Konsum Der Schwabe in uns

Der Verbraucher soll das Land aus der Krise retten. Doch die Politik stürzt ihn in Verwirrung

Ängstliche Seelen: Passant vor Luxusgeschäft

Ängstliche Seelen: Passant vor Luxusgeschäft

Er muss mit dem Schlimmsten rechnen und soll doch positiv denken. Er soll vorsorgen, aber nicht sparen, sondern im Gegenteil die Konjunktur ankurbeln, das Weihnachtsgeschäft retten und die Autoindustrie gleich mit. Die Politik fürchtet seine Panik, und die Unternehmen hoffen auf seine Konsumlust. An seinem Verhalten hängt das Wohl der Volkswirtschaft – denn er hält den Schlüssel für den Aufschwung in seinen Händen. Ganz unverhofft ist der Verbraucher zur heimlichen Hauptfigur dieser Krisenwochen aufgestiegen.

Der Verbraucher? Natürlich gibt es den nicht. Und doch, wenn die Demoskopen aus ihren Befragungen einen Otto Normalkonsumenten als repräsentativen Durchschnitt konstruieren, dann äußert er sich immer gleich: Einerseits hat er von der Krise gehört, da doch allüberall die Banken krachen und die Börsenkurse abstürzen. Andererseits gilt, was der Rentner Heinrich Oelke dem Hamburger Abendblatt anvertraute: »Ich gebe meine Rente aus und spüre keine Krise.« In der ersten Runde hat der Finanzmarktcrash vor allem die Reichen getroffen, die Kunden der feinen Banken, die Investoren, die Aktienkäufer. Deren Depots sind geschrumpft. Die Mittelschicht hingegen profitiert eher von den vielen Neueinstellungen in einer Zeit, da die Arbeitslosigkeit so niedrig ist wie seit 16 Jahren nicht. Und die Armen hatten ohnehin nichts zu verlieren.

Auch die Lohnabschlüsse sind ganz passabel, die Inflationsrate ist es ebenso. Und sogar Benzin ist inzwischen wieder billig wie lange nicht. Warum also Urlaubsreisen stornieren oder auf Weihnachtsgeschenke verzichten? Erfreut sieht der Einzelhandelsverband, dass sich die Verbraucher an den Adventswochenenden nicht weniger zahlreich als in den vergangenen Jahren durch die Einkaufszonen schieben. Zwar gibt es hier und da Ärger über das Milliardenpaket für die Banken, den »Spendiersozialismus für die Reichen«, wie der Münchner Soziologe Ulrich Beck es kürzlich formulierte. Doch auf den Verbraucherseiten im Internet werden Anlagetipps vor allem durch Witze ergänzt: »Soll ich mein Konto leer räumen? – Nein, das besorgt die Bank schon selbst.«

Witze sind vielleicht die beste Reaktion, denn was soll der Verbraucher auch anderes tun – als warten und weiterleben, scherzend oder schimpfend? Berlin lässt ihm dieser Tage kaum eine andere Wahl. Bundeskanzlerin Angela Merkel warnt vor »schlechten Nachrichten«, Wirtschaftsminister Michael Glos beschwichtigt dann wieder: Es gebe »bei Horrormeldungen über die Konjunktur einen regelrechten Überbietungswettbewerb«. Dann will er doch Steuersenkungen wegen der Krise. Und auch sonst fehlt es nicht an Vorschlägen, was man ihm, dem geschätzten Verbraucher, zur Hebung seines Selbstwertgefühles so alles schenken könnte: Einkaufsgutscheine, das Ende des Solis, die Senkung der Mehrwertsteuer. Was darf es noch sein? Zugleich werden überschuldete Staatskassen prognostiziert, Arbeitslosigkeit – und wirkungslose Konjunkturprogramme. Die ganz Klugen warnen gar dialektisch: Man solle den Verbraucher beruhigen, statt ihn vor den Folgen der Krise zu warnen, denn sonst werde jener durch Konsumverweigerung genau die Ereignisse auslösen, vor denen er sich fürchte. Wie bitte?

