Autotest Klappe zu?

Hanns-Bruno Kammertöns, Ressortleiter im Dossier, verhindert im VW Touareg im letzten Augenblick eine Familientragödie

Der Advent des Jahres 2008 war irgendwie anders als der Advent vergangener Jahre. An den Glühweinständen fehlte das ausgelassene Lachen jener Techniker und Ingenieure, die sich vor Wochen in ihre Labore zurückgezogen haben, um das Auto neu zu erfinden. Statt einen Punsch zu nehmen, hockten die Männer irgendwo zwischen Glücksburg und Garmisch über Hybrid-Pläne gebeugt und dachten nach, wie das denn werden sollte mit drei Litern auf hundert Kilometern. Mehr Abschied war nie, mehr Blues, Wehmut gar.

Zum Beispiel der Touareg. Wird man ihn überhaupt wiedererkennen, wenn die Ökologie mit ihm fertig ist? In Erinnerung bleiben wird er als ein Automobil, das seinen Besitzer ebenso sicher ins Büro wie in die Kiesgrube gebracht hat. Endlich ein Volkswagen, der auch dem kurzbeinigen Fahrer an einer deutschen Ampel ein Gefühl der Erhabenheit verschaffte. Ein Automobil, das die deutschen Moore sicher durchquerte, egal, ob hinten ein Segelschiff dranhing oder ein Hänger mit Pferd. So ein Touareg, das sagten alle, der zog ordentlich was weg.

Selbst wenn in der häuslichen Garage nichts zum Wegziehen zu finden war, machte der Aufenthalt in diesem Fahrzeug Spaß. Links und rechts Außenspiegel von der Größe eines Alibert-Toilettenschrankes, in der Mitte ein Schalthebel für das Automatikgetriebe, wie er sonst als Schubhebel in Düsenflugzeugen verbaut wird.

Dabei ging der Touareg, wie eine unrepräsentative Umfrage ergab, durchaus auch als ein Frauenauto durch. Etwa wegen seiner aufwendigen Technik zum Öffnen und Schließen der Heckklappe. Nach dieser brauchte niemand zu hangeln, auf einen leichten Knopfdruck hin begannen Motoren das schwere Blech langsam abzusenken. Mit einem satten Schmatzer legten sich die Gummiwülste aneinander, dann fiel die Klappe hörbar ins Schloss.

Wer technisch ein wenig interessiert ist, den konnte diese Mechanik nicht kaltlassen. Was wäre, wenn unversehens ein Hindernis, zum Beispiel ein menschlicher Arm, in die sich schließende Heckklappe geriete? Einen Tag später wäre es fast passiert. Kein menschlicher Arm, viel schlimmer, jener Hund war plötzlich in Gefahr, der seit fast drei Jahren den Mittelpunkt der Familie bildet. Ein Ungarischer Vorstehhund, sehr braun, sehr süß. Die Heckklappe senkte sich, es ging um Zentimeter. Entsetzen. Drück den Knopf!

Ein Ruck, die Luke surrte wieder hoch. Hätte der Touareg wirklich…? Autos, das ist das Schöne, sind geheimnisvoll. Bis heute weiß niemand, ob das Licht im Handschuhfach eines Touareg wirklich erlischt, wenn sich die Klappe schließt.

Technische Daten:
Motorbauart: 10-Zylinder-Dieselmotor
Leistung: 230 kW (313 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 7,4 s
Höchstgeschwindigkeit: 231 km/h
CO²-Emission: 315 g/km
Durchschnittsverbrauch: 11,9 Liter
Basispreis: 77.800 Euro

 
Leser-Kommentare
    • R.A.
    • 23.12.2008 um 10:46 Uhr

    In einigen Jahren, wenn es sie nicht mehr gibt, wird man solche Autos noch peinlicher empfinden als dies heute der Fall ist. Dem US-Amerikansichen "Vorbild" nachzueifern ist dem deutschen Wirtschafts-Land kaum gut bekommen.

