Rennsport Prinz EisenherzIm Januar wird Michael Schumacher 40. Zeit, sich ein paar grundsätzliche Gedanken zu machen. Ein privates Gespräch über Familie, Schicksal und das Jetset-LebenF

Was macht ein Rennfahrer im Ruhestand? Der siebenfache Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher über den härtesten Moment seiner Karriere und sein Leben als Privatmann

Flughafen Genf, frühmorgens. Treffpunkt ist natürlich nicht die Abflughalle, wo der normale Passagier seinen Rollkoffer aufs Band legt, den Gürtel aus der Hose zieht und auf Socken zu einem Wachmann schlurft, der ihn sexuell belästigt. Treffpunkt ist das kleine Gebäude nebenan, wo die Hostess freundlich den Weg zu einer ledernen Sitzgruppe weist und fragt, ob man Tee oder Kaffee wünscht. Der Flugkapitän streckt die Hand zum Gruß aus.
Das ist sie also, die Piste der Reichen und Berühmten, die sich am Genfer See niedergelassen haben. Der Aga Khan lebt hier, David Bowie, Athina Onassis, Alain Delon, Sophia Loren, auch Leute mit längeren Namen wie Scheich Abdul Aziz Al-Sulaiman. Der Reeder Ernesto Bertarelli (Vermögen: 9 Milliarden Euro). Der Krösus von Ikea, Ingvar Kamprad (25 Milliarden Euro). Die Liste hört nicht auf.
Die Wolken am Himmel lösen sich auf. Kein Wind. Das erfreut Menschen, die in einem Sechssitzer nach Portugal düsen wollen.
Gibt es eigentlich noch andere Autos als schwarze Cayennes? Wohl nicht, wenn man den Parkplatz vor dem Terminal anschaut. Die Gegend ist offenbar ein Refugium für Gleichgesinnte.

Warten auf Michael Schumacher. Was für ein Mensch ist er? Ist er so verschlossen, wie alle sagen? Siebenfacher Formel-1-Weltmeister. Ein Mythos. Eine Weltmarke. Ein Egomane. Ein Mann, der in den rasenden Boliden selber zur Maschine mutiert ist. Ein Mann, an dem jede private Frage abprallt. Autistisch. Unnahbar. Rätselhaft. Den Ruf hat er. Deshalb sind wir hier. Wir, Reporter und Fotograf, wollen ihm auf die Spur kommen. Er hat uns zwei Tage gewährt, die wir hautnah an seiner Seite verbringen dürfen. Das macht er normalerweise nicht.
Ein Taxi fährt vor. Sabine Kehm steigt aus. Sie ist Schumachers engste Vertraute. Nach Corinna natürlich, seiner Frau. Wo Sabine ist, da ist Michael nicht weit. Sie hat zwei Blackberrys, einen exklusiv für IHN. Standleitung Schumacher. "Er ist auf dem Weg", sagt sie.

Michael Schumacher wohnt in Gland, einem Dorf direkt am Genfer See, etwa 15 Minuten vom Flughafen entfernt. Der Neubau – vor einem halben Jahr ist die Familie eingezogen – hat Schlagzeilen gemacht: Die Villa ist eine Mischung aus Rokokoschloss und Chalet, hat einen 30-Meter-Pool, plus Garage für zwei Dutzend Autos, mit Park (drei Hektar) und Seeanschluss. Preis angeblich 40 Millionen Euro. Davon entfernt man sich natürlich ungern.

Er kommt. Ein schwarzer Kombi fährt vor (kein Cayenne). Schumi steigt aus. Er hat den legendären Tunnelblick, die Pupillen nur aufs Ziel gerichtet. Das ist in diesem Fall der Kofferraum. Darin: viele Taschen, Koffer, Helme. Er packt mit an. Ein zweiter Mann – wie sich gleich herausstellt, sein Physiotherapeut, der immer mitreist – hilft. Der Flugkapitän bietet sich als Gepäckträger an. Schumi trägt ein Kruzifix, mit Brillanten besetzt, überm Hemd.
Schumi. So heißt er im Volksmund. Als wäre er ein Prinz der Herzen. Dabei ist er Prinz Eisenherz.

