Glaube Die GretchenfrageDie Gretchenfrage
Geburt des Erlösers, Fest des Friedens oder teure Bescherung: Wozu Weihnacht? Gibt es überhaupt ein höheres Wesen? Ein Jenseits? Und woran kann man heute noch glauben? Zehn Positionen zu einem alten Problem
Nietzsche und der liebe Gott
Von Alexander Van der Bellen
Warum glauben Sie noch – und woran? Schon mit der Frage habe ich Schwierigkeiten, geschweige denn mit der Antwort. Aus der evangelischen Kirche bin ich mit Ende 20 ausgetreten, im Ärger über meinen Pfarrer, der in der sogenannten Militärseelsorge keine ethische Ambivalenz erkennen konnte. Ein eher nichtiger Anlass, die Entfremdung war schon viel früher eingetreten. Mit 16 war mir
Also sprach Zarathustra
in die Hände gefallen und hatte schlagartig die Reste meines Kinderglaubens an den lieben Gott zerstört. Etwas später hielt ich in meiner Gymnasialklasse einen Vortrag über das gerade publizierte
Warten auf Godot,
und bestürzte Schulkollegen sagten zu mir: »Aber an irgendetwas musst du doch glauben!«
Nein, muss ich nicht, jedenfalls nicht im landläufigen Sinn. Caritas und Diakonie, Barmherzige Brüder oder Jesuiten leisten nützliche und wertvolle Arbeit; das verdient Respekt und Unterstützung, auch von mir. Meine persönliche Ethik und Moral beruht auf einigen axiomatischen Grundsätzen, durchaus ähnlich einem religiösen Glauben. In vielen praktischen Fragen sind Christen, die ihre Antworten aus ihrem Glauben schöpfen, und ich einer Meinung. Aber gegen die Wahrheitsansprüche institutioneller Religionen betrachte ich mich als immun, nicht zuletzt wegen der 30 Jahre, die ich in der universitären Forschung arbeiten durfte. Dass exaktes Denken, dass Unabhängigkeit
des Geistes
notwendig und hilfreich sind, daran glaube ich – warum, weiß der liebe Gott allein.
Alexander Van der Bellen, geboren 1944 in Wien, ist Universitätsprofessor für Volkswirtschaftslehre und Nationalratsabgeordneter. 1997 bis 2008 war er Bundessprecher und Klubobmann der Grünen
Mein Un/Glaube ist der Zweifel
Von Gerhard Roth
Als Kind schon habe ich mit der christlichen, der katholischen Religion, um die es sich ausschließlich handelte, gehadert. Während mein älterer Bruder Paul Beichte, Erste Kommunion, Firmung und Gebet offenbar spirituell erlebte,
verstand
ich den Glauben von Anfang an nicht. Ich war unentschieden, ob Paul nur etwas mitspielte, was andere ihm vorspielten, oder ob es etwas gab, zu dem ich keinen Zugang hatte.
Wenn ich krank war und es mir schlecht ging, bat ich die unbekannte Macht in stillen Anrufungen um Hilfe, ich erhielt jedoch immer nur ein Schweigen als Antwort. Ging es mir aber gut, hielt ich meine versuchten Gebete für Schwäche, denn ich argwöhnte, dass ich mich aus Angst selbst betrogen hatte. Zumeist aber dachte ich, es handle sich in der christlichen Religion um ein Wissen, an dem ich nicht teilhaben konnte, denn ich litt während meiner versuchten Gebete und sonntäglichen Messen, die damals auf Lateinisch abgehalten wurden, an Trübsinn, Langeweile, Unkonzentriertheit und einem Gefühl der Sinn- und Aussichtslosigkeit. Mit 23 Jahren bin ich aus der Kirche ausgetreten.
Ich habe später alle »heiligen« Bücher gelesen und mich mit den verschiedenen Mythologien befasst, da ich Religionen als Ausdruck des Menschseins begreife. Ich respektiere Menschen, die glauben, und Menschen, die nicht glauben. Ich selbst glaube an kein Jenseits. Mein Un/Glaube ist noch immer der Zweifel. Als Symbol für meinen Un/Glauben sehe ich inzwischen das Möbiusband, denn auch heute noch hat sich für mich wenig geändert: Sobald ich mich auf Spiritualität einlasse, verschwindet diese; bin ich aber ohne religiöse Gefühle, zweifle ich an einer Schöpfung ohne Schöpfer.
