Leistungsgesellschaft Eine Pille für die Eins
Mehr Konzentration, Erinnerungsvermögen, Wachsamkeit: Führende Hirnforscher haben die Debatte über Hirndoping neu entfacht. Sie fordern eine Freigabe der Mittel für alle
Die Adressliste liest sich wie ein Ranking der weltbesten Universitäten: Cambridge, Oxford, Harvard, University of California in Santa Barbara, University of Philadelphia. Sechs der sieben Autoren eines Kommentars in der aktuellen Ausgabe des Fachblatts Nature zählen zur Weltspitze der Hirnforschung, der siebte im Bund ist der Chefredakteur persönlich, Philip Campbell. Die Prominenz der Verfasser verleiht ihrer brisanten Forderung Nachdruck: Sie wollen die Diskussion über die Freigabe von sogenannten cognitive-enhancing drugs eröffnen, also von Mitteln, die Konzentration, Erinnerungsvermögen oder Wachsamkeit steigern.
Das "Gehirndoping" für Gesunde ist nicht neu. Seit mehreren Jahren ist bekannt, dass in US-amerikanischen Labors und Universitäten immer mehr Wissenschaftler und Studenten ihrer Leistungsfähigkeit mit verschreibungspflichtigen Medikamenten auf die Sprünge helfen.
Bisher äußerten sich Forscher in ihren Veröffentlichungen zum Thema Gehirndoping allerdings stets mit einem skeptischen Unterton. Der Nature-Kommentar schlägt einen neuen Ton in der angloamerikanischen Debatte an: Die Frage ist nicht mehr, ob es überhaupt legitim ist, die kognitive Leistung des Menschen künstlich zu verbessern. Vielmehr besteht die Schwierigkeit – zumindest nach Auffassung der Autoren – nur noch darin, die Freigabe der Hirndoping-Medikamente möglichst gerecht und sicher zu gestalten.
In Deutschland, wo die Diskussion über die leistungssteigernden Medikamente verzögert anläuft, löst der prominent platzierte Vorstoß der englischen und US-amerikanischen Kollegen Erstaunen aus. "Ehrlich gesagt, bin ich ziemlich platt", sagt Thomas Metzinger, Professor für Philosophie an der Universität Mainz. Am Interdisziplinären Zentrum für Neurowissenschaften leitet er ein Forschungsprojekt über kognitives Enhancement, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird. Eines der Ziele ist es, die aktuelle Situation in Deutschland zu analysieren: Wie verbreitet sind Wachmacher und Aufputschmittel an hiesigen Universitäten? Anders als in den USA existieren in Deutschland noch keinerlei Daten darüber, wie viele Studenten und Wissenschaftler sich über Umwege verschreibungspflichtige Medikamente besorgen.
Metzinger ist sich allerdings sicher, dass von Zahlen zwischen 7 und 15 Prozent, so die aktuellen Schätzungen aus den USA, hierzulande noch keine Rede sein kann. "Die Hemmschwelle auf dem europäischen Kontinent ist traditionell größer als in den USA", sagt der Neuroethiker. Das zeige auch die Verbreitung kosmetisch-chirurgischer Eingriffe – die nach Metzingers Auffassung klare Parallelen zur kognitiven Leistungssteigerung aufweisen. "Sie könnten das auch kosmetische Psychopharmakologie nennen", sagt er. "Beides sind Eingriffe in den Körper eines gesunden Menschen."
Die Autoren des Nature-Kommentars sehen das anders. "Kognitive Verbesserung hat dem Einzelnen und der Gesellschaft viel zu bieten", schreiben sie. "Zu einer angemessenen gesellschaftlichen Reaktion wird es gehören, solche Verbesserungen bei gleichzeitigem Risikomanagement frei zugänglich zu machen."
