sich global (mit reginoal unterschiedlichen Ausprägungen/protoDialekten) entwickelt, ist ein Anzeichen davon. Die Bildung von denglischen Alltagsbegriffen wie "Handy" (oder "desuku" im Japanīzu Ingurisshu) ist eine weitere. Ebenfalls stark ist der Einfluss des Englischen auf die Grammatik anderer Sprachen; zum Beispiel aktuell im Deutschen seit einigen Jahren gehäuft: "Sinn machen", "etwas erinnern", "In 2008 gab es...", sowie die Erosion des Kasus-Systems ("Er schlug den Gitarrist", "Nimm ein anderen", "Er hat kein Zahn mehr"; Genitivsterben [ersetzt durch Dativ: "wegen dem Auto"]). In zwanzig Jahren werden noch mehr Menschen noch früher Englisch, Russisch, Chinesisch lernen, diese Sprachen in noch mehr beruflichen/sozialen Situationen zusätzlich, gleichberechtigt oder nahezu ausschließlich sprechen (gerade im Bildungs-Bereich!); werden diese Sprachen noch mehr andere Sprachen noch stärker in ihrer überlieferten (und sich wie in allen Sprachen ständig wandelnden) Struktur weiter beeinflussen; und werden noch mehr neue Begriffe aus diesen Sprachen (als lingua franca in Wissenschaft, Forschung, Kommerz und Werbung) hervorgehen. Es wird noch fünf, sechs, sieben Generationen dauern; und es werden sich einige Enklaven halten. Aber irgendwann werden alle Menschen nur noch Dialekte dieser Sprachen, bzw. der aus ihnen hervorgehenden neuen Sprachfamilien sprechen.

    In der Zukunft des globalen (von wenigen Imperien beherrschten) Marktes wird es nicht mehr gefragt sein, möglichst VIELE Fremdsprachen "irgendwie" zu beherrschen, sondern bestimmte Sprachen (eben die wichtigen; s. o.) besonders GUT.

    Was in Zukunft im sozialen System gefragt sein wird - mehr als die bloße Aneignung von sprachlichen Grundgerüsten - wird die soziale Angemessenheit von bestimmten Sprachformen in bestimmten Situationen und Kontexten sein. Das ist aber das, worin sich Computer am schwersten tun: Situationen zu erkennen, im sozialen Raum selbstständig, flexibel, hinzulernend, und zur Not auch völlige Ahnungslosigkeit durch Charme kompensierend, zu navigieren - künstliche Intelligenz eben, die über ein starres Expertensystem hinausgeht. Auch, und gerade auf sprachlicher Ebene. Darin unterscheiden sich Computersprachen von menschlichen.

    Welches Englisch spricht man mit dem Chef? Welches mit den Kollegen? Welches mit dem Angestellten am Flugschalter? Welches mit dem 1-Euro-Jobber beim Callcenter in Singapur? Welches mit dem Businesspartner in Georgien? Welches mit dem KP-Vorsitzenden in China? Welches mit dem Vatikansprecher? Davon werden Job und Alltagstauglichkeit in Zukunft abhängen, und nicht davon wieviele exotischen Stammesdialekte (Patois? Isländisch? Dänisch? Irgendwann auch: Deutsch) jemand kennt.

    Und auf dem Gebiet ist es wirklich fraglich, ob das Computerlearning schnellere Fortschritte machen wird als die Sprachentwicklung selbst - vor allem in ihrer sozialen Dynamik und wachsenden Komplexität.

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    Je rasanter der digitale Fortschritt, umso schwieriger wird es, Zensur im Internet auszuüben. Das werden auch autoritäre Regime wie in China merken.

    Das werden vor allem "Sprachschützer" merken, wenn sich niemand mehr an ihre "Gesetze" und Vorschriften hält, weil sich im Internet alles mischt und Leute so schreiben, wie sie es basisdemokratisch voneinander lernen (und ganz unbewusst miteinander neu aushandeln), statt von oben verordnet.