Gerhard Roth, geboren 1942 in Graz, ist Schriftsteller und Fotograf. Zuletzt erschienen von ihm der Fotoband »Atlas der Stille« und der autobiografische Roman »Alphabet der Zeit«
Gott ist ein selbstherrliches Monster
Von Renée Schroeder
Ich habe eine starke persönliche Abneigung gegen Glaube und gegen die meisten Religionen. Es macht die Menschen so irrational und fremdgesteuert. Ich bin einfach nicht in der Lage, diese Dinge zu glauben, weil sie meistens so absurd sind. Persönlich bekam ich beim Erstkommunionsunterricht eine starke Abneigung zu Gott und zu seiner Darstellung, und es war eine sehr glücksbringende Erlösung, als ich entdeckt habe, dass es ihn ja gar nicht gibt. Seitdem fühle ich mich viel stärker und leichter und bin froh, dass ich die Verantwortung für meine Taten selbst tragen, Entscheidungen mit meinem eigenen Gewissen vereinbaren kann und nicht nach religiösen Vorstellungen leben muss. Der Gott des alten Testaments ist in meinen Augen ein Monster, der selbstherrlich die Welt nach seinen Launen gestaltet. Ich betrachte die Sintflut als Genozid und finde es pervers, Kinder im Religionsunterricht eine Arche Noah zeichnen zu lassen. Ich denke halt oft daran, wie anders die Welt sein könnte, wenn Gläubige nicht für ihren Glauben kämpften und Kriege nicht im Namen Gottes geführt werden könnten.
Renée Schroeder, geboren 1953 in João Monlevade, Brasilien, ist Biochemikerin und Universitätsprofessorin. 2001 bis 2005 war sie Mitglied der Bioethik-Kommission der Bundesregierung
Wer nicht glaubt, kann nicht träumen
Von Attila Dogudan
Glaube an etwas Überirdisches ist für mich das geistige Fundament des irdischen Daseins. Auch wenn es sehr schwer ist, Leid und Elend auf der Erde bei Vorhandensein einer angeblich allmächtigen und gerechten Kraft zu verstehen, ist es definitiv keine Alternative, ohne Glauben zu leben.
Der Glaube an etwas Überirdisches ist an sich schon überirdisch und unlogisch, aber die Kraft und der Rückhalt sowie ein Weltbild mit stabilen Werten verleihen letztendlich unglaubliche Stärke und Mut.
Nicht zu glauben bedeutet auch, nicht zu träumen und nicht auf kleine oder große Wunder zu hoffen. Und diese finden natürlich – wie jeder selbst weiß – immer wieder statt; natürlich weil man durch anständiges Verhalten sich diese Wunder und Hilfe von oben verdient hat. So einfach ist das manchmal, wenn man glaubt, oder?
Attila Dogudan, geboren 1959 in Istanbul, ist Gastronomieunternehmer. Seit 2002 führt er auch die traditionsreiche Wiener Zuckerbäckerei Demel
Missbrauchte Religionen
Von Boris Nemsic
Als bosnischer Kroate bin ich im multikulturellen Sarajevo aufgewachsen. Wir hatten hier alles, eine Koranschule, eine Synagoge, eine orthodoxe Kirche – die verschiedenen Kulturen und Religionen waren für uns ganz normal. Dann kam es zum Krieg am Balkan. Als Ursache dafür sehe ich die schlechte wirtschaftliche Situation, die in der Region herrschte. Als kein Geld mehr vorhanden war, hat sich das Klima im Land radikal verschlechtert, und in solchen Situationen werden dann schnell die Begriffe Kultur, Religion und Ethnie missbraucht. Davor ist kein Land gefeit. Und trotzdem habe ich nicht den Glauben daran verloren, dass kulturelle Vielfalt und Buntheit möglich ist. Wichtig sind dabei das Funktionieren von Lebenskreisen, eine angemessene Lebensqualität und die Garantie eines nachhaltigen Wirtschaftens. All das muss ineinandergreifen und einander ergänzen. Gerade das weltoffene Europa ist dafür prädestiniert, eine solche nachhaltige Basis für eine friedliche Koexistenz unterschiedlicher Glaubensgruppen, Kulturen und Ethnien zu schaffen.
Boris Nemsic, geboren 1957 in Sarajevo, ist Diplomingenieur der Elektrotechnik und Chief Executive Officer der Telekom Austria Group
Keine Götter, keine Herren
Von Laura Rudas
Die Welt, in der wir leben, ist für mich die einzige gesicherte Realität. Durch meine Sozialisation bin ich den Werten der Aufklärung und des Humanismus von Grund auf verpflichtet. Gerade als Sozialdemokratin ist es für mich besonders wichtig, den geistigen Emanzipationsprozess, der mit der Aufklärung beschritten worden ist, konsequent weiterzugehen und meinen Beitrag zu leisten, dass die Menschen in unserer Gesellschaft ihr Leben und Denken weiterhin frei bestimmen können.
Der wesentliche Grundsatz, an den ich in diesem Zusammenhang glaube, nein, von dem ich überzeugt bin, ist der kategorische Imperativ von Kant. Die vernunftorientierte Ethik ist meine handlungsleitende Prämisse, die auch in der sozialdemokratischen Tradition ihre Verankerung findet. Gerade sozialistische Wegbereiter wie Karl Marx lebten noch in hierarchischen Gesellschaften, in denen die Macht der Kirchen ein integraler Bestandteil des Herrschaftssystems war. Ihre radikale Ablehnung religiöser Konzepte beruhte auf dem Wissen, dass eine aufgeklärte Gesellschaft und ein freier Mensch nur durch die Überwindung religiöser Fesseln erreicht werden können.