Was das Risikomanagement betrifft, hat Claus Normann so seine Bedenken. Der Arzt für Psychotherapie und Psychiatrie an der Universitätsklinik Freiburg hat sich die Daten angesehen, die zu den gängigsten cognitive enhancers bekannt sind: Ritalin, das für Menschen mit Aufmerksamkeits- Defizit-Syndrom (ADS) entwickelt wurde; Donepezil, ein Alzheimer-Medikament; und Provigil, das an Narkolepsie erkrankte Patienten davon abhalten soll, unvermittelt einzuschlafen. "Kein Mensch weiß bisher, welche Nebenwirkungen die Dauereinnahme dieser Mittel bei Gesunden auslöst", sagt Normann. Der Wirkmechanismus von Provigil etwa sei völlig unklar. Manche Medikamente zur Gedächtnisförderung regten im Gehirn die Neubildung von Nervenzellen an – denkbar, dass die langfristige Einnahme eine tumorfördernde Wirkung habe.
Abgesehen davon, dass es noch keine Langzeitstudien gibt, ist bei den meisten Medikamenten auch noch nicht erwiesen, dass sie wirklich die Leistung verbessern. In manchen Studien schnitten Gesunde unter dem Einfluss von Ritalin besser ab als die Kontrollgruppe, in anderen schlechter.
Zweifellos effektiv ist dagegen der Wachmacher Provigil, den auch Militärpiloten vor Langzeitflügen einnehmen. "Das Medikament wirkt in der niedrigsten Dosierung wie sechs Tassen Espresso", beschreibt Thomas Metzinger den Effekt der Droge. "Ein ehrgeiziger junger Assistent an der Uni kann mithilfe von Provigil viermal im Monat von Freitag auf Samstag durcharbeiten, ohne den fehlenden Schlaf zu spüren. Damit könnte er 32 Arbeitsstunden im Monat dazugewinnen."
Gewinn mit den Medikamenten macht im Moment aber vor allem die Pharmaindustrie. Die Wirkstoffe von Ritalin und Provigil bescheren Firmen wie Cephalon und Novartis Umsätze, die sich längst nicht mehr mit steigenden Krankenzahlen erklären lassen. Weltweit werden im Moment neue Neuro-Enhancer entwickelt, auch unter dem Etikett der Demenzforschung. Dass zwei Autoren des Nature-Kommentars neben ihrer wissenschaftlichen Arbeit als Berater für Pharmafirmen tätig sind, dürfte ihre Begeisterung für kognitives Enhancement zumindest gefördert haben.
Auch wenn Nebeneffekte und Wirkungsweise von vielen der Enhancement-Medikamente noch nicht richtig erforscht sind: Sie werden trotzdem eingenommen. "Der Trend wird auf jeden Fall zu uns herüberschwappen", sagt Reinhard Merkel, Professor für Rechtsphilosophie an der Uni Hamburg. "Es gibt mit Sicherheit auch hier schon Studenten und Wissenschaftler, die Medikamente zur Leistungssteigerung nehmen." Wie viele andere glaubt er, dass in absehbarer Zeit eine Debatte um Doping bei Prüfungen losbrechen wird – analog zur aktuellen Diskussion im Radsport. Dass es irgendwann Dopingkontrollen an den Universitäten geben wird, hält Merkel allerdings für äußerst unwahrscheinlich: "Das wäre ein aberwitziger Aufwand."
Die Autoren des Nature-Kommentars wollen unfairen Situationen bei Prüfungen zuvorkommen, indem sie die Enhancement-Medikamente allen zur Verfügung stellen. Wenn sämtlichen Studenten die Wahl offensteht, lässt es sich allerdings kaum vermeiden, dass unter Konkurrenzdruck auch diejenigen zum Hilfsmittel greifen, die den Gebrauch eigentlich ablehnen. Diese indirekte Nötigung sprechen die Verfasser im Text an, ohne eine zufriedenstellende Lösung dafür zu bieten.
Das müssen sie aber auch gar nicht – der Kommentar ist nämlich nicht als fertiger Fahrplan zur Freigabe von leistungssteigernden Medikamenten gemeint. Glaubt man dem Nature-Chefredakteur Philip Campbell, so soll die Veröffentlichung der provokanten Forderungen vor allem aufrütteln – er wendet sich vor allem an diejenigen, die immer noch nicht begriffen haben, dass kognitives Enhancement keine Science-Fiction ist. "Die Gesellschaft hat die Wissenschaft längst überholt", sagt Campbell. "Wir haben lange über ethische Probleme diskutiert, aber keine Entscheidungen getroffen. Die Forschung ist dabei zu kurz gekommen. Wir wissen viel zu wenig über die Sicherheit und Wirkungsweise dieser Medikamente."