Vielleicht hilft ja der Blick hinüber nach Amerika, wo der künftige Präsident Obama doch so viel Optimismus versprüht. Dort stürmten am Morgen nach Thanksgiving auch in diesem Jahr die Schnäppchenjäger wieder die Kaufhäuser, angefeuert von Sonderangeboten und dem sicheren Gefühl, das Richtige zu tun. Wie in jedem Jahr spielten auch diesmal Millionen bei diesem kollektiven Kaufrausch mit, Krise hin oder her. Vor einem Wal-Mart-Kaufhaus trampelten sie den Türsteher zu Tode – und hatten nach einer Woche sieben Prozent mehr Geld ausgegeben als im gleichen Zeitraum ein Jahr zuvor. Die Politiker in Washington applaudierten glücklich, überzeugt, dass die Probleme der Wirtschaft vom Verbraucher mit genau den Mitteln überwunden werden können, die sie einst ausgelöst hatten: mit Schulden. Schließlich begann die Krise durch unverantwortlichen Konsum, durch vielfachen Hauskauf auf Pump. Mit Shopping auf Pump soll sie nun auch wieder enden.

Dem deutschen Verbraucher ist so etwas fremd. Mit Schulden aus der Krise, in die man durch Schulden gestolpert ist, mit der dritten Kreditkarte die Raten der ersten beiden zurückzahlen – das verhindern schon die Gesetze und wohl auch die Kultur. Der Schwabe steckt in uns allen.

Sicher, auch in Deutschland hat sich der Bürger in den neunziger Jahren gern in den Kunden verwandelt und der Kunde in den König. Als ökonomische Analphabeten lernten wir das kleine Börseneinmaleins, verfolgten den Dax und dachten, da die Rente nun doch nicht mehr sicher war, wohl oder übel immer mehr über private Vorsorge nach. »Du musst gnadenlos sein. Friss oder Stirb. New York, London, Frankfurt, Tokio, weltweit, Optionen, Futures. Bingo, Jackpot…«, so warb damals eine Onlinebank. Gelästert wurde über mangelnde Risikobereitschaft und die Sparbuchbesitzer. Und Gier wurde geil.

Zugleich aber schien auch die Macht des guten Verbrauchers, des Altruisten, des Umweltfreundes, des Drittweltbewegten, ins Unendliche zu wachsen: Kaufen konnte so gut sein, paarten sich doch Ökologie und Ökonomie plötzlich mit gutem Gewissen. Öko wurde Luxus, zum Lebensstil der Elite, bis selbst die Discounter die Biobanane in die Regale legten. Und der bewusste Verbraucher reiste fürderhin mit CO₂-neutralisierten Flügen in die Karibik. Natürlich auf eine Finca, die nachhaltige Naturkosmetik produzierte.

Wenn er nur will, so lautete das verführerische Credo des neuen grenzenlosen Kapitalismus, könne der Verbraucher alles: die Kaffeebauern in der Dritten Welt retten und die Chinesen zum humanen Wirtschaften zwingen, weil deren giftiges Kinderspielzeug einfach auf den Wühltischen liegen bleibe. Die Banken durch Ethikanlagen zu guten Kapitalisten machen. Und natürlich den Klimawandel stoppen, einfach durch den Wechsel zu einem Ökostromanbieter, durch das Solardach und den Boykott der dicken deutschen Autoflotte. Plötzlich schien es doch ein richtiges Leben im Falschen zu geben. Zumindest die grün angehauchte Mittelschicht versöhnte dies einigermaßen mit dem globalen Kapitalismus.

Doch seit die Banken krachen, gerät die schöne neue Welt wieder aus den Fugen. Jetzt lästert der Ex-Deutschbanker Hilmar Kopper über die Habgier der kleinen Leute. Der Sparkassenkunde ist wieder modern. Und der Verbraucher, der eben noch mit gutem Gewissen die Rettung der Welt an der Supermarktkasse betrieb, soll plötzlich doch den neuen Opel kaufen, damit in Rüsselsheim die Arbeiter ihren Job behalten und die Konjunktur nicht kracht. Selbst die Kanzlerin, die noch im Frühjahr empfohlen hatte, beim Kauf eines Neuwagens »den CO₂-Ausstoß zu bedenken«, wirbt jetzt für ihr Konjunkturpaket, und das signalisiert: Kauft Autos, je dicker, desto besser. Desto mehr belohnt euch der Staat, denn desto größer fällt die Steuerersparnis aus.

Und nun? Die Finanzkrise nutzen, um das Land mithilfe des Verbrauchers ökologisch umzubauen – das steht ganz offensichtlich nicht mehr auf der Tagesordnung. Als sei im Grundgesetz plötzlich ein neuer Artikel mit dem Imperativ »konsumiere« eingefügt worden, schimpft der ehemalige UNEP-Chef und Ex-Umweltminister Klaus Töpfer. Und so schwant manchem Verbraucher langsam bei aller Verwirrung zumindest eines: Ganz offensichtlich lässt sich die Welt eben doch nicht so ganz nebenbei im Kaufhaus verändern. Zumindest nicht, wenn er gleichzeitig die Welt, das Klima, die Autobranche und die Konjunktur retten soll.

