Ihr Alter war schwer zu schätzen. Sie konnten alles zwischen neun und dreizehn Jahren sein. Sie trugen zu kurze Hosen, die die Schuhe nicht mehr bedeckten, und zu lange Pullover, die die älteren Geschwister ausgetragen hatten. Sie waren Rumtreiber, Kinder, die während der unbewachten Stunden des Nachmittags ziellos durch die Straßen im Flüchtlingslager von Jenin stromerten, auf der Suche nach einer Ablenkung, nach irgendetwas, das diesen Übergang zwischen Kindheit und Erwachsensein erträglicher gestaltete.

Und da muss er ihnen über den Weg gelaufen sein. Dieser kleine Hund. Keine acht Wochen alt. Sie hatten ihn an einen Strick gebunden und schleiften ihn hinter sich her. Ohne Halsband. Wer weiß, wem sie das abgeschaut hatten. Der grobe Strick schnürte dem zitternden Hund die Luft ab. Man konnte ihn japsen hören. Aus einigen Metern Entfernung schon. Es war ein Mischling, ein graugelber Hund mit etwas zu großen Pfoten, die ihm trotzdem keinen Halt auf dem Boden gaben. Der Welpe rutschte mehr, als dass er trippelte, er stemmte sich gegen das Ziehen, gegen das Ersticken, gegen die Tritte der Jungs, die ihn so über die Straße treiben wollten, aus Spaß, aus Zeitvertreib, aus Vergnügen an der Angst, die den kleinen Hund zucken ließ. Die Jungen rissen ihn so, dass er mit langgestrecktem Hals in der Luft hing und die Vorderbeine nicht mehr den Boden berühren konnten.

Sie mussten sie doch sehen, die Panik im Blick des Welpen. Sie mussten doch hören, wie er fiepte. Sie mussten doch wissen, dass es ihm weh tat, wenn sie mit dem mitgebrachten Ast auf seinen Körper schlugen. Sie musste doch spüren, wie weich das flaumige Fell, wie jung diese Kreatur war.

Ich bin auf sie losgegangen. Ich konnte nicht an mich halten. Ich konnte die Wehrlosigkeit des Welpen nicht ertragen. Ich bin nicht stolz darauf, denn ich habe alles falsch gemacht, was man in so einer Situation falsch machen kann.

Was ihnen einfiele? Ich konnte die Stimme nicht kontrollieren. Ich schrie. Was ihnen einfiele, diesen Hund so zu schleifen? Was sie mit ihm wollten?

Ich wusste die Antwort. Sie würden ihn quälen. Den ganzen Nachmittag lang. Vermutlich würden sie ihn ertränken. Oder so lange auf ihn einschlagen, bis er sich nicht mehr rührte. Sie waren zu dritt. Einer würde ihn halten, damit er keine Chance hätte, der Welpe, und die anderen würden ihn malträtieren.

Sie standen mit dem Rücken zur Wand, und starrten auf Salwa, meine palästinensische Übersetzerin, die fast ebenso erschrocken über meinen Zorn war wie die Jungen und die meinen Ausbruch in der arabischen Übertragung vermutlich abmilderte – und sie lachten. Halb verlegen, halb aufmüpfig. Was ich denn von ihnen wollte? Was mich das Hündchen anginge? Das gehörte ihnen.

Ich wurde immer wütender. Nicht nur über die Erbarmungslosigkeit dieser Jungs, sondern auch über meine eigene Ohnmacht: Ich wollte sie am liebsten verprügeln, mit richtiger Kraft auf sie einschlagen. Ich wollte ihnen weh tun, damit sie spürten, was sie diesem Tier antaten, das nun zwischen meinen Füßen kauerte, zitternd und bebend, und nicht wusste, das gerade über sein Leben verhandelt wurde.

Die Jungs hatten ja Recht. Der Hund gehörte ihnen. Oder zumindest eher als mir. Wenn ich ihnen den Hund wegnähme, dann bestätigte ich ja nur das Gesetz der Gewalt der Gegend, das mich so aufbrachte.