Lokaljournalisten sind teuer. James Macpherson, Chef der kalifornischen Onlinezeitung PasadenaNow, blätterte im Monat umgerechnet 2000 Euro für jeden seiner fünf Reporter hin. Bis ihm die Idee kam, die Texte dort schreiben zu lassen, wo sie billig sind – in Indien.

Pasadena hat 150000 Einwohner und eine richtige, zu bezahlende Zeitung, den Pasadena Star. Mit ihm hat die Webseite PasadenaNow nichts zu tun. Macpherson kann sich also nicht durch den Verkauf einer Printausgabe finanzieren. Er hat Werbeeinnahmen, aber sie reichen nicht für die Reporter; Macpherson kündigte ihnen.

Verstreut in Indien, 13000 Kilometer östlich von Pasadena, sitzen sechs freie Schreiber. Einige hätten in Amerika studiert, einer habe sogar zwölf Jahre in New York als freier Journalist gearbeitet, sagt Macpherson. Die Inder verfolgen die Stadtratssitzung in Pasadena über Kameras im Internet. Macpherson schickt ihnen Presseinformationen und Zitate, die er von ehrenamtlichen "Gemeinde-Beobachtern" erhält. Die Inder basteln daraus einen Artikel. "Ich bewerte die Informationen journalistisch, sie machen nur noch die mechanische Arbeit", sagt Macpherson, der für 1000 Wörter 5,60 Euro zahlt. – Für einen Artikel der Länge, wie Sie ihn hier gerade lesen, wären das gut 2 Euro.

Anfang Dezember sah Maureen Dowd, die berühmte Kolumnistin der New York Times, ihre Arbeit durch solchen Offshore-Journalismus bedroht. Könne nicht jemand in Bangalore ihre Texte für einen Bruchteil ihres Honorars schreiben? Aber der Journalismus ihrer Zeitung ist ein anderer als der von PasadenaNow . Analysen oder Hintergrundberichte liefert die Provinz-Webseite nicht. Auch sitzt die New York Times nicht in einem privaten Arbeitszimmer wie der 53 Jahre alte James Macpherson, der mit seiner Frau die interkontinentale Lokalredaktion von zu Hause aus lenkt.

Die Inder von PasadenaNow berichten über die kommende Ausstellung lokaler Künstler in der Polizeistation und über die Bücherei, die nun im Zuge der "GreenCity"-Initiative statt Papiertüten nur noch Stofftaschen herausgibt. Die Bürger interessieren sich dafür: Seit die Webseite vor drei Jahren online ging, stieg die Zahl der Leser auf wöchentlich 25000. Mit den Berichten über jedes noch so kleine Ereignis schließt die Webseite eine Lücke, die der Pasadena Star gelassen hat.

James Macpherson ist zufrieden mit seinen Indern, die noch nie in Pasadena waren, ihm aber drei Viertel der Arbeit abnehmen. Obwohl seine Seite bisher keinen Gewinn macht, will er spätestens im Januar PasadenaHoy online stellen, um auch die Latinos zu erreichen, die in Pasadena ein Drittel der Bevölkerung ausmachen.

Übersetzungen ins Spanische gibt es im Internet – beziehungsweise in Mittelamerika – schon für 44 Cent pro 100 Wörter. Das wären 1,68 Euro für diesen Text, an dessen Ende Sie nun gelangt sind.