Massing ist schläfrig im Winter. Ein niederbayerischer 4000-Seelen-Markt an der oberen Rott, abseits der Schnellstraßen. Auf dem Marktplatz mit seinen bunt getünchten Fassaden rührt sich nicht viel zwischen Raiffeisenbank und Kapelle zu den Sieben Schmerzen Mariä, zwischen Metzger und NKD-Citykauf. An der Stelle dieses Textildiscounters befand sich vor einem Menschenalter noch ein klassisches »Gemischtes Warengeschäft«, mit dunkler Holzumrahmung und Ladenglocke, mit Zuckerhüten und Stoffballen, Zigarrenkisten und Streusandbüchsen im Schaufenster. Zu den Festen des Jahreslaufs wurde die Auslage liebevoll von der Tochter des Hauses dekoriert. Da schwebten dann über Schürzen und Töpfen die handbemalten Osterhasen oder Christfest-Engelchen der »Hummel Bertl«.

Die dritte Tochter der Massinger Kaufmannsfamilie galt von Anfang an als die »künstlerische« unter sechs Geschwistern – später sollte sie zu einem Weltruhm gelangen, der ihr selbst ziemlich suspekt war. Die notorischen, gehassten oder geliebten Hummel-Figuren gehen auf ihre Entwürfe zurück. Der Erfolg dieser porzellanenen Kinderchen war gigantisch. Bis heute wurden mehr als 20 Millionen Stück produziert und in alle Welt verkauft. In manchen Ländern wie in den USA oder in England steht Hummel immer noch für Deutschland, gleich nach Hitler, den Brüdern Grimm und Beethoven. Doch Berta Hummel selbst hat diese zuckrigen Geschöpfe stets nur halbherzig gutgeheißen, sie hatte andere Ambitionen.

Im Mai 1909 kam sie in einem Milieu zur Welt, das sehr katholisch, arbeitsam und gediegen begütert war. Hummels zählten zu den Honoratioren der Marktgemeinde, Vater Adolf, der lieber Bildhauer als Ladeninhaber geworden wäre, tröstete sich als Heimatforscher und obsessiver Sammler prähistorischer wie volkstümlicher Fundstücke. Die Kinder lernten Klavier und Geige, hatten ein großzügiges Spielzimmer und stets Kindermädel zur Verfügung – alles andere als ein dumpfes Hinterwäldler-Daheim.

Aber überaus kirchenfromm war man eben auch, vor allem Mutter Viktoria, eine strenge und strebsame Geschäftsfrau mit knapper Zeit, die selbst einmal beklagte, dass sie von ihren Kindern immer nur gefürchtet und nie geliebt worden sei. Die Erziehung der Töchter lag völlig selbstverständlich in klerikalen Händen. Schon elfjährig wurden sie zu Schweigeexerzitien geschickt, und Ordensfrauen bestimmten vom ersten Schultag an den Bildungsweg der Berta Hummel und ihrer Schwestern Kätl, Viki, Centa. Berta, die Quirlige, tat sich zunächst besonders schwer mit dem Regiment der Armen Schulschwestern in der Massinger Volksschule. Zu Hause hatte sie jeden greifbaren Kassenbon und Tütenfetzen mit Bildchen bekritzeln dürfen – die Nonnen hatten kein Verständnis für ihren Mal- und Zeichendrang, der nur von ihrem Bewegungshunger übertroffen wurde. Sie konnte nicht still sitzen, sich nur zappelig in eine brave doppelreihige Kinderkarawane einreihen, sie missbrauchte die Tafel nur zu gern für schnell hingeworfene Kreide-Konterfeis ihrer Klassenkameraden, wenn die wieder mal forderten: »Hummel Bertl, zeichne mich!«

