Beruf der Woche Seemannspastor

An Bord, wo sich die Tage nur durch das Essen in der Kantine unterscheiden, bedeutet der Besuch von Werner Gerke etwas Abwechslung. »Auf See heißt es, dass jeder Tag wie Montag ist«, sagt der Pastor. Eine Zeitung oder eine Telefonkarte für Anrufe in die Heimat hat er darum immer dabei, wenn er auf die Schiffe geht. Seit 15 Jahren kümmert Gerke sich um Seeleute von überall her, die in Bremerhaven anlegen. Die Männer leben in zwei verschiedenen Welten, die nichts voneinander wissen. Sie kommen von den Philippinen, aus Thailand oder Russland, und an Weihnachten empfinden viele besonders stark, was Freunde und Familie zu Hause bedeuten. Manche Männer arbeiten dann noch mehr als sonst, um sich abzulenken, andere suchen die Gemeinschaft mit ihren Kollegen. »Mich hat die Aufgabe als Seemannspastor gereizt, weil man in sehr kurzer Zeit herausfinden muss, was man füreinander tun kann«, sagt Gerke.

Am 24. Dezember aber gibt es ein festes Programm: Morgens fahren Kollegen des Pastors mit dem Posaunenchor die Kaimauern entlang und spielen Weihnachtslieder für die Männer. Sie überreichen Geschenke, in diesem Jahr einen selbst entworfenen Kalender mit Landschaftsbildern, im vergangenen Jahr Kaffeebecher mit dem Bild eines Eisbären aus dem Zoo in Bremerhaven. Auch etwas Süßes bekommt jeder Seemann. Besonders rummelig dürfte es wie jedes Jahr am Ersten Weihnachtsfeiertag werden: Dann laufen viele Schiffe ein, die am nächsten Tag abgefertigt werden. Werner Gerke und sein katholischer Kollege halten gemeinsam einen Gottesdienst für die Männer, Filipinos aus Bremerhaven kommen auch zu Besuch und bringen noch etwas zu essen mit. »Höchstwahrscheinlich wird abends dann Karaoke gesungen«, sagt Werner Gerke. »Stille und Gemütlichkeit zu Weihnachten ist doch eher eine deutsche Erfindung.« Judith Scholter

Ausbildung: Theologiestudium mit zwei Examina
Arbeitszeit: 50 Stunden pro Woche
Einkommen: ab 3.259 Euro pro Monat (A13)

 
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    • Quelle DIE ZEIT, 23.12.2008 Nr. 01
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    • Schlagworte Religion
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