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    • WOB555
    • 24.12.2008 um 9:18 Uhr

    Ich kann diesen, sehr unvollständigen, Standpunkt überhaupt nicht verstehen.
    Nur weil hier ein Auto auf den ersten Blick "protzig" erscheint muss es gleich ein amerikanisches Vorbild haben?
    Sie sollten sich die Arbeit machen, nach den wahren Gründen für solche Fahrzeuge zu forschen.
    Sinnhaftigkeit kann bei sehr vielen Fahrzeugvarianten fast aller Hersteller meist nur vergebens gesucht werden.
    In einem Punkt muss ich Ihnen Recht geben: Die in dem Bericht angegebene Motorisierung mit dem V10 TDI ist ökologisch inakzeptabel.
    Mir macht aber mehr die Tatsache sorgen, dass deutsche Sportwagen mit weit mehr als 300 PS speziell für einen Markt entwickelt werden in dem es ein striktes Tempolimit gibt, welches mit empfindlicheren Restriktionen belegt ist als im Sünderparadies Deutschland. Das schließt sich schon von vornherein aus.

    Und ja, jedes verkaufte diesers "peinlichen" Autos tut der deutschen Wirtschaft gut.
    Sicher wäre es noch positiver, wenn dieses Auto auch vollständig in Deutschland produziert würde.

    S.R.

    • WOB555
    • 24.12.2008 um 9:18 Uhr

    Ich kann diesen, sehr unvollständigen, Standpunkt überhaupt nicht verstehen.
    Nur weil hier ein Auto auf den ersten Blick "protzig" erscheint muss es gleich ein amerikanisches Vorbild haben?
    Sie sollten sich die Arbeit machen, nach den wahren Gründen für solche Fahrzeuge zu forschen.
    Sinnhaftigkeit kann bei sehr vielen Fahrzeugvarianten fast aller Hersteller meist nur vergebens gesucht werden.
    In einem Punkt muss ich Ihnen Recht geben: Die in dem Bericht angegebene Motorisierung mit dem V10 TDI ist ökologisch inakzeptabel.
    Mir macht aber mehr die Tatsache sorgen, dass deutsche Sportwagen mit weit mehr als 300 PS speziell für einen Markt entwickelt werden in dem es ein striktes Tempolimit gibt, welches mit empfindlicheren Restriktionen belegt ist als im Sünderparadies Deutschland. Das schließt sich schon von vornherein aus.

    Und ja, jedes verkaufte diesers "peinlichen" Autos tut der deutschen Wirtschaft gut.
    Sicher wäre es noch positiver, wenn dieses Auto auch vollständig in Deutschland produziert würde.

    S.R.

    • WOB555
    • 24.12.2008 um 9:18 Uhr

    Ich kann diesen, sehr unvollständigen, Standpunkt überhaupt nicht verstehen.
    Nur weil hier ein Auto auf den ersten Blick "protzig" erscheint muss es gleich ein amerikanisches Vorbild haben?
    Sie sollten sich die Arbeit machen, nach den wahren Gründen für solche Fahrzeuge zu forschen.
    Sinnhaftigkeit kann bei sehr vielen Fahrzeugvarianten fast aller Hersteller meist nur vergebens gesucht werden.
    In einem Punkt muss ich Ihnen Recht geben: Die in dem Bericht angegebene Motorisierung mit dem V10 TDI ist ökologisch inakzeptabel.
    Mir macht aber mehr die Tatsache sorgen, dass deutsche Sportwagen mit weit mehr als 300 PS speziell für einen Markt entwickelt werden in dem es ein striktes Tempolimit gibt, welches mit empfindlicheren Restriktionen belegt ist als im Sünderparadies Deutschland. Das schließt sich schon von vornherein aus.

    Und ja, jedes verkaufte diesers "peinlichen" Autos tut der deutschen Wirtschaft gut.
    Sicher wäre es noch positiver, wenn dieses Auto auch vollständig in Deutschland produziert würde.

    S.R.

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    • R.A.
    • 15.02.2010 um 11:38 Uhr

    Wenn Sie sagen "Nur weil hier ein Auto auf den ersten Blick "protzig" erscheint muss es gleich ein amerikanisches Vorbild haben?" muss ich Ihnen sagen, dass SVU's nach dem Vorbild des amerikanischen Jeep Grand Cherokee gebaut werden. Der VW mag zwar technisch dem Jeep überlegen sein, trotzdem kann er die Idee seiner Herkunft nicht verheimlichen. Und zudem ist es so, dass die naiven Europäer schon immer den amerikanischen Schwachsinn nacheifert haben - das mag sich jetzt so langsam ändern.

