Autotest Tester auf der Anklagebank

Nach zwei Wochen mit dem Lexus IS F wird ZEIT-Autor Ralph Geisenhanslüke von seinem Öko-Gewissen bis in den Schlaf verfolgt

Der Richter ist kaum zu verstehen. Ungewöhnlicher Akzent. Kein Asiate, vielleicht ein Inuit. Ich horche angestrengt in den Kopfhörer, während er die Anklagepunkte verliest: "Vorsätzlicher Gebrauch eines anachronistischen Transportmittels, fahrlässiger CO₂-Ausstoß, Mitschuld am Tod von Eisbären und an der Versenkung der Malediven…"

So beginnt mein Prozess vor dem Internationalen Klimagerichtshof in Tuvalu. "Ich hatte ja damals keine Ahnung", sage ich. "Ich wollte einfach ein bisschen Spaß. Lexus war doch Vorreiter beim Hybridantrieb." Der Ankläger, ein massiger Polynesier, unter dessen Robe ein buntes Tuch hervorlugt, presst angewidert zwischen den Lippen hervor: "Aber dieses Modell hatte eben keinen Hybridantrieb."

Die Geschworenen, allesamt Afrikaner, schütteln langsam den Kopf. Zwei Wochen lang hatte ich einen Lexus IS F gefahren. Wenige Hundert Kilometer nur. Fünfliter-Achtzylinder, ohne Hybridantrieb. Bis zu 18 Liter Super hatte er in der Stadt verbraucht. Gereinigt wurden die Abgase zwar von vier Katalysatoren. Doch die CO₂-Wolken waren groß genug, um von einem Satelliten der Internationalen Klima-Föderation erkannt zu werden, der normalerweise Industrieanlagen überwachte. Wochen später, im Morgengrauen, klickten die Handschellen.

Schon die Optik des IS F hätte mir eine Warnung sein müssen. Allein die vier Auspuffendrohre. Ein auf Rakete gepimpter Mittelklassewagen. Achtgang-Automatik, Technik für die Rennstrecke. Dennoch hatte ich wie viele gedacht, Lexus gehöre ja zu Toyota und Toyota zu den Guten. Die blau erleuchteten Nadeln von Tacho und Drehzahlmesser schwenkten beim Anlassen von links nach rechts wie die Lichtschwerter der Jedi-Ritter in Star Wars. Aber sie dienten wohl nur dazu, von der dunklen Seite der Beschleunigung abzulenken.

Der Ankläger beginnt sein Plädoyer: "Verehrte Geschworene, wir gehen von einem minderschweren Fall aus. Der Angeklagte hatte offenbar einen Rückfall in stammesgeschichtlich weit zurückliegende Instinkte. Kaum nachvollziehbar, wo doch heute selbst Filmfiguren wie James Bond mit Wasserstoffantrieb fahren. Die Anklage fordert drei Monate Fahrverbot zum Ausgleich der persönlichen CO₂-Bilanz." Der Richter fixiert mich mit eisigem Blick. "Angeklagter, wünschen Sie ein abschließendes Wort?" – "Es war doch nur ein Autotest!", rufe ich. Da erwache ich schweißgebadet. Ein böser Traum. Aber gerecht.
Ich gebe den Wagen zurück und fahre heute mit dem Rad zur Arbeit.

Technische Daten:
Motorbauart: 8-Zylinder-V-Motor
Leistung: 311 kW (423 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 4,8 s
Höchstgeschwindigkeit: 270 km/h
CO²-Emission: 270 g/km
Durchschnittsverbrauch: 11,4 Liter
Basispreis: 69.600 Euro

 
Leser-Kommentare
  1. Hätte Deutschland zeitgleich mit Japan ebenfalls ein allgemeines Tempolimit von 110 eingeführt, gäbe es diesen Lexus heute sehr wahrscheinlich gar nicht. Es gehörten somit eine Menge Leute mit auf die Anklagebank...

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    Weihnachtsbesuch meiner Eltern, u.a. auf der A7 über den Harz, zurückgekommen.
    Dort haben übermächtige Verkehrsverwalter und -gestalter
    ein LKW Überholverbot an ein 120ger Limit, in der Zeit von 6 bis 20 Uhr
    gekoppelt. Komischerweise gilt das auch an LKW freien Sonn- und Feiertagen, was in Verbindung mit dem Zeitumfang (von 8 bis 18 Uhr hätte auch gereicht) schon das wahre Ziel, ein Tempolimit durch die Hintertür einzuführen, entlarvt. Wenn man 20 Jahre die alte Regelung gekannt hat,
    kann man das nur als extrem lästig empfinden. Zumal die Strecke in Randzeiten wenig befahren ist, und man mit einem modernen Diesel völlig entspannt - ohne gefährliche Situationen oder Stress - mit 180 oder auch 200 mit einem gepflegten Radio- oder Musikprogramm dahin schnüren kann.