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

 
Leser-Kommentare
    • Rellem
    • 13.12.2008 um 11:14 Uhr

    Hi @ll
    Zitat aus dem Artikel
    *Die Politik fürchtet seine Panik, und die Unternehmen hoffen auf seine Konsumlust. An seinem Verhalten hängt das Wohl der Volkswirtschaft – denn er hält den Schlüssel für den Aufschwung in seinen Händen. Ganz unverhofft ist der Verbraucher zur heimlichen Hauptfigur dieser Krisenwochen aufgestiegen.*
    Zitat Ende
    Soviel zur Hoffnung, jetzt kommen wir mal zur Realität.

    Politik
    Für die Politik ist der Bürger nur alle vier Jahre von Interesse, ansonsten missachtet sie ihn komplett.
    Es gibt für die Politik nichts schöneres als Bürger zu massregeln wo immer möglich und das tut sie mit Hingabe.

    Unternehmen
    Wollen vom Bürger nur das Beste und das ist sein Geld.

    Bürger
    Er sollte in seinem eigenen Interesse sein Geld zusammen halten, denn auf eines kann er sich blind verlassen.
    Sobald diese Krise einigermassen ausgestanden ist, wird er wieder mit maximaler Missachtung Verachtung gestraft.
    Gruss
    Rene

  1. nur wird er (wurde er bisher jedesmal in der Geschichte) von Politik und Wirtschaft blockiert. Warum?

    Sehen wir uns dazu eine Glockenkurve an. Der Otto-Normalverbraucher stellt die Mitte dar. Dann gibt es einen Teil dem das aktuelle Wirtschaftssystem viel bringt und einen Teil am anderen Ende, dem das aktuelle Wirtschaftssystem nichts bringt. Oder sagen wir besser, die momentane Art Wirtschaft zu betreiben.

    Es ist inzwischen wissenschaftlich erwiesen, dass Fairness der überwiegenden Mehrheit der Menschen weltweit wichtiger ist, als Gewinnmaximierung oder wie das passende Modewort grad heißt.

    Da die letzten Jahre der Homo-Kapitalis-Anteil massiv von der ungerechten Art Wirtschaft zu betreiben profitiert hat, ging es allen anderen, im Verhältnis zu wirklich guten Jahren, logischerweise immer etwas schlechter. Kaum merklich, aber doch, das beweisen die Minijobs, Hartz 4, verstecken von Arbeitslosen in Statistiken, usw.

    Und plötzlich bestünde die Chance, global etwas am System zu ändern. Fairness nie gekannten Ausmaßes einzubringen. Was geschieht? Die 10% in der Glockenkurve, die viel vom System hatten und sich in entsprechenden Verantwortungspositionen befinden, bemühen sich nach Kräften die Felle aufzuhalten, die sie davonschwimmen sehen. Anstatt die Chance zu erkennen die sich hier für alle bietet. Für den Moment müssten sie nämlich am Stärksten zurückstecken und hinterher wäre ein zu egoistisches Verhalten nicht mehr geduldet.

    Dem überwiegenden Teil der Allgemeinheit würde eine Neustrukturierung der Welt einen friedlichen Wechsel zu einem wesentlich allgemeiner akzeptierten Wirtschaftssysytem, in dem es sich schöner und mit leichterem Gewissen leben lässt, ermöglichen. Aber solange die Geier und Bremser Hand in Hand arbeiten und die Bevölkerung nicht beginnt massiv Gegendruck zu erzeugen, wird sich nichts ändern.

    Zumindest nicht jetzt und wenn es dann passiert gibt es dazu geschichtliche Daten (amerikanischer Unabhängigkeitskrieg, 1., 2. Weltkrieg). Der Unterschied zur damaligen Zeit besteht darin, dass in der Vergangenheit der Grund für die Unzufriedenheit unbekannt war. Heutzutage gibt es dieses Wissen aber es wird von Politik und Wirtschaft sträflich missachtet. Warum? Weil es ihren Zwecken dient. Sicher nicht der Allgemeinheit, zu der ich mich ebenfalls zähle.

    Letztlich hat jeder von uns es in der Hand wie er mit diesem Wissen umgeht. Ob er sich einschüchtern lässt zum Wohle des etablierten Systems mit all seinen Krisen, Ungerechtigkeiten und vielfältigen Kosten für jeden Einzelnen. Wer nichts tut dient damit der Strategie von Politik und Wirtschaft. Die warten nur ab bis die Menschen sich wieder Klatsch und Tratsch oder irgendeiner belanglosen Katastrophenmeldung (Terror ist zu 90% selbstverursacht - Grund; massive Ungerechtigkeiten) zuwenden.

