Kaukasus-Konflikt Krieg, Schuld und NebelSeite 3/3

Der Konflikt spitzte sich zu, weil diese Männer einander machtpolitisch so furchtbar ähneln. Es ging nicht darum, Unschuldige zu schützen, es ging auch nicht um Öl oder Gas. Beide nutzten ihren Ländern nicht, sie schadeten nur einander. Es entlud sich angestauter Hass, der jedes Maß vergessen ließ.

Dennoch hätte Wladimir Putin als moralischer Sieger aus diesem Krieg hervorgehen können; als einer, der Südossetien vor einem größenwahnsinnigen Georgier beschützt hat. Die Chance vertat er, als er am Sonntag, dem 10. August, seine Truppen weit hinein nach Georgien schickte und Teile davon über Wochen besetzt hielt. Russland marschiert in ein souveränes Land ein, nahm alle Welt geschockt wahr, während Saakaschwilis unselige Rolle aus dem Sichtfeld geriet. So machte Putin aus einem regionalen Streit irgendwo im Südkaukasus einen internationalen Konfliktfall. Russland wollte es nicht nur Georgien, sondern der ganzen Welt zeigen. »Russland ist eine Nation, mit der von jetzt an zu rechnen ist«, sprach Dmitrij Medwedjew. »Die Stunde der Wahrheit hat geschlagen. Die Weltordnung hat sich seit dem 8. August verändert.«

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Die Veränderung kam, und sie hielt denkbar kurz. Schon als es um die Anerkennung von Südossetien als Staat ging, stand Russland international einsam da. Dann kam die Weltfinanzkrise, seitdem hat der Westen andere Sorgen. Schlechte Zeiten für neue Weltordnungen.

Fast alle haben den Krieg verloren: die USA, weil sie auf Saakaschwili setzten und mit dieser Strategie gescheitert sind. Russland, weil es – mitten in der Finanzkrise – mit Südossetien eine bettelarme Provinz am Hals hat. Georgien, weil es zwei Provinzen verlor und die Nato-Mitgliedschaft vorerst in weiter Ferne ist. Allein die Europäische Union ist noch recht gut davongekommen.

Bemerkenswert schnell handelte Nicolas Sarkozy ein Waffenstillstand-Abkommen mit dem russischen Präsidenten Dmitrij Medwedjew aus und beendete den Krieg. Sechs Punkte enthielt das Abkommen, die Russland umsetzen sollte. Doch noch immer besetzt es Teile von Georgien, noch immer hat es fast dreimal so viele Soldaten in Südossetien wie vereinbart. Noch immer dürfen Beobachter der EU und der OSZE nicht dorthin, um zu dokumentieren, was geschieht.

Die EU sieht darüber hinweg, zufrieden mit dem, was sie erreicht hat. Da man bislang nicht sicher weiß, wie der Krieg ablief, darf man seine Geschäfte und Beziehungen führen wie gehabt. Ließe sich diese Frage allzu genau beantworten – es wäre schwierig, mit business as usual fortzufahren. Das heißt nicht, dass die EU den Hergang nicht aufklären will. Sie hat eine Kommission eingesetzt, die erfahrene Schweizer Diplomatin Heidi Tagliavini soll bis Sommer 2009 die Ereignisse untersuchen.

Aber zuweilen ist es ganz nützlich, wenn der Nebel sich erst mal nicht lichtet.

 
Leser-Kommentare
  1. Im ganzen Artikel kein Wort ueber die geplante pipeline vom kaspischen Meer durch Georgien und die Tuerkei nach Israel.... Saakashwili selbst gibt inzwischen zu, eine ferngesteuerte Marionette zu sein, siehe Interview mit Haaretz:
    «Wir haben zwei israelische Mitglieder des Kabinetts. Sowohl Krieg als auch Friede ist in den Händen von israelischen Juden», zitierte die israelische Tageszeitung «Haaretz» am 15. August den georgischen Präsidenten Mikheil Saaka­shvili.
    Gal Hirsch, der nach dem verlorenen Libanonkrieg arbeitslos gewordene israelische Stabschef, war in Georgien als Ausbilder taetig.
    (http://www.zeit-fragen.ch...)