Er selbst, sagt der Physiker, vertrete keinesfalls die Ansicht, dass gesunde Menschen heute schon Neuro-Enhancer einnehmen sollten. Ihn habe nur gestört, dass niemand ernsthaft über konkrete Maßnahmen diskutiert habe, mit denen man auf den Trend der kognitiven Verbesserung reagieren könnte. "Mit der Veröffentlichung hoffe ich zu bewirken, dass die Sache etwas an Fahrt aufnimmt", sagt Campbell.
Zumindest beim Deutschen Ethikrat ist seine Botschaft auch so angekommen. "Vielleicht verändert diese Publikation in Deutschland ja die öffentliche Wahrnehmung des Themas", sagt die Medizinethikerin Bettina Schöne-Seifert. "Bisher wurde die Debatte hier eher hypothetisch geführt, nach dem Motto: Was wäre, wenn es eines Tages so weit kommt?" Dass die ganz große Enhancement-Welle allem Anschein nach die deutschen Universitäten und Forschungsinstitute noch nicht erreicht hat, verschafft den Neuroethikern immerhin einen Zeitvorsprung. Sie sollten ihn nutzen, um in der Bevölkerung eine breite und offene Diskussion anzuregen. "Die normale Reaktion in Deutschland ist reflexhafte Ablehnung", sagt der Rechtsphilosoph Reinhard Merkel.
Dieser Reflex mag die Entwicklung in Deutschland noch einige Zeit aufhalten. Er hat aber auch einen negativen Effekt: Er verhindert das Nachdenken.
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- Datum 22.01.2009 - 09:51 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 17.12.2008 Nr. 52
- Kommentare 8
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denn damit läßt sich die Frage, wieweit sich der Mensch noch von sich selbst entfernen kann, sicher viel besser beantworten.
Zudem läßt sich damit ja ssoviel gutes für alle Menschen tun, denn shcliesslich arbeiten wir ja alle für den Himmel auf Erden. ( Zumindest wenn man der Argumentation der Befürworter folgt )
Naja, vielleicht bin ich ja schon so senil wie ein Radiergummi, aber in einer Welt, die mit 7 Milliarden Menschen voll ist, in der eine Umwelt immer schneller und katastrophaler kollabiert, der Hunger nicht weniger wird ( genauso wenig wie die Gier nach Gled und Macht ) ... in so einer Welt macht es doch Spaß zu leben. ( Sofern man die richtigen Pillen eingeworfen hat )
Wenn es einen Gott gäbe und er mal aus Versehen auf diese Welt schauen würde, wir würden in einem Berg voller Götter-Kotze ersticken. ( Sorry für den harten Ausdruck, aber die Realität ist nun mal so )
Ich finde diesen Trend sehr beunruhigend. Es stellt sich doch die Frage, warum statt der Diskussion des Für und Widers nicht eher an einer Gesellschaft gezweifelt wird, in der solche Themen Relevanz besitzen. Man kann die Natur nicht auf Dauer bezwingen oder nach seinen Wünschen formen. Das rächt sich irgendwann. Und wenn es irgendwann nicht mehr bergauf gehen kann, werden sich die Verantwortlichen wieder fragen, wie es dazu kommen konnte. Wir müssen lernen, die "Weiterentwicklung um jeden Preis" als Gefahr für unsere persönliche Entwicklung zu sehen. Sonst bleibt vom Menschsein bald nicht mehr viel übrig.
Ich kenne das noch aus den Studienzeiten. BWL. Viele zukünftige (=heutige) (Ex)Investmentbanker dabei. Cephalon stand bei einigen ganz hoch im Kurs, Modafinil oder so ähnlich hieß das Zeug, ist ein Medikament gegen Narkolepsie (Sekundenschlaf).
Was soll ich sagen: es hat nicht wirklich geholfen. Wobei es denen half war: länger wach bleiben, mehr über Büchern hängen. Es hat aber ihre Intelligenz im Sinne von (Re)Kombinationsfähigkeit und das Verständnis der Sachverhalte nicht wirklich befördert. Aber darum geht es denen auch gar nicht.