    Die Alternative besteht darin, das Wissen um die Chance auf den Wandel in die Welt hinaus zu tragen, möglichst viele Menschen wachzurütteln und ihnen zu zeigen worum es jetzt im Augenblick wirklich geht. Die Möglichkeit einer Neuorientierung in Grundsatzfragen.

    Noch nie in der Geschichte standen die Chancen so gut etwas zu verändern wie jetzt. Jeder kann was tun, packen wirs an!

    Visionen sind eine Herausforderung. Macht ist eine Illusion. Anführen bedeutet in erster Konsequenz verantwortlich und Vorbild zu sein. Wahrhaft siegt, wer nicht kämpft.

    Weisheit währt am Längsten.

    Die Zukunft beginnt mit dem nächsten Augenblick!
    Über 7 bis 35 Ecken ist, statistisch betrachtet, jeder mit jedem bekannt.

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    Ich hoffe Ihre optimistische Sichtweise der Dinge ist realitätsnäher als meine pessimistische.

    Was ganz, ganz vorsichtigen Optimismus rechtfertigen würde ist, dass es in diesem Artikel zum ersten Mal einem professionellen Schreiber gelungen ist, die Widersprüchlichkeit der Anforderungen zu benennen, die Politiker an ihren Idealkonsumenten stellen. Nämlich, das Sparen zur Eigenvorsorge bei gleichzeitigem schuldenfinanzierten Kaufvollrausch.

    Was mich weniger optimistisch stimmt ist, dass das Grundübel der Konsumflaute immer noch wie eine heilige Kuh in der Öffentlichkeit behandelt wird. Ich rede hier nicht von Luxuskonsum, von Omega Uhren und Audis und und und.

    Die Kaufkraft der Massen wurde in der BRD von Hartz IV und den Leiharbeitsgesetzen der Regierung Schröder strukturell geschädigt. Die Einführung des Euros dezimierte die Einkommen der kleinen Leute mindestens zusätzlich um 30% als Einmaleffekt, da können die Mächtigen Statistiken fälschen so viel sie wollen.

    Die Arbeitseinkommen vieler Menschen sanken durch die strukturellen Maßnahmen der Regierung Schröder manchmal um mehr als 50%. Der schnelle "Abstieg" in die Grundsicherung zwang viele Menschen zu deutlich niedrigeren Löhnen und schlechteren Bedingungen zu arbeiten. Die Hartz IV Gesetze trieben den durch Clement gesetzlich vollkommen enthemmten Leiharbeitsfirmen die Sklaven zu. Fördern und fordern wird als eine große Lüge in die Geschichte eingehen. Jeder, der mit den Dingen zu tun hatte oder auch nur jemanden in Arbeitslosigkeit kennt weiß, dass das Fördern die absolute Ausnahme ist. Das Fördern war vor Schröder deutlich besser entwickelt.

    Weiterhin stimmt mich pessimistisch, dass die Gazetten immer noch von dem guten Arbeitmarkt schwafeln und auf die getürkten, die Türken mögen mir verzeihen, Statistiken verweisen. Es scheint ein Mantra zu sein.

    Um die strukturellen Ursachen fehlender Massenkaufkraft zu überdecken, flüchtet man in Konsumgutscheine. Zu meinem Bedauern befinde ich mich dank Schröder und Clement jetzt auch in einer wirtschaftlichen Situation in der ich diesen Blödsinn begrüßen würde, selbst wenn auch die Vollversager in Politik und Wirtschaft 500 € bekämen.

    Einen weiteren Anlass zu Pessimismus gibt die Antiterrorgesetzgebung im weitesten Sinne. Die "Antiterrorgesetzgebung" dient ja primär der Bekämpfung eines für die mittlere Zukunft antizipierten militanten Widerstandes, der aus massenhafter Verelendung resultiert und mit entsprechenden Gefahren für die ausbeutende Schicht verbunden ist. In Salamischeibentaktik werden die Grundrechte geschrumpft bzw. ausgehöhlt und die Rechte der im Dienst der Herrschenden stehenden Büttel gestärkt.