Bei den Englischen Fräulein auf der Marienhöhe zu Simbach am Inn, einem höheren Bildungsinstitut für niederbayerische Bürgerstöchter, ließ man ihrem Talent dann Raum. Berta Hummels frühe Versuche waren so auffällig gekonnt, technisch versiert, dass man ihr als einziger Elevin den Zeichensaal zum Arbeiten aufsperrte. Sie wird dieses Privileg geschätzt haben angesichts des rigiden Internatsreglements im typisch finsteren gründerzeitlichen Schulkasten: sechs Uhr aufstehen, sieben Uhr fünfzehn Morgenmesse, neun Stunden Unterricht und Studierzeit mit Aufsatzthemen namens »Des Weibes Welt ist das Haus«, neun Uhr abends Nachtgebet und Nachtruhe. Die Briefe der exzellenten Schülerin an die Eltern, in penibler Schönschrift, triefen vor Formeln einer unterwürfigen Dankbarkeit, die sie ihr Lebtag beibehalten sollte: »Ich weiß, dass Ihr, liebe Eltern, Euch so große Opfer für mich auferlegt, und so will ich Euch, liebe Eltern, meine Wünsche fast nicht vorbringen, denn so gern hätte ich einen Ölfarbenkasten mit Palette.« – »Ich bin Euch, liebe Eltern, so viel Dank schuldig, und so finde ich es fast nicht recht, daß ich Euch meinen leisesten Wunsch schreibe; nämlich das Buch Der Kunstschatz zu haben…«

Der Vater war stolz auf diese Tochter. Zeichenlehrerin sollte sie werden und von 1927 an in München an der Kunstgewerbeschule studieren, der späteren Staatsschule für angewandte Kunst. Einer ihrer Professoren hatte Gabriele Münter unterrichtet; die Chancen für einen künstlerischen Durchbruch standen gut. Die 18-Jährige arbeitete hart für die Aufnahmeprüfung und bestand mit Bravour. Während ihrer vierjährigen Studienzeit blieb Berta Hummel aus Massing stets die Erste, die Ausnahmebegabung, die schönste Hoffnung ihrer Professoren.

Aus jenen Großstadtjahren zwischen 1927 und 1931 stammen ihre besten Arbeiten, meist in einer lockeren, duftigen Aquarelltechnik, artig noch, aber immer freier, schwungvoller, individueller in Geste und Ausdruck. Landschaften und Porträts von einer transparenten Farbigkeit, dazu freche Karikaturen im Stil des Simplizissimus. Wie hätte sich das alles weiterentwickeln können? Doch schon 1930 setzte Berta Hummel, 21-jährig, selbst die folgenschwere Zäsur, als sie völlig überraschend um Aufnahme im Franziskanerinnenkonvent Sießen bei Saulgau in Oberschwaben nachsuchte.

Niemand, ihre Verwandten und Interpreten nicht, noch die neue Biografie von Dido Nitz (M. I. Hummel – Ich will Freude machen), die Anfang des kommenden Jahres erscheint, hat den merkwürdigen Dämmer wirklich lichten können, der über den Münchner Jahren liegt und dem Entschluss, den Schleier zu nehmen. Sie war doch munter und fröhlich in der Großstadt, auf dem Weg, sich künstlerisch zu befreien, sämtliche Professoren hatten ihr Assistentenstellen angeboten.

Ihre Briefe nach Hause sind ehrerbietig und verschwiegen: Nie ist die Rede von neuen Freundschaften, Münchner Künstlernächten, nie von Männern, gar einer Liebschaft. Fotos und Selbstporträts zeigen sie als ein apartes Mädchen, eher vom kantigen als vom drallen bayerischen Typus. Kräftiges Kinn, ausgeprägte Backenknochen, lange, locker zusammengefasste Mähne – den modischen Bubikopf hatte die sittenstrenge Frau Mama rigoros verboten. Ebenso den Umgang mit einer lebenslustigeren Bekannten, die es gewagt hatte, der braven Tochter einmal eine frivole Pelzstola zu leihen.

