Wirtschaftspolitik 2008 Wenn schon Wandel, dann auch richtig!
Seit der Finanzkrise sind viele Tabus der europäischen Wirtschaftspolitik gebrochen worden. Das ist auch eine Chance
Nichts wird so sein, wie es vorher war«, sagen viele, wenn sie über die Finanzkrise sprechen. Das stimmt, und es gilt auch für die Europäische Währungsunion. Denn diese Krise wirbelt die etablierte Art durcheinander, nach der bislang in Brüssel, Frankfurt und in den Hauptstädten Wirtschaftspolitik betrieben wurde.
Mit einem Mal sind Debatten im Gange, die noch vor einem Jahr völlig tabu waren. Europa diskutiert über gigantische Konjunkturpakete – um die Rezession zumindest abzumildern. Jahrelang hatte sich die Europäische Kommission deutlich gegen Konjunkturstimulierung ausgesprochen und Mitgliedstaaten zur Ordnung gerufen, die wegen solcher Programme ihre Defizite wachsen ließen. Nun hat sie sich an die Spitze der europäischen Bewegung für eine nachfrageorientierte Politik gesetzt. Die Euro-Zentralbanker hat sie an ihrer Seite.
Zugleich hat die Kommission die Zentralbank aufgefordert, mit weiterer geldpolitischer Lockerung die Rezession zu bekämpfen. Vor wenigen Wochen hätten die Währungshüter solch eine Forderung noch erbost als Angriff auf ihre Unabhängigkeit zurückgewiesen. Heute schweigen sie vornehm.
Plötzlich ist auch der Stabilitätspakt nicht mehr so wichtig. Die Kommission und immer mehr Eurozonen-länder sind sich einig, dass kein Land Sanktionen fürchten soll, wenn es in den nächsten Jahren wegen der Krise die Defizitrichtschnur reißt.
Die Kommission verwaltet plötzlich milliardenschwere Notkredite für Krisenländer wie Ungarn und bald auch Lettland. Sie finanziert diese über Anleihen – mit fast in Vergessenheit geratenen Instrumenten, die seit den 1990er Jahren nicht mehr zum Einsatz kamen. Die Wucht der Krise könnte zudem die No-Bail-Out-Regel im EU-Vertrag hinfällig machen. Danach haften weder die EU noch Mitgliedsländer für die Schulden eines Euro-Mitglieds. So viel zur Theorie.
Sollte ein Land wie Griechenland, Italien oder Portugal unter spekulativen Druck geraten und zahlungsunfähig werden, dürfte die Gemeinschaft einspringen. Denn wenn Ungarn schon Notkredite erhält, wird man dies dem Euro-Staat und EU-Gründungsmitglied Italien in einer Notlage politisch kaum verwehren können – auch weil eine Krise dort das EU-Bankensystem in den Grundfesten erschüttern würde.
Diese Entwicklungen zeigen, dass die EU in der Lage ist, ohne ordnungspolitischen Starrsinn auf die Erfordernisse der aktuellen Krise zu reagieren. Allerdings enthüllen die Ad-hoc-Aktionen auch institutionelle Defizite.
Die Eurozone ist zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt zusammengewachsen. Die Krise hat uns vor Augen geführt, dass sie auch das Instrumentarium einer einheitlichen Volkswirtschaft braucht. Im Augenblick ist nämlich nicht garantiert, dass die notwendigen Entscheidungen schnell genug, fundiert und demokratisch legitimiert fallen – und dass überhaupt die Instrumente für eine mittelfristig nachhaltige Politik zur Verfügung stehen.
Europa braucht – jenseits des Konjunkturpakets – ein Budget, das groß genug ist, um makroökonomisch stabilisierend zu wirken. Andernfalls dürften von Land zu Land unterschiedlich verlaufende Konjunkturzyklen für andauernden Druck in der Währungsunion sorgen. Ein solches Budget müsste durch das Europäische Parlament demokratisch kontrolliert werden.