    Wenn ich eines aus der Geschichte meine gelernt zu haben, dann ist es, dass die Gierigen und Mächtigen bisher jede positive Entwicklung in eine Katastrophe umwandeln konnten, eine Katastrophe die fast ausschließlich die kleinen Leute traf und trifft. Gerade wir Deutschen sind Trendsetter in diesen Dingen. Mit Deutscher Gründlichkeit wird alles gegen die Wand geknallt, heftiger, brutaler und rücksichtsloser als alle anderen Nationen es können. Gut, es dauert lange, aber wenn wir einmal Blut geleckt haben, dann verfolgen wir unerbittlich die falsche Spur bis zum eigenen Untergang.

    TS -x ich hoffe, sie liegen richtig und ich irre mich.

    Ich hoffe Ihre optimistische Sichtweise der Dinge ist realitätsnäher als meine pessimistische.

    Was ganz, ganz vorsichtigen Optimismus rechtfertigen würde ist, dass es in diesem Artikel zum ersten Mal einem professionellen Schreiber gelungen ist, die Widersprüchlichkeit der Anforderungen zu benennen, die Politiker an ihren Idealkonsumenten stellen. Nämlich, das Sparen zur Eigenvorsorge bei gleichzeitigem schuldenfinanzierten Kaufvollrausch.

    Was mich weniger optimistisch stimmt ist, dass das Grundübel der Konsumflaute immer noch wie eine heilige Kuh in der Öffentlichkeit behandelt wird. Ich rede hier nicht von Luxuskonsum, von Omega Uhren und Audis und und und.

    Die Kaufkraft der Massen wurde in der BRD von Hartz IV und den Leiharbeitsgesetzen der Regierung Schröder strukturell geschädigt. Die Einführung des Euros dezimierte die Einkommen der kleinen Leute mindestens zusätzlich um 30% als Einmaleffekt, da können die Mächtigen Statistiken fälschen so viel sie wollen.

    Die Arbeitseinkommen vieler Menschen sanken durch die strukturellen Maßnahmen der Regierung Schröder manchmal um mehr als 50%. Der schnelle "Abstieg" in die Grundsicherung zwang viele Menschen zu deutlich niedrigeren Löhnen und schlechteren Bedingungen zu arbeiten. Die Hartz IV Gesetze trieben den durch Clement gesetzlich vollkommen enthemmten Leiharbeitsfirmen die Sklaven zu. Fördern und fordern wird als eine große Lüge in die Geschichte eingehen. Jeder, der mit den Dingen zu tun hatte oder auch nur jemanden in Arbeitslosigkeit kennt weiß, dass das Fördern die absolute Ausnahme ist. Das Fördern war vor Schröder deutlich besser entwickelt.

    Weiterhin stimmt mich pessimistisch, dass die Gazetten immer noch von dem guten Arbeitmarkt schwafeln und auf die getürkten, die Türken mögen mir verzeihen, Statistiken verweisen. Es scheint ein Mantra zu sein.

    Um die strukturellen Ursachen fehlender Massenkaufkraft zu überdecken, flüchtet man in Konsumgutscheine. Zu meinem Bedauern befinde ich mich dank Schröder und Clement jetzt auch in einer wirtschaftlichen Situation in der ich diesen Blödsinn begrüßen würde, selbst wenn auch die Vollversager in Politik und Wirtschaft 500 € bekämen.

    Einen weiteren Anlass zu Pessimismus gibt die Antiterrorgesetzgebung im weitesten Sinne. Die "Antiterrorgesetzgebung" dient ja primär der Bekämpfung eines für die mittlere Zukunft antizipierten militanten Widerstandes, der aus massenhafter Verelendung resultiert und mit entsprechenden Gefahren für die ausbeutende Schicht verbunden ist. In Salamischeibentaktik werden die Grundrechte geschrumpft bzw. ausgehöhlt und die Rechte der im Dienst der Herrschenden stehenden Büttel gestärkt.

    Wenn ich eines aus der Geschichte meine gelernt zu haben, dann ist es, dass die Gierigen und Mächtigen bisher jede positive Entwicklung in eine Katastrophe umwandeln konnten, eine Katastrophe die fast ausschließlich die kleinen Leute traf und trifft. Gerade wir Deutschen sind Trendsetter in diesen Dingen. Mit Deutscher Gründlichkeit wird alles gegen die Wand geknallt, heftiger, brutaler und rücksichtsloser als alle anderen Nationen es können. Gut, es dauert lange, aber wenn wir einmal Blut geleckt haben, dann verfolgen wir unerbittlich die falsche Spur bis zum eigenen Untergang.

    TS -x ich hoffe, sie liegen richtig und ich irre mich.

