Rennsport Prinz EisenherzIm Januar wird Michael Schumacher 40. Zeit, sich ein paar grundsätzliche Gedanken zu machen. Ein privates Gespräch über Familie, Schicksal und das Jetset-LebenFSeite 6/6
Schumacher: Fünf. Zwei große, ein Wachhund und ein Spielhund. Der dritte ist ein Australian Shepherd, ein Pferdehund. Dann noch zwei kleine Mischlinge aus Mallorca. Corinna ist eine, die die Welt retten möchte. Besonders Tiere, die sich nicht selber helfen können. Jedes Mal, wenn wir von Mallorca zurückkommen, ist unser Flieger eine Arche Noah.
ZEITmagazin: Sie haben einen interessanten Klingelton auf Ihrem Handy.
Schumacher: Weiß gar nicht genau, was das für eine Melodie ist. Ich finde sie einfach gut. Ein Kumpel hat sie für mich runtergeladen. (Führt vor.)
ZEITmagazin: Das Pfeifen mit Orchester klingt so ähnlich wie "Spiel mir das Lied vom Tod".
Schumacher: Ja, kann sein.
ZEITmagazin: Fühlen Sie sich manchmal als einsamer Cowboy?
Schumacher: Cowboy, ja. Die Atmosphäre gefällt mir, auf dem Pferd sitzen, dann am Lagerfeuer mit Freunden, Bier trinken, Zigarre rauchen. Haben wir auch oft genug gemacht. Aber einsam? Nee. Das Leben ist erst richtig schön, wenn man es in der Gemeinschaft genießen kann.
ZEITmagazin: Ahnt man gar nicht, dass Sie so ein geselliger Typ sind.
Schumacher: Wenn ich Fußball spielen will, ist das schwierig allein, oder? Genauso Kartenspielen. Ich setz mich nicht alleine vor den Fernseher und mache einen Wein auf. Okay, manchmal vielleicht, aber es ist doch lustiger, wenn ich das mit Freunden teilen kann. Oder Motorradfahren. Mit Kumpels am Motor rumschrauben, fachsimpeln und abends dann ein Bierchen trinken. So ein Clübchen, das hab ich gern.
ZEITmagazin: Sind Sie für Ihre Freunde auch nachts um drei erreichbar?
Schumacher: Klar. Oft genug vorgekommen.
ZEITmagazin: Wenn Ihr Leben ein Film wäre, was wäre die Titelmelodie?
Schumacher: Spontan fällt mir Eye of the Tiger von Survivor ein.
Abends, in der Hotelbar. Zwei Bier, bitte. Schumi ist zufrieden. Er ist heute schneller gefahren als Randy Mamola, der vierfache Vizeweltmeister. Nicht übel. Prost. Zeit für eine gute Zigarre. Der Kellner schneidet sie sorgfältig an, serviert sie auf einem silbernen Tablett. Schumi macht sich zum Paffen parat, da sagt der Kellner: "Rauchen in der Bar verboten", und weist in Richtung Terrasse. Heimweh kommt auf. In der Schweiz darf ungehindert gequalmt werden.
Wo ist der Mann mit dem Tunnelblick geblieben? Wo ist der unnahbare Autist, an dem alle Fragen abprallen, die nicht mindestens 600 PS haben? Er ist aufgetaut in den letzten zwei Tagen. Auch auf Fragen, die nur 2 PS hatten, reagierte er mit einem Lachen. Sogar ein bisschen Privates hat er ausgeplaudert. Er ist lässig. Er hat Humor. Kurz: Er ist ein Mann, mit dem man gern ein Bier trinkt. Ein kölsche Jung. Dabei behält er immer die Aura der lebenden Legende.