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    ...wenn es diesen artikel denn wirklich geben würde, dann werden sie ihn doch sicherlich direkt verlinken können...oder?

    nichts für ungut, aber wenn sie hier schon steile thesen von der israelitisch-jüdischen weltverschwörung an'n start bringen, dann doch bittebitte etwas fundierter.

    okay? auf der seite von haaretz habe ich nämlich nichts dergleichen lesen können.

    ...wenn es diesen artikel denn wirklich geben würde, dann werden sie ihn doch sicherlich direkt verlinken können...oder?

    nichts für ungut, aber wenn sie hier schon steile thesen von der israelitisch-jüdischen weltverschwörung an'n start bringen, dann doch bittebitte etwas fundierter.

    okay? auf der seite von haaretz habe ich nämlich nichts dergleichen lesen können.

    • grazvi
    • 28.12.2008 um 21:17 Uhr

    Schade das in Der Zeit kann man solche untiefe Artikel finden.

    Mann muss verstehen das Russland nicht ganz Normales Land ist und beobactungen von aussen fast immer zur Falsche schlusfolerug fuhrt. Russland Hat einer der beste und Wirksamste PR industrie der Welt..

    Alles was im Westlichen Median zullesen gibt, ist sehr von Kremlins PR Agenturen und Lobisten beinflust.

    Es ist schwer zu Glaugen aber in Deutschland Kremlins einflus ist sehr gross.

    Und zum artikel:

    Das Konflikt ist sehr Alt. Was ist sehr wichtig zu wissen das im 90er rusland hat echtes Genozid im Süd Osethia und Abhasien betrieben. War über 250.000 menchen getötet und ungefehr noch soviel hat nach Geogiens Kernland gefluchtet.

    Bis heute Russische Regierung hat im Südosetia Mafia und Kriminele vereine material und mit andre Wege gestuzt damit die mehr chaos im Georgien schaft.

    Wer hat angefangen lezte konflikt?
    Die russen hat par Tagen vor dem Konflikt russische Päse an die Bewohner der beiden Abtrümige gebiete verteilt ...

    Viel leicht verteilen wir in Freinkriech an der Grenze mit Deutschland und dann....

  2. ...wenn es diesen artikel denn wirklich geben würde, dann werden sie ihn doch sicherlich direkt verlinken können...oder?

    nichts für ungut, aber wenn sie hier schon steile thesen von der israelitisch-jüdischen weltverschwörung an'n start bringen, dann doch bittebitte etwas fundierter.

    okay? auf der seite von haaretz habe ich nämlich nichts dergleichen lesen können.

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    besorgen muessen. ( Haaretz ist uebrigens im Gegensatz zu Ihrer Auffassung kein Organ, das vornehmlich die "israelitisch-jüdischen weltverschwörung" propagiert.)

    Für alle die des Englischen mächtig sind:

    http://www.haaretz.com/ha...

    besorgen muessen. ( Haaretz ist uebrigens im Gegensatz zu Ihrer Auffassung kein Organ, das vornehmlich die "israelitisch-jüdischen weltverschwörung" propagiert.)

    Für alle die des Englischen mächtig sind:

    http://www.haaretz.com/ha...

  3. besorgen muessen. ( Haaretz ist uebrigens im Gegensatz zu Ihrer Auffassung kein Organ, das vornehmlich die "israelitisch-jüdischen weltverschwörung" propagiert.)