Wie man bereits jetzt am Kapitalbedarf für die Notkredite und an der Debatte um schuldenfinanzierte Konjunkturprogramme sieht, hat die EU auch Bedarf, am Kapitalmarkt Kredite aufzunehmen. De facto existieren schon heute EU-Anleihen – mehr davon für konkrete Vorhaben wie Infrastrukturprojekte, mehr Transparenz in den Regeln und eine stärkere Einbindung demokratisch legitimierter Akteure wären wünschenswert.
Zu prüfen wäre zudem, ob der Stabilitätspakt eine erneute Reform braucht, auch weil in Krisenzeiten die Nachhaltigkeit der Staatsfinanzen vielen Entscheidungsträgern weniger wichtig scheint. Außerdem sollte neu diskutiert werden, wie viel europäische Einflussnahme auf nationale Haushaltspolitik künftig nötig ist und von der Bevölkerung akzeptiert wird. Schließlich sollte die Euro-Gruppe aufgewertet werden und regelmäßig auf Ebene der Staats- und Regierungschefs als Eurozonengipfel zusammentreten. Unter französischer EU-Ratspräsidentschaft ist dies bereits geschehen, um ein koordiniertes Vorgehen in der Bankenkrise zu vereinbaren. Es gibt aber weitere Entscheidungen größerer Tragweite zu fällen, etwa die Frage, was die EU von künftigen Wechselkursregimes hält.
Man mag dagegenhalten, dass es nicht notwendig sei, über so weitreichende Veränderungen überhaupt zu reden, weil diese unrealistisch seien. Selbst wenn diese Reformdebatte ausbleibt, werden sich die Regeln und Institutionen der Währungsunion weiterentwickeln – nur eben ohne schlüssiges und demokratisch legitimiertes Gesamtkonzept. Ein Bauplan für eine langfristige Ordnung der EU-Wirtschaftspolitik wäre die bessere Option. Auch ein Hochhaus würde man nicht ohne Architekt und Bauingenieur umbauen.
Sebastian Dullien ist Professor für Internationale Wirtschaft an der FHTW in Berlin
Daniela Schwarzer leitet die Forschungsgruppe EU-Integration bei der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin
- Datum 23.12.2008 - 07:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 23.12.2008 Nr. 01
- Kommentare 19
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Man kann nur hoffen, dass die hier gemachten Vorschläge nicht auf positive Resonanz stoßen. Zu optimistisch ist etwa die Forderung, Europa brauche mehr "makroökonomischen Handlungsspielraum".
Bei allem Respekt vor den akademischen Würden des Autors, bislang hat es die EU nicht einmal vermocht, ihren nicht eben kleinen Etat von etwa 100 Mrd Euro sinnvoll zu verwalten.
Der größte Teil des Geldes wird der priviligierten Berufsgruppe der Landwirte als Subvention in den Rachen geworfen, zum Schaden der europäischen Verbraucher und ausländischen, günstigeren Anbieter.
Der zweitgrößte Posten wird für Infrastrukturmaßnahmen verwendet die selten auf lokaler Ebene sinnvoll umgesetzt werden.
Die EU Verwaltung kostet auch noch einmal etwa 5 Mrd im Jahr.
Bislang verfügte die EU glücklicherweise nicht über eine eigene Verschuldungskompetenz, auch wenn vielfach eine eigene EU-Steuer und eben die Erlaubnis zur Kreditaufnahme immer wieder aufkommen.
"Ein solches Budget müsste durch das Europäische Parlament demokratisch kontrolliert werden."
Das ist geradezu lächerlich. Wer sitzt überhaupt im EU-Parlament könnte da der Volkssouverän fragen. Nur wenige werden es wissen. Das Parlament an sich ist schon wenig demokratisch legitimiert, es fehlt allein schon am europäischen Bewusstsein in der Bevölkerung. Die Komepetenzen der Parlamentarier sind zudem relativ gering. Sie mischen zwar bei gut 3/4 der politischen Entscheidungsprozesse mit, Kommission und Rat sind aber die Gremien, welche ohne jegliche Kontrolle die wichtigsten Entscheidungen fällen.