Immer, so scheint es, war Berta Hummel nur in weiblicher Gesellschaft, und wenn es in ihren Bildern einen Anflug von Erotik gibt, dann zeigen sie Frauen: die lässige Rückenansicht eines Mädchens im roten Seidenkleid, die schmale, bleich-ernste Dame in Blau, ihre innig verehrte Lehrerin Else Brauneis. Ihr selbst stand die Aufmachung à la garçonne auf Fotos gut zu Gesicht: ein Clownskostüm mit Pompons und Kniehosen, die lustige Kostümierung als schräger Kerl, mit Weste, Kreissäge und Gehrock, Zigarette im Mundwinkel.

Derlei Freizügigkeiten fanden nun ein Ende. Während des Studiums hatte sie sich mit zwei Schwestern aus dem Kloster Sießen angefreundet, die sich ebenfalls zu Kunsterzieherinnen ausbilden ließen. Sie zog aus ihrem ungeliebten Untermietzimmer ins Münchner Franziskanerinnenheim in der Blumenstraße um, in eine vorklösterliche Enklave. Nunmehr war ihre Lieblingslektüre ein Traktat namens Das kleine Geheimnis – Der Schlüssel zur Innerlichkeit eines Paters Kassian Karg, und sie ließ sich begierig vom Konventsleben erzählen. Berta Hummels Entschluss löste bei ihren Professoren Entsetzen, bei den Eltern Besorgnis aus. »Wird sich das frische, frohe Mädel [] nicht hinter Klostermauern zu eng fühlen?«

Es fällt schwer, die gewundene Birkenallee hinauf zu den massigen Klosterbauten von Sießen (immerhin mit einer Barockkirche der Brüder Zimmermann) nicht als eine Sackgasse zu sehen. Auch wenn die Kandidatin Berta ihre Seligkeit beteuerte: »Ich bin so glücklich, hier sein zu dürfen, und erfüllt von dem Sehnen, zu diesem großen und hohen Ziel zu gelangen.« Nie mehr würde es Malexkursionen in die Natur geben, die sie liebte, nie mehr würde sie en plein air skizzieren können, im damals noch extremen Ordenshabit: in bodenlangem Schwarz, einer schuhkartonbreiten gestärkten Haube, dem »Weil«, und dem weißen plissierten »Hülltuch«, welches das Gesicht bis über die Ohren eng umschloss.

Berta Hummel war vernarrt in Kinder und freute sich auf den Zeichenunterricht. Aber als Nonne war ihr jeglicher Körperkontakt mit kleinen Kindern untersagt – ein Berühren, ein Auf-den-Arm-Nehmen hätte Muttergefühle auslösen können. Zunächst steckte die Mutter Oberin sie in die Paramentenwerkstatt, wo sie Prozessionsfahnen und Priestergewänder entwarf, wie ihre Kunst fortan restlos dem sakralen Kanon untergeordnet wurde. Nun schuf sie serienweise Missions- und Primizbilder, Kommunionandenken, Altargemälde, Andachtsbildchen. Die Heiligen- und Madonnendarstellungen Berta Hummels, die jetzt Schwester Maria Innocentia hieß, sind so schwer erträglich wie die meisten frommen Kunstübungen neuerer Zeit, verkrampft und süßlich. Ihre Vision, die Begabung würde sich zur höheren Ehre Gottes wundersam entfalten, war eine Illusion. Im Gegenteil: Der katholische Weg ließ die Künstlerin verkümmern.

Paradoxerweise kam aber nun der große volkstümliche Erfolg. Die kolorierten dunkeltönigen Kohlezeichnungen kleiner Kinder, mit welchen sie Fleißbildchen für brave Schüler zierte, wurden ein veritabler Renner. Betuliche Heile-Welt-Motive in Kindchenschema-Stilisierung: süße Mäulchen, dicke Backen, stramme Stampferchen in verrutschten Ringelsocken – so traten die Hummel-Kinder ihren Siegeszug an, als Gänseliesl oder Kükenmütterchen , als Geigerlein oder Wandersbursch, unter großem Schirm Geborgen oder als Kleiner Zeitungsleser .