Diese Form der Radikalität, die sich mit dem Motto
Ni dieu, ni maître
treffend zusammenfassen lässt, mag heute überholt erscheinen. Dennoch ist dieser Aspekt von zentraler Bedeutung für den politischen Gestaltungswillen. Die Verantwortung für die Gestaltung des Lebens und der Rolle in der Gesellschaft obliegt jedem selbst. Unabhängig davon, ob das Prinzip der Nächstenliebe oder eine humanistische Gesinnung das Handeln begründen, entscheidend ist, dass man gemeinsam für eine gerechte Gestaltung unserer Gesellschaft eintritt.
Laura Rudas, geboren 1981 in Wien, ist Nationalratsabgeordnete und Bundesgeschäftsführerin der SPÖ. Sie hat unlängst mit einer Diplomarbeit zum Thema soziale Selektion im österreichischen Schulsystem promoviert
Zufall ist das Pseudonym Gottes
Von Anton Zeilinger
Woher kommen die Naturgesetze? Woher kommen die Naturkonstanten? Woher kommen die Anfangsbedingungen der Welt? Diese Fragen können wohl innerhalb der Naturwissenschaften nicht beantwortet werden. Für den Naturwissenschaftler sind die Naturgesetze etwas Wunderschönes. Die Naturkonstanten sind innerhalb sehr enger Grenzen gerade so, dass sie Leben ermöglichen. Die Welt hatte einen Anfang, der in der durch die Naturgesetze und die Naturkonstanten ablaufenden Evolution die jetzige Welt ermöglichte.
Besonders interessant ist die Rolle des Zufalls. Das Einzelereignis in der Quantenphysik, also etwa der Zerfall eines radioaktiven Atoms, ist rein zufällig in dem Sinn, dass es keine kausale Erklärung gibt, und nicht nur, dass wir eine solche Erklärung vielleicht nur nicht wüssten.
Dies erinnert an Anatole France: »Zufall ist das Pseudonym Gottes, wenn er nicht unterschreiben will.« Einen Widerspruch zwischen Naturwissenschaft und Religion kann es nicht geben, wenn beide Seiten ihre eigenen Grenzen respektieren. Albert Einstein meinte 1930 in der
New York Times:
»Naturwissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Naturwissenschaft ist blind.«
Anton Zeilinger, geboren 1954 in Ried im Innkreis, ist Universitätsprofessor für Quantenphysik und Mitglied der katholischen Studentenverbindung Marco-Danubia. Bekannt wurde er durch seine Forschungsarbeit zur Teleportation
Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott
Von Herbert Prohaska
Wenn ich unser Dasein auf der Erde betrachte und mich frage, warum wir überhaupt existieren, dann glaube ich schon, dass es ganz weit oben etwas geben muss. Mein Großvater, der bei uns in unserer Wohnung in Simmering gelebt hat, als ich klein war, hat immer gesagt: »Wenn man den lieben Gott braucht, ist er nie da.«
Meine Eltern haben mich zwar katholisch erzogen und sind mit mir in die Weihnachtsmette gegangen, aber so wirklich gläubig waren sie nicht. In der Schulzeit bin ich nur in die Kirche gegangen, um im Religionsunterricht eine bessere Note zu bekommen. Heute gehe ich sehr gerne in Kirchen, auch mit meinen Enkelkindern. Komischerweise werden sie dann immer sehr andächtig und fangen an zu flüstern. Ich selbst nutze die Zeit für ein kurzes Gebet oder um eine Kerze anzuzünden oder um für Freunde und Familie und deren Gesundheit zu beten. Ich würde aber nie für einen Lotto-Sechser oder dergleichen beten.
Es gibt viele Menschen, die verlieren den Glauben, weil sie denken, dass Gott eingreifen muss, wenn sie Probleme haben. Das tut er natürlich nicht. Man muss dann schon eher an sich selbst glauben und sich selber helfen. Natürlich gibt es Situationen, wo ich das eine oder andere Stoßgebet gen Himmel gerichtet habe. Dann wenn es in einem Flugzeug besonders stark gewackelt hat oder eines der Kinder im Spital war. Man macht sich eben große Sorgen, weil man selbst nicht helfen kann und betet, dass die Ärzte es können, was Gott sei Dank bisher immer der Fall war.
Ich glaube vor allem an das Gute im Menschen, obwohl so viel Schlechtes auf der Welt passiert. Und ich glaube auch, dass das Gute immer über das Böse siegt.
