Es duftet zwar nicht nach Zimt und Kardamom. Aber warm wird einem schon ums Herz, wenn es zischt und dampft aus den Waffeleisen der Hostienbäckerei der Dresdner Diakonissen. Eineinhalb Minuten dauert es, bis die Teigplatte fertig gebacken ist. Deutlich sichtbar haben sich darin die 64 Hostienfelder mit den heiligen Symbolen eingebrannt – einem Kruzifix oder einem Lamm Gottes mit der Siegesfahne. Die Platten werden zunächst in einem Raum mit hoher Luftfeuchtigkeit geschoben. So werden sie weich, bevor die Hostienstanze dann Stück für Stück die runden Oblaten aussticht. Anschließend werden die Hostien, zu 500 oder 1.000 Stück, in kleine Versandkartons geschichtet.

»Alles Handarbeit«, sagt Schwester Christine, die Leiterin der größten Hostienbäckerei Mitteldeutschlands. Daran soll sich auch in Zukunft nichts ändern. Denn Hostien sind für die Schwester kein Produkt wie jedes andere. »Ich finde es unmöglich, sich damit Konkurrenz zu machen«, sagt sie. Viel Geld verdienen die Schwestern nicht mit ihrer Bäckerei. »Wir kommen gerade so über die Runden.«

Lange Zeit hielt sich der Wettbewerb um die Oblaten, die sich nach christlichem Glauben während des heiligen Abendmahls den Leib Christi symbolisieren, in engen Grenzen. Die Pfarreien hatten ihre festen Lieferanten, denen sie über Jahrzehnte treu blieben. Doch neuerdings ist Bewegung in die kirchliche Nische gekommen. Weil der Nachwuchs fehlt, müssen immer mehr klostereigene Hostienmanufakturen schließen. Dadurch haben andere Klosterbäckereien, aber auch weltliche Firmen die Chance, neue Aufträge zu ergattern – Marktanteile verschieben sich. Insgesamt gesehen schrumpft das Geschäft. Aufgrund des Priestermangels und der fortschreitenden Säkularisierung der Gesellschaft werden immer häufiger zuvor selbstständige Gemeinden zu Verbünden zusammengelegt. Ein Pfarrer muss dann mehrere Kirchensprengel versorgen, was zwangsläufig dazu führt, dass die Zahl der Messfeiern abnimmt. Und damit auch der Bedarf an Hostien. In den siebziger Jahren stellten die Dresdner Diakonissen 1,6 Millionen Hostien pro Jahr her; heute sind es nur noch rund eine Million. Unterdessen drängt auch Discountware aus dem Ausland auf den Markt. Mit den Billigangeboten können selbst Klosterschwestern, die für »Gotteslohn« arbeiten, nicht mithalten. Und die Dumpingware findet ihre Abnehmer. »Es gibt Gemeinden, die für die Messfeier schon einfaches Weißbrot nehmen, weil ihnen die Hostien zu teuer sind«, sagt Schwester Christine aus Dresden.

»Zum Hostienbacken gehört doch mehr als Geschäftssinn!«

Ja, die Sitten seien rauer geworden, findet auch Magdalena Stasius, Chefin der privaten Opferbrotbäckerei Stasius in Mannheim. Vor zwei Jahren, zum Besuch von Papst Benedikt XVI. in Bayern, zog der kleine Familienbetrieb einen Großauftrag der Erzdiözese München-Freising an Land: 150.000 Hostien für die Papstmesse in München-Riem. Die Jahresproduktion geht in die Millionen. Hostien würden leider mehr und mehr als »Wirtschaftsfaktor« betrachtet, bedauert Frau Stasius. Dabei gehöre zum Hostienbacken doch »mehr als nur Geschäftssinn«.

Derzeit arbeiten nach Schätzungen von Branchenkennern in Deutschland wohl noch etwa 40 Hostienbäckereien. Die meisten befinden sich trotz des Schwundes hinter Klostermauern. Die Abteien finanzieren damit einen Teil ihres Unterhalts. Dazu kommt eine Handvoll privater, nichtkirchlicher Betriebe. Um im härteren Wettbewerb zu überleben, müssen sich die heimischen Hostienbäcker etwas einfallen lassen. Die Firma Hoch im unterfränkischen Bürgstadt, gegründet im Jahre 1793 und in siebter Generation im Familienbesitz, stellt neben Hostien auch gewöhnliche Backoblaten her, mittlerweile sogar in Bioqualität. Außerdem Esspapier, das vor allem bei Kindern sehr beliebt ist. Sein »Fun-Food« kann das Unternehmen nach allen Regeln modernen Marketings bewerben. Eine der neuesten Errungenschaften der Firma Hoch: essbares Ostergras.

Bei Hostien sind die Möglichkeiten für Produktinnovationen naturgemäß begrenzt. Sie unterscheiden sich höchstens in ihrer Größe, ihrer Farbe (weiß oder braun) oder durch ein eingeprägtes Motiv. Aber diese Motivhostien seien nicht mehr sehr gefragt, sagt Schwester Diethild, Leiterin der Hostienbäckerei in der westfälischen Benediktinerinnenabtei Varensell. Um in dem härter gewordenen Wettbewerb bestehen zu können, hat sich Thomas Held, Inhaber der weltlichen Hostienbäckerei St. Johannes in den Räumen des Klosters Vinnenberg im Münsterland, etwas Besonderes einfallen lassen.