Aus DeutschlandAus Frankreich

Er besaß kein Aktien-Portfolio, sondern nur drei Koffer. Er war ein Reisender, ein Unbehauster, Joseph Roth, der scharfsinnige, der tieftraurige, hochironische, der früh gestorbene Roth, er war der vielleicht beste Feuilletonist deutscher Sprache. Dieser kleine Band versammelt eine siebenteilige Reportageserie, die im Winter 1927/28 in der Frankfurter Zeitung erschien. Spaziergänge, Kaufhauserkundungen. Ein Abstieg in eine Kohlengrube. Es sind genaue Beobachtungen, auch der eigenen Empfindung. In allem unerreicht.

Joseph Roth: Briefe aus Deutschland

mit unveröffentlichtem Material sowie einem Nachwort von Ralph Schock; Gollenstein Verlag, Merzig 2008; 185 S., 19,– €

Georg Stefan Troller ist ein Wahlpariser, wie übrigens auch Joseph Roth es war, dem leider versagt blieb, wie Troller Paris-Korrespondent zu werden. Troller jedenfalls ist wie Roth ein Ironiker, aber weniger in Moll gestimmt als dieser. Seine Feuilletons mäandern durch die jahrhundertealten Kulturschichten, die sich an den Ufern der Seine abgelagert haben, Rive Gauche und anderswo. Vom Marais geht es zum Montparnasse oder Palais Royal, vom Tee bei Colette zu den Kronleuchtern, an denen sich Hemmingway wie Tarzan durchs Café schwang. Geschichten und Porträts, eine Verdichtung von Kultur der heiteren Art.

Georg Stefan Troller: Dichter und Bohemiens

Literarische Streifzüge durch Paris; Artemis & Winkler, Düsseldorf 2008; 239 S., 12,90 €

Kritik in kürze: Susanne Mayer

 
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    • Quelle DIE ZEIT, 23.12.2008 Nr. 01
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