Herbert Prohaska, geboren 1955 in Wien, ist einer der international bekanntesten und erfolgreichsten österreichischen Fußballer und Trainer. Er spielte für die Mannschaften von Austria Wien, AS Roma, Inter Mailand und das Nationalteam
Ohne Schöpfung gibt es keine Regeln
Von Rudolf Mayer
Je mehr man als Mensch weiß, desto mehr weiß man, wie wenig man weiß. Der stetige Kampf, den Bereich des Wissens auszudehnen, ist eine Sisyphusarbeit. Doch die Neugier und der unbändige Wunsch nach Sicherheit lassen einen mit Freude diese Arbeit tun. Jenseits des Wissens um Fakten ist der Glaube an Fakten möglich, der dem Glaubenden Gewissheit, Sicherheit und Geborgenheit verleiht. Vieles in der Welt lässt Zweifel entstehen, ob ohne einen Schöpfungsakt, aus einem unerschaffenen Chaos heraus, ein Regelwerk hätte entstehen können. Die Sehnsucht des Herzens nach Geborgenheit und der Wunsch nach intellektueller Gewissheit drängen mit Gewalt danach, koste es, was es wolle, daran glauben zu können, dass unsere und die Existenz derer und dessen, was wir lieben, nicht endlich ist. Und dass nicht Hass, sondern Liebe die Welt zusammenhält. Der Mensch, der zu solchem Glauben finden kann, genießt ein Glück, das dem Nichtglaubenden sein Leben lang verschlossen bleiben wird. Was dem Nichtgläubigen Zeit seiner Existenz bleibt und bleiben soll, ist die Offenheit dafür, ein Glaubender zu werden. Diese Offenheit wird ihm zwar nicht ermöglichen, jenes Glück zu erleben, das der Glaubende empfinden kann. Aber sie wird ihn in die Situation versetzen, mit der moralischen Überzeugung eines Glaubenden zu handeln und dadurch zur Verbesserung dieser Welt beitragen zu können.
Rudolf Mayer, geboren 1947 in Wien, ist Strafverteidiger und gilt als Spezialist für schwierige Fälle. Er verteidigte die Serienmörderin Erlfriede Blauensteiner und ist der Anwalt des mutmaßlichen Amstettener Inzesttäters Josef Fritzl
Mozart beweist, dass es Gott gibt
Von Martin Haselböck
Wäre ich auf Wort und Sprache angewiesen, würde ich wohl über die Unvernunft des Glaubens räsonnieren, über die Unmöglichkeit, Jenseitiges rational zu erfassen und zu begründen. Wahrscheinlich würde ich durch logische Deduktion zu einem Punkt kommen, der mir die Unmöglichkeit des Gottesbeweises klar vor Augen stellt.
Worüber ich nicht sprechen kann, darüber muss ich schweigen, heißt es. Nicht wenige Phänomene und Erfahrungen entziehen sich der Verbalisierung, sie stoßen Tore auf in Welten, die eine vernunftbestimmte Deutung unmöglich machen. So wie es für den Naturwissenschaftler Grenzen der Erkenntnis sind, die ihn zum Schweigen oder zum Glauben bringen, so ist es für mich die Existenz von Musik, die mich an einen Schöpfer dies- und jenseitiger Welten glauben lässt.
»Musica est ars bene movendi«,
Musik sei die Kunst des gut Bewegens, so beschreibt Augustinus das Phänomen Musik nur unvollkommen. Was soll das bedeuten? Eigentlich will er ja sagen, dass die Musik als wohl einzige Kunst in der Lage ist, die Bewegungen der Planeten, die Zeitmasse der Natur, ja den Schöpfungsprozess an sich widerzuspiegeln, auf die Erde zu holen, zu überhöhen.
Ist die Musik als Umsetzung physikalischer Schwingungen in tönende Formen schon Wunder an sich, so sind einige Spitzenleistungen unserer abendländischen Kunst unerschöpfliche Quellen immer neuer Erlebnisse.
Bach: Seine Musik ist der vollkommene Ausdruck einer in sich geschlossenen Welt. Sie ist Spiegel von Zahl und Proportion, geordnet und ausgewogen, sie spricht ihre eigene über das Wort weit hinausgehende Sprache, mit ihren rhetorischen Gesetzen und Figuren. Diese Metasprache gibt uns Bachs eigene Deutungen der Texte wieder, sie eröffnet neue Facetten bei jeder Wiederbegegnung. Der schöne Klang erschließt sich dem Kenner auf völlig andere, tiefere Weise. Jedes seiner Werke, auch die Instrumentalmusik, ist Ausdruck theologischer Wahrheit.
Mozart: Auch er schreibt für den Kenner und Liebhaber, nicht mehr an das theologische System gebunden, doch noch eine allgemein rezipierte Musiksprache redend. Wenn in den Da-Ponte-Opern das Orchester kommentierend in den Gesang eingreift, wenn im
Don Giovanni
die Höllenfahrt einen Kosmos auf sich bezogener Tonartenabfolgen logisch abschließt, so sind in diesen Werken Weisheiten enthalten, die weit über das rein Klangliche hinausgehen.
Messiaen: Er schreibt bereits in einer Zeit, die keine allgemeine Musiksprache mehr kennt. Er entwickelt eine eigene, unverwechselbare und dennoch kommunizierbare Diktion, die es ihm ermöglicht, in Farben, Naturklängen und Rhythmen zu schreiben, welche weit über bewegten Klang hinausgehende Ideen, Inhalte und eigene theologische Kommentare vermitteln.
Musik an sich ist für mich der Beweis dafür, dass über die Natur Hinausgehendes existiert. Als Träger geistiger Welten ist Musik für mich außerdem ein Beweis für einen Schöpfer, der seinen Geist wirken lassen kann, wo immer er auch will.