Die Idee den Stabilitätspakt aufzuweichen kann ich auch nicht nachvollziehen. Zugegeben, die Kriterien die zu seiner Festlegung führten, sind zu hinterfragen. Aber Reaktion auf die Unfähigkeit der Regierungen eines ausgeglichenen Haushalt hinzulegen kann doch nicht sein, die inflationstreibende Politik des Gelddruckens noch weiter zu forcieren. Anstatt Keynes sollte man sich öfter Popitz ins Gedächtnis rufen. Jede Zentralgewalt hat ein natürliches Bestreben immer mehr Kompetenzen an sich zu ziehen. Zentrale Planung klingt so verlockend. Aber derlei Systeme liegen doch schon alle auf dem Müllhaufen der Geschichte, oder?
Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie ignorant keynsianische Konjunkturpolitiker mit dieser Krise umgehen.
Klar die aktuelle bedrohliche Krise kam aus dem amerikanischen Bankenkapitalimus, der durch Vernachlässigung der staatlichen Kontrolle auf der einen Seite, sowie durch sozialpolitisch motivierte marktverwerfende Eingriffe des Staates auf der anderen Seite ins Ungleichgewicht geraten ist.
Doch sollte das nicht darüber hinwegtäuschen, das die Wirkung, die das hier erzielt vor allem den Schwächen und Sünden des eigenen Systems geschuldet sind.
Was die Amerikaner privatwirtschaftlich falsch geregelt haben (ökonomische Kreditverwerfung im Bankensektor) das haben bei uns die öffentlichen Haushalt direkt gemacht.
Sicher ist es richtig in solchen Zeiten, aber nicht zu früh (damit die Wirkung nicht verpufft), durch staatliche Ausgaben die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen.
Was aber von den Befürwortern solcher Programme vornehm unter den Tisch gekehrt wird ist die Tatsache, dass Keynes solche Programme nur empfehlen konnte, weil in guten Zeiten eine Haushaltskonsolidierung stattzufinden hat, der Staat sich deshalb eine Verschuldung auch leisten kann.
Eine vorbedingende Haushaltskonsolidierung die es bei uns nachhaltig eben nicht gegeben hat. Das bedeutet nichts Anderes, als dass der Staat sein risikofreies Pulver defacto schon vor der Krise verschossen hat. Das könnte man auch grob fahrlässig oder kriminell nennen, dass sei den Ausgabenpolitikern der letzten Jahre mal ins Stammbuch geschrieben. Man kann es sich natürlich auch einfach machen und über die Reichen klagen, obwohl defintiv klar ist, dass selbst bei vollständiger Enteignung derjenigen, die wirklich reich sind, das Problem nicht gelöst wäre. Soviel zur manchmal durchaus berechtigten Reichen- und Unternehmerschelte.
Nichts desto trotz bleibt uns keine Wahl, es muss was passieren. Doch mit der bereits bestehenden Staatsverschuldung steigt schlicht das Risiko des Staatsbankrotts. Deshalb muss gut Zeitpunkt und Art eines Konjunkturprogramms überlegt werden, weil wir möglichweise nur noch einen Schuss haben und der muss sitzen. Schwierig ist das auch, weil die hohe Abgabenquote von Sozialversicherung und Steuern die Kaufkraft deutscher Verbraucher schon seit Jahren belastet und den Konsum und die Investitionen privater Haushalte hat sinken lassen.
Jeder Idiot sollte nachvollziehen können, dass Produktion zu Bruttolöhnen 100% nicht mit Nettolöhnen von 50% oder sogar weniger bezahlt werden kann.
Das Umverteilungsprinzip stößt schlicht an seine Grenzen.
Sollten wir diese Krise ohne Zusammenbruch überstehen, wird die Reduzierung der Staatsverschuldung, die drastische Senkung der Lohnbelastungen langfristig die Haupt- und Existenzaufgabe deutscher Wirtschaftspolitik werden und das wird mit Sicherheit kein "Zuckerschlecken".
Denn sollte das nicht gelingen ist der Zusammenbruch nur bis zur nächsten Krise vertagt, weil ansonsten die Staatsverschuldung gefährlich Nahe an die Handlungsunfähigkeit rückt.