  2. Ich hoffe Ihre optimistische Sichtweise der Dinge ist realitätsnäher als meine pessimistische.

    Was ganz, ganz vorsichtigen Optimismus rechtfertigen würde ist, dass es in diesem Artikel zum ersten Mal einem professionellen Schreiber gelungen ist, die Widersprüchlichkeit der Anforderungen zu benennen, die Politiker an ihren Idealkonsumenten stellen. Nämlich, das Sparen zur Eigenvorsorge bei gleichzeitigem schuldenfinanzierten Kaufvollrausch.

    Was mich weniger optimistisch stimmt ist, dass das Grundübel der Konsumflaute immer noch wie eine heilige Kuh in der Öffentlichkeit behandelt wird. Ich rede hier nicht von Luxuskonsum, von Omega Uhren und Audis und und und.

    Die Kaufkraft der Massen wurde in der BRD von Hartz IV und den Leiharbeitsgesetzen der Regierung Schröder strukturell geschädigt. Die Einführung des Euros dezimierte die Einkommen der kleinen Leute mindestens zusätzlich um 30% als Einmaleffekt, da können die Mächtigen Statistiken fälschen so viel sie wollen.

    Die Arbeitseinkommen vieler Menschen sanken durch die strukturellen Maßnahmen der Regierung Schröder manchmal um mehr als 50%. Der schnelle "Abstieg" in die Grundsicherung zwang viele Menschen zu deutlich niedrigeren Löhnen und schlechteren Bedingungen zu arbeiten. Die Hartz IV Gesetze trieben den durch Clement gesetzlich vollkommen enthemmten Leiharbeitsfirmen die Sklaven zu. Fördern und fordern wird als eine große Lüge in die Geschichte eingehen. Jeder, der mit den Dingen zu tun hatte oder auch nur jemanden in Arbeitslosigkeit kennt weiß, dass das Fördern die absolute Ausnahme ist. Das Fördern war vor Schröder deutlich besser entwickelt.

    Weiterhin stimmt mich pessimistisch, dass die Gazetten immer noch von dem guten Arbeitmarkt schwafeln und auf die getürkten, die Türken mögen mir verzeihen, Statistiken verweisen. Es scheint ein Mantra zu sein.

    Um die strukturellen Ursachen fehlender Massenkaufkraft zu überdecken, flüchtet man in Konsumgutscheine. Zu meinem Bedauern befinde ich mich dank Schröder und Clement jetzt auch in einer wirtschaftlichen Situation in der ich diesen Blödsinn begrüßen würde, selbst wenn auch die Vollversager in Politik und Wirtschaft 500 € bekämen.

    Einen weiteren Anlass zu Pessimismus gibt die Antiterrorgesetzgebung im weitesten Sinne. Die "Antiterrorgesetzgebung" dient ja primär der Bekämpfung eines für die mittlere Zukunft antizipierten militanten Widerstandes, der aus massenhafter Verelendung resultiert und mit entsprechenden Gefahren für die ausbeutende Schicht verbunden ist. In Salamischeibentaktik werden die Grundrechte geschrumpft bzw. ausgehöhlt und die Rechte der im Dienst der Herrschenden stehenden Büttel gestärkt.

    Wenn ich eines aus der Geschichte meine gelernt zu haben, dann ist es, dass die Gierigen und Mächtigen bisher jede positive Entwicklung in eine Katastrophe umwandeln konnten, eine Katastrophe die fast ausschließlich die kleinen Leute traf und trifft. Gerade wir Deutschen sind Trendsetter in diesen Dingen. Mit Deutscher Gründlichkeit wird alles gegen die Wand geknallt, heftiger, brutaler und rücksichtsloser als alle anderen Nationen es können. Gut, es dauert lange, aber wenn wir einmal Blut geleckt haben, dann verfolgen wir unerbittlich die falsche Spur bis zum eigenen Untergang.

    TS -x ich hoffe, sie liegen richtig und ich irre mich.