Martin Haselböck ist Dirigent, Organist und Gründer des Orchesters Wiener Akademie. Er konzipierte die Musiktheaterproduktion »The Infernal Comedy«, eine fiktive Autobiografie des Frauenmörders Jack Unterweger, die 2008 in Los Angeles mit John Malkovich uraufgeführt wurde und im Juli 2009 im Wiener Ronacher-Theater zu sehen sein wird
- Datum 23.12.2008 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 23.12.2008 Nr. 01
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und wie das Christentum diese beantwortet sieht man sehr klar am Ende der Bibel, an der Offenbarung des Johannes, noch besser aber an den Aussagen und dem Lebensvorbild seiner geistigen Begründungsgestalt Jesus Christus, der sich, den akuten Weltuntergang vor Augen, ganz bewusst kein Kind mehr angeschafft hat, der aber "dennoch" ein hochmoralisches Leben führte und dies auch von anderen forderte. (Was eine selbst gemachte Apokalypse, wenn sich alle daran halten, was als Möglichkeit zugelassen wird, ja letztlich ausschließt!)
Wenn man die Frage nach dem Glauben an Gott, an den christlichen Gott, stellt, muss man sich fragen, wer bzw. war dieser Gott ist - bzw. wofür er (vor allem!) steht. So soll man sich, nach dem ersten Gebot "Mose" kein Bild von ihm machen - er soll nicht als Wesenheit verstanden werden, wie all die Götter vor ihm, er soll also irgendwo auch mysteriös bleiben, wie alles. Dem kann man auch erkenntnistheoretisch zustimmen: Unsere Erkenntnisfähigkeit ist begrenzt und wird es immer bleiben. (Dem widerspricht allerdings schon, dass Gott sich dem Mose dann irgendwie wohl doch gezeigt hat, im Dornenbusch - sicher, die Bibel steckt voller Widersprüche.)
Dann muss man bedenken, dass der Gott des AT doch ein anderer ist als der des Neuen Testaments, wo er sich ja gerade auch in Form von Jesus zeigt bzw. darstellt.
Schließlich muss man bedenken, dass Religionen vor allem auch dazu dienen, innerhalb einer Menschengruppe ein gemeinsames Welt- und Selbstbild und eine gewisse Moral herzustellen, und da wir, oder manche von uns, ja nun leider immer wieder zur Moral der Banditen neigen, muss diese letztlich sehr hoch angebunden, möglichst unangreifbar begründet, werden.
Der christliche Gott steht also für das Mysterium unserer Entstehung - welches heute weitgehend gelüftet ist, die Entstehung der Welt - auch hier weitgehende, - aber keine absolute - Entmystifizierung, wozu es auch nicht kommen dürfte, da die Grenze, wenn überhaupt noch, stets nur nach hinten verschoben wird bzw. werden kann. Gleichwohl waren die meisten Vorstellungen der Bibel falsch, auch daran sieht man, dass das Ganze eben doch nur Menschen-gemacht war und ist.
Bleibt hier aber eben die Frage der Moral und die nach der Zukunft der Art. Beides wird hier über das ominöse "Reich Gottes", welches eines Tages das "irdische Jammertal" ablösen wird, verbunden. Und das ist schon sehr interessant und m.E. sind beide Modelle richtig interpretiert auch rational nicht von der Hand zu weisen, worauf ich ja schon mehrfach hinwies.
Zum einen spricht heute vieles dafür, dass die Menschheit vor selbst gemachten Problemen steht, die sie selbst nicht lösen kann, dass sie also untergehen wird - wenngleich auch nicht ganz spurlos (wenn man sich mal die von uns erzeugten Radiowellen bedenkt)! Dies ja vor allem wegen des von uns letztlich unlösbaren Gewaltproblems und der Umweltproblematik - beides Kennzeichen, Charakteristika, menschlichen Tuns, menschlicher Entwicklung. Nun könnte man hier, aber auch wenn man dies nicht sieht, sondern an die ewige Irdischkeit des Menschen glaubt, wozu wir ja alle sehr gern neigen, ja auch zu der Ansicht kommen, dass man dann doch alles dürfte, dass man hier keine großen moralischen Einschränkungen braucht - Hauptsache die Menschheit stirbt nicht aus, oder, am Ende ist doch eh alles egal. Das Christentum sagt uns, mit dieser Religion sagen wir uns (bzw. unsere Vorfahren sich) dass wir uns dann dennoch nicht wohl fühlen können und werden, da uns dies quasi ewige Pein verschaffen wird - wenn von uns noch irgendetwas Bedeutsames übrig bleibt, dann dies. Auch dies ist eine relativ einsichtige Sache, da wir alle doch auch mitfühlend und reflektierend sind, zumindest nach der Jugendphase: Man kann nach einem Verbrechen nicht wirklich glücklich sein, es wird einen "für immer", wie weit man halt mit sich und seiner Seele rechnet, begleiten!
Und insofern kann man sehr wohl an diesen christlichen Gott glauben, an dieses Selbst- und Weltbild des Menschen Jesus, ohne dass man deshalb in eine Kirche gehen oder Weihnachten feiern muss. Weihnachten steht ja vor allem für die Verbindung des christlichen Glaubens mit heidnischen Fruchtbarkeitsriten. Am Ende aller Tage gibt es aber eben keine menschliche Fruchtbarkeit mehr!