    Das autoritäre Regime hingegen wird zwar auch nicht mehr kontrollieren können, WIE die Leute schreiben, aber sehr wohl WER WAS zu lesen bekommt.

    Denn je rasanter der digitale Fortschritt, umso rasanter die digitalen Zensurmöglichkeiten, und desto größer die Profitchancen und die Verlockung, diese per Staatsvertrag als Monopolist implementieren zu dürfen.

    Nur ein Beispiel unter vielen, sich diesen großen Markt auch um der Menschenrechte Preist nicht entgehen zu lassen, ist das Unternehmen Google.

    Je rasanter der digitale Fortschritt, umso schwieriger wird es, Zensur im Internet auszuüben. Das werden auch autoritäre Regime wie in China merken.

    Das werden vor allem "Sprachschützer" merken, wenn sich niemand mehr an ihre "Gesetze" und Vorschriften hält, weil sich im Internet alles mischt und Leute so schreiben, wie sie es basisdemokratisch voneinander lernen (und ganz unbewusst miteinander neu aushandeln), statt von oben verordnet.

    Das autoritäre Regime hingegen wird zwar auch nicht mehr kontrollieren können, WIE die Leute schreiben, aber sehr wohl WER WAS zu lesen bekommt.

    Denn je rasanter der digitale Fortschritt, umso rasanter die digitalen Zensurmöglichkeiten, und desto größer die Profitchancen und die Verlockung, diese per Staatsvertrag als Monopolist implementieren zu dürfen.

    Nur ein Beispiel unter vielen, sich diesen großen Markt auch um der Menschenrechte Preist nicht entgehen zu lassen, ist das Unternehmen Google.

  3. Je rasanter der digitale Fortschritt, umso schwieriger wird es, Zensur im Internet auszuüben. Das werden auch autoritäre Regime wie in China merken.

    Das werden vor allem "Sprachschützer" merken, wenn sich niemand mehr an ihre "Gesetze" und Vorschriften hält, weil sich im Internet alles mischt und Leute so schreiben, wie sie es basisdemokratisch voneinander lernen (und ganz unbewusst miteinander neu aushandeln), statt von oben verordnet.

    Das autoritäre Regime hingegen wird zwar auch nicht mehr kontrollieren können, WIE die Leute schreiben, aber sehr wohl WER WAS zu lesen bekommt.

    Denn je rasanter der digitale Fortschritt, umso rasanter die digitalen Zensurmöglichkeiten, und desto größer die Profitchancen und die Verlockung, diese per Staatsvertrag als Monopolist implementieren zu dürfen.

    Nur ein Beispiel unter vielen, sich diesen großen Markt auch um der Menschenrechte Preist nicht entgehen zu lassen, ist das Unternehmen Google.

    Antwort auf "Sprachwissenschaft"
  4. Ich glaube eher was er meint sind chips die direkt mit dem Hirn interagieren, und wenn eingesetzt kann man dann eben alle Sprachen sprechen und verstehen als wäre man ein Muttersprachler. Ich bin sicher dass diese Entwicklung kommen wird, aber noch nicht so schnell, frühestens in 20-30 Jahren.

    • lef
    • 15.12.2008 um 14:10 Uhr

    Es geht hier IMHO um die gemeinsame Sprache, die hilft, Lösungen zu finden - der benutzte Klang ist dabei unerheblich.
    Beispiele werden ja genannt:
    Der Lehrer mag die gleiche linguistische Sprache sprechen wie der/die Schüler, aber auch in der gleichen linguistischen Sprache kann "aneinander vorbei" geredet werden, kann Sprache eher Teil des Problems sein, als Teil der Lösung.
    Im Falle eines "normal unfähigen" Pädagogen ist das Ergebnis ja in immer noch fast jeder "Lehranstalt" offenbar.

