Technik Baumeister der HygieneWilliam LindleySeite 3/3

Dann stirbt Lindleys Frau, und wieder einmal legt er ein sehr modernes Verhalten an den Tag: Er nimmt quasi Vaterschaftsurlaub, bleibt immer häufiger zu Hause, kümmert sich um die Erziehung seiner drei Söhne, weiht sie später in die Geheimnisse des Ingenieurwesens und in kaufmännische Details ein. Bald überlässt er ihnen die Bauausführung auf den weit verstreuten Baustellen in ganz Europa.

Das britisch-deutsche Ingenieursimperium wächst schnell. Doch rasch vergessen die Städte, wie sehr sich ihre Lage durch die sanitäre Infrastruktur verbessert hat. Überall stöhnen die Kämmerer, wie teuer die Kanalisation sei. »Die begonnenen Kanalarbeiten werden sofort eingestellt und der wie ein Vampyr am städtischen Geldbeutel saugende Vertrag mit Herrn Lindley wird auf gesetzlichem Wege wieder aufgelöst«, fordert 1868 der Ingenieur Krepp aus Frankfurt am Main.

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Auch in Hamburg hatte man geknausert. Doch die Sparsamkeit schlägt zurück. 40 Jahre nachdem William Lindley sein erstes Großbauwerk in die Erde der Hansestadt versenkt hatte, bricht eine verheerende Cholera-Epidemie aus. In Rothenburgsort hatten sich die Stadtoberen den Sandfilter für die Trinkwasseraufbereitung gespart – denn dort, oberhalb der Stadt, sollte das Wasser ja noch unbelastet sein. Der Cholera-Erreger fand seinen Weg ungehindert über die Wasserleitungen zu seinen Opfern. Das Wasserkraftwerk in Altona unterhalb der Stadt dagegen hatte einen Sandfilter. Dort stirbt kein einziger Bürger an der Cholera. Am Ende hatte der Geiz die Hamburger doch gestraft.

 
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