Außerhalb der Klostermauern tobten sich gerade die heroischen Masseninszenierungen der ersten NS-Jahre aus – da mochten solch niedliche Szenen die aufkommende Gemütskälte kompensieren. Zunächst gab es die Hummel-Rangen nur als Bildchen, Karten, Kalender. Der katholische Münchner Verlag Ars Sacra, bei den Nazis unbeliebt, sah in Hummels Harmlosigkeiten eine verlässliche Auskommenssicherung und publizierte sie in hohen Auflagenzahlen. Erfolgreiche Bildbändchen wie Das Hummelbuch oder Hui, die Hummel machten Maria Innocentia immer populärer, und es dauerte nicht lange, bis man 1934 bei der oberfränkischen Porzellanmanufaktur Goebel die Idee hatte, die Flachware der Sießener Nonne in die Dreidimensionalität von Nippesfiguren zu überführen. Hummel-Kinder sollten fortan weltweit auf Vertikos und Kaminsimsen gesammelt werden.

Sr. Maria Innocentia reagierte zunächst bitter erbost. Eigentlich wollte sie mystisch-ernsthafte, tiefreligiöse Bibel-Illustrationen schaffen. Nun tauchte ein Firmenvertreter mit quietschbunten Figürchen auf und erbat das Plazet des Ordens zur Massenproduktion. Die Klosteroberen waren schlauer. Sie geboten ihrer zum Gehorsam verpflichteten Untergebenen die Zustimmung, mit leichten Abwandlungen der Figuren und der garantierten klösterlichen Kontrolle über Entwürfe und Realisierung. Schon auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1935 gingen Hummel-Figuren zu Tausenden in die USA, und die NS-Obrigkeit war mit den Devisengewinnen durchaus einverstanden, auch wenn das Propagandablatt Der SA-Mann die unheldischen Produkte als »wasserköpfige und klumpfüßige Dreckspatzen« schmähte. Die Einnahmen des Klosters steigerten sich enorm. Der Druck auf Schwester Hummel stieg, das »Öpferle« zu bringen und sich immer neue herzige Szenen für langwimprige Hosenmätze auszudenken. »Mit den Kindersachen will es gar nicht mehr gehen«, schrieb sie, zunehmend kränkelnd, an die Verwandten, »so manchmal möchte ich müde werden am Malen.«

Von 1940 an war ihre süße Kunst dann die einzige Verdienstquelle des Klosters mit seinen 240 Schwestern. Die Nazis hatten den gesamten Komplex samt Landwirtschaft enteignet und richteten in den Baulichkeiten ein Lager für Auslandsdeutsche aus der Bukowina ein. Die meisten Nonnen mussten andernorts unterkommen. Denjenigen, die in Sießen ausharrten, blieb nur ein enges Refugium im Südflügel hinter einer Bretterwand, Maria Innocentia mit ihrem winzigen Atelier, das jetzt auch Schlafzelle war, unter ihnen. Je weiter der Krieg fortschritt, desto prekärer wurde die Lage, Überbelegung, Hunger, schlimme hygienische Zustände. Die Papierzuteilung für ihre Produktion wurde gekappt, dennoch arbeitete sie zäh weiter, denn die milden Hummel-Kinder verkauften sich in notvollen Zeiten fast noch besser als im Frieden.

1944, mit 35 Jahren, wurde sie schwer krank, nasse Rippenfellentzündung, war fünf Wochen kaum ansprechbar. »Nun muß ich in die Leidensschule gehen«, schrieb sie den Eltern, »das Schlimme ist eben, daß um die Lunge zu fürchten ist.« Eine Tbc war ausgebrochen, Monate verbrachte sie in einer Lungenheilstätte in Isny im Allgäu. Eine leichte Besserung – mittlerweile hatten die Franzosen das Kloster befreit und den Franziskanerinnen zurückerstattet – hielt nicht vor. Schon im Sommer 1945 brach die Tuberkulose wieder aus, mit Blutstürzen und dem Befall beider Lungenflügel.