Ein Jugendlicher der no-future-Fraktion, der dennoch keine Verbrechen begeht, der keine Familie gründet, und der dennoch seinen Unterhalt durch redliche Arbeit verdient, das ist ein Nachfolger Christi, weniger einer, der ausschließlich von einer partiellen Verdrehung der christlich-/biblischen Botschaft und der Durchführung auch heidnischer Kulte gut lebt.
Etwas anders habe ich all dies ja schon mehrfach, vor zwei Tagen ja erst hier formuliert:
http://kommentare.zeit.de...
Auch wenn es bei DIESEM Artikel nicht ganz so schlimm war, so ist es trotzdem wieder enttäuschend, zu sehen, wie einfach und z.T. unreflektiert/naiv die Gottes- bzw. Schöpfungsfrage oft selbst von solchen Leuten beantwortet wird, die in ihrem Spezialbereich Großes geleistet haben und allgemein anerkannt sind. Da zeigt sich halt erneut, dass man, sobald man sich außerhalb seines eigenen Kerngebiets äußert, auch nur genauso gut oder schlecht redet, wie jeder beliebige andere Mensch.
Statt der hier getroffenen Auswahl an "wichtigen" Menschen hätte man deshalb genauso gut auf die Straße gehen und die ersten 10 halbwegs intelligenten Menschen fragen können, die einem über den Weg laufen - deren Fähigkeiten liegen dann sicher auch woanders... ;-)
Also richtig berühmte Leute waren das jetzt nicht, der Herbert Prohaska war mir als einziger bekannt. Und dessen Beitrag ist vom Erzählstil eindeutig am gelungensten, liest sich als würde es echt von Herzen kommen.
Der Beitrag von Anton Zeilinger trifft aber dafür wohl am deutlichsten meine Meinung. Das Zitat von Anatole France kam sofort in meine Sprüchesammlung, kannte ich noch nicht, aber das genannte Einsteinzitat packe ich ständig aus. Oder auch die Aussage von Max Planck, die auch sehr gut zu Zeilingers Aussagen passt: "Für den gläubigen Menschen steht Gott am Anfang, für den Wissenschaftler am Ende aller seiner Überlegungen."
Es ist natürlich ein Problem, dass Glaube und Religion einfach zwei unterschiedliche Dinge sind. Und auch Religion ist nicht gleich mit den entsprechenden Institutionen gleich zu setzen, diese Institutionen jedoch sind meistens durch ihr hierarchisches Gehabe für viel Unglück auf der Welt verantwortlich, zweifellos, und deswegen darf es nicht verwundern, wenn nur aufgrund der Religionen sich die Menschen von Gott abwenden.
An dieser Stelle pflege ich zu sagen: Wenn jemand Gott verraten hat, dann waren es nicht die Atheisten sondern die Religionen.
Zwischen Atheisten und Gläubigen sollte dennoch irgendwann wieder ein Band geknüpft werden können. Vielleicht so: Die Überbrückung der Barrieren zwischen Atheismus und Theismus beginnt damit, dass der Mensch selbst sein eigener Gott sein darf.
Und der Mensch ist nun einmal ein Gott. Rein rhetorisch lässt sich das von mir wenn ich einen Menschen sehe so formulieren: "Schau! Da läuft ein Gott! Das erkenne ich, dass das ein Gott ist, und zwar sofort, so wie jemand erkennt, dass es ein Picasso ist wenn er einen Picasso sieht."
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Man sollte auch bei Rot über die Ampel gehen dürfen, zumindest wenn kein Auto kommt und auf der anderen Straßenseite jemand Hilfe braucht.
Was da wieder fabuliert wird. Sehr schön haben es ja die ersten beiden gesagt. Aber dann... Ach was soll's. Wer gern ein Gespensterchen die Welt gemacht zu haben wähnen mag, soll es ruhig tun, wenn's ihm Freude bereitet. Deswegen Bach, Mozart und das Wunder der Musik zu bemühen, muss ja nicht unbedingt sein - wobei das ja noch verständlich ist. Wenig Verständnis hingegen habe ich für Herrn Zeilinger, der mal wieder meint, Einstein vergewaltigen zu müssen und ihn für krause Gottesphantasik missbrauchen will.
Führen Sie sich doch mal Folgendes von Einstein zu Gemüte, Herr Professor:
"Das Wort Gott ist für mich nichts als Ausdruck und Produkt menschlicher Schwächen, die Bibel eine Sammlung ehrwürdiger, aber doch reichlich primitiver Legenden."
"Für mich ist die jüdische Religion wie alle anderen Religionen eine Inkarnation des primitiven Aberglaubens." (Brief vom 3. Januar 1954 an den Philosophen Erich Gutkind, der ihm eine Kopie seines Buches "Entscheide dich für das Leben: Der biblische Aufruf zur Revolte" geschickt hatte.)
"Falls es in mir etwas gibt, das man religiös nennen könnte, so ist es eine unbegrenzete Bewunderung der Struktur der Welt, so weit sie unsere Wissenschaft enthüllen kann." (Brief vom 24. März 1954)
Das Universum ist schon eine tolle Sache. Sich da einen antropomorphen Hersteller zu denken, ist abgeschmackt, langweilig und phantasielos.