    Antwort auf "tja,..."
    • LH
    • 28.12.2008 um 22:42 Uhr

    Jetzt schreiben Sie hier 4 Monate später Dinge, die der politikinteressierte Internetjunkie schon spätestens am 10. August wusste und meinen "der Nebel legt sich"? Geldwerter Journalismus ist das jedenfalls nicht.
    Wenn Sie da weiter mit Journalismus Geld verdienen wollen, dann schlage ich vor, Sie nehmen zur Kenntnis, dass heute die verdeckte Kriegsführung und -vorbereitung längst viel bedeutender ist, als die Bombenexplosionen selber. Anschließend könnten Sie dann - wenn die Bomben fallen - nicht bloß von bezahlten PR-Firmen lancierte Propaganda-Tickermeldungen bringen, sondern Ihrer Aufgabe als unabhängiges Informationsmedium und Profi der Informationsermittlung und -bewertung nachkommen. Vielleicht haben Sie dann auch in 10 Jahren noch ein Geschäftsmodell, wenn der klassische Zeitungsleser ausgestorben sein wird.

  4. diesen Krieg als Duell Putin-Saakaschwili zu begreifen? Oder tun sie nur so?
    Ich glaube, dies alles spielte mit:
    - Wahlhilfe für McCain (nicht gelungen)
    - Verwischung georgischer innenpolitischer Schwierigkeiten des verrückt gewordenen S-wili (gelungen)
    - Demonstration der Tatsache, dass Georgien in NATO wäre dasselbe, wie sowjetische Raketen auf Kuba (vielleicht begreift man dies endlich)
    - Angst für die Milliarden die in den Pipeline Baku-Ceyhan reingedonnert wurden.
    Das arme Georgien hat schon einen Psychopaten als Präsident (Gamsachurdia) jetzt muss das Land noch einen ausbaden. Dieser denkt auch nicht an die viele Tausende Landsleute, die in Russland leben, hauptsache, die nationalistische Hetze zieht. Keine ehemalige Sowjetrepublik ist so tief gefallen, wie Georgien: die einträgliche Geschäfte mit Blumen und Zitrusfrüchten entfallen. Holländische Blumen, sizilianische Zitronen, spanische, israelische Orangen, französische Weine haben binne Tagen die Grundlage des georgischen Wohlstandes entzogen...
    Vergessen, dass eben Georgien war das einzige Land in Kaukasus, das sich im XIX. Jh. freiwillig den Zaren unterstellt hat?
    Vergessen das Wüten der georgischen Truppen in Abchasien nach der Revolution und bis 1920?
    Duell Putin-S.-vili? Das ich nicht lache...

  5. (entfernt. Bitte formulieren Sie Ihre Kritik an Autoren sachlich. Die Redaktion/jk)
    Wie in #5 und #6 schon beschrieben, werden hier kalter Kaffee und neue Legenden aufgetischt. Eine Reduzierung des Konflikts auf ein Duell Putin - Saakaschwili ist einfach nur lachhaft - und wichtig nur was fehlt: die amerikanischen Militärberater und die Pipeline. Und die unsägliche Propagandashow die Saakaschwili
    in den deutschen Leitmedien abziehen durfte. Zum abgrundtiefen Schämen.

  6. ... aber vor diesem Artikel wie danach war es mir immer klar. Der einzige Nebel, auch jetzt wieder, ist der Zusatz: es wäre alles so unklar. Was ist unklar?

    Im Artikel werden die jeweiligen Vergehen der Russen und der Georgier aufgezählt. Die Georgier haben auf angebliche Angriffe /Beschuss der Südosseten reagiert, die es laut OSZE-Beobachtern nie gegeben hat - somit ist ihr Eingreifen ein Angreifen; und die Georgier haben mit Massenraketenwerfern innerhalb (sic!) der Stadt auf Gebäude geschossen - somit ist ihre Kriegsführung von hoher Grausamkeit geprägt gewesen. Die Russen haben evtl. (die wahre Zahl wurde auch hier wieder nicht angegeben) mit der Opferzahl übertrieben und ihr Staatschef ist (laut Gefühl des Artikelschreibers) auch ein Böser.
    Aha! Was bleibt unklar? Nur wenn man es nicht verstehen will, versteht man es nicht. Der Agressor liegt deutlich vor uns. Leider ist es nicht Russland.

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  • Quelle DIE ZEIT, 23.12.2008 Nr. 01
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  • Schlagworte Georgien | Kaukasus | Krieg
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