    Auf der einen Seite wird Mehdorn, mit seinen achsbruchanfälligen der-Gang ist-voll-Sardinenbüchsen, erlaubt, mit energiefressenden 300 Sachen
    dahinzu rasen. Auf der anderen Seite wird der Komfort und die Technologie
    moderner Autos komplett ignoriert, und die Leute mit Bevormundung und repressiven Verkehrskontrollen schikaniert. (wie dämlich muß man sein, um bei Rhüden im Harz oder Hildesheim, den fließenden Autobahnverkehr, wegen eventueller rush-hour-verkehrsbelastung, permanent auf 80, bzw. 100 herunterzubremsen ?
    in randzeiten könnten polizisten da reihenweise führerscheine einsammeln. Warum erlaubt die bundesfernstarßenverwaltung solchen Schwachsinn ? ) Es ist eben politisch gewollt, daß die Fernstraßen keine Alternative zu der hoch subventionierten Bahn sein sollen. Das erreicht man, indem man z.B. die Geschwindigkeit auf knapp über Landstraßenniveau reduziert.

    Sobald in einem Auto 2 Personen sitzen, ist die Energieblilanz übrigens gar nicht schlechter, als beim ICE. Und je besser der Wirkungsgrad der PKW´s wird, desto älter sehen die Jünger der mehrere 100 Tonnen schweren ICE´s aus.

    Weihnachtsbesuch meiner Eltern, u.a. auf der A7 über den Harz, zurückgekommen.
    Dort haben übermächtige Verkehrsverwalter und -gestalter
    ein LKW Überholverbot an ein 120ger Limit, in der Zeit von 6 bis 20 Uhr
    gekoppelt. Komischerweise gilt das auch an LKW freien Sonn- und Feiertagen, was in Verbindung mit dem Zeitumfang (von 8 bis 18 Uhr hätte auch gereicht) schon das wahre Ziel, ein Tempolimit durch die Hintertür einzuführen, entlarvt. Wenn man 20 Jahre die alte Regelung gekannt hat,
    kann man das nur als extrem lästig empfinden. Zumal die Strecke in Randzeiten wenig befahren ist, und man mit einem modernen Diesel völlig entspannt - ohne gefährliche Situationen oder Stress - mit 180 oder auch 200 mit einem gepflegten Radio- oder Musikprogramm dahin schnüren kann.

    Auf der einen Seite wird Mehdorn, mit seinen achsbruchanfälligen der-Gang ist-voll-Sardinenbüchsen, erlaubt, mit energiefressenden 300 Sachen
    dahinzu rasen. Auf der anderen Seite wird der Komfort und die Technologie
    moderner Autos komplett ignoriert, und die Leute mit Bevormundung und repressiven Verkehrskontrollen schikaniert. (wie dämlich muß man sein, um bei Rhüden im Harz oder Hildesheim, den fließenden Autobahnverkehr, wegen eventueller rush-hour-verkehrsbelastung, permanent auf 80, bzw. 100 herunterzubremsen ?
    in randzeiten könnten polizisten da reihenweise führerscheine einsammeln. Warum erlaubt die bundesfernstarßenverwaltung solchen Schwachsinn ? ) Es ist eben politisch gewollt, daß die Fernstraßen keine Alternative zu der hoch subventionierten Bahn sein sollen. Das erreicht man, indem man z.B. die Geschwindigkeit auf knapp über Landstraßenniveau reduziert.

    Sobald in einem Auto 2 Personen sitzen, ist die Energieblilanz übrigens gar nicht schlechter, als beim ICE. Und je besser der Wirkungsgrad der PKW´s wird, desto älter sehen die Jünger der mehrere 100 Tonnen schweren ICE´s aus.

  2. Angesichts des äußerst ausgeprägten Gemeinwohlsinns kann man dem Autoren nur wünschen, dass er niemals ein Fernreise per Flugzeug angetreten hat oder antreten wird. Bei der Einsicht in die Kohlendioxidspur einer solchen Reise wäre der Gewissensbiss gewiss tödlich.