    • Anonym
    • 13.12.2008 um 13:19 Uhr

    .. ob schwäbische Hausfrauen oder der Schwabe an sich.
    Ich war noch nie ein Freund von Klischees und schon gar nicht vom kokettieren mit Klischees.
    Schaut man sich an die größte Discounter-Dichte im Einzelhandel herrscht dann ist dies nicht in Süddeutschland, schon gar nicht in Schwaben. Sondern nördlich des Mains. Im Rheinland genauso wie in den "Neuen Ländern". Soviel zu Geiz und Sparsamkeit als angebliche Spezialität der Schwaben.
    Und das Seelenbild was da gemalt wird, wenn man überhaupt derartige Pauschalisierungen anstellen kann was ich bezweifle, trifft wenn so und so nur auf jene Gruppe auf die so und so immer schwarz sieht.
    Man schaue des Nächtens auf öffentlichen Kanälen die "Tagesschau vor 25 Jahren". Da haben die feisten Herren auch schon in die Kamera erzählt, dass es "dieses Jahr natürlich weniger unter dem Baum" gäbe. Wie wir ebenso wissen war dies nie der Fall.
    Die Klagelieder über Preise, Sprit und Co. waren mein ganzes Leben auch immer die selben. Ein konstantes Hintergrundrauschen der Larmoyanz und des Polterns über "die Politiker" und was weiss ich nicht alles.
    Meine Güte,...wenn die Lage denn so prekär ist wie man uns derzeit einredet warum dann diese Selbstbeschäftigung? Dann gäbe es wahrlich andere Themen zu diskutieren, zum Beispiel Lösungen. Stattdessen ergeht man sich in schwadronieren über Stereotypen und "Nabelschau" (ein schönes Wort was ich hier auf Zeit.de gelernt hab und an dieser Stelle wunderbar anbringen kann).

    • Anonym
    • 13.12.2008 um 13:20 Uhr
    5. PS

    Es muss natürlich "Argumentation", nicht "Alliteration" heißen.

  3. Verbrauchervertrauen -- kann mich nicht erinnern, diesen Begriff vor 10 Jahren schon gehört zu haben. Ich glaube, in den Massenmedien hat er sich erst seit ca. fünf Jahren durchgesetzt.

    Einen Wikipedia-Artikel gibt es dazu auch noch nicht.

    Dieses ominöse "Verbrauchervertrauen" (vermutlich die schlechte Übersetzung eines englischen Begriffs) ist jetzt offenbar zur volkswirtschaftlichen Kerngröße schlechthin avanciert.

    Gemeint ist wohl das Vertrauen des Verbrauchers darauf, daß seine morgigen Einnahmen ihm gestatten werden, seinen heutigen Konsum zu finanzieren und er sich deshalb keine Zurückhaltung auferlegen muß.

    In den USA haben Politik und Wirtschaft die Arbeitnehmer dazu animiert, ihre Arbeitskommen auf mehrere Jahre im Voraus zu verpfänden.

    Aus irgendeinem Grund scheinen alle großen "Spieler" (Banken, Konzrne, westliche Regierungen) in die Kreditwürdigkeit des Normalbürgers unbegrenztes"Vertrauen" zu setzen.

  4. kann mir jemand mal die Rechnung erklären nach der es uns allen besser gehen soll je mehr wir konsumieren? So theoretisch klingts doch logischer dass man seine Ressourcen optimal zu nutzen probiert, oder nicht?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Hugo_P
    • 14.12.2008 um 11:54 Uhr

    ...neuen Mist kaufen! Waaas, der Rechner ist schon 5 Jahre alt???-Verbraucht, da muß ein Neuer her.
    Die Glotze schon 10 Jahre???-Wohnst du hinterm Mond?!?, Flachbildschirme sind jetzt das Ding!
    Du fährst einen 12 Jahre alten Astra???-Denk doch mal an die Autoindustrie und die Umwelt!
    Du hast noch Glühbirnen???-Weißt du nicht, daß die über 90% der reingesteckten Energie in Wärme umwandeln, also nutzlos verballern?!?
    Usw. usf.
    Solange nicht angefangen wird (siehe dieses Propaganda-Glühbirnen-Verbot), Produkte einer umfassenden Energie- und Ökobilanz zu unterziehen und danach den Zeitpunkt des dem optimalen am nächsten kommenden Wechsels zu bestimmen (und da muß man so ein Auto halt auch fahren, bis es auseinanderklappert, daß bißchen mehr Dreck, was hinten rauskommt, wird um Größenordnungen bei der vorfristigen Entsorgung und dem Neubau des Näxten übertroffen; aber nein, mensch wird dafür steuerlich bestraft, wenn er/sie ne alte Kiste fährt), wird sich nix bis garnix ändern. Und (um bei den Lampen zu bleiben) grade jetzt, wo die LED dabei sind, alltagstauglich zu werden (auch wenn das für die normale Beleuchtung noch ein paar Jahre dauern wird), auf das sinkende Schiff der eigentlich nur als Sondermüll zu entsorgenden (angeblichen) Energiesparlampen zu setzen; Weitsicht geht halt anders.
    Deswegen wird ja für den Bürger, der eine Anschaffung plant oder die machen muß (Glühbirne kaputt) der Begriff "Verbraucher" verwendet.
    "Geht verbrauchen, was wir euch vorsetzen und haltet ansonsten die Schnauze, ihr Dummerchen! Zum Denken sind WIR da, ihr habt die Arbeit für nen Appel und ein Ei zu machen, da nehmen wir euch wenigstens das Denken ab!"