Maria Innocentias heute 97-jährige Lieblingsschwester Centa und ihr Massinger Neffe Alfred Hummel, 66, der im Geburtshaus ein sehenswertes Berta-Hummel-Museum eingerichtet hat, können bis heute nicht begreifen, wie das Kloster damals mit ihrer Verwandten umging. Monatelang erhielt die Familie keine Nachricht, bis Centa sich mit einem Fahrrad auf den 400 Kilometer langen Weg nach Sießen machte. Sie fand ihre Schwester im Atelier allein, auf den Tod ausgezehrt und hoch fiebernd. »Die lassen mich hier einfach liegen«, sagte die Kranke schwach. Dabei gab es Angebote amerikanischer Militärs, die Schöpferin der in den Staaten heiß geliebten Hummel-Figuren in ein Schweizer Sanatorium auszufliegen. Maria Innocentia wünschte zwar keine privilegierte Behandlung, aber ein Machtwort der Mutter Oberin hätte sie wohl umgestimmt.

Die Behandlung im überfüllten Kindersanatorium von Wangen kam jedenfalls zu spät. Ihre letzten beiden Lebensmonate verbrachte Maria Innocentia wieder im Kloster, den Verwandten schrieb sie: »Kommt bald, weil es sonst kalt wird u. ihr bei mir frieren müßt.« Ihre letzten blassen Buntstiftzeichnungen zeigen noch einmal etwas vom Charme der Massinger Anfänge: leichthändige Marktszenen, Bauernkarikaturen aus der Kindheitswelt. Ihr Abschiedsgruß ist aber wohl das Bild einer Topfpflanze, einer Kalanchoe, auf dem Fensterbrett. Die Fensterflügel stehen offen, und eine winzige Hummel fliegt davon in den leeren Himmel.

Am 6. November 1946 starb die Künstlerin, nach qualvollen Wochen, in Anwesenheit vieler betender Mitschwestern und ihrer Mutter, während das mittägliche Angelusgeläut anhob. »O seliges Sterben«, kommentierte die Mutter Oberin, »unter dem Geläut aller Glocken ging sie in den Himmel. Wie wird ihr die liebe Muttergottes entgegengekommen sein!«

Kloster Sießen, so schätzt Alfred Hummel in Massing, profitierte von den Lizenzen über die Jahrzehnte im Hundert-Millionen-Euro-Bereich. Ein komplizierter juristischer Streit um die Rechte an Berta Hummels Werk zwischen Familie und Konvent, der sich in den siebziger Jahren bis vor den Bundesgerichtshof zog, ging zugunsten des Klosters aus, mittlerweile hat man sich für beide Seiten vertretbar geeinigt. Das Kloster konnte ein Hallenbad mit unterirdischen Gängen bauen, seine Schulen finanzieren und in Südafrika und Lateinamerika viele soziale Projekte stemmen.

Denn der Triumphzug der Figuren, in Amerika »Hummels« genannt, ging nach 1945 weiter. Weltweit entstanden Hummel-Clubs, Sammler waren scharf auf Figuren mit minimalen Abweichungen und horteten den keineswegs billigen, aufwendig gearbeiteten Nippes hundertfach in ihren Glasvitrinen. Nur ist die Fanszene mittlerweile leider stark überaltert und in den letzten Jahren erheblich geschrumpft; heutige Enkel finden Omas allerliebste Gänseliesl eher abstrus. Und so kam, was kommen musste: Ende Oktober wurde die Produktion bei Goebel in Rödental eingestellt, gehofft wird allerdings noch auf einen Investor, der die Herstellung in kleinerem Rahmen weiterführt. Ob dann wohl auch Maria Innocentias Büste im Nonnenschleier wieder gefertigt wird, rosenwangig und ohne jede Ähnlichkeit, wie sie kürzlich die Dargate Auction Galleries in Pittsburgh anboten? Schöner ist ihr forschend blickendes Rötel-Selbstporträt im Massinger Museum, das entstand, als sie noch Berta Hummel hieß, die Haare offen trug und die Welt ein weiter Ort für eine freie Künstlerin war.

Die Autorin ist Publizistin und lebt im bayerischen Schönberg. Mehr zum Thema gibt es im Berta-Hummel-Museum in Massing zu sehen (Marktplatz 32, Tel. 08724/9602)