    "Gemeinsame Sprache", das heißt: Eine Sprache finden, in der Probleme international begriffen werden, in der erkannt wird, dass Probleme nicht mehr national, sondern global gelöst werden müssen,
    eine Sprache, in der nicht mehr die jeweilige sprachlich gebundene Identität die Kommunikation beherrscht, sondern mittels Empathie, Individualität, Emergenter Ordnung und Dualer Narration.

    Genau diese gemeinsame Sprache zu finden - dabei hilft offener und unzensierter Austausch des Wissens und der Denkansätze mittels des Mediums www,
    ob die Plattform nun Wikipedia heißt oder google ff.

    Es ist nachgerade dümmlich, "Sprache" auf möglichst akzentfreies Sprechenlernen zu reduzieren - "Sprache" ist weit mehr als das.

    Gemeinsame "Sprache" finden, das heißt:
    Nicht etwa die eigene Identität aufgeben, im Gegenteil!
    Aber zu begreifen, dass Identität immer ein defizitärer Zustand gegenüber Individualität ist und dass diese Defizite nur mittels Hinzulernen aus dem gemeinsamen Fundus des Wissens und Denkens ALLER Menschen der Welt ausgeglichen werden können.

  5. Öfter ein Handy in der Hand halten als eine warme Mahlzeit? Ein großer Fortschritt - über diese Alternative werden sich die "Menschen aus Indien, China, Südamerika und Afrika" freuen; der Markt erweist ihnen die Ehre, sie als Käufer zuzulassen. Kommunikation statt Alimentation? Das wird die Welternährungsprobleme in den Hintergrund treten lassen.
    Gesundheits-Chip mit Warnsignal-Weitergabe "direkt an uns"? Vielleicht aber auch Daten indirekt an Krankenversicherung, Gesundheitsmarkt, Arbeitgeber?
    Welt selbst entdecken, eigenen Interessen folgen, Professoren als Mentoren? Schön. Aber dann: "Kundenorientiertere Wissensvermittlung". Zum Glück? D.h. es wird weiter um Geschäft und Profit - auch und vermehrt in diesen Bereichen - gehen.
    Kein big boss der Lernentscheidungen? Eigene Wege? Nicht schlecht. Erfordert allerdings einiges an Voraussetzungen. Aber: Vielleicht werden zum big boss Instanzen des Internets, selegierende Suchmaschinen, attention- (und finanz-)starke Websites, Moden?
    Kritikables, aber auch Überlegens- und Weiterführenswertes - allerdings etwas einlinig?

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    • lef
    • 16.12.2008 um 23:29 Uhr

    denn tatsächlich geben besonders in Afrika viele Menschen mehr Geld für Mobiltelefone und Internetanschluss (=Information) aus, als für die Versorgung der Eltern oder Verwandtschaft.
    Das wird im Artikel nicht in Frage gestellt - es ist einfach Tatsache.

    Ob die traditionelle Art (alle teilen, alle sind gleich arm+dumm) wirklich besser ist?
    Neue Wege gehen - das fordern ja auch Sie.

    • lef
    • 16.12.2008 um 23:29 Uhr

    denn tatsächlich geben besonders in Afrika viele Menschen mehr Geld für Mobiltelefone und Internetanschluss (=Information) aus, als für die Versorgung der Eltern oder Verwandtschaft.
    Das wird im Artikel nicht in Frage gestellt - es ist einfach Tatsache.

    Ob die traditionelle Art (alle teilen, alle sind gleich arm+dumm) wirklich besser ist?
    Neue Wege gehen - das fordern ja auch Sie.

    • lef
    • 16.12.2008 um 23:29 Uhr

    denn tatsächlich geben besonders in Afrika viele Menschen mehr Geld für Mobiltelefone und Internetanschluss (=Information) aus, als für die Versorgung der Eltern oder Verwandtschaft.
    Das wird im Artikel nicht in Frage gestellt - es ist einfach Tatsache.

    Ob die traditionelle Art (alle teilen, alle sind gleich arm+dumm) wirklich besser ist?
    Neue Wege gehen - das fordern ja auch Sie.

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