  3. Weihnachtsbesuch meiner Eltern, u.a. auf der A7 über den Harz, zurückgekommen.
    Dort haben übermächtige Verkehrsverwalter und -gestalter
    ein LKW Überholverbot an ein 120ger Limit, in der Zeit von 6 bis 20 Uhr
    gekoppelt. Komischerweise gilt das auch an LKW freien Sonn- und Feiertagen, was in Verbindung mit dem Zeitumfang (von 8 bis 18 Uhr hätte auch gereicht) schon das wahre Ziel, ein Tempolimit durch die Hintertür einzuführen, entlarvt. Wenn man 20 Jahre die alte Regelung gekannt hat,
    kann man das nur als extrem lästig empfinden. Zumal die Strecke in Randzeiten wenig befahren ist, und man mit einem modernen Diesel völlig entspannt - ohne gefährliche Situationen oder Stress - mit 180 oder auch 200 mit einem gepflegten Radio- oder Musikprogramm dahin schnüren kann.

    Auf der einen Seite wird Mehdorn, mit seinen achsbruchanfälligen der-Gang ist-voll-Sardinenbüchsen, erlaubt, mit energiefressenden 300 Sachen
    dahinzu rasen. Auf der anderen Seite wird der Komfort und die Technologie
    moderner Autos komplett ignoriert, und die Leute mit Bevormundung und repressiven Verkehrskontrollen schikaniert. (wie dämlich muß man sein, um bei Rhüden im Harz oder Hildesheim, den fließenden Autobahnverkehr, wegen eventueller rush-hour-verkehrsbelastung, permanent auf 80, bzw. 100 herunterzubremsen ?
    in randzeiten könnten polizisten da reihenweise führerscheine einsammeln. Warum erlaubt die bundesfernstarßenverwaltung solchen Schwachsinn ? ) Es ist eben politisch gewollt, daß die Fernstraßen keine Alternative zu der hoch subventionierten Bahn sein sollen. Das erreicht man, indem man z.B. die Geschwindigkeit auf knapp über Landstraßenniveau reduziert.

    Sobald in einem Auto 2 Personen sitzen, ist die Energieblilanz übrigens gar nicht schlechter, als beim ICE. Und je besser der Wirkungsgrad der PKW´s wird, desto älter sehen die Jünger der mehrere 100 Tonnen schweren ICE´s aus.

    Antwort auf "Anklagebank"
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    Dennoch ist es nun mal so, dass bei 100 km/h weniger Sprit verbrannt wird als bei 150 oder gar 200. Ob uns das nun gefällt oder nicht...

    Am besten: Augen zu und durch... (natürlich nicht am Steuer, versteht sich ;-))

    Dennoch ist es nun mal so, dass bei 100 km/h weniger Sprit verbrannt wird als bei 150 oder gar 200. Ob uns das nun gefällt oder nicht...

    Am besten: Augen zu und durch... (natürlich nicht am Steuer, versteht sich ;-))

  4. Dennoch ist es nun mal so, dass bei 100 km/h weniger Sprit verbrannt wird als bei 150 oder gar 200. Ob uns das nun gefällt oder nicht...

    Am besten: Augen zu und durch... (natürlich nicht am Steuer, versteht sich ;-))

    Antwort auf "Ich bin gerade vom"
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    ist doch nicht ein absoluter maßstab, sondern immer auf den nutzen bezogen. und je länger ich mit 150 oder 200, statt mit 100 fahren kann, desto mehr steigt mein nutzen.

    ist doch nicht ein absoluter maßstab, sondern immer auf den nutzen bezogen. und je länger ich mit 150 oder 200, statt mit 100 fahren kann, desto mehr steigt mein nutzen.

  5. ist doch nicht ein absoluter maßstab, sondern immer auf den nutzen bezogen. und je länger ich mit 150 oder 200, statt mit 100 fahren kann, desto mehr steigt mein nutzen.

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    liegt der Hase im Pfeffer!

    liegt der Hase im Pfeffer!

  6. liegt der Hase im Pfeffer!

    Antwort auf "der verbrauch"
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    und auch kein pfeffer, sondern nützliche salze. die verwandeln sich zu jeder menge dreck am wagenheck, wenn man bei minus 13 grad, mit 200 sachen über vollmond beschienene, mustergültig abgestreute bundesautobahnen gesaust ist.

    und auch kein pfeffer, sondern nützliche salze. die verwandeln sich zu jeder menge dreck am wagenheck, wenn man bei minus 13 grad, mit 200 sachen über vollmond beschienene, mustergültig abgestreute bundesautobahnen gesaust ist.

  7. und auch kein pfeffer, sondern nützliche salze. die verwandeln sich zu jeder menge dreck am wagenheck, wenn man bei minus 13 grad, mit 200 sachen über vollmond beschienene, mustergültig abgestreute bundesautobahnen gesaust ist.

    Antwort auf "Genau da"

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  • Quelle DIE ZEIT, 17.12.2008 Nr. 52
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  • Schlagworte James Bond | Autotest | Toyota | Malediven | Inuit | Abgas
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