Die "Referenzgruppe" der Kommilitonen "ohne" hatte dann letztendlich die besseren Noten, "Sie" hatten die besser bezahlten Jobs. 30% von "ihnen" sind heute arbeitslos, nachdem sie und ihre Dope-Kollegen in den entsprechenden Investmentbanken lange genug heiße Luft mit ihren getunten Hirnen produziert haben.
Einer hat sich neulich das Leben genommen.
Die höchte Leistungsfähigkeit und maximaler Zeitaufwand nützen nix, wenn die Prämissen für den Hintern sind.
Nachhaltigkeit ist was anderes.
Würde man diese Forderung im Sport aufstellen, so gäbe es einen gewaltigen Aufschrei, nicht nur weil der Sport dann unfair wäre, sondern weil es sich eben gezeigt hat, dass die temporäre Leistungssteigerung mit erheblichen Gesundheitsrisiken verbunden ist.
Außerdem gibt es ja durchaus Menschen, die Höchstleistungen im Denk- und Wissenschaftsbereich erbringen und landläufig als Genies bezeichnet werden.
Darunter befinden sich aber eben z.B. auch manisch-depressive, die in der manischen Phase Höchstleitungen (ohne jede Pille ) erbringen, die aber "erkauft" werden mit der depressiven Phase, wo diese Menschen in ein besonders tiefes Loch fallen. Bevor man also nach der "Denkpille" für alle ruft, sollte man doch ein bißchen mehr über die Nebenwirkungen bzw. Folge- und Dauerschäden, die dadurch entstehen können.
Ansonsten kann ich mich nur tmech anschließen, der Mensch kann die Natur nicht auf Dauer bezwingen, nur will uns heute keiner den Preis nennen den wir dafür zahlen müssen.
"Würde man diese Forderung im Sport aufstellen, so gäbe es einen gewaltigen Aufschrei, nicht nur weil der Sport dann unfair wäre, sondern weil es sich eben gezeigt hat, dass die temporäre Leistungssteigerung mit erheblichen Gesundheitsrisiken verbunden ist."
Diesen Aufschrei wollten die Autoren ja provozieren.
Wenn man jetzt nicht ueber Regelungen nachdenkt, dann haben wir am Ende eine Situation wie bei den Schønheitsoperationen, dass der eine Teil der Gesellschaft darueber diskutiert, wie entmenschlichend das ist, und der Andere Teil es macht.
Hirndoping wird mit Sicherheit eine Vielzahl von Abnehmern finden. Zu meiner Schulzeit wurde z.B. dafuer geworben, dass Traubenzucker eine solche Wirkung hætte, das wurde geglaubt und genommen.
Heute dann halt der Kaffe und morgen vielleicht Ritalin...
Die Augen zu verschliessen und erst die Gesellschaft ændern zu wollen, kønnte bedeuten sich erst dann mit dem Problem (und der Chance, die ist es ja auch) zu beschæftigen, wenn es unbeherrschbar geworden ist.
"Würde man diese Forderung im Sport aufstellen, so gäbe es einen gewaltigen Aufschrei, nicht nur weil der Sport dann unfair wäre, sondern weil es sich eben gezeigt hat, dass die temporäre Leistungssteigerung mit erheblichen Gesundheitsrisiken verbunden ist."
Diesen Aufschrei wollten die Autoren ja provozieren.
Wenn man jetzt nicht ueber Regelungen nachdenkt, dann haben wir am Ende eine Situation wie bei den Schønheitsoperationen, dass der eine Teil der Gesellschaft darueber diskutiert, wie entmenschlichend das ist, und der Andere Teil es macht.
Hirndoping wird mit Sicherheit eine Vielzahl von Abnehmern finden. Zu meiner Schulzeit wurde z.B. dafuer geworben, dass Traubenzucker eine solche Wirkung hætte, das wurde geglaubt und genommen.
Heute dann halt der Kaffe und morgen vielleicht Ritalin...