    Wenn Sie bei meinem Beitrag von "... sehr unvollständig ..." reden, sollten Sie sich zumindest in Ihrer darauf folgenden Aussage der Vollständigkeit verpflichtet fühlen. Wo ist denn Ihr Beitrag vollständig? Sie wissen nicht was Sie sagen, denn Vollständigkeit bedeutet mehrere 1000 Seiten Text.

    • R.A.
    • 15.02.2010 um 11:38 Uhr

    Wenn Sie sagen "Nur weil hier ein Auto auf den ersten Blick "protzig" erscheint muss es gleich ein amerikanisches Vorbild haben?" muss ich Ihnen sagen, dass SVU's nach dem Vorbild des amerikanischen Jeep Grand Cherokee gebaut werden. Der VW mag zwar technisch dem Jeep überlegen sein, trotzdem kann er die Idee seiner Herkunft nicht verheimlichen. Und zudem ist es so, dass die naiven Europäer schon immer den amerikanischen Schwachsinn nacheifert haben - das mag sich jetzt so langsam ändern.

    Wenn Sie bei meinem Beitrag von "... sehr unvollständig ..." reden, sollten Sie sich zumindest in Ihrer darauf folgenden Aussage der Vollständigkeit verpflichtet fühlen. Wo ist denn Ihr Beitrag vollständig? Sie wissen nicht was Sie sagen, denn Vollständigkeit bedeutet mehrere 1000 Seiten Text.

    • Jan HH
    • 30.01.2009 um 16:38 Uhr

    Ich lese die 'Auto meets Zeitmitarbeiter' Kolumnen sporadisch und frage mich, warum die das eigentlich machen. Der größte Teil eines solchen Begegnungsberichts zwischen Auto und Journalist besteht aus überflüssigem Geschwafel. Das widerrum und der knappe Teil des Berichts, der sich dann mit dem Auto selbst beschäftigt, zeugt regelmäßig von fundierter Inkompetenz. Es scheint Mitarbeiter der Zeit immer wieder zu überraschen, was das Auto für verrückte Dinge macht, wenn man ein lederbesticktes Volant nach links oder rechts oder einen dieser Knöpfe dreht, die mit Lichtsymbolen gekennzeichnet sind. Völlig banale Dinge wie z.B. der seit vielen Jahren obligatorische Schutz gegen eingeklemmte Körperteile beim Einsatz von elektrischen Fensterheben rufen ein ebenso obligatorisches Staunen beim Zeitmitarbeiter hervor. Ist alles irgendwie nicht witzig, eher peinlich. Macht mal lieber Fahrrad oder U-Bahn Tests, aber lasst die Hände von so etwas "Unbegreiflich Mysteriösem" wie einem modernen PKW. Danke und Gruss, Jan

    • R.A.
    • 15.02.2010 um 11:38 Uhr
    4. @S.R.

    Wenn Sie sagen "Nur weil hier ein Auto auf den ersten Blick "protzig" erscheint muss es gleich ein amerikanisches Vorbild haben?" muss ich Ihnen sagen, dass SVU's nach dem Vorbild des amerikanischen Jeep Grand Cherokee gebaut werden. Der VW mag zwar technisch dem Jeep überlegen sein, trotzdem kann er die Idee seiner Herkunft nicht verheimlichen. Und zudem ist es so, dass die naiven Europäer schon immer den amerikanischen Schwachsinn nacheifert haben - das mag sich jetzt so langsam ändern.

    Wenn Sie bei meinem Beitrag von "... sehr unvollständig ..." reden, sollten Sie sich zumindest in Ihrer darauf folgenden Aussage der Vollständigkeit verpflichtet fühlen. Wo ist denn Ihr Beitrag vollständig? Sie wissen nicht was Sie sagen, denn Vollständigkeit bedeutet mehrere 1000 Seiten Text.

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  • Quelle DIE ZEIT, 23.12.2008 Nr. 01
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