Berthold Grabe
Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie ignorant keynsianische Konjunkturpolitiker mit dieser Krise umgehen.
Klar die aktuelle bedrohliche Krise kam aus dem amerikanischen Bankenkapitalimus, der durch Vernachlässigung der staatlichen Kontrolle auf der einen Seite, sowie durch sozialpolitisch motivierte marktverwerfende Eingriffe des Staates auf der anderen Seite ins Ungleichgewicht geraten ist.
Doch sollte das nicht darüber hinwegtäuschen, das die Wirkung, die das hier erzielt vor allem den Schwächen und Sünden des eigenen Systems geschuldet sind.
Was die Amerikaner privatwirtschaftlich falsch geregelt haben (ökonomische Kreditverwerfung im Bankensektor) das haben bei uns die öffentlichen Haushalt direkt gemacht.
Sicher ist es richtig in solchen Zeiten, aber nicht zu früh (damit die Wirkung nicht verpufft), durch staatliche Ausgaben die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen.
Was aber von den Befürwortern solcher Programme vornehm unter den Tisch gekehrt wird ist die Tatsache, dass Keynes solche Programme nur empfehlen konnte, weil in guten Zeiten eine Haushaltskonsolidierung stattzufinden hat, der Staat sich deshalb eine Verschuldung auch leisten kann.
Eine vorbedingende Haushaltskonsolidierung die es bei uns nachhaltig eben nicht gegeben hat. Das bedeutet nichts Anderes, als dass der Staat sein risikofreies Pulver defacto schon vor der Krise verschossen hat. Das könnte man auch grob fahrlässig oder kriminell nennen, dass sei den Ausgabenpolitikern der letzten Jahre mal ins Stammbuch geschrieben. Man kann es sich natürlich auch einfach machen und über die Reichen klagen, obwohl defintiv klar ist, dass selbst bei vollständiger Enteignung derjenigen, die wirklich reich sind, das Problem nicht gelöst wäre. Soviel zur manchmal durchaus berechtigten Reichen- und Unternehmerschelte.
Nichts desto trotz bleibt uns keine Wahl, es muss was passieren. Doch mit der bereits bestehenden Staatsverschuldung steigt schlicht das Risiko des Staatsbankrotts. Deshalb muss gut Zeitpunkt und Art eines Konjunkturprogramms überlegt werden, weil wir möglichweise nur noch einen Schuss haben und der muss sitzen. Schwierig ist das auch, weil die hohe Abgabenquote von Sozialversicherung und Steuern die Kaufkraft deutscher Verbraucher schon seit Jahren belastet und den Konsum und die Investitionen privater Haushalte hat sinken lassen.
Jeder Idiot sollte nachvollziehen können, dass Produktion zu Bruttolöhnen 100% nicht mit Nettolöhnen von 50% oder sogar weniger bezahlt werden kann.
Das Umverteilungsprinzip stößt schlicht an seine Grenzen.
Sollten wir diese Krise ohne Zusammenbruch überstehen, wird die Reduzierung der Staatsverschuldung, die drastische Senkung der Lohnbelastungen langfristig die Haupt- und Existenzaufgabe deutscher Wirtschaftspolitik werden und das wird mit Sicherheit kein "Zuckerschlecken".
Denn sollte das nicht gelingen ist der Zusammenbruch nur bis zur nächsten Krise vertagt, weil ansonsten die Staatsverschuldung gefährlich Nahe an die Handlungsunfähigkeit rückt.
Berthold Grabe
Die Bauern werden subventioniert weil diese immer die Verteidiger der herrschenden Ordnung waren. Hände weg vom Privateigentum und den Produktionsmitteln. Dafür darf den Armen in die Taschen gegriffen werden.
Der Unterschied zwischen Tabus und Prinzipien ist Ihnen vielleicht nicht ganz klar?!