Die Augen zu verschliessen und erst die Gesellschaft ændern zu wollen, kønnte bedeuten sich erst dann mit dem Problem (und der Chance, die ist es ja auch) zu beschæftigen, wenn es unbeherrschbar geworden ist.
"Würde man diese Forderung im Sport aufstellen, so gäbe es einen gewaltigen Aufschrei, nicht nur weil der Sport dann unfair wäre, sondern weil es sich eben gezeigt hat, dass die temporäre Leistungssteigerung mit erheblichen Gesundheitsrisiken verbunden ist."
Diesen Aufschrei wollten die Autoren ja provozieren.
Wenn man jetzt nicht ueber Regelungen nachdenkt, dann haben wir am Ende eine Situation wie bei den Schønheitsoperationen, dass der eine Teil der Gesellschaft darueber diskutiert, wie entmenschlichend das ist, und der Andere Teil es macht.
Hirndoping wird mit Sicherheit eine Vielzahl von Abnehmern finden. Zu meiner Schulzeit wurde z.B. dafuer geworben, dass Traubenzucker eine solche Wirkung hætte, das wurde geglaubt und genommen.
Heute dann halt der Kaffe und morgen vielleicht Ritalin...
Die Augen zu verschliessen und erst die Gesellschaft ændern zu wollen, kønnte bedeuten sich erst dann mit dem Problem (und der Chance, die ist es ja auch) zu beschæftigen, wenn es unbeherrschbar geworden ist.
...wo wollen wir hin und was wollen wir dort?
Die Angst vor der eigenen Vergänglichkeit und natürlichen Beschränktheit des Menschen, den Gesetzmäßigkeiten der Natur oder des Universums geschuldet,
kleidet sich je nach Stimmung und Tagesform in unterschiedlichste Gewänder.
Sie wiegt sich maskiert und verkleidet im schillerndem Licht der Illusionen um
vom Einzelnen selbst nicht in ihrem wahren Gesicht erkannt zu werden...
Denn die größte Herausforderung und die größte Krise erlebte der Mensch in
dieser Konfrontation - er ist weder allmächtig, noch vermag er dem Tod zu
entgehen oder Sicherheit zu finden.
Und so finden sich in einigen Ländern wohlfeil die schönen Kostüme der inneren Sicherheit, natürlich der unvermeidlich notwendigen Bekämpfung des Bösen, des Terrorismuses, des Anderen, des Dunklen gezollt.
Und ebenso gibt es die schönen schillernden Kostüme der Schönheitsoperationen
um der Jugendlichkeit nicht Adieu sagen zu müssen.
Und es finden sich Krankenhäuser, Pflege- und Altenheime in großer Anzahl in unserem Land, scheinbar unsichtbar, außerhalb, eingezäunt, verschwiegen.
Natürlich um dem Alter und der Krankheit nicht Guten Tag sagen zu müssen.
Und es gibt die Unterhaltungs- und Kulturindustrie um den täglichen Taumel der
Menschheit mit Abwechslung, mit Bildern, Lautstärke, Labarababa zu füttern.
Natürlich zum Schutze des Menschen, damit er nicht seine Einsamkeit, seine
Sinnlosigkeit und Vergänglichkeit erleben muss.
Und nun gibt es das große Geschenk der cognitive-enhancing drugs, die dem
Einzelnen scheinbar die Überwindung seiner Selbst - seiner natürlichen Leistungsgrenzen - ermöglichen. Welche wunderbaren Aussichten - wir werden
endlich in der Lage sein hochkonzentriert und stetig wachsam das Unmögliche
zu denken, zu erinnern und zu kreieren.
Doch werden wir das Unmögliche niemals möglich machen, die Begrenzung und Vergänglichkeit des Menschen aufzuheben...
Und das ist gut so.
Und so kleiden sich die Allmachtsphantasien, das Sicherheitsdenken und die
Angst vor der eigenen Vergänglichkeit in die schönsten Gewänder und stelzen
über den Laufsteg des Daseins. Ein Kleid getragen spürt der Mensch sodann,
dass es aus der Mode kommt, dass es nicht lebenslang dem Wetter trotzen
kann, dass es verschleißt und vergilbt...
Ein neues Gewand muss her.