Der Junge aus Kerpen, einem Kaff im rheinischen Braunkohlerevier, startete im Alter von vier Jahren in einem Kettcar mit umgebautem 5-PS-Mofamotor, ein Geschenk seines Vaters. Mit fünf Jahren feiert er seinen ersten Sieg. Drei Jahrzehnte später – nach seinem 91. Grand-Prix-Sieg – ist er der erfolgreichste Rennfahrer aller Zeiten. 2006 verabschiedet er sich aus der Formel 1. Er hat alles erreicht, was man in der Königsklasse auf vier Rädern erreichen kann.

Neuerdings rast er auf zwei Rädern – Schumi kann es einfach nicht lassen. Er braucht den Reifendruck, den Geruch der Box, den Kick. Das Leben muss irgendwie weitergehen, und das funktioniert nun mal nicht ohne Motor. Im Januar wird Michael Schumacher 40.
Er ist also ein Privatmann, der im Privatjet zu seinem privaten Vergnügen fliegt. Und das ist der Motorrad-Rennsport. Sein neues Hobby. Ist das wirklich ein Ersatz fürs Ferrari-Cockpit?
Michael Schumacher ist erstaunlich schick angezogen für einen Kerl, der nach Portugal fliegt, um dort Motorräder zu testen. Er trägt eine schwarze Hose von Dolce & Gabbana, dazu ein blütenweißes Hemd und ein dunkles Sakko.
Das Gepäck ist verladen. Ach ja, da sind die beiden Reporter. Knapper Händedruck. Motorisches Lächeln. Er wäre jetzt lieber allein. Wozu hat man sonst einen Privatjet? Aber eben. Er ist der merkwürdigste Motorradfahrer der Welt. Er ist der rätselhafteste Privatmann der Welt. Dass sich die Welt darüber wundert, ist auch ihm klar.
"Alles startklar", sagt der Kapitän.Wir laufen übers Rollfeld zu der Hawker, die schon die Motoren angelassen hat. Die Maschine bekommt ihren Slot, hebt ab. Die Hawker ist ein fliegendes Wohnzimmer. Schumi macht erst mal ein kleines Nickerchen. Power-Nap. Nach ein paar Minuten ist er wieder hellwach.

ZEITmagazin: Auf Kommando in Tiefschlaf fallen, wie macht man das?

Michael Schumacher: Das habe ich erst so richtig in den letzten zehn Jahren meiner Profizeit gekonnt. Ganz am Anfang nicht, da war ich zu angespannt. Zwei, drei Minuten schlafen, das gibt mir wieder volle Energie.

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ZEITmagazin: Sie haben kurz vor dem Rennen geschlafen? Kein Kaffee oder so, um sich aufzuputschen?

Schumacher: Ich bin eh kein Kaffeetrinker. Kaffee wirkt bei mir in die andere Richtung, da ist mir unwohl. Man muss beim Rennen hellwach sein. Ich regeneriere mich am besten im Schlaf.

ZEITmagazin: Fantastischer Blick von hier oben. Können Sie bestimmte Berge an der Form erkennen?

Schumacher: Da drüben ist der Montblanc. Der ist einfach zu erkennen, wenn er nicht gerade in der Wolkendecke ist. Aber im Normalfall mache ich im Flieger was anderes, als aus dem Fenster zu gucken. Ich schau nur kurz nach dem Start raus, ob ich unser Haus sehe.

ZEITmagazin: Haben Sie Heimatgefühle, wenn Sie da unten den See erkennen?

Schumacher: Ist immer wieder ein schönes Gefühl, ja. Die Gegend ist einfach traumhaft. Deshalb haben wir damals entschieden, uns in der Genfer Ecke niederzulassen. Die Landschaft. Hier fühlen wir uns zu Hause. Trotz meiner nicht vorhandenen Französischkenntnisse.

ZEITmagazin: Was waren die Kriterien bei der Haussuche?

Schumacher: Die Privatsphäre. Und die Sicherheit. Das musste gewährleistet sein. Und dann Sauberkeit natürlich.

ZEITmagazin: Sauberkeit?

Schumacher: Ich finde es immer extrem auffällig, wenn ich international pendele und zurückkomme, wie sauber alles ist. Da liegen keine Plastiktüten am Straßenrand. Alles ist schön, die Straßen sind in Ordnung.

ZEITmagazin: Was vermissen Sie, wenn Sie an Deutschland denken?

Schumacher: Am meisten wohl, dass ich nicht so schnell mal meinen Vater besuchen kann. Oder die alten Kumpels immer um mich rum habe.

Leser-Kommentare
  1. Es freut schon sehr zu hören dass Michael Schumacher trotz aller Erfolge ein Mensch geblieben ist, mit dem man in der Kneipe jederzeit ein Bier trinken könnte. Dass er sich zurückzieht und sogar fast versteckt ist schon sehr verständlich. In einer Zeit, in der nur Sensationen oder schlechte Nachrichten von der Mehrheit verkonsumiert werden, haben unsere Prominenten keine andere Wahl mehr.

    Im übrigen finde ich den Artikel von Christian Kämmerling außergewöhnlich gut. Hoffentlich erscheint noch viel von ihm.

  2. der viel Geld hat. Die Architektur des Hauses am Genfer See ist natürlich geschmacklos sowie auch das Outfit Schumachers.
    Er hat es gern sauber, bläst aber auch Unmengen an Treibhausgas in die Luft.
    Mit wirklich sinnvollen Dingen kann er sich nicht beschäftigen,
    der Zeit-Leser weiss dieses aber ohnehin schon.

    Ich denke, dass er zu seiner Familie nett ist und finde seine Frau sympathischer als die seines Bruders Ralf

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    M.S. hat aus seinen Fähigkeiten anscheinend das beste gemacht. Was müsste er nachholen, damit der Zeit-Leser ihn auf gleicher Augenhöhe sieht?

    M.S. hat aus seinen Fähigkeiten anscheinend das beste gemacht. Was müsste er nachholen, damit der Zeit-Leser ihn auf gleicher Augenhöhe sieht?

  3. M.S. hat aus seinen Fähigkeiten anscheinend das beste gemacht. Was müsste er nachholen, damit der Zeit-Leser ihn auf gleicher Augenhöhe sieht?

  4. Welches Limit ?

    Ein Mann kann gut Autos um die Kurve fahren - gemeinhin eine Fähigkeit, die die Welt nicht braucht. Warum aber dann noch die "Ehre" eines Zeit-Interviews wenn von vorne herein klar war, dass das Limit an welches der Mann heranfährt, auf diesem Gebiet so fürchterlich schnell erreicht ist und über den 1. Gang nicht herausreicht ?
    Mich hätte ein Interview mit den wahren Helden dieser Tage ( eines kurzarbeitenden Autozulieferers, einer(s) allein erziehenden Mutter/Vaters oder eines Leergut suchenden Obdachlosen.. )wesentlich mehr interessiert und es wäre auf jeden Fall gehaltvoller gewesen als dieses hohle Geschwätz.
    Welch eine Verschwendung an Druckerschwärze, Papier und Spesen. Schade um mein Abo-Geld.

  5. Thank you for a marvellous interview on my favourite driver Michael Schumacher, i idolize him because he is a great celebrity and i adore whatever he says and does. i would love to meet him again for the 4th time, i never grow weary of his races etc.If he is reading this all i can say is Good luck my dearest Michael and get your 8th world title you deserve it. Take care and be careful.

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