Und jetzt? Zu dieser Geschichte gehört, dass sie manchmal merkwürdige Kurven macht. Zwei Kumpels tauchen in der Bar auf, Schumi umarmt sie herzlich. Der eine ist Mechaniker, der andere Ingenieur im Rennstall Holzhauer. Michael Schumacher, der siebenfache Formel-1-Weltmeister, fährt Motorrad fürs Team Holzhauer aus Wittenberge in der Prignitz. Er ist sich für nichts zu schade, was einen Motor hat und Spaß macht. Die beiden Männer sind 3000 Kilometer am Stück gefahren, ohne Pause, um Schumis Maschine von Wittenberge nach Portimão zum Reifentest zu transportieren. Jetzt haben sie Durst. Lassen wir die drei unter sich. Schumi und sein Clübchen.
Christian Kämmerling, 55, Mitgründer und langjähriger Chefredakteur des "SZ-Magazins", wird künftig für das ZEITmagazin und "Das Magazin", Zürich, Interviews führen.
- Datum 29.07.2009 - 19:10 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | Auf einer Seite lesen
- Quelle DIE ZEIT, 17.12.2008 Nr. 52
- Kommentare 5
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:
Es freut schon sehr zu hören dass Michael Schumacher trotz aller Erfolge ein Mensch geblieben ist, mit dem man in der Kneipe jederzeit ein Bier trinken könnte. Dass er sich zurückzieht und sogar fast versteckt ist schon sehr verständlich. In einer Zeit, in der nur Sensationen oder schlechte Nachrichten von der Mehrheit verkonsumiert werden, haben unsere Prominenten keine andere Wahl mehr.
Im übrigen finde ich den Artikel von Christian Kämmerling außergewöhnlich gut. Hoffentlich erscheint noch viel von ihm.
der viel Geld hat. Die Architektur des Hauses am Genfer See ist natürlich geschmacklos sowie auch das Outfit Schumachers.
Er hat es gern sauber, bläst aber auch Unmengen an Treibhausgas in die Luft.
Mit wirklich sinnvollen Dingen kann er sich nicht beschäftigen,
der Zeit-Leser weiss dieses aber ohnehin schon.
Ich denke, dass er zu seiner Familie nett ist und finde seine Frau sympathischer als die seines Bruders Ralf
M.S. hat aus seinen Fähigkeiten anscheinend das beste gemacht. Was müsste er nachholen, damit der Zeit-Leser ihn auf gleicher Augenhöhe sieht?
M.S. hat aus seinen Fähigkeiten anscheinend das beste gemacht. Was müsste er nachholen, damit der Zeit-Leser ihn auf gleicher Augenhöhe sieht?
M.S. hat aus seinen Fähigkeiten anscheinend das beste gemacht. Was müsste er nachholen, damit der Zeit-Leser ihn auf gleicher Augenhöhe sieht?
Welches Limit ?
Ein Mann kann gut Autos um die Kurve fahren - gemeinhin eine Fähigkeit, die die Welt nicht braucht. Warum aber dann noch die "Ehre" eines Zeit-Interviews wenn von vorne herein klar war, dass das Limit an welches der Mann heranfährt, auf diesem Gebiet so fürchterlich schnell erreicht ist und über den 1. Gang nicht herausreicht ?
Mich hätte ein Interview mit den wahren Helden dieser Tage ( eines kurzarbeitenden Autozulieferers, einer(s) allein erziehenden Mutter/Vaters oder eines Leergut suchenden Obdachlosen.. )wesentlich mehr interessiert und es wäre auf jeden Fall gehaltvoller gewesen als dieses hohle Geschwätz.
Welch eine Verschwendung an Druckerschwärze, Papier und Spesen. Schade um mein Abo-Geld.
Thank you for a marvellous interview on my favourite driver Michael Schumacher, i idolize him because he is a great celebrity and i adore whatever he says and does. i would love to meet him again for the 4th time, i never grow weary of his races etc.If he is reading this all i can say is Good luck my dearest Michael and get your 8th world title you deserve it. Take care and be careful.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren