Es ist schon ein Traumhaus, wie es da liegt in seinem 1400 Quadratmeter großen, von einem Landschaftsarchitekten angelegten Garten. Nach Süden ausgerichtet, uneinsehbar, mit Biotop und Holzterrasse. Auf zwei Etagen 412 Quadratmeter Wohnfläche, Sauna und Fußbodenheizung. Zum Wörthersee fährt man fünf Minuten, in die Kärntner Landeshauptstadt Klagenfurt nicht viel länger. Der Kaufpreis? 99 Euro. Mit Glück.

Traude Daniel, Rentnerin aus Klagenfurt, besitzt ein Haus, das ihr zu groß geworden ist. Ein Gutachten schätzt seinen Verkehrswert auf 836000 Euro, doppelt so viel wie der Schnitt in Klagenfurt. Seit dem Januar sucht sie nach einem Käufer. Als sie im Juni noch keinen gefunden hatte, erzählte ihre Tochter von einer Autoverlosung.

So kam Traude Daniel auf die Idee mit der Lotterie. Nach langwierigen juristischen Tüfteleien gab sie 9999 Lose zu je 99 Euro aus. Interessenten konnten sich auf der Webseite www.hausverlosung.at registrieren und mussten die 99 Euro auf ein Treuhandkonto einzahlen. Die Ziehung sollte dann im Mai 2009 stattfinden. "Wir dachten, dass es so lange dauern würde, bis alle Lose verkauft sind", sagt Traude Daniel. "Wir haben mit 2000 Anmeldungen pro Monat gerechnet."

Nachdem eine Lokalzeitung über ihr Vorhaben berichtet hatte, kollabierte der Server. 16000 Menschen wollten die Villa. "Wir haben Hunderte E-Mails bekommen", erzählt Daniel, viele Nachfragen, "ob der Boden kontaminiert ist oder ob es einen Hundezwinger in der Nähe gibt. Wir kommen derzeit immer erst nachts um zwei ins Bett."

Das letzte Los wurde vergangene Woche verkauft. Und eine anonyme Anzeige ist da, wegen Verstoßes gegen das Glücksspielgesetz. "Mein erster Gedanke war auch: Des geht net", sagt der Klagenfurter Notar Stefan Lindner. "Aber wir haben eine offizielle Stellungnahme des Bundesministeriums für Finanzen, dass wir das einmalig und als Privatverkauf machen dürfen."

Traude Daniel und ihr Notar sicherten die Sache mehrfach ab, um sich nicht dem Vorwurf der Bereicherung auszusetzen. Der Gewinner bekommt ein schlüsselfertiges Haus ohne Belastungen, ohne Kosten und ohne Gebühren.

Die Ziehung soll nun im Januar stattfinden. Schon jetzt steht bei Stefan Lindner das Telefon nicht mehr still. 160 Anfragen habe er von Leuten, "die jetzt auch etwas verlosen wollen": von einer Villa in Rom für fünf Millionen Dollar bis zu einem Strandkorb an der Nordsee mit Liegenschaft.