Diese Prinzipien, in diesem Kontext "Kriterien" genannt von den Buerokraten, sind gerade fuer Krisenzeiten wichtig. Gerade dafuer wurden sie in ruhigeren Zeiten mit klarem Kopf erdacht. In diesen aktionistischen bis hysterischen Tagen sollten wir mit Sicherheit keine so weitreichenden Entscheidungen treffen die vielleicht schon die naechste Krise - sofern nicht gut durchdacht - ausloesen... sondern uns erst einmal mit der jetzigen Krise befassen bzw. diese bewaeltigen..Unbedachtheit hat uns erst in diese Lage gebracht.
wer Gegenmaßnahmen ergreifen will, muß die Ursachen erkennen (wollen).
Leider, und das macht so misstrauisch, ist die Ursachenfrage gegenüber der Gegenmittelfrage völlig unterrepräsentiert. Somit besteht die reale Möglichkeit, daß der kollektive Gewaltschuss nach hinten los geht. Und dann? Das Pulver ist dann jedenfalls verschossen!
wer Gegenmaßnahmen ergreifen will, muß die Ursachen erkennen (wollen).
Leider, und das macht so misstrauisch, ist die Ursachenfrage gegenüber der Gegenmittelfrage völlig unterrepräsentiert. Somit besteht die reale Möglichkeit, daß der kollektive Gewaltschuss nach hinten los geht. Und dann? Das Pulver ist dann jedenfalls verschossen!
Ich nehme an, mit "richtigem Wandel" ist ein vorallem nachhaltiges und stabiles Finanzsystem gemeint, d.h. ein Ende der Schuldenspirale und Ausbluten der öffentlichen Kassen. Die Ironie ist nicht zu überbieten, dass der Weg dahin ausgerechnet mit noch mehr Schulden und dem Risiko einer galoppierenden Inflation gepflastert wird. Das rasche Handeln der EU spricht eher für das Ausmaß und die möglichen katastrophalen Folgen der Finanzkrise als für eine in den Prinzipien der EU angelegte Flexibilität. Die EU sollte sich mit allen Mitteln dafür einsetzen, dass die Steueroasen geschlossen werden und Steuern (bspw. 0.01%) auf spekulative Finanztransaktionen erhoben werden. Wenn sie dafür kein Konzept bis Ende März 2009 vorlegt und erste Erfolge bis Ende 2009 vorweisen kann, dann wäre eine tiefe Vertrauenskrise gegenüber den öffentlich sichtbaren Entscheidungsträgern mit allen Konsequenzen mehr als nachvollziehbar. Denn Geld ausgeben kann jeder.
Was Sie fordern ist populär, doch ist es auch richtig?
Steueroasen sind nur mit einem gewissen Aufwand und zusätzlichen Risiko nutzbar.
Es ist wie in einer Familie, in der die Kinder während der Lehrzeit nicht nur Kostgeld abgeben müssen, sondern den ganzen Lohn.
Die Folge, die Kinder ziehen aus! Das würden sie auch tun, selbst wenn es illegal wäre, aber straffrei bliebe, zumindest wenn das Risiko weniger drückend erscheint als der Auszug.
Merkwürdigerweise scheinen die Meisten die hohe Abgabenquote völlig in Ordnung zu finden, obwohl sie über die geringe Kaufkraft klagen. Seit Jahrzehnten wird der Sozialstaat ausgebaut und "verbessert", doch der Aufwand für den sozialen Ausgleich steigt, statt zu sinken. Offensichtlich ist der Sozialstaat deutscher Prägung nur in der Lage zu Alimentieren, aber nicht neue finanzielle Selbständigkeit zu erzeugen.
Es ist ja nicht so, dass die Steuer- und Abgabenzahler das durch staatliche Leistungen zurückerhalten wie z.B. in Schweden. Das wäre kein Problem, bei uns jedoch gibt es mittlerweile eine Millionenkaste, die von dieser Umverteilung existiert vom Hartz IV Empfänger über den öffentlichen Dienst bis zu den Umweltverbänden, den Unternehmen im Umweltsektor, dem Agrarsektor, der Großindustrie, weite Teile des Kulturbetriebes und es Gesunndheitswesens bzw. der Sozialversicherung. Das Problem ist die Alimentierung, die primär mit dieser Umverteilung einhergeht, weil sie die Kaufkraft Einzelner auf viele verteilt. Das aber ist letztendlich nicht sozial, sondern Ausbeutung und Schmarotzertum, auch wenn die Schmarotzer sich dessen nicht bewusst sind oder dies gar nicht angestrebt haben oder zu verantworten haben.
