Wie war das noch mal?
Wer gezielt versucht, sich seine neue Telefonnummer zu merken, schwächt damit die Erinnerung an seine alte Nummer. Neurologen von der Universität Magdeburg konnten jetzt zeigen, dass dieses »Abruf-induzierte Vergessen« auf Hemmungsprozesse im Gehirn zurückgeht (Journal of Neuroscience, Bd. 28, S. 13419). Bisher galt auch ein anderer Erklärungsansatz als plausibel: Das Abrufen der neuen, wichtigeren Information könnte die Gehirnprozesse blockieren, die das weniger wichtige, verwandte Wissen aus dem Gedächtnis hervorholen. Diese Interpretation ist aber unwahrscheinlich, da die Magdeburger Forscher nachweisen konnten, dass beim Abruf der neuen und der alten Information jeweils unterschiedliche Gehirnregionen aktiv werden.
Unsichtbare Bremse im All
Astrophysiker haben erstmals Auswirkungen der Dunklen Energie auf die Entstehung von Galaxienhaufen beobachtet (Astrophysical Journal, Vorabveröffentlichung). Solche Gebilde entstehen, wenn sich Gas- und Staubwolken durch die Schwerkraft gegenseitig anziehen und zusammenballen. Die Geschwindigkeit dieses Vorgangs nahm bei den Galaxienhaufen nach 5,5 Milliarden Jahren jedoch deutlich ab. Die Forscher erklären das Phänomen mit der Dunklen Energie: Diese wirkt als Bremse, denn sie treibt die Expansion des Universums voran.
Urahn mochte keine Hitze
Der letzte gemeinsame Vorfahre aller Erdbewohner könnte in einer ganz anderen Umwelt gelebt haben als bisher gedacht (Nature, Bd. 456, S. 942). Das haben genetische Untersuchungen französischer Evolutionsbiologen ergeben. Früher war man davon ausgegangen, dass dieser Einzeller sich an einem mehr als 90 Grad heißen Ort entwickelt habe, ähnlich den bis heute existierenden Tiefsee-Schloten. Die neuen Ergebnisse deuten aber darauf hin, dass die Urahnen sich bei einer eher gemäßigten Temperatur von weniger als 50 Grad wohlfühlten. Die Theorie passt zu der Annahme, dass die Erbsubstanz der ersten Lebewesen aus Ribonukleinsäure (RNA) bestand. Diese verträgt weniger Hitze als die heute gängige Desoxyribonukleinsäure (DNA).
Summender Raupenschreck
Bienen schützen Pflanzen mit ihrem Flügelschlag vor Raupen. Das beschreiben Biologen von der Universität Würzburg in der aktuellen Ausgabe des Fachjournals Current Biology. Raupen haben auf ihrem Körper feine sensorische Härchen, mit denen sie Luftvibrationen spüren, die herannahende Fressfeinde verursachen. Weil sie zwischen den für sie gefährlichen Wespen und den harmlosen Bienen nicht unterscheiden können, meiden Raupen auch jene Pflanzen, die häufigen Besuch von Honigbienen erhalten.
- Datum
- Quelle DIE ZEIT, 23.12.2008 Nr. 01
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