Wir sind zu Michael Krüger nach München gefahren, um zu erkunden, ob die Kultur im Grunde nicht doch das wirksamste Heilmittel gegen jede Krise ist. Krüger, vor wenigen Tagen 65 Jahre alt geworden, ist die vielleicht eindrucksvollste Verlegerpersönlichkeit der Republik, abseits aller Konzerne. Ein Verleger der alten Schule, der selber Bücher schreibt. Zu seinen Autoren gehören Salman Rushdie, Philip Roth, Umberto Eco und neuerdings auch Roberto Saviano und Barack Obama. Sein Carl Hanser Verlag residiert im Stadtteil Bogenhausen. Eine ruhige Seitenstraße, ein Haus im Bauhausstil. Es ist ein regnerischer Tag, im Autoradio sind auch heute schlechte Nachrichten zu hören, wieder wurde ein Milliardär an der Wall Street als Schwindler enttarnt, die Zeitungen melden, dass jeder vierte Deutsche keine Bücher mehr lesen möchte. Krügers Büro befindet sich im ersten Stock des Verlagshauses. Seine Sekretärin ist eine energische, strenge Frau. Sie bittet, noch einen Moment zu warten. Der Chef telefoniert.

DIE ZEIT: Stören wir?

Michael Krüger: Nein, kommen Sie herein. Ich habe gerade mit Milan Kundera telefoniert, der Mann ist tief getroffen. Gott sei Dank hat die ZEIT ihn verteidigt.

ZEIT: Dem weltberühmten Autor Kundera wird vorgeworfen, er habe vor bald fünf Jahrzehnten einen Freund bespitzelt. Für den tschechischen Geheimdienst.

Krüger: An dieser Geschichte ist nichts dran, davon bin ich überzeugt. Aber es ist schwer, sich dagegen zu wehren, wenn der Geheimdienst der Gegner ist.

ZEIT: Kundera ist Tscheche, in welcher Sprache unterhalten Sie sich mit ihm?

Krüger: Auf Französisch. Kann ich zwar nicht gut, aber Emigranten haben einen Sinn dafür, wenn man Fehler macht in einer anderen Sprache. Mit Emigranten kann man ja viele Sprachen sprechen. Meine Lieblingsgeschichte in dieser Hinsicht ist mir übrigens mit Andrej Tarkowskij passiert.