Warum ist das so? Nur wegen der Privilegien der Reichen? Nur wegen der Steuerflucht? Wieso ist diese Flucht, dort wo sie stattfindet, so attraktiv? Nur wegen der Gier? Oder ist es vielmehr so, dass Unternehmer inoffiziell im Gegensatz zum Arbeitnehmer vor dem steigenden Staatsanteil geschützt werden müssen, damit sie nicht in Scharen abwandern?
Für jeden der selbständig ist oder als Unternehmer Andere beschäftigt ist völlig klar, dass man in Deutschland jede Möglichkeit der Steuervermeidung nutzen muss. Schon deshalb weil der Staat von der Vermeidung ausgeht und rein formal auch da besteuert, wo real gar kein Steuertatbestand erfüllt ist.
Viele "Reformen" dienen doch nur zur Aufrechterhaltung dieser Schmarotzerei, wie z.B. die Reformen der Sozialversicherung oder das Scheinselbständigkeitsgesetz, weil man keine Ahnung hat, wie man soviele Menschen ansonsten wieder in Lohn und Brot bringen soll. Abgesehen davon, das es höchst unpopulär ist Menschen zu entlassen, selbst wenn sie nicht wirklich sinnvolle Arbeit leisten, die Verhältnis zum Aufwand steht, jedenfalls solange der Schein gewahrt bleibt.
Berthold Grabe
Was Sie fordern ist populär, doch ist es auch richtig?
Steueroasen sind nur mit einem gewissen Aufwand und zusätzlichen Risiko nutzbar.
Es ist wie in einer Familie, in der die Kinder während der Lehrzeit nicht nur Kostgeld abgeben müssen, sondern den ganzen Lohn.
Die Folge, die Kinder ziehen aus! Das würden sie auch tun, selbst wenn es illegal wäre, aber straffrei bliebe, zumindest wenn das Risiko weniger drückend erscheint als der Auszug.
Merkwürdigerweise scheinen die Meisten die hohe Abgabenquote völlig in Ordnung zu finden, obwohl sie über die geringe Kaufkraft klagen. Seit Jahrzehnten wird der Sozialstaat ausgebaut und "verbessert", doch der Aufwand für den sozialen Ausgleich steigt, statt zu sinken. Offensichtlich ist der Sozialstaat deutscher Prägung nur in der Lage zu Alimentieren, aber nicht neue finanzielle Selbständigkeit zu erzeugen.
Es ist ja nicht so, dass die Steuer- und Abgabenzahler das durch staatliche Leistungen zurückerhalten wie z.B. in Schweden. Das wäre kein Problem, bei uns jedoch gibt es mittlerweile eine Millionenkaste, die von dieser Umverteilung existiert vom Hartz IV Empfänger über den öffentlichen Dienst bis zu den Umweltverbänden, den Unternehmen im Umweltsektor, dem Agrarsektor, der Großindustrie, weite Teile des Kulturbetriebes und es Gesunndheitswesens bzw. der Sozialversicherung. Das Problem ist die Alimentierung, die primär mit dieser Umverteilung einhergeht, weil sie die Kaufkraft Einzelner auf viele verteilt. Das aber ist letztendlich nicht sozial, sondern Ausbeutung und Schmarotzertum, auch wenn die Schmarotzer sich dessen nicht bewusst sind oder dies gar nicht angestrebt haben oder zu verantworten haben.
Warum ist das so? Nur wegen der Privilegien der Reichen? Nur wegen der Steuerflucht? Wieso ist diese Flucht, dort wo sie stattfindet, so attraktiv? Nur wegen der Gier? Oder ist es vielmehr so, dass Unternehmer inoffiziell im Gegensatz zum Arbeitnehmer vor dem steigenden Staatsanteil geschützt werden müssen, damit sie nicht in Scharen abwandern?