Schade, dass der Einzelne nicht weniger darauf verschwendet immer neue
Kleider und Gewänder zu kaufen, zu streben und zu hoffen, und nicht mehr
dafür tut jeden Augenblick zu begrüßen, seinen Geist zu pflegen, seine Krankheiten und sein Altwerden anzunehmen, mit seinem Tod zu tanzen, seine Grenzen und Beschränkungen zu sehen und die Natur und seine Mitmenschen zu achten.
Nirgendwohin wollen. Wir sind immer nur hier und wir können lernen, das zu
wollen, was wir haben und nicht das haben zu wollen, was unmöglich ist.
Wem nützen die Veröffentlichungen??
Die korrupte Pharamindustrie braucht neue Märkte, da ist es doch ideal, wenn es
- neue Krankheitsbilder gibt oder
- ein Bedürfnis der Menschen angeblich befriedigt wird!
Als erstes wird eine neue Krankheit erfunden, z.B. ADS. Dann bietet man eine pharmakologische Lösung an, z.B. Ritalin. Und damit es keine unnötigen Diskussionen gibt, werden Kinder als Patienten genommen. Dazu fehlen noch ein paar Mediziner, die das Ganze in den üblichen Zeitschriften, z.B. der Apotherzeitung, lancieren. Und voila, schon wurde ein ganz neuer Markt geschaffen.
Wer intensiv lernt, kennt das Gefühl vor einen unüberwindlichen Berg zu stehen. Damit man da durchkommt, genügt es zukünftig ein paar Hirn-Dopingpillen einzuwerfen. Am besten die bitteren kleinen weißen Tabletten (ideal wären Abkömmlingen von Kokain, wegen der Suchteffekte). Hauptsache, die Pillen sind teuer und erhöhen den Profit der Pharmagesellschaften. Diese geben schließlich über 40% ihre Umsätze für Werbung und vielleicht mal 10% für Forschung und Entwicklung aus. Ich frage mich, worin heute der wirkliche Unterschied zwischen einem Pharmakonzern und einem Rauschgift-Dealer besteht? Möglicherweise nur darin, daß die Gewinne der Dealers geringer sind.
gab es schon, bevor Sie geboren wurden - man hatte nur noch nicht dieses schicke Akronym dafür gefunden.
Zutreffend ist allerdings, dass die Verschreibungszahlen in den letzten Jahren steil nach oben gingen; zu diskutieren wäre, ob dies einer geschickten Marketingkampange der Pharmaindustrie oder veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen (Stichworte: Leistungsgesellschaft und lebenslanges Lernen) zu verdanken ist.
"Macht mir den Teufel nur nicht klein!" oder: Der reflexhafte (und damit längst nicht mehr als Ausweis kritischen Denkens taugliche) Verweis auf die böse Industrie erklärt nicht alles...
gab es schon, bevor Sie geboren wurden - man hatte nur noch nicht dieses schicke Akronym dafür gefunden.
Zutreffend ist allerdings, dass die Verschreibungszahlen in den letzten Jahren steil nach oben gingen; zu diskutieren wäre, ob dies einer geschickten Marketingkampange der Pharmaindustrie oder veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen (Stichworte: Leistungsgesellschaft und lebenslanges Lernen) zu verdanken ist.
"Macht mir den Teufel nur nicht klein!" oder: Der reflexhafte (und damit längst nicht mehr als Ausweis kritischen Denkens taugliche) Verweis auf die böse Industrie erklärt nicht alles...
gab es schon, bevor Sie geboren wurden - man hatte nur noch nicht dieses schicke Akronym dafür gefunden.
Zutreffend ist allerdings, dass die Verschreibungszahlen in den letzten Jahren steil nach oben gingen; zu diskutieren wäre, ob dies einer geschickten Marketingkampange der Pharmaindustrie oder veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen (Stichworte: Leistungsgesellschaft und lebenslanges Lernen) zu verdanken ist.
"Macht mir den Teufel nur nicht klein!" oder: Der reflexhafte (und damit längst nicht mehr als Ausweis kritischen Denkens taugliche) Verweis auf die böse Industrie erklärt nicht alles...
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