Werter Herr Haselböck,
unlängst gedachte die Christenheit der Geburt des Gottesohnes.
Kennen Sie EINE Stelle im NT, die von einem singenden, musizierenden Jesus berichtet, oder einem Jesus, der Musik als heil-sam einsetzt, wie es nachweislich die moderne Musiktherapie vollbringt. Schade, dass der Gottessohn diese Chance ausgelassen hat, zumal der Mensch seit der Altsteinzeit die Kraft der Musik kennt. Auf Thora und Psalter hat sich der jüdische Wanderprediger auch nicht besonnen.
Die Frage wurde zu allen Zeiten anders beantwortet. Am Anfang waren es mehr, sind immer weniger geworden und heute sind wir seit 622 n.Chr. bei einem nicht kostanten Rest von 1 angelangt sind, der in der 1=3-Welt des Christentums neuerdings gegen Null tendiert. Interessant nebenbei zu bemerken ist, daß die ersten Götter, die der Zeit oder dem Fortschritt zum Opfer fielen, allesamt Götter weiblichen Geschlecht waren.
Gründe für das Phänomen geglaubte(r) Gott/Götter sind die Unerklärlichkeiten (am Anfang Naturerscheinungen wie Blitz, Donner, Wind, Sonne/Licht ..) an denen der menschliche Geist, bzw. seine Erkenntnismöglichkeiten auf der Suche nach einer causa movens scheitert und um wenigstens eine, wenn auch schlechte und ungenügende Antwort zu haben, er auf die Ersatzlösung "Gott" gestoßen ist, um wenigstens irgendeine Antwort zu erhalten. Das gilt trotz aller Erkenntnisse der Wissenschaften auch heute noch, weil entscheidende Fragen offen sind: alles, was sich nach dem - wofür wir bis dahin Erkenntnisse haben - Urknall entwickelt hat - geschah dies von alleine durch das Prinzip Zufall (einschl. Darwins Prinzipien von Mutation und Selektion) oder steht eine alles ordnende kreative Kraft - Gott - dahinter ?
Diejenigen, die an einen Schöpfergott glauben, haben für ihre Position, das Manko, daß Gott einer metaphysischen Beweisführung sich entzieht. Und diejenigen, die meinen, daß Gott nicht nur entbehrlich ist, sondern gar nicht existiert, weil die Welt zur Erklärung ihrer Existenz dank wissenschaftlicher Erkenntnisse auch ohne Gott möglich ist, haben für ihre Position das Manko, daß 1.) aus der Entbehrlichkeit eines Gottes nicht auf seine Nichtexistenz geschlossen werden kann (vielleicht ist das, was sich bis heute entwickelt hat, nicht doch durch einen Schöpfergott geschaffen wurde, dem man lediglich - zum Teil und in Bereichen - hinter seine Schliche gekommen ist)? und
2.) sie auch nichts wissen über das, was die Auslösung des Urknalls bewirkt hat, m.a.W. die Frage nach der wirklich letzten Ursache aller Dinge (causa movens) von Ihnen auch keine Beantwortung erfährt.
Recht in allen Dingen dürften die Agnostizisten haben: Gretchenfrage mit ja oder nein beantwortet: Erkenntnis nicht möglich, Glaube (im Sinne von nichts wissen) ja. Religionen mutieren damit zu "spekulativen Systemen" (Karl R. Popper), was vielleicht angesichts der Relativität und Fragwürdigkeit ihrer Aussagen (Glaubenssätze) gar nicht so verkehrt ist, wenn man das so sieht. Es soll/kann das Zusammenleben der Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtungen ungemein erleichtern, wenn man seinen Glauben als eine "nur andere Form" sieht, unter der Gott sich verehren läßt oder unter der man seiner Ungewißheit fröhnt.
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Es genügt nicht, nichts zu wissen, man muß auch unfähig sein, es nicht ausdrücken zu können (Karl Kraus).
haben jene, die keinen Hersteller des Universums wähnen. Freilich: Was kann man schon ausschließen? Nix. Nicht einmal, dass Micky Maus die wahre Gestalt Gottes wiedergibt. Das Manko, auch dies nicht zu glauben, scheint mir eher ein Vorteil zu sein.
Und sollte einer auch einst
die vollkommenste Wahrheit erkennen:
Wissen könnte er's nicht.
Es ist alles durchwebt von Vermutung.
(Xenophanes ?)
haben jene, die keinen Hersteller des Universums wähnen. Freilich: Was kann man schon ausschließen? Nix. Nicht einmal, dass Micky Maus die wahre Gestalt Gottes wiedergibt. Das Manko, auch dies nicht zu glauben, scheint mir eher ein Vorteil zu sein.
Und sollte einer auch einst
die vollkommenste Wahrheit erkennen:
Wissen könnte er's nicht.
Es ist alles durchwebt von Vermutung.
(Xenophanes ?)
haben jene, die keinen Hersteller des Universums wähnen. Freilich: Was kann man schon ausschließen? Nix. Nicht einmal, dass Micky Maus die wahre Gestalt Gottes wiedergibt. Das Manko, auch dies nicht zu glauben, scheint mir eher ein Vorteil zu sein.