Für jeden der selbständig ist oder als Unternehmer Andere beschäftigt ist völlig klar, dass man in Deutschland jede Möglichkeit der Steuervermeidung nutzen muss. Schon deshalb weil der Staat von der Vermeidung ausgeht und rein formal auch da besteuert, wo real gar kein Steuertatbestand erfüllt ist.
Viele "Reformen" dienen doch nur zur Aufrechterhaltung dieser Schmarotzerei, wie z.B. die Reformen der Sozialversicherung oder das Scheinselbständigkeitsgesetz, weil man keine Ahnung hat, wie man soviele Menschen ansonsten wieder in Lohn und Brot bringen soll. Abgesehen davon, das es höchst unpopulär ist Menschen zu entlassen, selbst wenn sie nicht wirklich sinnvolle Arbeit leisten, die Verhältnis zum Aufwand steht, jedenfalls solange der Schein gewahrt bleibt.
Berthold Grabe
wer Gegenmaßnahmen ergreifen will, muß die Ursachen erkennen (wollen).
Leider, und das macht so misstrauisch, ist die Ursachenfrage gegenüber der Gegenmittelfrage völlig unterrepräsentiert. Somit besteht die reale Möglichkeit, daß der kollektive Gewaltschuss nach hinten los geht. Und dann? Das Pulver ist dann jedenfalls verschossen!
dann auch richtig! Gute Überschrift, und dann? Sind nicht alle bisher angedachten und veranlassten/verkündeten Maßnahmen genau auf das Gegenteil gerichtet, nämlich mit allen Mitteln zu sichern, das Alles so bleibt wie es war?
Danke, das ist genau die richtige Antwort. In allen Artikeln zu diesem Thema erscheint keine Forderung nach Maßnahmen, die eine Wiederholung verhindern sollen. Es werden nur Auswirkungen behandelt aber keine Ursachenbekämpfung. Es wird wieder alles so bleiben wie es ist. Umdenken scheint eine unüberwindbare Hürde zu sein.
Danke, das ist genau die richtige Antwort. In allen Artikeln zu diesem Thema erscheint keine Forderung nach Maßnahmen, die eine Wiederholung verhindern sollen. Es werden nur Auswirkungen behandelt aber keine Ursachenbekämpfung. Es wird wieder alles so bleiben wie es ist. Umdenken scheint eine unüberwindbare Hürde zu sein.
Es ist richtig, dass ich von BWL und VWL herzlich wenig verstehe, aber wenn ich mich beraten lasse von irgendjemandem und der (gutgemeinte) Rat entpuppt sich als Katastrophe, dann würde ich den doch nicht wieder in der gleichen Sache um Rat fragen! Aus dieser Sicht ist alles was jetzt passiert eben kein Wandel.
Woher kommen eigentlich die Tonnen von Geld, wo vorher nicht mal ein Säckchen da war? Richtig, der Staat, also wir alle nehmen jede Menge Kredit auf, den der Steuerbürger irgendwann zurückzahlen muss bzw. es kann mit dem Argument, dass man ja Geld brauche, jetzt weiter gekürzt werden, also die Armen und die nicht ganz so Reichen zahlen wieder die Zeche. Also auch hier kein Wandel.
Wofür soll der Staat das Geld ausgeben? Für die Infrastruktur, für Bildung, .... für die Zukunft! Alles ganz nett, nur hat schon bisher nicht funktioniert. Wahrscheinlich entstehen nun im Westen die gleichen Investruinen wie im Osten. Schade, auch aus der neueren Geschichte wird nichts gelernt. Also kein Wandel.
Die EU kann eigentlich gar nichts. Es sind zuviele, zu unterschiedliche Staaten, zu schnell aufgenommen worden, dass ist für niemanden gut. An die EU zu appellieren ist ein alt bekannter Reflex. Also auch hier kein Wandel.
Danke, das ist genau die richtige Antwort. In allen Artikeln zu diesem Thema erscheint keine Forderung nach Maßnahmen, die eine Wiederholung verhindern sollen. Es werden nur Auswirkungen behandelt aber keine Ursachenbekämpfung. Es wird wieder alles so bleiben wie es ist. Umdenken scheint eine unüberwindbare Hürde zu sein.
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