    • Hugo_P
    • 14.12.2008 um 11:54 Uhr

    ...neuen Mist kaufen! Waaas, der Rechner ist schon 5 Jahre alt???-Verbraucht, da muß ein Neuer her.
    Die Glotze schon 10 Jahre???-Wohnst du hinterm Mond?!?, Flachbildschirme sind jetzt das Ding!
    Du fährst einen 12 Jahre alten Astra???-Denk doch mal an die Autoindustrie und die Umwelt!
    Du hast noch Glühbirnen???-Weißt du nicht, daß die über 90% der reingesteckten Energie in Wärme umwandeln, also nutzlos verballern?!?
    Usw. usf.
    Solange nicht angefangen wird (siehe dieses Propaganda-Glühbirnen-Verbot), Produkte einer umfassenden Energie- und Ökobilanz zu unterziehen und danach den Zeitpunkt des dem optimalen am nächsten kommenden Wechsels zu bestimmen (und da muß man so ein Auto halt auch fahren, bis es auseinanderklappert, daß bißchen mehr Dreck, was hinten rauskommt, wird um Größenordnungen bei der vorfristigen Entsorgung und dem Neubau des Näxten übertroffen; aber nein, mensch wird dafür steuerlich bestraft, wenn er/sie ne alte Kiste fährt), wird sich nix bis garnix ändern. Und (um bei den Lampen zu bleiben) grade jetzt, wo die LED dabei sind, alltagstauglich zu werden (auch wenn das für die normale Beleuchtung noch ein paar Jahre dauern wird), auf das sinkende Schiff der eigentlich nur als Sondermüll zu entsorgenden (angeblichen) Energiesparlampen zu setzen; Weitsicht geht halt anders.
    Deswegen wird ja für den Bürger, der eine Anschaffung plant oder die machen muß (Glühbirne kaputt) der Begriff "Verbraucher" verwendet.
    "Geht verbrauchen, was wir euch vorsetzen und haltet ansonsten die Schnauze, ihr Dummerchen! Zum Denken sind WIR da, ihr habt die Arbeit für nen Appel und ein Ei zu machen, da nehmen wir euch wenigstens das Denken ab!"

    • Hugo_P
    • 14.12.2008 um 11:54 Uhr

    ...neuen Mist kaufen! Waaas, der Rechner ist schon 5 Jahre alt???-Verbraucht, da muß ein Neuer her.
    Die Glotze schon 10 Jahre???-Wohnst du hinterm Mond?!?, Flachbildschirme sind jetzt das Ding!
    Du fährst einen 12 Jahre alten Astra???-Denk doch mal an die Autoindustrie und die Umwelt!
    Du hast noch Glühbirnen???-Weißt du nicht, daß die über 90% der reingesteckten Energie in Wärme umwandeln, also nutzlos verballern?!?
    Usw. usf.
    Solange nicht angefangen wird (siehe dieses Propaganda-Glühbirnen-Verbot), Produkte einer umfassenden Energie- und Ökobilanz zu unterziehen und danach den Zeitpunkt des dem optimalen am nächsten kommenden Wechsels zu bestimmen (und da muß man so ein Auto halt auch fahren, bis es auseinanderklappert, daß bißchen mehr Dreck, was hinten rauskommt, wird um Größenordnungen bei der vorfristigen Entsorgung und dem Neubau des Näxten übertroffen; aber nein, mensch wird dafür steuerlich bestraft, wenn er/sie ne alte Kiste fährt), wird sich nix bis garnix ändern. Und (um bei den Lampen zu bleiben) grade jetzt, wo die LED dabei sind, alltagstauglich zu werden (auch wenn das für die normale Beleuchtung noch ein paar Jahre dauern wird), auf das sinkende Schiff der eigentlich nur als Sondermüll zu entsorgenden (angeblichen) Energiesparlampen zu setzen; Weitsicht geht halt anders.
    Deswegen wird ja für den Bürger, der eine Anschaffung plant oder die machen muß (Glühbirne kaputt) der Begriff "Verbraucher" verwendet.
    "Geht verbrauchen, was wir euch vorsetzen und haltet ansonsten die Schnauze, ihr Dummerchen! Zum Denken sind WIR da, ihr habt die Arbeit für nen Appel und ein Ei zu machen, da nehmen wir euch wenigstens das Denken ab!"

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