Und sollte einer auch einst
die vollkommenste Wahrheit erkennen:
Wissen könnte er's nicht.
Es ist alles durchwebt von Vermutung.
(Xenophanes ?)
Was hätte es für uns denn für eine Bewandnis, ob es einen Gott, etwas bewusst Schöpfendes, gibt oder nicht - würde sich damit für uns irgendetwas ändern? Statt soetwas mystischem wie dem Urknall und anderem stünde dann das mystische Wort Gott. Es bliebe oder stünde hier dann ja eben auch die Frage: Ja wo kommt der denn her, wer hat den denn geschaffen, warum hat er uns geschaffen, hat er vielleicht noch andere geschaffen usw., usf, also die ganze mystische Palette. Auch bei der Existenz eines Schöpfergottes würden sich die Fragen nach unserer Entstehung bzw. der des Kosmus letztlich nur scheinbar beantworten, nur auf eine andere, höhere, Ebene bzw. in die letztliche Nichterklärlichkeit, verschieben.
Gäbe es den Gott der Bibel nun allerdings wirklich, und wäre dieser biblische oderund reale Jesus wirklich sein Sohn gewesen, dann wäre ja nicht nur die Schöpfung erklärt, sondern uns eben auch der Untergang absolut sicher. Dieser Gott ist ja nicht nur ein Schöpfergott, sondern einer, der "seine" sich eifrig vermehrenden Menschen schon bei Sintflut schon mal massiv eingegrenzt hat, rein anzahlmäßig, und der diesen Schöpfungs-Akt ja nun in Bälde, im Zorn, ganz beenden will und wird, am Ende aller irdischen Tage. Das wäre natürlich die große Bedeutung bei der Frage, ob es einen Bibelgott gibt: Kommt der Untergang von außen - oder kommt er nicht eher von innen?! Wer sagt, viele moderne Christen können und wollen dies ja immerhin nicht mehr leugnen, die Welt ist halt nach dem Urknall entstanden, wie die Wissenschaft dies uns sagt, der lehnt damit ja die Sieben-Tags-Behauptung ab, bzw. lässt hier massiven interpretatorischen Spielraum. Wer dies tut, der muss dies dann ja auch beim Untergang tun, was wohl der Hauptgrund dafür ist, weshalb so manch vermeintlich Gläubiger, bzw. Altgläubiger, dies wohl so massiv ablehnt: Ich kann (z.B. gegenüber der Umwelt) so weiter leben wie bisher -es wird allein und sichtbar von außen entschieden, wann Schluss ist. (In der Lebenspraxis kann man diese dann von den meisten humanistischen Heiden nicht unterscheiden.)
Heutige vermeintliche Christen und christliche - bzw. kirchliche - Würdenträger sind ja aber oftmals so gestrickt, dass sie meinen, uns sagen zum müssen, was wir tun müssen, damit es zum ewigen "Paradies auf Erden" kommt, oder damit die Menschheit nicht untergeht: Genau das hat Jesus und der johannitische Offenbarer aber glasklar ausgeschlossen! Wir sollten dies und jenes tun oder lassen, sonst wäre unsere Zukunft in Gefahr, z.B. wegen der Klimakrise, den Scheidungen, früher, usw. usf.. Das Ende kommt, laut Bibel, so oder so. Nur die End-Bewertung, die Auswirkung auf das Seelenheil, ist unterschiedlich.
Das ist, neben der mit dieser Frage verbundenen Konstituierung, Begründung und damit auch der Durchsetzung moralischer Regeln, letztlich die einzige Bedeutung, die sich aus alledem ergibt. Selbst auf das Stattfinden des Letzten Gerichtes haben bzw. hätten wir keinen Einfluss, auch nicht, auf die Existenz von Himmel und Hölle, das gibt es, soll es geben, auch daran sollen wir glauben.
Jesus hat ja nun nicht gesagt, dass wir die sonstigen Erkenntnisse, die Vernunft, nicht gebrauchen sollen. Wenn man damals das Weltbild zusammengefasst hat, sehr menschlich, mit der Erde halt auch kosmologisch im Zentrum - weil wir uns damit eben selbst ins Zentrum dieses Weltalls stellen wollten - dann war und ist dies ja nur im naturwissenschaftlichen Sinne falsch. Nach wie vor empfinden wir so, steht für uns die Erde im Mittelpunkt unseres Denkens und Handelns.
Wo sich die Menschen wirklich unterscheiden, das Einzige, wo dies wirklich eine größere Bedeutung hat, ist in der Frage, ob die Menschheit eine - noch längere - Zukunft hat, oder nicht. Diejenigen, die sich heute bewusst für ein Kind entscheiden, die glauben in gewissem Maße zumindest, daran, diejenigen, die sich bewusst dagegen entscheiden, die glauben oftmals wohl nicht so recht daran: Hier liegt der eigentliche Glaubensunterschied!!! Jesus gehörte ganze klar zu denen, die nicht daran glauben, gleiches gilt - im Gegensatz zu so manch vermeintlichen Christen auch - ganz klar für den Gott der Bibel.
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